Neokom­mu­nismus made in Davos

Klaus Schwab, der Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums · Foto: World Economic Forum / Remy Steinegger
Die 1938 gegrün­dete Magyar Nemzet (dt. „Unga­ri­sche Nation“) ist die größte Tages­zei­tung Ungarns und steht der Regie­rung von Viktor Orbán nahe. 

 

Während die Libe­ralen – entweder ordnungs­gemäß bezahlt oder einfach nur Idioten, die über­haupt nichts verstehen – verzwei­felt weiter versu­chen, die Öffent­lich­keit davon zu über­zeugen, dass es so etwas wie einen tiefen Staat oder okkulte Macht gar nicht gibt, hat eine okkulte Macht aus Fleisch und Blut 2020 beschlossen, ihre Stra­tegie zu ändern, um in voller Sicht der Welt­öf­fent­lich­keit ins Rampen­licht zu kommen.

Klaus Schwab, der Gründer und Vorsit­zender des Welt­wirt­schafts­fo­rums (WEF), hat auf dem Gipfel in Davos im Mai 2020 gemeinsam mit Prinz Charles den Grossen Umbruch (Great Reset) ausge­rufen, der nicht mehr und nicht weniger ist als die Umstruk­tu­rie­rung der Spiel­re­geln der Welt auf einer neuen Basis. Ihnen zufolge trägt der Kapi­ta­lismus in seiner gegen­wär­tigen Form nicht zum Wohle der Mensch­heit bei, was bedeutet, dass wir die Schaf­fung eines neuen Kapi­ta­lismus brau­chen, der in der Lage sei, die Umwelt zu schützen und soziale Ungleich­heiten zu verringern.

Der Grosse Umbruch soll in der Post-Pandemie-Ära eine neue Welt­ord­nung etablieren, die den poli­ti­schen, ideo­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Zusam­men­halt einer natio­nal­staa­ten­freien Welt garan­tiert. Was auf den ersten Blick aus ihren Aussagen hervor­geht, ist, dass die Pläne von Schwab und seiner Bande uns gewaltsam zu dem von Marx und Engels erträumten Welt­kom­mu­nismus zurück­bringen, und zwar unter der Herr­schaft einer Art trans­na­tio­naler Global Gover­nance. (Ein Kommu­nismus, den selbst sie nicht mehr „Diktatur des Prole­ta­riats“ zu nennen wagen, da es wohl schwierig ist, die Mitglieder dieser Welt­elite – von, sagen wir, der Roth­schild-Familie bis zu Bill Gates – als Prole­ta­rier zu bezeichnen; ande­rer­seits, voraus­ge­setzt, wir ersetzen das Wort „prole­ta­risch“ durch das Wort „elitär“, wobei wir „Diktatur“ beibe­halten, sind wir dem Wesen des Projekts schon sehr nahe).

Die okkulte Macht beschloss daher, Farbe zu bekennen und damit zur sicht­baren Macht zu werden. Alles, was bisher von den Kory­phäen der Main­stream-Presse, die damit beauf­tragt sind, uns im Gebrauch der poli­tisch korrekten Sprache umzu­er­ziehen, als para­no­ides Deli­rium bezeichnet wurde, all das ist jetzt in der Formu­lie­rung dieser Herren selbst, dieser sehr großen Herren mit sehr großen Ambi­tionen, im Vorder­grund sichtbar, lesbar und hörbar. Die Kory­phäen werden uns natür­lich weiterhin laut­stark erklären, dass die Worte von Schwab und seiner Bande der Inbe­griff phil­an­thro­pi­schen Wohl­wol­lens sind, aber die bloße Tatsache, dass die besagten Kory­phäen alle mate­riell mit dem Netz­werk des Grossen Umbruchs verbunden sind, sollte ausrei­chen, um jeden davon zu über­zeugen, ihren Mantras keine Beach­tung zu schenken.

Viel besser wäre es, die Aufmerk­sam­keit auf die wahre Bedeu­tung der Über­le­gungen von Klaus Schwab – wie er sie in den seither veröf­fent­lichten Inter­views immer wieder verfolgt – zu dieser neuen „trans­hu­manen“ Welt­ord­nung zu lenken, die er uns als Ziel vorgibt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Welt­elite hat sich als über­ge­ord­netes Ziel das Verschwinden der Nationen und Natio­nal­staaten und die Schaf­fung einer Global Gover­nance als umfas­sendes System zur Rege­lung aller Lebens­be­reiche gesetzt, in dem – zumin­dest nach ihrer Auffas­sung – die großen globalen Probleme wie soziale Ungleich­heit, Klima­wandel, nicht nach­hal­tiges Wachstum, Migra­tion etc. gelöst oder zumin­dest bewäl­tigt werden können, so dass ein harmo­ni­sches Zusam­men­leben der Menschen auf der Welt möglich wird.

Natür­lich hat sich die Welt­elite schon lange darauf vorbe­reitet: Promi­nente Persön­lich­keiten spre­chen seit Jahr­zehnten davon. Der ehema­lige US-Außen­mi­nister und Berater Henry Kissinger, dessen Vorle­sungen Klaus Schwab vor fünfzig Jahren in Harvard besuchte, erklärte bereits in den 70er und 80er Jahren, dass nach der Globa­li­sie­rung des Marktes auch die Politik globa­li­siert werden müsse. Brze­zinski, ein ehema­liger leitender natio­naler Sicher­heits­be­rater, sprach vom Ende der souve­ränen Staaten, während David Rocke­feller von der Notwen­dig­keit einer Welt­re­gie­rung sprach und George Bush Sr. in einer Rede 1990 bereits die Neue Welt­ord­nung prokla­mierte. Das sind die Autoren dieser „Verschwö­rungs­theo­rien“, die man nicht ernst nehmen sollte.

Erstens geht aus den bishe­rigen Äuße­rungen Schwabs – einschließ­lich seines gemeinsam mit Thierry Malleret verfassten und im Juli 2020 erschie­nenen Buches Der Grosse Umbruch – hervor, dass er mit Global Gover­nance eine Art komplexes System neuer Art meint, das seine Legi­ti­ma­tion aus der Beob­ach­tung bezieht, dass weder die Zivil­ge­sell­schaft, noch der Markt, noch die Regie­rungen isoliert in der Lage sind, unseren Sorgen ein Ende zu setzen. Deshalb sehen sie die Lösung darin, dass Unter­nehmen und Regie­rungen „effektiv mitein­ander kommu­ni­zieren“. Meiner Meinung nach ist die einzig mögliche Inter­pre­ta­tion dieses Jargons, dass die Führer des globa­li­sierten Marktes den Natio­nal­staaten Schritt für Schritt die „harte Arbeit“ des Regie­rens abnehmen und für sie erle­digen müssen.

Zwei­tens: Wenn man sich die Führungs­riege dieses WEF unter dem Vorsitz des 83-jährigen Schwab ansieht, sind die reichsten Unter­nehmen der Welt und die einfluss­reichsten Dollar-Milli­ar­däre vertreten: die CEOs von Black­rock und Black­stone, der Direktor der Invest­ment­gruppe Carlyle David Rubin­stein, Chinas reichster Mann Jack Ma, aber auch – nicht zuletzt – die Präsi­denten der UN, des IWF und der EZB. Es steht daher außer Zweifel, dass das Welt­wirt­schafts­forum (um das Voka­bular von Albert-László Bara­bási zu verwenden) einen Knoten­punkt von großer Bedeu­tung im Netz­werk der Welt­elite darstellt, der jedoch auch sehr eng mit anderen Knoten­punkten zusam­men­ar­beitet, wie dem Council of Foreign Rela­tions (CFR) oder der Bilder­berg-Gruppe – was ich versuche zu vermit­teln, ist, dass das tita­ni­sche Projekt des Großen Umbruchs nicht nur das persön­liche Stecken­pferd von Klaus Schwab und seinen Mitar­bei­tern ist, sondern dass es logi­scher­weise das Ergebnis eines konti­nu­ier­li­chen Bera­tungs- und Geneh­mi­gungs­pro­zesses gewesen sein muss – oder, wenn Sie so wollen : der Zustimmung.

Aber kommen wir zu dieser post­na­tio­nalen und trans­na­tio­nalen Gover­nance zurück. Ihre Texte und Äuße­rungen zeigen, dass sie in der Tat in Begriffen einer komplexen globalen poli­ti­schen Ordnung denken, die aus dem Zusam­men­schluss von tradi­tio­nellen Regie­rungen und den Prot­ago­nisten des globalen Marktes, flan­kiert von einigen wenigen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteuren, entstanden ist. Die insti­tu­tio­nellen und funk­tio­nellen Trenn­li­nien, die diese verschie­denen Pole bisher getrennt haben, würden verwäs­sert, es entstünde eine Art einheit­liche Führung, eine einzige Macht – natür­lich im Inter­esse der Ziele des „Huma­nismus“, des Wohl­be­fin­dens, der Gesund­heit und des Frie­dens in der Welt. Wenn man versucht, sich ein etwas genaueres Bild zu machen, kann ich sofort erkennen, dass diese Titanen beschlossen haben, die Demo­kratie durch eine einheit­liche Führung zu ersetzen, der Tech­no­kratie den Vorrang vor Wahlen und gewählten Poli­ti­kern zu geben und die Trans­pa­renz einer für den einfa­chen Mann unver­ständ­li­chen „Exper­tise“ unterzuordnen.

Drit­tens ist anzu­merken, dass Schwab auf der Inter­net­seite Project Syndi­cate (die zufällig eine elek­tro­ni­sche Publi­ka­tion ist, die George Soros gehört) auf der Idee beharrt, dass die Umset­zung des Großen Umbruchs nicht die Defi­ni­tion einer neuen Ideo­logie erfor­dert, sondern dass es ausreicht, „einfach prag­ma­ti­sche Schritte zum Aufbau einer wider­stands­fä­hi­geren, geein­teren und nach­hal­ti­geren Welt zu unter­nehmen“. In meiner Inter­pre­ta­tion bedeutet dies, dass sie nicht glauben, dass sie eine andere Ideo­logie als den guten alten Neoli­be­ra­lismus, sondern nur eine „neue Welle“, eine sozial-kommu­nis­ti­sche (oder genauer gesagt : neokom­mu­nis­ti­sche), von letz­terem, d.h. die Schaf­fung eines kommu­nis­ti­schen Libe­ra­lismus brau­chen (an diesem Punkt der Über­le­gung könnten wir Ungarn uns an den armen Attila József erin­nern, unseren großen Dichter, der 1936 schrieb: „Du kannst [deinem Kind] ein neues Wiegen­lied singen / Das Wiegen­lied des faschis­ti­schen Kommu­nismus“). Und nach der univer­sellen und obli­ga­to­ri­schen Akzep­tanz des sozi­al­kom­mu­nis­ti­schen Libe­ra­lismus bleibt nur noch das Manage­ment von Problemen und tech­nisch-tech­no­lo­gisch-ökolo­gi­schen Krisen übrig, also ein Prag­ma­tismus, den man auch als Wieder­auf­wär­mung der These vom „Ende der Geschichte“ betrachten könnte, die einem gewissen Fuku­yama den – inzwi­schen etwas geschrumpften – Ruhm einbrachte. Siehe auch Marx, dessen Idee des Kommu­nismus war, dass die Probleme der Welt eines Tages gelöst sein würden, wonach jeder gemäß seinen Bedürf­nissen erhalten würde, und sich der Jagd und dem Fisch­fang widmen würde, oder, wenn er wollte, in der Kritik tätig werden würde. Alle werden gleich sein, und alle werden glück­lich sein.

Vier­tens. Unter den Zielen der Welt­elite, so die Schwab-Formeln, spielt die Idee, dass sich der Status des Menschen verän­dern muss, um sich dem Zeit­alter der Digi­ta­li­sie­rung, Robo­ti­sie­rung und Künst­li­chen Intel­li­genz anzu­passen, eine grund­le­gende Rolle. Bereits 2016 schrieb Schwab in seinem der vierten indus­tri­ellen Revo­lu­tion gewid­meten Werk, dass die von den neuen Tech­no­lo­gie­riesen entwi­ckelten Tech­niken es den Regie­rungen ermög­li­chen werden, in den – bisher privaten – Raum unserer Köpfe einzu­dringen, unsere Gedanken zu lesen und unser Verhalten zu beein­flussen, wodurch wir zu einem inte­gralen Bestand­teil der physi­schen Welt werden. „Heutige externe Geräte, von Laptops bis zu Virtual-Reality-Head­sets, werden mit ziem­li­cher Sicher­heit in unsere Körper und Gehirne implan­tierbar werden“. Schwab schluss­fol­gert: „Was die vierte indus­tri­elle Revo­lu­tion mit sich bringt, ist die Verschmel­zung unserer physi­schen, digi­talen und biolo­gi­schen Identitäten.“

Hier ist also ein echter Verschwö­rungs­theo­re­tiker: Klaus Schwab. Leider nein, er ist kein Verschwö­rungs­theo­re­tiker, sondern ein Verschwörer. Denkt mal einen Moment nach, Libe­rale! Um aber zwei­fels­frei zu zeigen, dass das Ziel tatsäch­lich die beste aller (neokom­mu­nis­ti­schen) Welten ist, zitiere ich die Sprüche aus einem Werbe­spot, der eigens vom Welt­wirt­schafts­forum in Auftrag gegeben wurde – oder zumin­dest einige Perlen aus diesen Sprüchen:

Seit 2030: „Hallo! Ich habe nichts, ich habe keine Privat­sphäre, und das Leben war noch nie besser!“; „Du wirst nichts besitzen und du wirst glück­li­cher sein.“; „Was immer su brauchst, wirst du es mieten. Und Drohnen liefern es zu dir.“ „Millionen von Menschen werden aufgrund des Klima­wan­dels migrieren.“ „Wir werden die Flücht­linge besser aufnehmen und inte­grieren müssen.“ Und so weiter und so fort.

Diese Titanen wollen unser Wohl. Deshalb haben wir den besten Grund der Welt, Angst zu haben, um endlich aufzuwachen!

Fricz Tamás
Poli­tik­wis­sen­schaftler, Forscher beim Zentrum für Grund­rechte (Alap­jo­go­kért Központ)

 

Dieser Beitrag erschien am 28. Februar 2021 in der MAGYAR NEMZET und in deut­scher Sprache zuerst bei der VISEGRÁD POST, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


2 Kommentare

  1. „Wer die Menschen verwirrt, wer Sie ohne Grund in Unsi­cher­heit, Aufre­gung und Furcht versetzt, betreibt das Werk des Teufels.„ ( FJ Strauß )

  2. Herr Schwab hat zu lange in der Hare Krishna-Bewe­gung rumge­hangen und John Lennons Imagine zu ernst genommen. Der Marxismus wurde im letzten Jahr­hun­dert 44 Mal versucht und brachte nur Hunger und Armut. TheGrea­t­Reset ist nichts anderes als ein Asset Grab und eine Entvöl­ke­rung über impfung. KI und Robo­ti­sie­rung sind eine große Über­trei­bung. Schauen Sie sich nur selbst­fah­rende Tesla-Autos an. Die fahren nicht selbst.

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