Nadwar: Ein ungarn­deut­sches Dorf in der Batschka

Die Kirche von Nadwar/Nemesnádudvar

Das Dorf Nadwar (ung. Nemes­ná­dudvar) liegt im südli­chen Teil Ungarns, im Komitat Batsch-Klein­ku­ma­nien (ung. Bács-Kiskun). Nadwar hat 1828 Einwohner; davon bekennen sich 41,52% als Ungarn­deut­sche bzw. „Donau­schwaben“.

Die deut­sche Geschichte des Dorfes begann nach den Türken­kriegen, als 1724 die ersten deut­schen Zuwan­derer eintrafen, nämlich 25 Fami­lien aus Neibs­heim (in der Nähe von Karls­ruhe). Die Ansiedler kamen mit der soge­nannten „Ulmer Schachtel“ (s. Wappen unten) aus Ulm bis Wien, doch ab Wien mussten Sie mit dem Wagen oder zu Fuß nach Nadwar weiter­ziehen. Dieser Ansied­lungs­pro­zess dauerte bis 1787.

1848–49 kämpften 123 Nadwarer für die Frei­heit Ungarns gegen die Habs­burger; über ihren Verbleib nach der unga­ri­schen Nieder­lage gibt es leider keine Kunde. Im ersten Welt­krieg sind 72 Nadwarer Soldaten für die neue Heimat gefallen.

Weitere Schick­sals­schläge trafen die Nadwarer Bevöl­ke­rung während des zweiten Welt­kriegs. Nach der „Befreiung” des Dorfes durch die Rote Armee wurden 180 Männer und Frauen in die Sowjet­union, und zwar in das Donetsker Kohlen­berg­werk, zur Zwangs­ar­beit depor­tiert; man sprach zynisch von „Malenkij Robot” („kleiner Arbeit“). Von ihnen kamen nur 66 in die Heimat zurück. Gleich nach dem Krieg begann in Ungarn die Vertrei­bung der Volks­deut­schen: im August 1947 wurden 80 Nadwarer Fami­lien nach Deutsch­land vertrieben. Die Häuser der Deut­schen wurden den aus der Slowakei und aus Serbien vertrie­benen Ungarn über­geben.

Trotz dieser trau­rigen Geschichte gibt es in Nadwar eine lebende ungarn­deut­sche Gemein­schaft. Auch das Wappen des Dorfen belegt noch deut­lich die Symbole der Ungarn­deut­schen:800px-nemesnadudvar

Ende September findet in Nadwar das Wein­fest statt. Nadwar war seit jeher bekannt für seine Weine von hoher Qualität…

Im Anschluss eine kleine Führung durch das Dorf Nadwar anhand aktu­eller Bilder:

(Alle Fotos © privat – Weiter­nut­zung nur mit schrift­li­cher Geneh­mi­gung der Redak­tion)

14686587_10202180037977909_1377414718_n

In der Mitte des Dorfes steht die 200 Jahre alte katho­li­sche Kirche.

14657735_10202180038297917_53041018_n

Neben der Kirche steht das Denkmal für die Ansied­lung und die spätere Vertrei­bung der Ungarn­deut­schen.

14694821_10202180038057911_918022202_n

Auf dem Friedhof finden sich noch sehr viele alte deut­sche Grab­steine aus dem 18.–19. Jahr­hun­dert.

14694774_10202180038377919_2056952374_n

Anlä­ass­lich des die ganze Nacht andau­ernden „Schwa­ben­balls“ wird alljähr­lich ein Kultur­pro­gramm geboten, bei dem u.a. mehrere ungarn­deut­sche Tanz­gruppen auftreten.

Und nicht zuletzt: In Nadwar gibt es etliche Wein­keller zu kaufen! Wenn sich einer unserer Leser dafür inter­es­siert, stellen wir gerne Kontakte her; bitte dies­falls um kurze Nach­richt an unser-​mitteleuropa@​protonmail.​com

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here