„Post­ko­lo­niales schlechtes Gewissen“ wegen Völker­schau: Hagen­beck im Visier der nimmer­müden Weltverbesserer

Eine Volkerschau des deutschen Tierhandlers und Zoodirektors Carl Hagenbeck, Deutschland 1930er Jahre. A human zoo exhibition of the German animal merchant and zoo director Carl Hagenbeck, Germany 1930s. (Eine Volkerschau des deutschen Tierhandler

Aus dem glei­chen Grund aus dem Völker­scharen von Wirt­schafts­flücht­lingen in Europa mit lapi­darem „wir schaffen“ das, ohne zu fragen ob wir das auch wollen, Aufnahme finden, erzürnen sich wieder einmal Einige ob des soge­nannten „kolo­nialen Erbes“ und einer, nach deren Meinung höchst über­fäl­ligen Aufar­bei­tung Desselbigen.

Völker­schauen am Pranger

Vom Ende des 19. Jahr­hun­derts bis etwa in die vier­ziger Jahre des 20. Jahr­hun­derts war es welt­weit üblich indi­gene Völker aus der ganzen Welt in soge­nannten Völker­schauen einem stau­nenden Publikum zu präsen­tieren. Hierbei zeigte man nicht nur die Menschen an sich in ihrer „Anders­ar­tig­keit“, sondern viel­mehr auch deren Lebens­weise, Sitten und Gebräuche.
Heute würde das wohl eher als multi­kul­tu­relles Event gewertet werden, denn als rassis­ti­sches Verbre­chen. Andre Zeiten andre Sitten.

Damit lässt dies wohl am neutralsten betrachten. In Zeiten da es weder Fern­sehen und schon gar kein Internet gab, ließ man die Menschen an „der großen weiten Welt“ teil­haben. Der Umgang mit indi­genen Völkern war zwei­fellos damals ein anderer. Jedoch möge man sich auf Seiten der laut brül­lenden Gutmen­schen­riege die Mühe machen all dies aus der Zeit heraus zu betrachten.

Waren derar­tige „Events“ zur dama­ligen Zeit eben auch ein welt­weites Phänomen. Amerikas „Natio­nal­held“ Buffalo Bill tourte jahre­lang mit derar­tigen Schauen um die ganze Welt.
Nichts ist wohl übler und fehl­ge­lei­teter als die Historie mit den Augen der Gegen­wart zu bewerten.

Völker­schau: Hamburger Tier­park Hagen­beck in „Erklä­rungsnot“

So gehörten derar­tige Völker­schauen auch zum Programm Hagen­becks in Hamburg. Im Zuge von altbe­kannten und wieder einmal aufge­flammten, von Amerika auf uns über­schwap­penden Protesten gegen Rassismus, erei­fern sich die Euro­päer nun viel­mehr dies noch auszu­weiten. Es entflammt eine Debatte über den Umgang mit Statuten der Kolo­ni­al­zeit bis hin zu eben­falls alt bekannten Diskus­sionen über Straßennamen.

Da diese Völker­schauen zur dama­ligen Zeit ein äußerst lukra­tives Geschäft waren – man brachte man die große weite Welt ganz nah zu den Besu­chern – liegt es nun wohl auf der Hand, dass mit diesem Argu­ment auch Nach­fahren der damals „zur Schau gestellten Völker“ ein gutes Geschäft mit dem herbei­ge­re­deten schlechten Gewissen der Euro­päer wittern und daraus Kapital schlagen wollen.

Fran­zö­si­scher Fußball-Star als Ankläger

Chris­tian Karembeu, Welt­meister 1998 mit der fran­zö­si­schen Fußball-Natio­nal­mann­schaft wird in dieser Geschichte medial in den Vorder­grund geschoben. Angeb­lich hatte er bereits vor acht Jahren im Zusam­men­hang mit Völker­schauen auf das Schicksal seines Urgroß­va­ters aufmerksam gemacht.
Karembeu, selbst 1970 im fran­zö­si­schen Über­see­ter­ri­to­rium Neuka­le­do­nien geboren, erzählt die Geschichte seines Urgroß­va­ters, der in einer dieser Völker­schauen Hagen­becks „ausge­stellt“ wurde, gegen­über NDR „Panorama3“.

Was im Zuge dieses Inter­views aller­dings erstaun­lich anmutet ist die Aussage Karembeus:

„sein Urgroß­vater hätte zu Lebzeiten stets ganz stolz davon gespro­chen in Europa als großer Häupt­ling gezeigt worden zu sein“.

Nun nach Trauma klingt das wohl nicht, wohl eher nach dem dring­li­chen Verlangen eines pensio­nierten Fußball­stars mediale Aufmerk­sam­keit zu erhaschen.

Geschichts­auf­ar­bei­tung gefordert

Hagen­beck solle in jedem Fall Geschichts­auf­ar­bei­tung betreiben werde von Seiten der „globalen Wieder­gut­ma­cher“ laut­stark gefordert.

In einer Stel­lung­nahme des Tier­park-Geschäfts­füh­rers Dirk Albrecht heißt es dazu in einer schrift­li­chen Stellungnahme:

„Der Tier­park werde sich aktiv an der Aktua­li­sie­rung der schon bestehenden Infor­ma­tionen zu diesem Thema betei­ligen und sei bereits im Gespräch mit der Kultur­be­hörde zur Aufar­bei­tung des kolo­nialen Erbes“.

Weiters wird Seitens des Tier­parks auf eine Zusam­men­ar­beit mit der Stadt Hamburg zur „Deko­lo­nia­li­sie­rung“ der Stadt, verwiesen. Ein wenig sprachlos macht uns das dann wohl, dass es bereits so weit gekommen ist, in Europa ganze Städte auf Zuruf und im Kiel­wasser globaler Trends „deko­lo­nia­li­sieren“ zu müssen.

2 Kommentare

  1. Hier wäre etwas aufzu­ar­beiten, aber die Ameri­kaner kämen nie auf die Idee, sich dafür zu entschul­digen, oder? Wenn ich Zeit habe, werde ich nach 2011 weiter schreiben.
    1946 Bolivien
    1947 Griechenland
    1948 Israel
    1950 – 53 Korea
    1953 Persien (Iran)
    1954 Guatemala
    1956 Ägypten
    1957 – 58 Libanon
    1958 China Taiwan
    1959 – 64 Kuba
    1960 – 70 Laos
    1963 – 65 Dom. Republik
    1964 – 75 Vietnam
    1964 Brasilien
    1964 – 82 Bolivien
    1965 Indonesien
    1965 – 70 Kambodscha
    1970 Jordanien
    1971 Bangladesch
    1973 Chile
    1975 Peru
    1975 Osttimor
    1976 Angola
    1976 Argentinien
    1979 – 96 El Salvador
    1981 Nicaragua
    1982 Argentinien
    1983 Libanon
    1980 Iran
    1981 Panama
    1981 Afghanistan
    1982 ‑83 Irak
    1986 Libyen
    1988 Iran
    1989 Panama
    1990 Kolumbien
    1990 ‑91 Kuweit
    1992 Somalia
    1992 Jugoslawien
    1993 Irak
    1994 Haiti
    1998 Sudan
    2001 Afghanistan
    2002 Venezuela
    2003 Irak
    2004 Haiti
    2005 – 06 Somalia
    2011 Libyen

  2. Dem ist bestimmt das Geld knapp geworden und hofft er auf reich­lich Entschä­di­gung wegen diesem Trauma. Wurde schon ein Angebot unter­breitet, wenn nicht die Roten Schlä­ger­trupps warten nur auf ein Zeichen um Hafen­be­cken mal zu besuchen.

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