Tod nach Dreh­buch: Jean-Luc Brunel macht den Epstein

Freizügig: Ghislaine Maxwell (l.) mit Jeffrey Epstein (M.) und Jean-Luc Brunel an Bord von Epsteins Privatjet. Die undatierte Aufnahme wurde 2019 vom FBI sichergestellt. Foto: IMAGO / ZUMA Wire

Der Fran­zose Jean-Luc Brunel stand im Verdacht, dem Sexskla­vinnen-Ring von Jeffrey Epstein minder­jäh­rige Mädchen zuge­führt zu haben. Nun fand man den 76-Jährigen erhängt in U‑Haft – wie seiner­zeit Epstein.

So ein Zufall aber auch: In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde der frühere Model­a­gent Jean-Luc Brunel erhängt in seiner Zelle im Pariser Gefängnis La Santé aufge­funden. Der Fran­zose befand sich seit Juni 2021  in Unter­su­chungs­haft, weil er von mehreren ehema­ligen Models der Verge­wal­ti­gung bezich­tigt wurde. Die Opfer waren zum Tatzeit­punkt teil­weise noch minderjährig.

Was den Tod Brunels höchste Brisanz verleiht: Der 76-Jährige soll dem US-Milli­ardär Jeffrey Epstein, der im August 2019 eben­falls tot in seiner Zelle aufge­funden worden war, jahre­lang als eine Art Zuhälter zu Diensten gewesen sein. Brunel star­tete seine Karriere 1978 mit der Agentur Karin Models und ging einige Jahre später in die USA, wo er das Unter­nehmen MC2 Model Manage­ment gründete.

Sein Name tauchte bereits in den ersten Ermitt­lungen gegen Epstein im Jahr 2007 auf. 2008 besuchte er Epstein nach­ge­wie­se­ner­maßen mehr­mals im Gefängnis. Nun wurde Brunel unter anderem zur Last gelegt, Epstein drei 12-jährige Schwes­tern als „Geburts­tags­ge­schenk“ zuge­führt zu haben.

Die gelöschten Aufnahmen der Todesnacht

Das Ableben Brunels erin­nert sicher­lich nicht rein zufällig an den plötz­li­chen Tod seines Kompa­gnons Epstein. Es scheint dem glei­chen Dreh­buch zu folgen. Nachdem Letz­terer am 6. Juli 2019 am Flug­hafen Teter­boro, New Jersey, verhaftet worden war, wurde er sofort in ein Bundes­ge­fängnis in New York City verbracht.

Ghis­laine Maxwell und Jeffrey Epstein. Foto: IMAGO I ZUMA Press.

Knapp zwei­ein­halb Wochen später, am 23. Juli, fand man den Unter­su­chungs­häft­ling nahezu bewusstlos in seiner Zelle. Medi­en­be­richten zufolge soll ein Medi­ziner Würge­male an Epsteins Hals entdeckt haben, doch ob er sich diese Verlet­zungen selbst zuge­fügt hatte oder eine andere Person dafür verant­wort­lich war, ist bis heute ungeklärt.

Fortan galt Epstein als suizid­ge­fährdet. Das heißt: Die Wärter durften ihn nicht aus den Augen lassen, mussten ständig nach­sehen, ihn rund um die Uhr beob­achten. Vor allem aber durfte ihm nichts zur Verfü­gung stehen, das ihm eine Möglich­keit böte, durch die eigene Hand aus dem Leben zu scheiden.

Dennoch entdeckten Wärter Epstein am 10. August gegen 6:30 Uhr stran­gu­liert in seiner Zelle. Wie die Presse berich­tete, soll kurz zuvor das soge­nannte Suicide Watch – die beson­dere Beob­ach­tung von Selbst­mord­ge­fähr­deten in Haft­an­stalten – aufge­hoben worden sein. Nach nur sechs Tagen. In der Folge wurden zwei Gefäng­nis­wärter beur­laubt, die während ihrer Wache geschlafen und anschlie­ßend ihre Berichte gefälscht hatten, um ihr Versäumnis zu verschleiern.

Noch ominöser: Aufnahmen aus der Todes­nacht, die eine Über­wa­chungs­ka­mera vor Epsteins Zelle aufzeich­nete, wurden gelöscht – angeb­lich verse­hent­lich. Und das, obwohl der Anwalt des dama­ligen Zellen­nach­barn Epsteins explizit um die Aufbe­wah­rung gebeten hatte. Statt­dessen habe das Gefängnis Video­ma­te­rial eines anderen Gebäu­de­teils aufbe­wahrt, hieß es. Auch auf dem spezi­ellen Back-up-System für derlei Mate­rial seien die Aufnahmen nicht mehr aufzu­finden gewesen. Letz­teres führte man auf „tech­ni­sche Fehler“ zurück.

Dieselbe Haupt­be­las­tungs­zeugin

Hat der plötz­liche Tod Brunels etwas damit zu tun, dass in den Fall Epstein in letzter Zeit ordent­lich Bewe­gung gekommen ist? Ende 2021 hatte ein US-Gericht Ghis­laine Maxwell, die Exfreundin und Haupt­kom­plizin Epsteins für schuldig befunden, an dessen Sexskla­vinnen-Ring betei­ligt gewesen zu sein. Das Strafmaß wurde zwar noch nicht verkündet, man kann aber davon ausgehen, dass die 60-Jährige eine lang­jäh­rige Haft­strafe erhalten wird. Maxwells Anwälte wollen eine Wieder­ho­lung der Verhand­lung errei­chen, da es zu Verfah­rens­feh­lern gekommen sei (ein Geschwo­rener hat dem Gericht vorent­halten, selbst Miss­brauchs­opfer zu sein).

Royal im Zwie­licht – Prinz Andrew mit der damals 17-jährigen Virginia Giuffre. Im Hinter­grund Epsteins Ex und Komplizin Ghis­laine Maxwell. Foto: picture alliance/Capital Pictures

Haupt­be­las­tungs­zeugin gegen Epstein und Maxwell ist Virginia Giuffre, die unter anderem ange­geben hat, in jungen Jahren von Prinz Andrew miss­braucht worden zu sein. Der Royal soll „Kunde“ von Epstein gewesen sein. Und: Giuffre war auch im Fall Brunels Haupt­be­las­tungs­zeugin. Die Ameri­ka­nerin sagte aus, von dem Fran­zosen in den frühen 2000er-Jahren verge­wal­tigt worden zu sein.

Im Fall des Königs­sohnes ist es inzwi­schen zu einer außer­ge­richt­li­chen Eini­gung gekommen. Die Details dieses Deals sind nicht bekannt, fest steht aller­dings, dass Queen Eliza­beth höchst­selbst zwei Millionen Euro an eine von Giuffre gelei­tete Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tion über­wiesen hat. Insge­samt sollen bei dem Vergleich mit der briti­schen Krone sage und schreibe 15 Millionen Euro geflossen sein.

Die Pariser Staats­an­walt­schaft teilte unter­dessen mit, dass man Ermitt­lungen zur Todes­ur­sache von Brunel einge­leitet habe. Es steht zu befürchten, dass dabei – wie im Fall von Epstein – Suizid heraus­kommen wird. Eines ist jedoch klar: Der Fran­zose nimmt sein Wissen mit ins Grab.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei COMPACT MAGAZIN, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.

5 Kommentare

  1. Unmit­telbar denke ich an Marc Dutroux und das Schweigen bis in höchste Kreise des belgi­schen Königshauses.

  2. das west­liche gutmen­sch­im­pe­rium ist ein tiefer sumpf aus fiat­money und lüsternen aristokraten…
    umgeben von einer riesigen herde blöckender bezahlschafe

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    • Schon der Name Ep“Stein“ sag mir persön­lich alles. Immer wieder fallen diese Namens­en­dungen „…stein“ im Zusam­men­hang mit Raff­gier, Über­heb­lich­keit, Groß­kot­zig­keit, Lügen, Uner­träg­liche Geld­be­träge etc. Negativ auf. Alles nur Zufall oder doch wahres dran?? Die Namens­en­dung „Stein“ kommt häufig und über­wie­gend bei einer gewissen „Glau­bens­rich­tung“, deren Name man nicht ausspre­chen sollte, vor. Warum eigent­lich (nicht)??

      Grüße aus dem Herzen eines Friedliebenden
      Opapa

  3. Man will verhin­dern, daß jemand plau­dert. Das ein blau­blü­tiger in den Knast muß verhin­dert werden, denn es macht sich nicht gut, wenn dieser auch dort plötz­lich verstirbt. Denn die lange Zeit macht gesprä­chig und so mancher mag denken, ich sitze hier und die anderen kommen unge­schoren davon, also werde ich mal ein bißchen plau­dern. Doch vermut­lich die ihre Anwälte meist nur zur Über­wa­chung noch zuständig, daß dies ja nicht zutrifft und wenn dies eintrifft, müssen die Kinder­lieb­haber handeln. So darf sich der blau­blü­tige Frei kaufen. Da die Katze das Mäuse fangen nicht lassen kann, hat der Eppstein schon längst ein Nach­folger. Gut geschwur­belt oder nicht.

  4. Ziem­lich zeit­gleich gab es noch eine andere Meldung:
    Die Schwester von Bernie Madoff wurde, samt ihrem Ehemann, tot aufge­funden, Kopf­schüsse, angeb­lich auch gemein­samer Suizid.
    Nun, es ist Früh­ling und man sorgt sich, daß zuviele Vöglein das Singen beginnen, fürchte ich.

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