Őrvidék, das heutige Burgenland

Bildquelle: MTA

Von István Heinrich
 

Das schöne Land, wo Störche im Tief­flug im Natio­nal­park und Welt­erbe Neusiedler See (Fertő-tó) zu sehen sind, wo Haydn-Kirche und Ester­házy-Schlösser, aber auch Türken­türme, Ritter­burgen zu finden sind, alles worüber Land­be­wohner und Touristen sich begeis­tern,  heißt heute Burgen­land und nicht mehr Őrvidék. Es ist eine kuriose oder viel­mehr trau­rige Eigen­tüm­lich­keit des Trianon-Diktats, dass sogar der Kriegs­ver­lierer Öster­reich durch das Frie­dens­diktat von Trianon ein ansehn­li­ches Stück Land von Ungarn erhielt.

Worüber viele unserer öster­rei­chi­schen Nach­barn mit Freude so spre­chen, es sei seit hundert Jahren ihr Land, das war eigent­lich über Jahr­hun­derte das Gebiet der magya­ri­schen Grenz­wächter, Grenz­be­ob­achter und Grenz­schützer. Die heutigen Orts­namen mit der Endung „wart” belegen das. Oberwart/FelsőőrUnterwart/AlsóőrSiget in der Wart /Őrsziget weisen noch auf die Sied­lung­räume der „Grenz­warte” hin, während  Orts­namen wie Oberschützen/FelsőlövőUnterschützen/Alsólövő, jenen Raum markieren, in denen die Grenz­shüter lebten. Die Grenz­wäch­ter­sied­lungen konnten sich über Jahr­hun­derte halten, die Bewohner genossen bis 1848 könig­liche Privilegien.

Die wirt­schaft­liche Entwick­lung im 19. und 20. Jahr­hun­dert führte zum Entstehen eines aufstre­benden Bürger­tums. Dieses war in der Haupt­sache unga­risch. Der Ausgleich 1867 führte zu einem Aufschwung  der Zahl der Ungarn. Neben den tradi­tio­nell unga­risch­spre­chenden Gemeinden Oberpullendorf/FelsöpulyaMitterpullendorf/KözéppulyaOberwart/FelsőőrSiget in der Wart/Őrsziget und Unterwart/Alsóőr,  wiesen insbe­son­dere die Gemeinden Bruckneudorf/Királyhida und Güssing/Németújvár sehr hohe Anteile magya­ri­scher Bevöl­ke­rung  auf (über 50 %).

Die Folgen des Trianon-Diktats stellten alles auf den Kopf. Die Verän­de­rungen sind darauf zurück­zu­führen, dass viele magya­ri­sche Beamten, Mili­tärs den neuen Staat Öster­reich verlassen  haben.  Es gab immerhin noch genü­gend unga­rischs­spra­chige oder gemischt­spra­chige Schulen im Bundes­land. Es gehörte regel­recht  zum guten Ton der Intel­li­genz­schicht, sich zur unga­ri­schen Kultur zu bekennen.

Diese Aner­ken­nung der unga­ri­schen Kultur kam nicht von unge­fähr. Die unga­ri­schen Fürsten, allen voran dieje­nigen der Familie Ester­házy brachten schon vor 350 Jahren Kunst und Kultur ins Burgen­land. Auch im 21. Jahr­hun­dert fördert die Unter­neh­mer­fa­milie das regio­nale Kultur­leben. Ohne Ester­házys scheint im Burgen­land gar nichts zu gehen. Schloss Ester­házy in Eisenstadt/Kismarton und die Burgen Forchtenstein/Fraknó und Lockenhaus/Léka sind nur einige der Besit­zungen jenes alten Ades­ls­ge­schlechts, das nicht nur die Vergan­gen­heit des Landes pflegte, sondern auch die Gegen­wart tatkräftig mitgestaltet.

Untrennbar mit dem Fürs­ten­haus verbunden ist Josef Haydn, der 30 Jahre lang als Kapell­meister einen Groß­teil seiner Werke seines fürst­li­chen Arbeit­ge­bers kompo­nierte. Mozart konzer­tierte mehr­mals bei seinem Gönner Graf Johann Ester­házy in Wien. Und auch die Karriere Franz Liszts, der im übrigen auch aus Burgen­land stammte, begann seine Karriere im Eisen­städter Schloss. Dort begeis­terte er 1819 im Alter von neun Jahren eine kleine Runde von Kunst­freunden mit seinem virtuosen Klavierspiel.

Zurück zur Gegen­wart. – Vergli­chen mit meinen unga­ri­schen  Lands­leuten in den Folge­staaten, die nach dem Ersten und Zweiten Welt­krieg entstanden, genießen meine Freunde und Bekannten in Öster­reich, ähnlich wie in den anderen west­li­chen Ländern Vorzüge, vor allem was ihr mate­ri­elles Wohl­ergehen betrifft. Manchmal sinne ich aber darüber nach, ob das viel­leicht zutrifft, dass ein Groß­teil von ihnen relativ schnell  assi­mi­liert wird, und ihre Nach­kommen nach zwei oder drei Genera­tionen ihren Ursprung nur als ein Kuriosum in einem plet­schernden Gespräch erwähnen?

Der Autor, Prof. Dr. István Hein­rich, ist Agrar­ökonom i.R.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei UNGARNREAL, unserem Partnber in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


1 Kommentar

  1. Der Artikel ist unga­risch-chau­vi­nis­ti­scher Schund. Das Burgen­land ist urdeutsch und war schon deutsch besie­delt, ehe es noch die Ungarn in Panno­nien ange­kommen sind. Die unga­ri­schen Bevöl­ke­rungs­mehr­heiten exis­tiren nur in den Träumen des Autors. Das Burgen­land feiert heuer die Hundert­jäh­rige Zuge­hö­rig­keit zu Öster­reich. Aber auch im Jahr 1921 ging das Gebiet um Öden­burg verloren, nach einen gewal­tigen, schänd­li­chen Abstim­mungs­be­trug der Ungarn, siehe hier:
    heimatrecht.wordpress.com/2011/12/16/oedenburg/

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