Strache sagte etwas anders: Neues Licht auf den Ibiza-Skandal

Strache bei PK 15. Mai 2020

UNSER MITTELEUROPA bringt exklusiv eine Über­set­zung dieses Berichts von Ungarns größter Tages­zei­tung, der Magyar Nemzet:

Von László Szőcs

Die Priva­ti­sie­rung von Öster­reichs Wasser­res­sourcen ist undenkbar – das ist eine der Aussagen, die aus dem Mund von Heinz-Chris­tian Strache, Öster­reichs gestürztem rechten Vize­kanzler, in einer neu veröf­fent­lichten Aufnahme kommen. Exxpress.at erwartet, dass die voll­stän­dige Aufzeich­nung ein neues Licht auf die ganze Affäre werfen wird. Doch die Millio­nen­frage ist noch nicht beant­wortet: Wer hat Strache verarscht?

Der ehema­lige FPÖ-Vize­kanzler Heinz-Chris­tian Strache sagt in einigen Punkten des berüch­tigten Ibiza-Videos genau das Gegen­teil von dem, was ihm Der Spiegel und die Süddeut­sche Zeitung vor zwei Jahren auf der Basis eines stark bear­bei­teten Mitschnitts zuge­schrieben haben – so lautet die Schlag­zeile, die das neue öster­rei­chi­sche Bürger­nach­rich­ten­portal Exxpress.at heute Morgen veröf­fent­licht hat, wobei zugleich der erste Teil des voll­stän­digen Mitschnitts öffent­lich gemacht wurde.

Der bereits 2017 getäuschte Poli­tiker wurde beschul­digt, mit dem 2019 durch­ge­si­ckerten Video­ma­te­rial die Über­tra­gung öster­rei­chi­scher Inter­essen auf Ibiza an einen dubiosen russi­schen Investor verspro­chen zu haben – für den Fall, dass dieser seine Partei, die Frei­heit­liche Partei Öster­reichs (FPÖ), unter­stütze oder es in die Regie­rung schaffe (was ihm damals gelang).

Exxpress.at berichtet, dass Strache tatsäch­lich an einem mögli­chen Einstieg bei der Kronen Zeitung, Öster­reichs beliebter Boule­vard­zei­tung, inter­es­siert war.

Aber wenn es darum geht, zum Beispiel die Priva­ti­sie­rung der öster­rei­chi­schen Wasser­res­sourcen – eine der Haupt­en­er­gie­quellen des Landes – zu disku­tieren, sagt Strache tatsächlich:

Das ist undenkbar wegen verfas­sungs­recht­li­cher Beschränkungen.

Im Jahr 2019 wurde ihm das Gegen­teil in den Mund gelegt.

Ich kann mir eine STAATLICHE Struktur vorstellen, in der Wasser zum Verkauf ange­boten wird. Eine, in der der Hersteller Geschäfte macht und der Staat Geschäfte macht

- war seine klare Aussage.

Ich bin nicht korrupt. Ich bin jeden Tag sauber…

- bekräf­tigt er in einem anderen Teil des Gesprächs.

Was ist also der Zweck dieser ganzen Aufzeich­nung? Könnte es eine Waffe sein, die für einen poli­ti­schen Putsch zuge­schnitten ist? – fragt die neue Wiener Zeitung.

Die berühm­teste Insel der öster­rei­chi­schen Politik

Vor fast zwei Jahren schlug der Ibiza-Skandal wie eine Bombe in der öster­rei­chi­schen Politik ein, stürzte die rechts­ge­rich­tete ÖVP-FPÖ Koali­ti­ons­re­gie­rung in Wien, stürzte Strache als Vize­kanzler und auch als FPÖ-Vorsit­zender, zerbrach die öster­rei­chi­sche Rechte und verhalf indi­rekt den Grünen durch Schnell­wahlen zur Macht. Im Mai 2019, kurz vor den Wahlen zum Euro­päi­schen Parla­ment, veröf­fent­lichten die links­li­be­ralen deut­schen Medein Der Spiegel und Süddeut­sche Zeitung ein Video mit versteckter Kamera, das ihnen zuge­spielt worden war. Laut dem stark geschnit­tenen Film­ma­te­rial bot der FPÖ-Poli­tiker einer angeb­li­chen Russin, die in Öster­reich inves­tieren wollte, im Gegenzug für die Unter­stüt­zung des öster­rei­chi­schen Wahl­kampfes 2017 auf der spani­schen Insel Ibiza an, dass sie staat­liche Aufträge erhalten könne. An dem Treffen nahm auch der FPÖ-Frak­ti­ons­vor­sit­zende Johann Gudenus teil.

Strache, der erst suspen­diert und dann aus der FPÖ ausge­schlossen wurde, sagte zum Zeit­punkt des Bekannt­wer­dens des Skan­dals, dass er das Opfer eines poli­ti­schen Rufmordes gewesen sei. Er sagte, die Veröf­fent­li­chung des Videos sei absicht­lich zeit­lich mit den Wahlen zum Euro­päi­schen Parla­ment abge­stimmt worden, um die Regie­rungs­ko­ali­tion zu „sprengen“. Er sagte, er habe keine Straftat begangen, gab aber zu, dass das, was er getan habe, „dumm, unver­ant­wort­lich und falsch“ gewesen sei, dass er auf Ibiza unter über­mä­ßigem Alko­hol­ein­fluss gestanden habe und dass die Aussagen, die er gemacht habe, deshalb „nüch­tern betrachtet kata­stro­phal und gera­dezu pein­lich“ seien.

Verdäch­tige Umstände

Verdäch­ti­gungen haben das Ibiza-Video von Anfang an umgeben, und die Frage­zei­chen sind bis heute nicht voll­ständig geklärt – einschließ­lich der myste­riösen russi­schen Frau, angeb­lich Aljona Maka­rowa, von der ein Verdäch­tiger sagte, sie könnte in Lett­land leben und angeb­lich unga­ri­sche Wurzeln haben. Der Olig­arch Igor Makarov, der als ihr Onkel bezeichnet wurde, sagte, er habe keine Nichte mit diesem Namen.

Bereits im vergan­genen Sommer hatte die deut­sche konser­va­tive Presse offen berichtet, dass Kreise in Deutsch­land bewusst versu­chen, Strache zu stürzen und mit ihm die FPÖ vor den Wahlen 2017 zu schwä­chen. Dies basierte auf der Tatsache, dass eine Abschrift des Video­ma­te­rials, die im August 2020 veröf­fent­licht wurde, Strache und Gudenus in einem viel güns­ti­geren Licht als Korrup­ti­ons­ver­wei­gerer darstellte als die Details, die den Skandal 15 Monate zuvor ausge­löst hatten. Dies muss auch den Redak­teuren von Spiegel und Süddeut­scher Zeitung bewusst gewesen sein.

Strache hatte Monate zuvor darüber gesprochen:

Ich habe viele Fehler gemacht, für die ich mich entschul­digt habe. Aber hier geht es darum, Leute zu beauf­tragen, Aktionen durch­zu­führen, um mich zu diskre­di­tieren, die illegal sind und an die tota­li­tären Methoden der ehema­ligen DDR und der Stasi erinnern.

Im Oktober 2020 kandi­dierte der geschei­terte Vize­kanzler unter seiner eigenen neuen Partei, dem Team HC Strache, bei den Wiener Land­tags­wahlen, blieb aber erfolglos, und der Zerfall der öster­rei­chi­schen Rechten schwächte die FPÖ weiter.

Ein neues Blatt für die konser­va­tive Mitte

Die Vorbe­rei­tungen für Exxpress.at, das sich an eine bürger­liche Leser­schaft richtet und auch die öster­rei­chi­sche Online-Presse beleben soll, haben die Wiener Presse in den letzten Wochen beschäf­tigt. Hinter dem 12-köpfigen Redak­ti­ons­team steht die ÖVP-nahe Unter­neh­merin Eva Schütz, die auch weitere private Inves­toren für das Medi­en­un­ter­nehmen gewonnen hat. Sie hat Richard Schmitt, bekannt aus der öster­rei­chi­schen Boule­vard­presse, der zuletzt auch die Kronen Zeitung und Oe24.at leitete, als Chef­re­dak­teur eingestellt.

Quelle: Magyar Nemzet


4 Kommentare

  1. Inter­es­sant ist ja wohl die wenig beach­tete Tatsache, das direkt am Morgen nach der Veröf­fent­li­chung des Videos der Onkel Sörös bei Kurz im Kanz­leramt auftauchte. Da kann man sich einen Reim drauf machen.

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  2. Wir haben in Öster­reich ein Volks­be­gehren , das die Regie­rung zum Rück­tritt auffor­dert. Sie sind alle korrupt. Man kann noch unterschreiben.

  3. Herz­li­chen Dank für all die lichten Beiträge auf dieser immer wieder Mut machenden Seite.

    Es ist für einen alten Mann aus Deutsch­land schmerz­lich zu sehen, wie die jungen Leute in der glei­chen Weise poli­tisch ausge­richtet werden, wie zu Zeiten um 1933.
    Was mir mein Vater damals berich­tete, wieder­holt sich auf den Punkt genau. SA-horden sprich Anti­fa­ter­ror­risten schlagen und töten andere und es gibt weder Staat noch Presse dagegen.
    Behörden werden ganz offen gegen bestimmte Bevöl­ke­rungs- und Poli­tik­gruppen einge­setzt. Wer die Wahr­heit sagt wird eben­falls ganz offen vernichtet, so wie z.B. der vorige „Verfassungsschutz“-leiter“ .

    Doch die Nach­richten aus den VISEGRAD Ländern und Italien und nun endlich auch wieder aus Öster­reich, die machen wieder Mut.

    Schließt die Reihen gegen Verrat und „Sozia­lismus“.
    Es ist hoffent­lich jedem hier klar, daß wenn wir diesen jetzt statt­fin­denden Kampf um die Frei­heit der Menschen an sich verlieren, dann ist es endgültig aus.
    Schon jetzt sind die Gesetze zur Genver­än­de­rung durch­ge­drückt (EU July2020) und alles was uns wert­voll erschien wird offi­ziell von der Diktatur in den Schmutz getreten.
    Wenn diese Bestien gewinnen ist Schluß.

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