Prof. Esad Dura­ković: Die Rolle von Migranten bei der Auflö­sung von Bosnien und Herzegowina

Prof. Esad Durakovic

Prof. Esad Dura­ković, ein bosni­scher Akade­miker und Intel­lek­tu­eller, hat sich lange und kühn über die verfehlte Migra­ti­ons­po­litik und deren Hinter­gründe geäu­ßert. Hier ein Inter­view mit ihm, das zuerst auf dem bosni­schen Portal Cazin.net erschienen ist.

Frage: Herr Professor Dura­ković, Sie sind einer der wenigen Menschen, die die inter­na­tio­nale Gemein­schaft seit langem heftig für die Migran­ten­krise in Bosnien und Herze­go­wina kriti­sieren und sie als Heuchler bezeichnen. Warum? 

Dura­ković: Die inter­na­tio­nale Gemein­schaft, womit ich die Insti­tu­tionen dieser Gemein­schaft und einzelner Länder meine, ist verant­wort­lich für die schwie­rige Situa­tion der Länder, aus denen Migranten kommen, weil sie in diesen Ländern Kriege initi­iert und geführt hat, welche diese Länder und ihre jahr­hun­der­te­alten Gesell­schaften zerstört, sie verarmt und so weiter. Sie haben also die Voraus­set­zungen geschaffen, um Migran­ten­wellen aus den Ländern zu starten, aus denen die Migranten heute stammen. Was die Situa­tion in Bosnien und Herze­go­wina anbe­langt, so verbot dieselbe Gemein­schaft Bosnien und Herze­go­wina, sich zu bewaffnen – obwohl es als souve­räner Staat aner­kannt ist -, und dies zu einer Zeit, als es von bis zu drei Nach­bar­län­dern ange­griffen wurde. Sie beob­ach­tete ruhig den Völker­mord in Bosnien und Herze­go­wina und belohnte diesen Völker­mord später sogar reich­lich – und das mit „gutem Gewissen“. Eben diese extrem unmensch­liche Gemein­schaft hat ihre Grenzen heute für Migranten geschlossen. In Kroa­tien werden die Migranten geschlagen und ausge­raubt und ihre Missio­nare wollen uns Lektionen über Mensch­lich­keit und Empa­thie geben und bestimmen, wo wir Migranten in unserem Land unter­bringen sollen. Diese Heuchelei ist einfach uner­träg­lich – das sollte ständig hervor­ge­hoben werden. Die Euro­päi­sche Gemein­schaft ist der Schöpfer der Migran­ten­krise und wir sind Opfer, ebenso wie die Migranten selbst. Das Verhalten der Euro­päi­schen Gemein­schaft ist einfach beschämend.

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Und welche Rolle und Verant­wor­tung haben inlän­di­sche Insti­tu­tionen, unsere Behörden? Welche Regie­rungs­ebene hat bisher am meisten und welche am wenigsten getan?

Dura­ković: Wir haben keinen Funk­ti­ons­zu­stand. Die Regie­rungs­ebenen der Kantone und andere Einheiten haben keine wirk­same gegen­sei­tige Koor­di­nie­rung, und wir haben keine inte­gra­tive Politik auf Landes­ebene. Die Flieh­kräfte sind zu stark. Unsere Behörden auf allen Ebenen – auf einigen weniger und auf einigen mehr – sind diese Krise nicht in ange­mes­sener Weise ange­gangen. Die Posi­tion des ehema­ligen Sicher­heits­mi­nis­ters Fahrudin Radončić war sehr ermu­ti­gend, aber er zog sich leider zurück. Das Volk der Krajina ist auf sich allein gestellt und wird gleich­zeitig von in- und auslän­di­schen Insti­tu­tionen gerügt, jedoch völlig unge­recht­fer­tigt. Natür­lich haben die staat­li­chen Behörden am wenigsten getan, aber auch die Behörden auf der Ebene der Föde­ra­tion von Bosnien und Herze­go­wina sind kläg­lich geschei­tert. Wir sind leider ein Land, das nicht über das soziale, wirt­schaft­liche, poli­ti­sche, sicher­heits­po­li­ti­sche oder recht­liche Poten­zial verfügt, um mit einer solchen Krise fertig zu werden.

Sie haben kürz­lich gesagt: „Die Zeit ist nicht weit, in der wir in der Dämme­rung in unseren eigenen Häusern Angst haben werden. Und wir werden uns freuen, wenn wir unver­sehrt über­leben. “ Leben wir bereits in einer solchen Zeit und was muss drin­gend getan werden, um diesen nega­tiven Trend eska­lie­render Probleme mit Migranten in Bosnien und Herze­go­wina zu stoppen? 

Dura­ković: Ich sagte dies, bevor die Migranten einen jungen Mann in Otes bei Sara­jevo töteten und bevor sie eine Frau auf der Brücke in Zenica angriffen und beraubten. Das ist leider nur der Anfang. Migranten sind eine Masse junger Menschen, die völlig frus­triert sind, aber voller Kraft, mit Träumen von einem besseren Leben und so weiter. Sie können nur eine Weile unter dieser Situa­tion leiden, und wenn sie sehen, dass die Situa­tion hoff­nungslos ist (denn Bosnien und Herze­go­wina kann ihr Problem nicht lösen), werden sie gewalt­tätig. Es ist eine natür­liche Entwick­lung der Ereig­nisse. Wenn es so bleibt, wie es ist, wird es immer mehr Gewalt­taten, Morde, Raub­über­fälle, Einbrüche in unseren Häusern und Wohnungen usw. geben. Dies bringt große Probleme mit sich. Die Migranten befinden sich einfach in einem Land, das ihr Problem nicht lösen kann, und euro­päi­sche Länder, die dieses Problem lösen können, werden es nicht lösen, weil sie die EU-Grenzen schließen. Migranten werden somit zuneh­mend zu einem Sicher­heits­pro­blem in Bosnien und Herzegowina.

Verfolgen Sie die Situa­tion im Kanton Una-Sana (USK)? Wie beur­teilen Sie die aktu­elle Situa­tion, dass derzeit etwa 1000 Migranten aus dem Lipa-Lager frieren, weil sich inter­na­tio­nale Insti­tu­tionen zurück­ge­zogen haben? Hat die inter­na­tio­nale Gemein­schaft noch Lösungen in Sicht? 

Dura­ković: Dies ist ein Beweis für meine Behaup­tung, dass Migranten in Bosnien und Herze­go­wina Teil eines Projekts gegen Bosnien und Herze­go­wina und die Bosniaken sind. Die Migranten verbrannten ihr eigenes Lager unter den ungüns­tigsten Wetter­be­din­gungen, und gleich­zeitig zogen sich diese schein­hei­ligen, angeb­li­chen Huma­nisten aus der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft zurück. Dies bedeutet für jeden Menschen mit gesundem Menschen­ver­stand, dass die Migranten über­redet wurden, Druck auf uns auszu­üben, um nach Bihac zurück­zu­kehren. Ich bin fest davon über­zeugt, dass die Menschen in Bišćan den Migranten nicht erlauben werden, ins Zentrum von Bihać zurück­zu­kehren. Aber es ist gut möglich, dass sie dennoch nach Bihać gehen und es dann große Zwischen­fälle geben wird, wie es die „Desi­gner“ der Migran­ten­krise wollen.

Was können Sie den Bürgern von Bosnien und Herze­go­wina und den Behörden und der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft zur Migran­ten­krise in Bosnien und Herze­go­wina raten? 

Dura­ković: Ich würde allen Regie­rungs­ebenen in Bosnien und Herze­go­wina und insbe­son­dere den Behörden in der USK nach­drück­lich empfehlen, ihre Kritik an die inter­na­tio­nalen Gemein­schaft zu richten, von der ich bereits gesagt habe, dass sie wirk­lich der einzige Schul­dige für alle Aspekte der Migran­ten­krise ist und dass wir ein Opfer sind. Natür­lich muss auf die unzu­rei­chenden Maßnahmen der Behörden in Bosnien und Herze­go­wina hinge­wiesen werden, aber die Initia­tive sollte hier ergriffen werden, da nur die inter­na­tio­nale Gemein­schaft das Problem lösen kann, und zwar durch die Abschie­bung von Migranten aus Bosnien und Herze­go­wina. Es ist zwar mensch­lich, Empa­thie zu haben, aber das darf nicht zum Nach­teil des Staates und der Gesell­schaft, unserer Bürger, sein. Erfor­der­lich ist viel­mehr Empa­thie für die Menschen von Bosnien und Herze­go­wina, die seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert den Gefahren des Schick­sals ausge­setzt sind.

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