Sonnen­burg: Ster­be­haus für fran­zö­si­sche und belgi­sche Nationalisten

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VON LIONEL BALAND

Słońsk ist ein polni­sches Dorf, das 15 km von der deut­schen Grenze und 100 km von Berlin entfernt liegt. Der Ort befand sich bis zum Ende des Zweiten Welt­kriegs in Deutsch­land und war eine Stadt mit dem Namen Sonnen­burg. Die Verschie­bung der deutsch-polni­schen Grenze und die nach dem Ende des Konflikts unter der Führung Stalins und mit der Zustim­mung der west­li­chen Alli­ierten erfolgte Verwirk­li­chung eines ethnisch homo­genen Polens besie­gelten das Schicksal des Teils der deut­schen Bevöl­ke­rung, der nicht vor der Roten Armee geflohen war: Er wurde gezwungen, in Rich­tung des nunmehr terri­to­rial verklei­nerten Deutsch­lands zu gehen.

Gefängnis von Sonnenberg

Während die Umge­bung den Warthe-Mündungs-Natio­nal­park beher­bergt, der 2001 mithilfe von EU-Mitteln einge­richtet wurde, verfügt Słońsk, das weniger als 5.000 Einwohner hat, über ein Schloss, das 1975 bei einem Brand zerstört wurde und wieder aufge­baut wird, dank von der Euro­päi­schen Union gewährter Gelder, und ein 1974 zur Zeit des kommu­nis­ti­schen Regimes eröff­netes Museum, das dem Gefängnis und dem Konzen­tra­ti­ons­lager Sonnen­burg gewidmet ist und den Namen „Museum des Marty­ro­lo­giums der Häft­linge, die 1933–1945 in Sonnen­burg Opfer des Hitler­fa­schismus wurden“ trägt.

Das Gefängnis und das Konzentrationslager

Sonnen­burg verfügte zwischen 1832 und Ende 1931 über ein Gefängnis. Als dieses aufgrund seines maroden Zustands, mangelnder Hygiene und der Entwick­lung von Krank­heiten geschlossen wurde und aufgrund der Wirt­schafts­krise keine finan­zi­ellen Mittel für die Reno­vie­rung zur Verfü­gung standen, bekam die Bevöl­ke­rung der Stadt die wirt­schaft­li­chen Folgen dieser Entschei­dung zu spüren, da einige Einwohner dort arbei­teten und andere von den Aufträgen lebten. Daraufhin protes­tierten Bürger und schickten Peti­tionen an den Abge­ord­neten des Preu­ßi­schen Land­tags und Gauleiter der NSDAP Richard Wilhem Kube, um eine Wieder­eröff­nung zu erwirken. Dieser versprach, dies zu tun, wenn seine Partei an die Macht käme, und er hielt sein Wort.

Der Berliner Reichs­tags­brand am 27. Februar 1933 hatte zur Folge, dass viele Gegner des Natio­nal­so­zia­lismus verhaftet wurden, was zu einer Über­fül­lung der örtli­chen Gefäng­nisse führte. Daraufhin beschloss der preu­ßi­sche Justiz­mi­nister am 20. März 1933, das leer­ste­hende Gefängnis Sonnen­burg in ein Konzen­tra­ti­ons­lager umzu­wan­deln. Hunderte von Kommu­nisten, Sozia­listen und Gewerk­schaf­tern wurden dort inhaf­tiert, ebenso wie die Schrift­steller Carl von Ossietzky, ein Pazi­fist, und Erich Mühsam, ein Anarchist.

Museum Sonnen­burg

Am 23. April 1934 wurde das Konzen­tra­ti­ons­lager nach über einem Jahr wieder in ein Gefängnis umge­wan­delt, das vom Berliner Justiz­mi­nis­te­rium und der Gene­ral­staats­an­walt­schaft kontrol­liert wurde.

Während des Zweiten Welt­kriegs erhielt das Gefängnis Sonnen­burg nach dem Nacht-und-Nebel-Erlass vom 7. Dezember 1941, der fest­legte, dass Feinde der deut­schen Besat­zung in West- und Nord­eu­ropa nicht mehr in ihren Heimat­län­dern, sondern von Sonder­ge­richten in Deutsch­land abge­ur­teilt werden sollten, eine neue Zweck­be­stim­mung: Es sollte Wider­stands­kämpfer aus Frank­reich, Belgien, den Nieder­landen und Norwegen aufnehmen. Die „Nacht-und-Nebel“-Gefangenen – ein Begriff, der von Richard Wagners Oper „Das Rhein­gold“ inspi­riert wurde – werden in kalten, feuchten Zellen unter­ge­bracht und dürfen keinen Kontakt zu ihren Fami­lien und Verwandten haben. Sie sind von anderen Gefan­genen isoliert, müssen Zwangs­ar­beit leisten und erhalten weniger Nahrung. An der Tür ihrer Zellen steht nur die Nummer des Gefan­genen, die ihm zuge­wie­sene Arbeit und der Hinweis „Keine Post, keine Bücher, kein reli­giöser Beistand“.

Unter den Gefan­genen befand sich auch der Sozia­list Jean-Baptiste Lebas, der Bürger­meister von Roubaix war, während des Ersten Welt­kriegs von den Deut­schen inter­niert wurde, Abge­ord­neter, dann Arbeits­mi­nister der Volks­front­re­gie­rung unter Léon Blum und anschlie­ßend in zwei Regie­rungen Minister für Post und Tele­kom­mu­ni­ka­tion war. Er starb in Sonnen­burg und wurde nach dem Zweiten Welt­krieg als Held der Résis­tance geehrt.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945, als die Rote Armee immer näher kam, wurden 819 – von etwa 950 Gefan­genen – getötet und 6 über­lebten das Massaker. Bei den Opfern handelte es sich um Belgier, Fran­zosen, Luxem­burger – die sich gewei­gert hatten, in der deut­schen Armee zu dienen -, Nieder­länder, Norweger, Deut­sche, Polen, Jugo­slawen, Sowjets, Tsche­cho­slo­waken und Spanier. Die anderen mussten sich zu Fuß auf den Weg nach Berlin machen.

Berühmte fran­zö­si­sche patrio­ti­sche Gefangene

Zu den bekannten fran­zö­si­schen „Nacht-und-Nebel“-Gefangenen, die in Sonnen­burg inhaf­tiert waren, gehörten :

- Émile Bour­geois, 1915 in Roubaix geboren, ein glühender Patriot, der sich 1940 der Orga­ni­sa­tion Civile et Mili­taire (OCM) und im Dezember 1942 ihrem Geheim­dienst, dem Centurie-Netz­werk, anschloss und dort wich­tige Funk­tionen ausübte. Im September 1943 wird er verhaftet. Am 12. Dezember 1943 wurde er zusammen mit anderen wich­tigen Mitglie­dern der OCM von einem deut­schen Mili­tär­ge­richt in Lille verur­teilt. Sein Todes­ur­teil wird nach einem Einspruch seines Anwalts in eine lebens­lange Haft­strafe umge­wan­delt. Er gehörte zu den Gefan­genen von Sonnen­burg, die in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 vor der Ankunft der Roten Armee liqui­diert wurden.

- Unter­leut­nant Léon Faye, einer der Führer der Wider­stands­gruppe „Réseau Alli­ance“, die von dem Natio­na­listen Georges Lous­taunau-Lacau gegründet wurde. Er wurde von den Deut­schen in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 in Sonnen­burg liquidiert.

- Unter­leut­nant Maurice Dutheil de La Rochère, der wenige Tage nach einer Behand­lung mit Desin­fek­ti­ons­mittel und anschlie­ßend kaltem Wasser, der der 72-Jährige nicht stand­hielt, an einer Lungen­ent­zün­dung starb. Als Jugend­freund von Charles Maurras, dessen Ideen er teilte, war er ein Wider­stands­kämpfer der ersten Stunde und leitete die natio­na­lis­ti­sche Wider­stands­gruppe La Vérité française.

- Der Wider­stands­kämpfer René Lefebvre, Monar­chist und Vater des späteren tradi­tio­na­lis­ti­schen katho­li­schen Bischofs Monsi­gnore Marcel Lefebvre, starb in Sonnenburg.

Berühmte belgi­sche patrio­ti­sche Gefangene

Bekannte „Nacht und Nebel“-Belgier :

- Graf Pierre d’Al­can­tara de Quer­rieu wurde in Sonnen­burg inhaf­tiert und später in das Konzen­tra­ti­ons­lager Sach­sen­hausen verlegt, in dem er ums Leben kam. Er war Mitglied der Wider­stands­gruppe Grena­diere, die 400 Soldaten unter der Führung von 35 Offi­zieren aus dem Adel umfasste.

- Paul Hoor­naert, der kranke Führer der belgi­schen Orga­ni­sa­tion Ordre nouveau belge Légion natio­nale, wurde vom Arzt, der ihn nicht unter­sucht hatte, als „Simu­lant“ einge­stuft und erhielt drei Tage Kerker­haft, was zu seinem Tod führte. Er hatte Ende 1934 am „Inter­na­tio­nalen Faschis­ten­kon­gress von Montreux“ in der Schweiz teilgenommen.

- Georges Michotte, belgi­scher Wider­stands­kämpfer, Mitglied der Belgi­schen Legion – einer belgi­schen natio­na­lis­ti­schen Wider­stands­or­ga­ni­sa­tion – und der Natio­nalen Partei, einer monar­chis­ti­schen Orga­ni­sa­tion, deren Satzung nega­tive Aussagen über Juden und Frei­maurer enthielt, die im Oktober 1941 von den Deut­schen verboten wurde und im Unter­grund als Wider­stands­be­we­gung weiter exis­tierte. Nach dem Krieg erhielt er mehrere Auszeichnungen.

Quellen

Hans Coppi und Kamil Majchrzak (Hrsg.), Das Konzen­tra­ti­ons­lager und Zucht­haus Sonnen­burg, Metropol, Berlin, 2015, 239 S.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei EUROLIBERTÉS, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.



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7 Kommentare

  1. Der Artikel ist leider einseitig und tenden­ziell ausge­richtet. Es exis­tiert im Netz eine ausführ­liche Unter­su­chung zur „Hölle von Sonnen­burg“ Demnach sei es Tatsache nach Aussage der SS Verant­wort­li­chen aus Frank­furt (Oder), dass ausschließ­lich zum Tode Verur­teilte und Lebens­lange hinge­richtet wurden. Die anderen Häft­linge wurden verlegt. Unter anderem wurde die Entschei­dung zum Schutz der ansäs­sigen Zivil­be­völ­ke­rung vor Schwer­ver­bre­chern getroffen.

  2. Merk­wür­dige Formulierung.…die Deut­schen wurden gezwungen zu gehen…Sie wurden mit brutaler Gewalt von Haus und Hof vertrieben

  3. Wie seit Jahr­zehnten wird auch hier einseitig berichtet. Fairer­weise und im Sinne wahr­heit­li­cher Gechichts­schrei­bung sollte die Autoren die polni­schen KZs von 1920 bis 1939 aufzählen. (Siehe „Der Krieg, der viele Väter hatte“ von General Schulze-Rhonhof) :

    „Mißlie­bige Personen werden ab 1919 in Lagern bei Szczy­piorno und Stral­kowno konzen­triert und einge­sperrt. Hier sitzen allein 16.000 „Staats­feinde“ mit deut­scher Mutter­sprache ein. 1923 werden zur Konzen­tra­tion weiterer „Staats­feinde“ auch solche Lager bei Brest-Litowsk und Bereza Kartuska einge­richtet. Bis 1939 errei­chen etwa 15.000 Minder­hei­ten­be­schwerden aus Polen den Völker­bund in Genf, in denen die Betrof­fenen Will­kür­akte, Rechts­brüche und Drang­sa­lie­rungen von Polen an Nicht­polen anzeigen und beklagen. Von März bis August 1939 sind es allein 1.500 solcher Fälle gegen­über Deut­schen, die das Auswär­tige Amt in Berlin regis­triert.“ Seite 365

    Die polni­schen Lager ab 1945 sind dort nicht genannt.

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  4. Apropos Polen, Deutsch­land und Kriegsverbrechen:
    Wie kann es sein dass in Deutsch­land ein jüdi­scher Bürger namens Reich-Ranitzki eine Welt­kar­riere machen konnte, von jung bis alt verehrt wurde, obwohl er als Haupt­mann für den polni­schen Geheim­dienst UB tätig war? Und dort als Leiter der Opera­ti­ons­ab­tei­lung Katto­witz verant­wort­lich war er mit der Einrich­tung von Lagern und Gefäng­nissen für will­kür­lich aufge­grif­fene Deut­sche? Die oft grundlos und bestia­lisch umkamen? Und vor allem: Wie kann es sein, dass Marcel Reich-Ranitzki sich niemals zu dieser seiner dunklen Vergan­gen­heit bekannt hatte?
    Die dunkle Seite von Marcel Reich-Ranitzki ist so furchtbar, dass man sich verwun­dert fragen muss, wie es sein kann, dass (bis heute) kaum jemand davon Kenntnis hat. Ranicki war verant­wort­lich für den Tod von 80.000 Deut­schen in einem polni­schen Lager.
    Marceli Reich (1948 nahm er den Namen „Marceli Ranicki“ an) war von 1944–1950 als Haupt­mann für den polni­schen Geheim­dienst UB (wie sowje­ti­sche GPU bzw. NKWD) tätig.
    Als Leiter der Opera­ti­ons­ab­tei­lung Katto­witz war er mit der Einrich­tung von Lagern und Gefäng­nissen für will­kür­lich aufge­grif­fene Deut­sche befaßt. An die 80.000 Deut­sche – zu 99,2 % Frauen, Kinder und Greise – kamen in diesen Lagern um.
    Zu Tode geschlagen, zu Tode verge­wal­tigt, im eisigen Wasser stehen müssend, bis sie erfroren. Das sind nur wenige von weiteren, oft noch furcht­ba­reren Umständen, wie man im diesen Lagern mit meist unschul­digen deut­schen Zivi­listen verfuhr.
    Nach erfolg­rei­cher Erfül­lung seiner Aufgaben ist Marceli Reich unge­wöhn­lich schnell in der Geheim­dienst- Hier­ar­chie aufgestiegen.
    In den ersten Nach­kriegs­jahren 1948–1950 war Reich-Ranicki offi­ziell Chef des Gene­ral­kon­su­lats der Repu­blik Polen in London. In Wirk­lich­keit war er als stell­ver­tre­tender Abtei­lungs­leiter der polni­schen Auslands­spio­nage mit der Obser­vie­rung der polni­schen Exil­re­gie­rung befaßt. Laut Krys­stof Star­zynski, seinem ehema­ligen Unter­agenten, befaßte sich Marcel Reich damit, die polni­schen Exilanten in London zu infil­trieren und schwarze Listen nach Warschau zu schi­cken. Jeder auch nur winzige Hinweis auf eine Zusam­men­ar­beit mit dem anti-stali­nis­ti­schen Wider­stand war für die Betrof­fenen tödlich.
    Nach Warschau zurück­ge­kehrt, schrieb er lite­ra­risch verbrämte Lobes­hymnen auf den Stali­nismus. 1958 erhielt das Mitglied der KP, Marcel Reich-Ranicki, offi­ziell die Erlaubnis in die Bundes­re­pu­blik auszu­reisen. Dort kam er zu der Hamburger Wochen­zei­tung “ZEIT”‚.
    Dass Marcel Reich-Ranicki als Kommu­nis­ti­scher Stali­nis­ti­scher NKWD-Geheim­dienst-Massen­mörder tätig war wird in der linken Wiki­pedia beschö­nigt und verherrlicht.

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    • @Hobbygärtner

      Zustim­mung! Der Ritter­kreuz­träger Hennecke Kardel schrieb vor einigen Jahr­zehnten über den Marzeli Reich eine Zusam­men­fas­sung, die es in sich hat…(gibt’s kostenlos im Web).
      Das mag auch ein Grund sein, weshalb der Groß­händler Kardel in den 90ern mit poli­ti­schen Mitteln ruiniert wurde.

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  5. Deutsch­land hat aus seiner Vergan­gen­heit gelernt.
    Die KZs der Zukunft werden regen­bo­gen­farbig bemalt und mit Clowns­ge­sich­tern geschmückt sein, ferner wird es Musik für die Gefan­genen geben, nämlich alter­nie­rend Gangsta-Rap und orien­ta­li­sches Gejodel 24 Stunden am Tag mit 110 Dezibel. Es wird auch medi­zi­ni­sche Fürsorge geben, indem die Gefan­genen jeder­zeit ihre „Geschlechts­um­wand­lung“ bean­tragen können
    Man muss den Deut­schen nämlich helfen, sich zu integrieren.

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  6. Danke für die alli­ierte Nach­hilfe! Bei der deut­schen Gründ­lich­keit wurde alles, was man in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 in Sonnen­burg liqui­diert in drei­fa­cher Ausfer­ti­gung schrift­lich fest­ge­halten! Mögli­cher­weise liegen die Doku­mente bis 2045 unter Verschluß in den USA!

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