Trump ist tot (viel­leicht). Lang lebe Trump

Donald J. Trump · Official White House photo by Shealah Craighead

Von Daniele Scalea

Die Präsi­dent­schafts­er­fah­rung von Donald Trump ist zu Ende gegangen. Wir wissen nicht, ob er Leader der Repu­bli­ka­ni­schen Partei bleiben kann, ob er eine neue Partei gründen wird, ob er 2024 wieder kandi­dieren und viel­leicht eine zweite Amts­zeit antreten wird. Sicher ist, dass nun eine neue Ära beginnt, mit den Demo­kraten an der Macht in Washington und einem wahr­schein­li­chen Kreuzzug gegen Trump und den Trumpismus.

Genau über Letz­teres wollen wir spre­chen. Trump ist viel­leicht „tot“, poli­tisch gesehen, und seine Präsi­dent­schaft, obwohl voller posi­tiver Elemente, eignet sich auch für Kritik, selbst wenn man sie von rechts betrachtet. Sein Beschwich­ti­gungs­ver­such bei einem Teil des Estab­lish­ments hat sich nicht ausge­zahlt. Seine revo­lu­tio­näre Agenda in Bezug auf die Demo­kra­ti­sie­rung des Systems (die berühmte „Demon­tage des Verwal­tungs­staates“, d.h. der Büro­kratie und des tiefen Staates, von der Bannon sprach), den Kampf gegen die Korrup­tion, die Regu­lie­rung der Migra­ti­ons­ströme und so weiter, wurde geschwächt; all dies ohne die Neutra­lität der verschie­denen Appa­rate und Poten­taten zu erhalten, die statt­dessen hart für seine Wahl­nie­der­lage gear­beitet haben. Was mit den Web-Giganten passiert ist, ist ein perfektes Beispiel dafür: vier Jahre lang verwöhnt, gegen das euro­päi­sche Kartell­recht vertei­digt, haben sie sich entschei­dend in die Wahlen zu Gunsten von Biden einge­mischt und jetzt versu­chen sie, Trump und seine Leute aus der öffent­li­chen Debatte zu löschen. Trump hat viel Posi­tives getan und reprä­sen­tiert, aber seine charak­ter­li­chen Grenzen, ein „magi­scher Zirkel“, der nicht immer auf der Höhe der Zeit ist, und eine Diskre­panz zwischen Prokla­ma­tionen und Taten sind Elemente, die für alle zu sehen sind.

Wir dürfen jedoch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Trumps großes Verdienst ist es, dass er den Trumpismus ins Rampen­licht gebracht hat: eine Bewe­gung, die schon vor ihm exis­tierte, aber immer am Rande stand und auch nach ihm weiter exis­tieren wird. Die Heraus­for­de­rung besteht darin, eine Rück­kehr in die Rand­be­reiche zu verhin­dern. Was wir als „Trumpismus“ bezeichnet haben, ist, kurz gesagt: eine poli­ti­sche Agenda, die sozialen Konser­va­tismus und (um die in Amerika in Mode gekom­mene Formel zu verwenden) wirt­schaft­li­chen Popu­lismus mitein­ander verbindet; eine Botschaft, die eher die Unter- und Mittel­schichten als die kosmo­po­li­ti­schen Eliten anspricht; ein Narrativ, das dem progres­siven, globa­lis­ti­schen Main­stream kühn und prah­le­risch feind­lich gegen­über­steht. Die Grenzen einer Person, Trump, sind nicht die Grenzen eines Projekts und einer Idee, des soge­nannten „Trumpismus“. Das bleibt so rele­vant und notwendig wie eh und je.

Und lassen Sie mich mit einer kleinen Rand­notiz schließen. Die einzige gute Nach­richt über Trumps Auszug aus dem Weißen Haus ist, dass wir viel­leicht die „Trumpo­ma­niacs“ loswerden: eine Web-Subkultur, die wenig vom Trumpismus verstanden hat, sich aber von Kraken und Qanon ernährt hat, bis sie über alle Maßen gewachsen ist und die Möglich­keit einer ernst­haften Debatte erstickt hat. Lassen Sie uns wieder über Politik reden, anstatt uns Fanta­sie­geschichten erzählen zu lassen.

Quelle: Centro Machia­velli


Daniele Scalea
Gründer und Präsi­dent des Centro Studi Machia­velli. Er hat einen Abschluss in Geschichts­wis­sen­schaften (Univer­sität Mailand) und einen Doktor­titel in Poli­tik­wis­sen­schaften (Univer­sität Sapi­enza). Er ist Professor für „Geschichte und Doktrin des Dschi­ha­dismus“ und „Geopo­litik des Nahen Ostens“ an der Univer­sität Cusano. Von 2018 bis 2019 war er Sonder­be­rater für Einwan­de­rung und Terro­rismus des Unter­staats­se­kre­tärs für Auswär­tige Ange­le­gen­heiten Guglielmo Picchi. Sein neuestes Buch (geschrieben mit Stefano Graziosi) ist Trump contro tutti. L’Ame­rica (e l’Oc­ci­dente) al bivio (Trump vs. alle. Amerika (und der Westen) am Scheideweg).


1 Kommentar

  1. Wie ist es denn um die „charak­ter­li­chen Grenzen“ eines Obama,B.Clinton,Hillary Clinton bestellt gewesen?Solch einen Wesenszug nun ausge­rechnet bei Donald Trump zu entde­cken ist befremdlich.Ansonsten guter Beitrag !

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here