Muslim­bru­der­schaft jubelt über Sieg der Taliban

Bildquelle: Centro Machiavelli

Von Giovanni Giacalone
 

Afgha­ni­stan ist wieder in der Hand der Taliban, und die Auswir­kungen auf die Bevöl­ke­rung werden, gelinde gesagt, erschre­ckend sein; die Afghanen sind sich dessen sehr wohl bewusst und versu­chen, zu entkommen und nicht in die Hände der Hals­ab­schneider zu geraten, wobei sie sich sogar an die Fahr­werke flie­gender Flug­zeuge anklammern.

Die Taliban-Führer haben bereits das Isla­mi­sche Emirat ausge­rufen, und zu den ersten Gratu­lanten konnte nur die Hamas mit ihrem Führer Ismail Haniyeh gehören, der den Taliban-Führer Abdul Baradar anrief, um seine Genug­tuung über „das Ende der ameri­ka­ni­schen Besat­zung“ auszu­drü­cken und den Wunsch nach „dem Abzug aller Besat­zungs­truppen, einschließ­lich der israe­li­schen in Paläs­tina“ zu äußern.

Moussa Abu Marzouk sprach eben­falls im Namen der Hamas:

Die Taliban gewinnen, nachdem sie der Rück­stän­dig­keit und des Terro­rismus beschul­digt wurden. Sie stellten sich Amerika und seinen Agenten entgegen und weigerten sich, Kompro­misse einzu­gehen. Sie ließen sich nicht von glän­zenden Slogans über „Demo­kratie“ und „Wahlen“ täuschen. Es ist eine Lehre für alle unter­drückten Völker, allen voran das paläs­ti­nen­si­sche Volk.

Der paläs­ti­nen­si­sche Arm der Muslim­bru­der­schaft stellt sich daher auf die Seite des Taliban-Emirats und dessen Anwen­dung der Scharia. Dies ist nicht verwun­der­lich, wenn man bedenkt, dass die Verhand­lungen mit den Taliban in Katar, einem bekannten Unter­stützer der Bruder­schaft, unter der Schirm­herr­schaft ihres geist­li­chen Führers, Yusuf Qara­dawi, statt­fanden. Auf der türki­schen Seite der Bruder­schaft hatte Erdogan bereits am 12. August ange­kün­digt, dass er eine Taliban-Dele­ga­tion empfangen wolle, und kurz zuvor, am 20. Juli, hatte er sogar erklärt, dass „die Taliban sich wohl fühlen sollten, wenn sie mit Ankara spre­chen, da die Türkei nichts hat, was ihren Über­zeu­gungen widerspricht“.

Von nun an wird es also sehr schwierig sein, die „Mäßi­gung“ der Muslim­bru­der­schaft zu unter­stützen, auch nicht, indem man sich hinter eitlen Begriffen wie: „Sie sind ein komplexes Universum“ versteckt, denn die Fakten zeigen etwas anderes.

Man wird jetzt sogar versu­chen, die Taliban zu „entsorgen“, indem man sich auf ein Phantom beruft: „Amnes­tien für die Afghanen, die mit der Koali­tion zusam­men­ge­ar­beitet haben“. Dessen unge­achtet treffen Nach­richten über Haus­durch­su­chungen aus Afgha­ni­stan ein, wenn auch diskret, um die inter­na­tio­nale Gemein­schaft nicht zu sehr zu alar­mieren. Andere spre­chen bereits von einer utopi­schen „natio­nalen Versöh­nung“, die nur von denen gewünscht wird, die die afgha­ni­sche Geschichte nicht kennen, und sogar von der „Errich­tung eines konser­va­tiven, aber nicht funda­men­ta­lis­ti­schen Regimes“.

Sogar der briti­sche Premier­mi­nister Boris Johnson ging so weit zu sagen, dass „die Legi­ti­mität einer künf­tigen Taliban-Regie­rung von der Einhal­tung inter­na­tional verein­barter Stan­dards in Bezug auf Menschen­rechte und Inte­gra­tion abhängen wird“ – glaubt er das wirk­lich? Die Erklä­rung erfolgte nach einem Tele­fonat zwischen Johnson und dem paki­sta­ni­schen Staats­chef Imran Khan, obwohl jeder weiß, dass Paki­stan hinter den Taliban steht. In der Zwischen­zeit ist der Londoner Geheim­dienst jedoch ernst­haft besorgt, dass Afgha­ni­stan erneut zu einem Zufluchtsort für den Dschihad werden könnte.

Giovanni Giaca­lone
Forscher des Machia­velli-Zentrums für poli­ti­sche und stra­te­gi­sche Studien. Abschluss in Sozio­logie (Univer­sität Bologna), Master in „Isla­mi­schen Studien“ (Trinity Saint David Univer­sity of Wales), Spezia­li­sie­rung in „Terro­rismus und Terro­ris­mus­be­kämp­fung“ (Inter­na­tio­nales Institut für Terro­ris­mus­be­kämp­fung in Herz­liya, Israel). Er ist leitender Analyst für die briti­sche isla­mi­sche Theo­logie der Terro­ris­mus­be­kämp­fung (ITCT), das italie­ni­sche Team für Sicher­heit, Terro­ris­mus­fragen und Notfall­ma­nage­ment (Katho­li­sche Univer­sität Mailand) und das Kedisa-Zentrum für inter­na­tio­nale stra­te­gi­sche Analysen. Er ist Dozent im Bereich der Sicher­heit für Sicher­heits­ma­nager, Straf­ver­fol­gungs­be­hörden und Post­gra­du­ier­ten­kurse, war Koor­di­nator für Italien des euro­päi­schen Globsec-Projekts „From crimi­nals to terro­rists and back“ und ist Mitbe­gründer der Sec-Ter- Secu­rity and Terro­rism Obser­va­tion and Analysis Group.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei CENTRO MACHIAVELLI, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


6 Kommentare

  1. Der Unter­gang Europas – Zitat von Präsi­dent Houari Boumé­di­enne aus Algerien:

    „Eines Tages werden Millionen von Männern die südliche Hemi­sphäre verlassen, um in die nörd­liche Hemi­sphäre zu gelangen. Und sie werden nicht als Freunde dorthin gehen. Sie werden dort viel­mehr eindringen, um diese Länder in Besitz zu nehmen. Und sie werden diese mit ihren Söhnen erobern. Die Gebär­mutter unserer Frauen werden uns den Sieg geben.“ — 

    Houari Boume­di­enne

    Quelle: beruhmte-zitate.de/autoren/houari-boumedienne/
    www.mgb-home.de/Der-Untergang.html

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  2. Zusätz­lich zu dem, was die Amis für den „Sieg der Taliban“ gelo­ckert haben, hat der ehren­werte Herr Maaß heute noch einmal 100 Millionen Euro locker­ge­macht. Für die rest­li­chen Deut­schen, die noch in A. sind. www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/nach-verhandlungen-mit-den-taliban-deutschland-zahlt-100-millionen-euro/ Klar jubeln da die Talis, das ist ja über 1 Million Löse­geld pro Nase. Wenn man die deut­schen Flut­opfer dagegen stellt, die nur 200 gekriegt haben, ist das schon eine gute Haus­nummer, wo es sich zu jubeln lohnt.

    10
    • Raus­ge­kommen ist die Löse­geld­zah­lung übri­gens nur, wei die Taliban das gestern Nacht getwit­tert haben.

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