Neuord­nung des Balkans?

Durch eine Neuzie­hung der Grenzen auf dem Balkan könnte die Büchse der Pandora geöffnet werden

Zoltán Kottász

- Die Neuzie­hung der Grenzen des West­bal­kans würde von den Groß­mächten sicher­lich nicht unter­stützt werden, da dies die Büchse der Pandora öffnen würde. Tibor Ördögh, Assis­tenz­pro­fessor an der Natio­nalen Univer­sität für den Öffent­li­chen Dienst, reagierte auf die Nach­richt in der Presse, dass Slowe­nien, das ab Juli die EU-Rats­prä­si­dent­schaft inne­haben wird, einen Gebiets­tausch auf dem West­balkan vorge­schlagen hat.

Ein in der slowe­ni­schen Presse veröf­fent­lichtes „inof­fi­zi­elles“ Doku­ment der slowe­ni­schen Regie­rung – angeb­lich von Premier­mi­nister Janez Janša an den Präsi­denten des Euro­päi­schen Rates, Charles Michel, Anfang des Jahres geschickt – schlägt vor, die Grenzen in der Region neu zu ziehen, und argu­men­tiert, dass ohne eine Lösung der ausste­henden ethni­schen und terri­to­rialen Strei­tig­keiten die EU-Inte­gra­tion der Länder in der Region ein Traum bleiben wird. Nach ihrem Vorschlag könnte sich der von Alba­nern bewohnte Kosovo an Alba­nien und die Repu­blika Srpska an Serbien anschließen. – 95% der Bevöl­ke­rung des Kosovo wollen die Verei­ni­gung mit Alba­nien. Ähnlich ist die Situa­tion in Alba­nien. Und es gibt de facto keine Grenze zwischen den beiden, so wird betont.

Die von Kroaten bewohnten bosni­schen Gebiete würden an Kroa­tien ange­glie­dert, was der bosni­schen Bevöl­ke­rung die Möglich­keit gäbe, selbst zu entscheiden, ob sie der EU oder der Türkei beitreten will, die unter der musli­mi­schen Bevöl­ke­rung immer mehr an Einfluss gewinnt. Bosnien hat insge­samt fünf Präsi­denten, 14 Parla­mente und 136 Minister – das Dayton-Abkommen von 1995, das den Krieg been­dete, been­dete zwar den bewaff­neten Konflikt, ließ das ethnisch geteilte Land aber unregierbar.

Janez Janša hat kürz­lich abge­stritten, dass es einen slowe­ni­schen Plan gibt, aber Sara­jevo hat einen formellen Protest bei Ljub­l­jana einge­legt. Zagreb erklärte, dass es das inter­na­tio­nale Recht respektiere.

Letzte Woche nannte der russi­sche Außen­mi­nister Sergej Lawrow den Vorschlag für Grenz­än­de­rungen ein gefähr­li­ches Spiel und sagte, dass der einzige Weg zur Beile­gung der Diffe­renzen zwischen Serbien und seiner ehema­ligen südli­chen Provinz Kosovo der Dialog sei. Ein von der EU vermit­telter Dialog über die Rege­lung der Bezie­hungen zwischen Serbien und dem Kosovo, das sich 2008 einseitig von Serbien abspal­tete, begann 2013, aber es wurden keine nennens­werten Fort­schritte erzielt.

- Ich kann der Verei­ni­gung von Kosovo und Alba­nien nicht zustimmen und ich respek­tiere die terri­to­riale Souve­rä­nität von Bosnien und Herze­go­wina. Frieden und Stabi­lität sind unsere Priorität

- sagte der serbi­sche Präsi­dent Alek­sandar Vucic kürzlich.

Die Idee eines Gebiets­tau­sches wurde schon vor Jahren disku­tiert: Die drei über­wie­gend serbi­schen Bezirke des nörd­li­chen Kosovo wären an Serbien abge­treten worden, und die drei über­wie­gend alba­ni­schen Bezirke des Presevo-Tals in Südser­bien wären an den Kosovo über­tragen worden. Die deut­sche Bundes­kanz­lerin Angela Merkel sagte damals, dass die Grenzen unan­tastbar seien.

Quelle: Magyar Nemzet


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