Malaysia: Regie­rung will Scharia weiter etablieren – 30 Jahre Haft für „Abfall vom Islam“

In Malaysia wurde eine Geset­zes­no­velle ange­kün­digt, die Christen und andere reli­giöse Minder­heiten stark beun­ru­higt. Die jetzt von der Regie­rung präsen­tierte Beschluss­vor­lage würde der Scharia (isla­mi­sches Recht) erheb­lich mehr Einfluss auf die geltende Recht­spre­chung verschaffen. Das hätte beson­ders für Christen musli­mi­scher Herkunft weit­rei­chende Konsequenzen.
30 Jahre Haft für Abfall vom Islam?

Die vorge­schla­gene Ände­rung mit dem Kürzel RUU355 wurde zuletzt zusammen mit vier neuen Gesetzen und sieben Ände­rungen bestehender Gesetze vom malay­si­schen Minister für reli­giöse Ange­le­gen­heiten ange­kün­digt. Alle zielen darauf ab, die bestehenden Scharia-Gerichte weiter zu stärken.

Mia Hapsah* ist eine lokale Part­nerin von Open Doors und erläu­tert die jüngste Entwick­lung in ihrem Land. Eine Konse­quenz für Christen musli­mi­scher Herkunft wäre, dass sie im Fall einer Verur­tei­lung wegen einer Straftat mit höheren Geld­strafen rechnen müssen. Hapsah verdeut­licht das am Beispiel von »Apost­asie« [Abkehr vom isla­mi­schen Glauben]: »In den meisten Landes­teilen kann Apost­asie bereits mit Geld- und/oder Frei­heits­strafen geahndet werden. In einigen Bundes­staaten ist dafür ein Jahr Gefängnis vorge­sehen. In anderen Staaten sind es zwei Jahre. Aber jetzt, durch RUU355, wird eine maxi­male Haft­zeit von 30 Jahren vorge­schlagen! Es gibt keine Straftat im Geltungs­be­reich der malay­si­schen Scharia, die ein solches Strafmaß recht­fer­tigen könnte!«

Mögli­ches Szenario: Christen unter Scharia-Recht

Zusätz­lich zu den vorge­schla­genen Ände­rungen wird derzeit ein Gesetz zur Kontrolle und Einschrän­kung der Verbrei­tung nicht-musli­mi­scher Reli­gionen erar­beitet. Dadurch werden mögli­cher­weise auch Nicht-Muslime unter das Scharia-Recht gestellt. »Dies hat bei den Nicht-Muslimen weitere Besorgnis ausge­löst, da die Scharia laut Verfas­sung für Nicht-Muslime nicht bindend ist«, erklärt Hapsah.

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3 Kommentare

  1. Soll das nicht korrekt heißen „Abfall des Islams“ oder einfach nur „Abfall Islam“
    Ja, denen könnte man30 – oder gleich 732 Jahre (1 pro Jung­frau) – geben.

  2. Bisher hielt ich Malaysia für einen der wenigen eini­ger­maßen „libe­ralen“ bzw. fort­schritt­li­chen Moslem-Staaten. In den 90er Jahren war ich als Tourist kurz dort und sah weniger Kopf­tü­cher als heut­zu­tage in deut­schen Groß- und Mittel­städten. Aber dort scheinen, ähnlich wie in Indo­ne­sien (siehe Provinz Aceh) die Radi­kalen zuneh­mend Einfluss zu gewinnen. Erschreckend!

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