Temesvár – Eine kaputte Stadt erblüht langsam wieder im alten Glanz

Von Viktor Erdesz

Die Haupt­stadt des Banats, Temesvár/Temeswar/Timișoara, blickt auf eine reiche Geschichte zurück. Am Ende der Schre­ckens­herr­schaft des kommu­nis­ti­schen Dikta­tors Nicolae Ceaușescu 1989 war Temesvár/Temeswar jedoch, wie vieles im dama­ligen Rumä­nien, zu einer Ruinen­stadt verkommen. Nun wird nach und nach der deut­sche Geist der Stadt wieder­ent­deckt und damit der Schön­heit der Stadt zur neuen Blüte verholfen.

Von der unga­ri­schen Festung zum Wien des Ostens

Die Stadt war eine ursprüng­lich unga­ri­sche Grün­dung. Das erste Mal erwähnt wurde sie 1154, doch Histo­riker gehen davon aus, dass die Ungarn bereits im 10. Jahr­hun­dert eine Festung an der Stelle des heutigen Stadt­zen­trums errichtet hatten. Nach der Schaf­fung des König­reich Ungarns durch den ersten unga­ri­schen König, dem Heiligen Stephan, im Jahre 1000 gehörte die Stadt wie das gesamte Banat zu Ungarn. Im Laufe der Jahr­hun­derte wurde sie mehr­mals zerstört. 1241 durch die isla­mi­schen Tataren, 1443 durch ein großes Erdbeben. Im 16. Jahr­hun­dert wurde schließ­lich Temesvár/Temeswar nach dem Sieg des osma­ni­schen Reiches über die Ungarn, wie fast das gesamte Land, rund 150 Jahre lang von den Türken besetzt. Nach dem Sieg Prinz Eugens von Savoyen über das Osma­ni­sche Reich und der damit verbun­denen Befreiung Ungarns geriet die unga­ri­sche Krone endgültig an die Habs­burger. Die Königin Maria Theresia ließ darauf hin die Stadt von Grund auf neu errichten. Es sollte eine Muster­stadt nach habs­bur­gi­schem Vorbild werden, ein Wien des Ostens.

Eine hoch­mo­derne Prunk­stadt

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Archi­tek­to­nisch erin­nert die prunk­volle Stadt an die Gassen Wiens. Im umlie­genden Banat war das unga­ri­sche Volk von den Türken weit­ge­hend vernichtet oder versklavt worden. Die Habs­burger besie­delten das Land daraufhin mit unzäh­ligen deut­schen Kolo­nia­listen, den Banater Schwaben. Mit dem Aufschwung der modernen Stadt siedelten sich aber auch immer mehr deut­sche Indus­tri­elle und Kauf­leute in der Innen­stadt an. Der Aufschwung der Region war enorm. Aus dem sumpf­rei­chen Banat haben die Schwaben in wenigen Genera­tionen eine der Korn­kam­mern Ungarns geschaffen. Die Stadt Temesvár/Temeswar wurde dabei eine der modernsten im ganzen Habs­bur­ger­reich. So eröff­nete dort 1869 nach Buda­pest die zweite Stra­ßen­bahn in Großun­garn. Die Stadt war sogar die erste im gesamten Habs­bur­ger­reich, die 1884 eine dauer­hafte elek­tri­sche Stra­ßen­be­leuch­tung bekam.

Die prunk­vollen Straßen erin­nern an Wien

Beliebtes Reise­ziel

Bevöl­kert wurde die Stadt haupt­säch­lich von Deut­schen und Ungarn. Die größte Bevöl­ke­rungs­gruppe war im Jahre 1910 mit rund 45 Prozent der 70.000 Einwohner die der Deut­schen. Darauf folgten die Ungarn, die rund 39 Prozent der Bevöl­ke­rung stellten. Die Rumänen spielten in der gesamten Stadt­ge­schichte nur eine unter­ge­ord­nete Rolle. 1910 stellten sie gerade einmal 10 Prozent der Bevöl­ke­rung. Kurz vor dem ersten Welt­krieg war die Stadt auf dem abso­luten Höhe­punkt ihrer Geschichte. Durch die Anbin­dung an das Schie­nen­netz der K.u.K. Reichs­bahn wurde die Stadt ein beliebtes Feri­en­ziel von unzäh­ligen Süddeut­schen und Ungarn. In zahl­rei­chen Reise­be­richten ist belegt, wie der dama­lige pracht­volle Glanz die Menschen beein­druckte.

Flucht und Nieder­gang nach den Welt­kriegen

Diese glanz­volle Zeit war mit dem ersten Welt­krieg schlag­artig vorbei. Die Stadt, die niemals auch nur ansatz­weise rumä­nisch war, wurde 1920, wie das gesamte Banat, ohne Volks­ab­stim­mung an Rumä­nien ange­schlossen. Die Ausru­fung einer „Unab­hän­gigen Repu­blik Banat“ des orts­an­säs­sigen Volkes wurden von den Sieger­mächten igno­riert. Von da an stieg der Anteil der Rumänen rasant. Damit ging auch der Glanz der Stadt, die niemand mehr pflegte, nach und nach unter. Spätes­tens nach dem zweiten Welt­krieg fanden große Vertrei­bungen im Banat statt. Hundert­tau­sende Deut­sche und Ungarn mussten vor der Roten Armee, aber auch vor der rumä­ni­schen Armee, die die Seiten gewech­selt hatte, fliehen. Den endgül­tigen Nieder­gang erfuhr die Stadt, wie ganz Rumä­nien, mit der Macht­er­grei­fung des neosta­li­nis­ti­schen Dikta­tors Nicolae Ceaușescu. Unter der Zeit des ungarn­has­senden Herr­schers wurde der über tausend­jäh­rige unga­ri­sche Einfluss endgültig ausra­diert. Die Deut­schen hatten etwas bessere Karten, da Ceaușescu deren wirt­schaft­li­chen Wert erkannte. Zehn­tau­sende ließe er von der reichen Bundes­re­pu­blik wie eine Vieh­herde aufkaufen.

Kata­stro­phale Zustände Ende des 20. Jahr­hun­derts

Temesvár/Temeswar wurde als vergleichs­weise west­lich geprägte Region zur Keim­zelle der Revo­lu­tion gegen Ceaușescu. Die Studenten der „West­uni­ver­sität“ bildeten hier eine Vorrei­ter­rolle. Doch mit der poli­ti­schen Wende und dem Zerfall des Ostblocks setze auch die nächste Flucht­welle der verblie­benen Deut­schen ein. Durch die erleich­terten Ausrei­se­mög­lich­keiten zogen Zehn­tau­sende in die Bundes­re­pu­blik und nach Öster­reich. Durch die Ausreise fast aller letzten Deut­schen verfiel die Stadt weiter. Ende des 20. Jahr­hun­derts war aus der einst so prunk­vollen Stadt quasi eine Ruinen­land­schaft geworden. Die einst prunk­vollen Gebäude verfielen, auf den kaputten Straßen trieben vor allem Stra­ßen­hunde und Zigeuner ihr Unwesen. Noch Anfang des Jahr­tau­sends lebten hunderte drogen­ab­hän­gige Zigeu­ner­kinder in der Kana­li­sa­tion, ein Phänomen, das in diesem Ausmaß nur in Buka­rest vorkam.

Außer­halb des unmit­tel­baren Zentrums findet man statt Prunk­bauten nur noch Ruinen
In vielen Ruinen hausen nur noch obdach­lose Zigeuner

Rumänen wollten der Stadt neue Iden­tität geben

Dabei wollten die Rumänen ursprüng­lich nach der Erobe­rung des Banats der Stadt eine ganz neue Iden­tität verschaffen. Das bishe­rige deutsch geprägte Zentrum wurde zugunsten eines neuen rumä­ni­schen Zentrums aufge­löst. Ein zentraler Punkt hierbei war die Reli­gion. Der große römisch-katho­li­sche deut­sche Dom, ein Barockbau aus dem 18. Jahr­hun­dert, sollte nicht mehr als Mittel­punkt des Haupt­platzes wahr­ge­nommen werden. Die Rumänen bauten eine riesige ortho­doxe Kirche im mittel­al­ter­li­chen Stil, um den Anschein des Histo­rismus zu wahren. Sie stand auf dem neu errich­teten Piața Victo­riei, dem „Sieges­platz“. Gegen­über der Kirche steht das rumä­ni­sche Natio­nal­theater, des eins­tige unga­ri­sche Staats­theater. In der Mitte des Platzes steht eine Kopie der berühmten Statue von Romulus und Remus, die auf die (im wissen­schaft­li­chen Sinne übri­gens völlig absurde) Abstam­mung der Rumänen von den Römern hinweisen soll.

Deut­sche werden inzwi­schen voll aner­kannt

Doch die jungen Rumänen im Banat sind heute anders geprägt als jene im „Altreich“ in der Wala­chei. Gerade Temesvár/Temeswar ist als Studen­ten­stadt dem Westen gegen­über deut­lich offener einge­stellt als andere Landes­teile. In den letzten zehn bis zwanzig Jahren erkannten die Einwohner, in was für einem Schatz sie leben. Es dauerte viele Jahr­zehnte, doch man fing nun endlich an, die Altstadt zu sanieren. Inter­es­san­ter­weise wird damit jedoch, vermut­lich unab­sicht­lich, das deut­sche Erbe der Stadt wieder­be­lebt. Denn die neuen Touristen, die seit wenigen Jahren in immer größerer Anzahl die Stadt bereisen, sind nicht etwa von dem neuen rumä­ni­schen Haupt­platz und ortho­doxem Macht­zen­trum am meisten begeis­tert. Auf Post­karten und Urlaubs­be­richten pran­gern öfter der alte deut­sche Haupt­platz mit dem deut­schen Dom. Dieser Haupt­platz wurde inzwi­schen wieder voll­ständig herge­stellt und erstrahlt seit wenigen Jahren wieder in einem alten Glanz, der die Bewohner mit Stolz erfüllen kann. Dabei haben sich die Rumänen anschei­nend mit ihrem deut­schen Erbe ange­freundet. Regel­recht deut­schen­freund­lich gewähren sie den wenigen tausenden Banater Schwaben, die noch vor Ort sind, Volks­feste, Zeitungen, einen deutsch­spra­chigen Radio­sender. Die Deut­schen sind per Gesetz als Minder­heit voll­ständig aner­kannt. Die Rumänen haben sogar einen Teil des Natio­nal­thea­ters den Deut­schen geschenkt, in dem jetzt das „Deut­sche Natio­nal­theater Temeswar“ unter­ge­bracht ist. Doch dies alles kann der Rumäne sehr leicht in Kauf nehmen. Denn es fehlen durch Vertrei­bung und Flucht schlicht und ergrei­fend die deut­schen Einwohner, die das Angebot wahr­nehmen können. Bei aktuell knapp 4.000 verstreuten Deut­schen in der Stadt, die inzwi­schen über 300.000 Einwohner hat, ist es nicht schwer, sich deut­schen­freund­lich und multi­kul­tu­rell zu zeigen.

Ungarn werden weiterhin gehasst

Anders sind die Rumänen immer noch den Ungarn gegen­über einge­stellt. Obwohl ihre Zahl in Temesvár/Temeswar mit 16.000 im Vergleich zur Gesamt­be­völ­ke­rung unbe­deu­tend ist, genießen sie weitaus weniger Akzep­tanz als die Deut­schen. Während man sehr verein­zelt an der ein oder anderen Ecke auf eine deutsch­spra­chige Aufschrift stößt, sucht man die unga­ri­sche Sprache vergeb­lich. Das Banater Natio­nal­mu­seum, das 1872 im König­reich Ungarn eröffnet wurde, wäre im Schloss Hunyadi behei­matet. Das Stadt­schloss wurde Anfang des 14. Jahr­hun­derts errichtet und war für einige Jahre sogar Sitz des unga­ri­schen Königs. Damit ist es ein eindeu­tiges unga­ri­sches Kultur­erbe. Heute ist das Museum und das Gebäude, das eigent­lich eine Touris­ten­ak­tion sein könnte, seit vielen Jahren geschlossen. Letztes Jahr, also im Jahre 2019, konnte man noch auf einem Schild auf einem Zaun um das Gebäude lesen „Wieder­eröff­nung 2017“. Von einem Bauar­beiter oder Bauge­räten gab es keine Spur. Ein weiteres Beispiel ist die unga­ri­sche Mill­en­ni­ums­kirche. Der gewal­tige Bau wurde Ende des 19. Jahr­hun­derts zum tausend­jäh­rigen Jubi­läum der Ankunft der Ungarn im Karpa­ten­be­cken errichtet. Bis heute ist nicht die ortho­doxe Kirche, auch nicht der deut­sche Dom, sondern die Mill­en­ni­ums­kirche die größte der ganzen Stadt. Und trotzdem taucht sie in keinem rumä­ni­schen Reise­führer, der uns vorlag, auf!

Für die riesige unga­ri­sche Mill­en­ni­ums­kirche wird so gut wie gar nicht geworben – obwohl es die größte Kirche der Stadt ist!

Es liegt an den Rumänen, welchen Weg die Stadt nimmt

Es lässt sich als Fazit fest­stellen, dass der Stadt Temesvár/Temeswar durchaus eine goldene Zukunft blühen könnte. Ob diese eintritt, liegt jedoch ganz an den Rumänen selbst. Dort wo sie es richtig gemacht haben, floriert die Stadt. Im ehema­ligen deut­schen Zentrum am Domplatz wurde die Stadt mit massiven Geldern origi­nal­ge­treu wieder­errichtet. Das deut­sche Erbe wurde aner­kannt und akzep­tiert. Über die prunk­vollen Straßen spazieren immer mehr Touristen. Doch abseits des Kerns ist noch viel zu tun. Sobald man den Domplatz verlässt, ist die Stadt immer noch nahe einer Ruinen­land­schaft. Dabei sind die Stadteile mit den eins­tigen deut­schen Prunk­bauten riesig! Geht man den glei­chen Weg wie am Domplatz, kann viel Poten­tial ausge­schöpft werden. Wenn man nun sogar die unga­ri­schen Bauten genau so akzep­tiert und pflegt wie die deut­schen, dann könnte aus Temesvár/Temeswar eines der Perlen des ganzen Landes werden. Die Zeichen dafür stehen gut. Wie die Allge­meine Deut­sche Zeitung für Rumä­nien berichtet, wird als nächstes Projekt der ehema­lige pracht­volle Wasser­turm in der ehemals deut­schen Josef­stadt voll­ständig restau­riert.

arte-Doku über boomende Stadt

Auch der Kultur­sender arte widmete Temesvár eine ausführ­liche Video­re­por­tage: Die dritt­größte Stadt Rumä­niens boomt: Wirt­schaft­lich und kultu­rell. 2021 wird Temeswar Kultur­haupt­stadt sein. Hier zum Video.

 

10 Kommentare

  1. Kommu­nisten können nur kaputt machen und dafür das Geld anderer Leute ausgeben. Selbst etwas schaffen, das gibt es bei denen nicht.

  2. Auch hier im Arte-Mäntel­chen eindeutig nur Propa­ganda.
    Sid uns die Antennen für solche unter­schwel­ligen Beschö­ni­gungs­or­gien abhanden gekommen ? Bereits die ersten Bilder des Flavia Marktes zeigen deut­lich was da abgeht. Zigeuner bieten ihren Krempel an.
    Nichts von der Zerstö­rung der Stadt durch den Kommu­nismus, alles multi­kulti Zusam­men­leben völlig problemlos auch ohne ideo­logie. Juden und Deut­sche wanderten aus und Rumänen aus anderen Teile Rumä­niens wanderten zu. Deutsch­land zahlte Unsummen damit man Deut­sche unter Ceaucescu gehen lies. Ungarn haben noch heute keinerlei Rechte.
    Kann man sich ersparen den Mist.

    Bla bla bla

  3. Habe ich even­tuell über­lesen, dass der Name dieser Stadt auf deutsch Temeschburg lautet, oder haben Sie es einfach vergessen zu erwähnen?

    • Der Name Temeswar (auch: Teme­schwar) ist deutsch und wird auch von der deutsch­stäm­migen Bevöl­ke­rung im Banat, darunter eine uns bekannte Temes­warer Rechts­an­wältin, so verwendet. „Temeschburg“ ist eine weitere ältere Verdeut­schung, die aber unseres Wissens heute kaum mehr verwendet wird. Aber viel­leicht haben Sie gegen­tei­lige Belege?

      Vgl. auch die offi­zi­elle deutsch­spra­chige Seite der Stadt: www.temeswar.info/stadt/die-stadt

      • Leider wird sie nicht verwendet, aber höchst­wahr­schein­lich, weil sie unter der NS-Zeit verwendet wurde, so wie immer bis 1984 in D u. Ö. u. CSR immer die sprach­liche Verge­wal­ti­gung “Tsche­chien” immer nur als Tsche­chei – wie Slowakei – üblich war! Das Unwort “Tsche­chien” sollte nur aus poli­ti­schen Gründen nicht mehr an Hitlers “Rest­tsche­chei” erin­nern, so wurde per Ukas in der Bundes­pres­se­kon­fe­renz verschwö­re­risch 1984 verkündet, das Wort Tsche­chei (philo­lo­gisch völlig korrekt) durch den angeb­lich poli­tisch korrekten Falsch­be­griff “Tsche­chien” ersetzt und bereit­willig von den medi­en­jour­na­listen exeku­tiert! So wie 2004 der “Begriff” Immi­grant” durch den unkor­rekten “MIGRANT” ausge­tauscht wurde, für eine Klientel, die in D. u. Ö. nicht einwan­derte, um weiter zu “migrieren”, weiter zu wandern, sondern schlicht und einfach einwan­derte! In anderen EU-Ländern fand diese Verfäl­schung der Begriffe lange nicht statt. Auslöser für die Begriffs­ver­fäl­schung war das 2000 erschie­nene Buch des Wirt­schafts- u. Finanz­wis­sen­schaft­lers Professor Sinn, der in seinem Buch die “Einwan­de­rung in unser Sozi­al­system” beschrieb, auf Druck der Schröder-Fischer-Regie­rung – oder soll ich Regime sagen? – aber nicht bereit war, diese Formu­lie­rung zu ändern oder zurück­zu­nehmen. Da man ihn nicht als “Rechten” oder “Nazi” beschimpfen konnte, um das zu unter­binden, mußte eben die Begriffs­ver­fäl­schung v. Immi­grant auf Migrant herhalten. – Wie können Sie also “Temeswar”, das ein unga­ri­sches Wort ist, aber nicht ganz voll­ständig, hier als deut­sches Wort bezeichnen, das deut­sche heißt eindeutig Temeschburg, das Flüß­chen Temesch und die Burg auf deutsch, die Über­set­zung v. Temes­varos eben! Ünbrgens: der Hradschin heißt auf Deutsch eben Burg­berg, auf der Kaiser Rudolf II. (von Habs­burg) v. 1550–1587 herrschte, und nicht etwa in Wien! So wie wir Prag sagen u. schreiben, so sollten wir auch Burg­berg sagen, und Klein­seite, den größten Prager Innen­stadt­teil, der 1034 v. Ritter Kuno v. Braun­schweig (Tsche­chisch “Bruns­wiki”) mit vene­zia­ni­schen Baumeis­tern u. dt. Hand­werken hoch­ge­zogen wurde, das ist die wahre Geschichte der Stadt Prag, nicht die hier­zu­lande wegge­las­sene Geschichte!

        • Die deutsch­stäm­mige Bevöl­ke­rung wird schon wissen, wie sie ihre Stadt bezeichnet und das hat wohl kaum etwas mit einer „reductio ad Hitlerum“ zu tun, wie Sie argu­men­tieren. Schauen Sie sich doch diese histo­ri­sche Karte aus der Zeit der Monar­chie an: www.knees-im-banat.de/grafik/Geschichte/Karte1914.jpg, und lesen Sie den dazu­ge­hö­rigen Beitrag über die Geschichte des Banats: www.knees-im-banat.de/programme/Geschichte/Gesch_Datenfeld.html – Anderes Beispiel: warum heißt der auch heute noch stark von Donau­schwaben besie­delte Ort Vörösvár im Pilis­ge­birge (nörd­lich von Buda­pest) auf deutsch Werischwar und nicht Rote(n)burg?

          • Wo lebt ihr, habt ihr noch nichts von „reedu­ca­tion“ gehört oder gelesen? Ich lebe in D. und weiß v. ehem. Temeschbur­gern daß ihnen die Sprech­weise „Temeswar“ „empfohlen“, d.h. auge­zwungen wurde, so einfach ist das! Sie wissen in aller Regel v. Geschichte natür­lich als in Rumä­nien zur Schule gegan­gene wenig über die Dt.-Öst. Geschichte, oft war es ihnen neu, v. Tarz­an­dar­steller, im Juni 1904 in Fratelia gebo­renen „Johnny Weiß­müller“ zu hören, der ja bekannt­lich v. ungar. Priester als anstatt Hans Weiß­müller mit dem ungar. Namen Jan Weisz­miller einge­tragen wurde, weil der arme Vater Weiß­müller sich keine Bestechung des Pries­ters hatte leisten können. Schließ­lich war die trans leit­ha­ni­sche Reichs­hälfte unter Magya­sie­rungs­be­stre­bungen mit seiner deut­schen (österr.) Bevöl­ke­rung leidend, der sich nur wohl­ha­bende Deut­sche durch Bestechung ung. Beamter entziehen konnten. Seit 1867 hatten die Ungarn in ihrer Reichs­hälfte das Sagen, wißt ihr das nicht? So erging es auch erst recht den ungar. Donau­schwaben, sie assi­mi­li­sierten sich am meisten mit ihren Beherr­schern, im Gegen­satz zu den Bana­tern, den Sieben­bür­gern, auch mit den Sude­ten­deut­schen, die nie soweit gingen wie die ungar. Donau­schwaben. Nehmt nur den ersten donau schwäb. Bischof, der 1934 ernannt wurde, ab sofort predigte er nicht mehr auf Deutsch, sondern nur auf Unga­risch! Deshalb auch nicht die Über­set­zung Vöröswar, sondern nur die laut­ma­le­ri­sche „Über­lau­tung“ in den ungar duet­schen Dialekt in Werischwar. Etwas ähnelt also das Drei­vier­te­lun­ga­ri­sche „Temeswar“ dem „Werischwar“, aber korrekt auf Deutsch heißt es nicht Brno, sondern Brünn, Temeschburg und nicht etwas anderes. Wir reden doch auch nicht von Milano oder Roma oder Praha, sondern ganz normal v. Mailand, Rom und Prag, oder?

        • „Temes­város“ gab es nie. Das würde auf Deutsch ja dann Temesch­stadt heissen. Temesvár heisst aber in der korrekten Über­set­zung eindeutig Temeschburg. Verwendet wurde es aber so sehr selten.
          Was mich eher ein biss­chen befremdet ist die Aussage „So erging es auch erst recht den ungar. Donau­schwaben, sie assi­mi­lierten sich am meisten mit ihren Beherr­schern, im Gegen­satz zu den Bana­tern, den Sieben­bür­gern, auch mit den Sude­ten­deut­schen, die nie soweit gingen wie die ungar. Donau­schwaben.“
          Herr Schlor, even­tuell ist es Ihnen entgangen dass den schwer gebeu­telten Deut­schen im dama­ligen Ungarn beson­dere Privi­le­gien wie eigene Schulen, eigene Gerichts­bar­keit, eigene Steu­er­erlasse usw. zustanden. Nicht zuletzt darin ist der rasante Aufstieg unserer deut­schen Lands­leute begründet. Von „Beherr­schern“ sollten Sie da wohl nicht reden. Ausserdem darf ich Sie daran erin­nern dass bis 1867 Sieben­bürgen vom Hof in Wien verwaltet wurde und wohl kaum von den „Beherr­schern“. Ja es ist mir bekannt das Temesvar im Partium liegt und nicht in Sieben­bürgen aber Sie haben auch die Sachsen erwähnt. Viel­leicht noch eine Klei­nig­keit: Nach Jahr­hun­derten in einem Gast­land das Sie sogar auch als Heimat bezeichnen, wenigs­tens die Landes­sprache zu erlernen ist nur Anstand und nicht ein Zeichen der Unter­drü­ckung. Die Rumänen waren da weitaus Intel­li­genter als die Ungaren, sie kennen den Spruch: „Du frisst rumä­ni­sches Brot also rede Rumä­nisch.“ sicher­lich auch. Und noch eine letzte Anmer­kung: Meines beschei­denen Wissens waren enorm viele (beson­ders nicht­ka­tho­li­sche) Kleriker ebenso wie ein Gross­teil der unga­ri­schen Armee­füh­rung deut­scher Abstam­mung. Wenn Sie also Bestechung vermuten liegen Sie viel­leicht ganz richtig, viel­leicht war der Kleriker aber auch nur bene­belt, manchmal hatten sie auch eine unles­bare Klaue, was ich Ihnen an rund 500 kirch­li­chen Fami­li­en­do­ku­menten aus meiner Familie gerne nach­weisen kann.
          Ich bitte also darum Ihren kaum verhüllten Hass nicht an denen auszu­lassen die viel­leicht einst Ihnen oder Verwandten eine Heimat boten. Wir haben für diese Gross­zü­gig­keit schon mehr­fach bitter bezahlt

  4. Vielen Dank an die Redak­tion für diese kurze Beschrei­bung der Stadt Teme­schwar und ihrer Geschichte bis heute herauf.

    An diesem Bespiel sieht man das trau­rige Erbe der fran­zö­si­schen (bürger­li­chen) Revo­lu­tion mit ihrem Zwang, sich einer einzigen Sprache zu bedienen. So etwas ist in Ost-Europa nicht möglich.

    Viel besser wäre es gewesen, hätten sich die Banater Bürger mit ihren Städten die helve­ti­sche Konfö­de­ra­tion (Bündnis) zum Vorbild genommen: nämlich die Idee einer Willens­na­tion statt einer Sprach­na­tion, dazu de-zentrale Verwal­tung statt Zentra­lismus mit ewigem Blick nach Wien.

  5. @Karl P. Schlor: Wir lassen Ihnen gerne Ihre Meinung, aber gestatten Sie diese bitte auch unserem Autor, der als sieben­bür­gen­stäm­miger Deutsch-Ungar mit höherer Schul­aus­bil­dung in Deutsch­land in der Sache sicher­lich ebenso gut Bescheid weiß. Eine Diskus­sion über sprach­liche „Korrekt­heit“ sollte zudem mit Bedacht geführt werden, sonst kommt man allzu leicht – wie Sie ja selber ausge­führt haben – in das Fahr­wasser poli­ti­scher Demagogie.

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