Über die Unter­schiede der natio­nalen Iden­ti­täten Russ­lands und der USA

Ritters durchaus kritische Analyse der nationalen "US-Identität"

Wir hatte bereits eine Analyse Scott Ritters veröf­fent­licht, hier nun sein Kommentar über die natio­nale Iden­tität Russ­lands und der USA – „Hitlers Inva­sion und Pearl Harbor“.

„Erstaun­li­cher Weise“ versucht der ehema­lige US-Militär seine Analysen, im Gegen­satz zur allge­meinen zensu­rierten West-Linie, möglichst neutral und durchaus US-kritisch zu halten.

Scott Ritter ist ehema­liger Geheim­dienst­of­fi­zier des US Marine Corps, diente in der Sowjet­union als Inspektor bei der Umset­zung des INF-Vertrags,  im Stab von General Schwarz­kopf während des Golf­kriegs und von 1991 bis 1998 sowie als UN-Waffeninspektor.

Natio­nale Gedenk­tage als „Aussage“ über die natio­nale Identität

Russ­land und die USA begehen die Gedenk­tage zum „Beginn von Hitlers Inva­sion der Sowjet­union“ und Pearl Harbor, sehr unterschiedlich.

Das sagt  viel über die jewei­lige natio­nale Iden­tität aus. Über Gene­ra­tionen hinweg wird die Geschichte durch Wahr­neh­mung wie auch leider durch Geschichts­schrei­bung, verzerrt. Aber die Erin­ne­rung an sie am Leben zu erhalten, ist wichtig für jede natio­nale Identität.

Kommentar von Scott Ritter

Im vergan­genen Monat beging Russ­land den Gedenktag zum 22. Juni, dem Datum, an dem die Opera­tion Barba­rossa, oder Hitlers Inva­sion der Sowjet­union, im Jahr 1941 begann. Als ehema­liger ameri­ka­ni­scher Offi­zier aus einer Mili­tär­fa­milie, dessen Fami­li­en­mit­glieder im Zweiten Welt­krieg gekämpft hatten, musste ich darüber nach­denken, warum in den USA der 7. Dezember, der Tag, an dem der Krieg mit dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour für uns begann, nicht so feier­lich begangen wird wie der 22. Juni in Russland.

Mein Vater war Berufs­of­fi­zier bei der Air Force, was bedeu­tete, dass ich als Kind mit meiner Familie von Standort zu Standort umsie­delte, je nach Bedarf des Dienstes meines Vaters. In den frühen 1970er Jahren hatten wir das Glück, auf der Hickam Air Force Base auf der Insel Oahu im Bundes­staat Hawaii statio­niert zu sein, nachdem mein Vater dem Haupt­quar­tier der US-Luft­waffe für den Pazi­fik­raum zuge­teilt worden war.

Das Gebäude, in dem er arbei­tete, wies noch Einschuss­lö­cher auf, die entstanden waren, als japa­ni­sche Flug­zeuge es während des Angriffs beschossen. Diese Kriegs­narben wurden – zusammen mit ähnli­chen Einschuss­lö­chern im hölzernen Geländer der Innen­treppe des Gebäudes mit der Absicht erhalten, jedem, der sie sah, das Mantra des „nie wieder“ in Erin­ne­rung zu rufen.

Eine weitere Erin­ne­rung an den japa­ni­schen Angriff findet sich gegen­über der Bucht von Pearl Harbor, bei der Ford-Insel, wo am 7. Dezember 1941 die US-Pazi­fik­flotte vor Anker lag. Dort kann man heute noch die rostenden Rümpfe der USS Arizona und der USS Utah sehen, die an der Stelle zurück­ge­lassen wurden, wo sie gesunken waren, und die als ewiger Friedhof für Tausende von Seeleuten dienen, die beim japa­ni­schen Über­ra­schungs­an­griff ihr Leben verloren.

Über den Über­resten der USS Arizona wurde ein weißes Bauwerk errichtet, ein Denkmal für die an diesem Tag gefal­lenen Soldaten. Man kann dieses Denkmal mit einer Fähre errei­chen. Ich besuchte es damals oft und starrte immer wieder auf die Löcher auf dem Deck des Wracks der USS Arizona, wo einst die massiven Geschütz­auf­bauten mit ihren mäch­tigen 355-Milli­meter-Kanonen montiert waren.

Ich fand Trost bei dem Gedanken, dass einer dieser Türme geborgen und auf der USS Nevada wieder aufmon­tiert worden war und verwendet wurde, um japa­ni­sche Stel­lungen während der Kämpfe um Iwojima und Okinawa zu bombar­dieren. Schon als Kind kann man hassen lernen, beson­ders wenn man auf die Grab­stätten so vieler Menschen blickt.

Meine Groß­mutter väter­li­cher­seits kam uns einmal besu­chen, als wir auf Hawaii lebten. Ihr Ehemann, Irving Ritter, hatte während des Ersten Welt­kriegs im US Air Corps, dem Vorgänger der US Air Force, gedient und flog Kampf­flug­zeuge vom Typ Curtiss „Jenny“. Der Erste Welt­krieg endete aller­dings, bevor er an die Front geschickt werden sollte.

Irving und meine Groß­mutter hatten drei Kinder, Helen, Shirley und meinen Vater. Helen heira­tete einen Vete­ranen des Marine Corps, der an der Schlacht um Iwojima teil­ge­nommen hatte, und Shirley heira­tete einen Meteo­ro­logen der US-Armee, der bei einem Trai­nings­un­fall verkrüp­pelt wurde, noch bevor er an einer verdeckten Mission hinter den feind­li­chen Linien in Burma hätte teil­nehmen sollen, um Klima­daten zu sammeln, die zur Lenkung von US-Bomben­an­griffen auf die Japaner gebraucht wurden.

Mein Vater war zu jung, um am Zweiten Welt­krieg teil­zu­nehmen, aber er diente ein Jahr in Vietnam und fand sich dann auf Hawaii wieder.

Meine Groß­mutter bestand darauf, dass wir das Pearl-Harbor-Denkmal besu­chen. Sie hatte keine Zunei­gung für die Japaner übrig, was deut­lich wurde, als sie uns Geschichten darüber erzählte, wie sie die Nach­richten über den japa­ni­schen Angriff auf Pearl Harbor und später die Ansprache von Präsi­dent Roose­velt an die Nation im Radio hörte, bei der er den Kriegs­zu­stand zwischen den USA und Japan erklärte.

Meine Groß­mutter, wie immer die elegante Dame, putzte sich für den Besuch des Denk­mals heraus, trug ein beschei­denes Kleid und hatte ihr Haar hoch­ge­steckt, so wie es dem Anlass ange­messen war.

Um mit der Fähre zur Gedenk­stätte zu gelangen, musste man Tickets kaufen. Als wir in der Warte­schlange standen, bemerkte meine Groß­mutter Busla­dungen mit japa­ni­schen Touristen, die mit Tickets in der Hand am Fähr­an­leger ankamen und darauf warteten, die Fähre zur Gedenk­stätte zu besteigen.

Es war 1972, etwa 31 Jahre, seit die Japaner die vor sich hin dümpelnde US-Flotte angriffen. Und ange­sichts des Alters vieler der japa­ni­schen Touristen, Männer und Frauen in den Fünf­zi­gern und Sech­zi­gern waren sie nicht nur am Leben, als dieser Angriff statt­fand, sondern wahr­schein­lich auch aktive Teil­nehmer der japa­ni­schen Kriegsmaschinerie.

Meine Groß­mutter war eine wohl­erzo­gene Dame aus einer gut situ­ierten Schicht der Gesell­schaft, die nicht dazu neigte, Aufruhr zu veran­stalten oder Schimpf­wörter zu verwenden. Aber als sie die japa­ni­schen Touristen sah, wandte sie sich mit der empör­testen Stimme, die man sich vorstellen kann, an meinen Vater und fragte laut: „Warum sind hier so verdammt viele Japsen?“

Die Ameri­kaner in unserer Warte­schlange blickten sich um und sahen meine Groß­mutter zustim­mend an. Man konnte allein am Alter meiner Groß­mutter und aufgrund der Örtlich­keit, an der wir uns befanden, erkennen, dass ihr emotio­naler Ausbruch authen­ti­schen Motiven entsprang. Alle Augen waren auf die Japaner gerichtet, von denen viele ihre Worte auch gehört hatten und nun beschämt und verlegen zu Boden blickten. Es war für alle Anwe­senden kein ange­nehmer Moment.

Mein Vater erklärte uns dann, dass viele Japaner das Pearl-Harbour-Denkmal als Akt der Sühne besu­chen, um Respekt vor den Toten zu zeigen. Er erklärte uns, dass sich die Zeiten geän­dert hätten und dass wir jetzt mit den Japa­nern befreundet seien und wir keine Wörter wie „Japsen“ mehr verwenden würden, wenn wir uns auf Japaner bezogen.

Meine Groß­mutter hörte schwei­gend zu und kochte inner­lich. Aber sie behielt ihre Fassung, und wir been­deten unseren Besuch am Denkmal ohne weitere Zwischen­fälle. Danach, als wir nach Hause fuhren, weinte sie leise. „Sie haben kein Recht“, sagte sie und bezog sich auf die Japaner. „Dieser Ort ist nicht für sie bestimmt.“ Ihr Schmerz war echt, und es konnte keine Zeit der Welt vergehen, die diese Wunde heilen würde, die sie in ihrem Herzen trug. Sie starb später im selben Jahr, und ihre Erin­ne­rungen an den Krieg gingen mit ihr.

An jedem 7. Dezember halte ich kurz inne und denke über die Bedeu­tung dieses Tages nach. Ich lese noch mal die Ansprache von Präsi­dent Roose­velt und achte beson­ders auf seine Bemer­kung, dass „man sich an dieses Datum als ein Datum der Schande erin­nern wird“. Schande. Laut dem Merriam-Webster-Lexikon bedeutet das Wort einen „schlechten Ruf, der durch etwas grob Krimi­nelles, Scho­ckie­rendes oder Brutales verur­sacht wird“.

Meine Groß­mutter glaubte sicher­lich, dass dies der Fall war und nachdem ich Pearl Harbor durch ihre Augen erlebt hatte, glaubte ich das auch. Ich konnte jedoch den Japa­nern für das, was sie uns an diesem Tag angetan haben, vergeben und habe es auch getan. Aber ich werde es nie vergessen können.

Keine natio­nale Erin­ne­rung der USA

Leider kann ich dasselbe nicht über meine ameri­ka­ni­schen Mitbürger sagen. Wann haben wir als Nation das letzte Mal offi­ziell den Gedenktag für Pearl Harbor begangen? Ja, jedes Jahr hält das US-Militär eine feier­liche Zere­monie am Denkmal bei der USS Arizona ab, an der lokale Poli­tiker und hoch­ran­gige Mili­tär­of­fi­ziere teil­nehmen. Aber wird in Pough­keepsie, New York, inne­ge­halten und des Ereig­nisses gedacht? In Mobil, Alabama? In Bangor, Maine? In Kalamazoo, Michigan?

Nein. Als Nation haben wir keine kollek­tive Erin­ne­rung an den Angriff auf Pearl Harbor und die zugrunde liegende Schande, die mit denen verbunden ist, die ihn begangen haben. Die Geschichte hat keine Bedeu­tung, wenn man sie nicht in sein Wesen einbettet. Für mich hat die Erin­ne­rung an die Empö­rung meiner Groß­mutter am Ort der Schande einen unaus­lösch­li­chen Eindruck hinter­lassen. Aber wenn man nicht einen ähnli­chen Moment der Klar­heit erlebt hat, ist Geschichte nur eine Samm­lung von Geschichten aus einer vergan­genen Ära, meist die Erfah­rung von Fremden, und wird daher selten gelernt, nie geschätzt und leicht vergessen.

Russ­land – Inspektionstätigkeit

Im Juni 1988 war ich Teil einer fünf­köp­figen Vorhut von US-Inspek­toren, die nach Wotkinsk entsandt wurde, einer Stadt in der dama­ligen Sowjet­union, die etwa 750 Meilen östlich von Moskau, in der Provinz des heutigen Russ­lands liegt. Die Sowjets unter­hielten dort eine Fabrik, die ballis­ti­sche Raketen herstellte. Ich arbei­tete für die Inspek­ti­ons­be­hörde, deren Aufgabe es war, vor Ort die Erfül­lung der Bestim­mungen des INF-Vertrages über die Vernich­tung aller boden- und land­ge­stützten Flug­körper mit mitt­lerer und kurzer Reich­weite zu überwachen.

Eine der Aufgaben bestand darin, eine Über­wa­chungs­an­lage vor den Toren dieser Rake­ten­fa­brik zu errichten. Wir kamen am 18. Juni in Wotkinsk an. Der Rest des Teams von US-Inspek­toren sollte am 1. Juli eintreffen. Wir hatten also etwas weniger als zwei Wochen Zeit, um alles für ihre Ankunft vorzubereiten.

Die Sowjets brachten uns in einer geho­benen Datscha, einem Land­haus, am Rande der Stadt unter, die gebaut worden war, um den ehema­ligen Vertei­di­gungs­mi­nister Dmitri Ustinow während seiner häufigen Besuche in Wotkinsk zu beher­bergen. Jetzt war das Haus die Herberge für fünf Amerikaner.

Ein paar Tage nach meiner Ankunft wachte ich auf und ging morgens joggen, begleitet von einem Beamten des russi­schen Außen­mi­nis­te­riums, dessen Aufgabe es war, dafür zu sorgen, dass ich mich nicht „verirre“. Nach dem Früh­stück fuhren uns die Sowjets zur Fabrik, die wir zum ersten Mal sahen. Ich ging um die Fabrik herum und leitete damit das ein, was für alle zukünf­tigen Inspek­ti­ons­teams zur Routine werden sollte, da die Inspek­ti­ons­vor­schriften vorsahen, dass zweimal täglich eine Peri­meter Patrouille durch­ge­führt werden muss. Dann besich­tigten wir die Gleis­schuppen vor den Fabrik­toren, nahmen Messungen an Stand­orten vor, an denen die Über­wa­chungs­aus­rüs­tung instal­liert werden sollte, und kehrten zum Mittag­essen in die Datscha zurück.

Russi­scher „Jahrestag“

Im Fern­sehen sah ich, dass Aufnahmen aus dem Zweiten Welt­krieg ausge­strahlt wurden. Ich erkannte schnell, welches Datum dieser Tag hatte, und wandte mich an meine sowje­ti­schen Gastgeber.

„Heute ist der Jahrestag des deut­schen Angriffs auf die Sowjet­union“, sagte ich. „Finden zu diesem Anlass irgend­welche Zere­mo­nien statt? Wenn ja, würde ich gerne teil­nehmen und meinen Respekt zollen“. Meine Gast­geber waren hoch­er­freut über mein Geschichts­ver­ständnis, sagten mir aber, dass es keine offi­zi­ellen Zere­mo­nien gebe.

„Die Vete­ranen und ihre Fami­lien könnten eine Gedenk­stätte besu­chen“, sagten sie. „Aber der offi­zi­elle Feiertag für den Großen Vater­län­di­schen Krieg ist der 9. Mai, der Tag des Sieges.“

An diesem Abend, als wir am Seeufer in Wotkinsk entlang­spa­zierten, brachten mich meine Gast­geber zu einer Gedenk­stätte in der Innen­stadt. Davor waren Blumen­sträuße ausge­legt. Während wir dastanden, kamen Fami­lien vorbei und legten weitere Blumen nieder.

„In Amerika“, sagte ich meinen Gast­ge­bern, „haben wir einen offi­zi­ellen Feiertag, um unseres Eintrittes in den Zweiten Welt­krieg zu gedenken, den Pearl-Harbor-Tag. Ich bin über­rascht, dass ihr hier nichts Ähnli­ches habt, um an den deut­schen Angriff zu erin­nern.“ Der Beamte des Außen­mi­nis­te­riums dachte einen Moment über das nach, was ich gesagt hatte, und antwor­tete dann, „viel­leicht haben wir uns entschieden, des Sieges zu gedenken. Der heutige Tag war ein dunkler Tag. Viel­leicht ist es besser, sich privat an diesen Tag zu erinnern.“

Am 22. Juni 2022, der in Russ­land der „Tag des Geden­kens und der Trauer“ heißt, sah ich zu, wie der russi­sche Präsi­dent Blumen am Grab des Unbe­kannten Soldaten und an den Denk­mä­lern der Helden­städte niederlegte.

Vor 81 Jahren, an diesem Tag, begannen die Streit­kräfte Nazi­deutsch­lands mit ihrem Angriff auf die Sowjet­union und begannen einen fast vier­jäh­rigen Krieg, der prak­tisch jede Familie im Land betraf. Mindes­tens 27 Millionen Sowjet­bürger verloren dabei ihr Leben.

Während ich die feier­liche Zere­monie im Fern­sehen verfolgte, war ich beein­druckt vom Kontrast zwischen dem Gespräch, das ich vor etwa 34 Jahren in Wotkinsk geführt hatte, und diesem Ereignis in der Gegenwart.

Was war in der Zwischen­zeit geschehen? Kurz gesagt, Geschichte. Oder zumin­dest, wie sich eine Nation kollektiv dafür entschieden hat, sich an ihre Geschichte zu erinnern.

Der Zusam­men­bruch der Sowjet­union im Jahr 1991 brachte einen grund­le­genden Wandel in der Sicht der Russen auf ihre Geschichte mit sich. Die Sowjet­union wurde weit­ge­hend verun­glimpft, und das, was im Namen des sowje­ti­schen Ruhms gefeiert worden war, wurde in einer Atmo­sphäre der Frus­tra­tion und gegen­sei­tiger Beschul­di­gungen dem Dahin­sie­chen über­lassen. Russ­land als Nation geriet ins Wanken, ihre Iden­tität war ebenso verne­belt wie ihre Zukunft.

Um eine Grund­lage histo­ri­scher Fakten zu schaffen, die zur Neude­fi­ni­tion des Charak­ters des modernen Russ­lands verwendet werden könnten, führte der erste Präsi­dent der Russi­schen Föde­ra­tion, Boris Jelzin, 1996 den 22. Juni als natio­nalen Gedenktag ein. Entspre­chend dem Anlass der Feier­lich­keit ordnete das Gesetz an, dass keine Unter­hal­tungs­pro­gramme im Fern­sehen oder Radio ausge­strahlt werden dürfen.

Im Laufe der Jahre ist der 22. Juni bei vielen Russen zu einem Reso­nanz­boden geworden. Geschichte, so scheint es, wird gelernt. Mehr als fünfzig Jahre nach dem Ende des Großen Vater­län­di­schen Krieges wurde das Volk Russ­lands veran­lasst, einen Aspekt seiner kollek­tiven Geschichte neu zu lernen, der von früheren Gene­ra­tionen vernach­läs­sigt worden war.

Die Feier­lich­keiten zum 9. Mai blieben natür­lich bestehen, jeder möchte einen Sieg feiern, beson­ders einen so großen wie den Anlass der Nieder­lage Nazideutschlands.

Ein „Tag des Geden­kens und der Trauer“ ist jedoch schwie­riger zu „erfassen“, insbe­son­dere für Dieje­nigen, die von den Ereig­nissen nicht direkt berührt wurden. Es stimmt zwar, dass prak­tisch jede Familie in Russ­land in irgend­einer Weise, Form oder Gestalt von der Inva­sion der Nazis in die Sowjet­union am 22. Juni 1941 betroffen war.

Aber während die Groß­el­tern, die im Krieg gekämpft haben, langsam wegsterben, die Kinder dieser Vete­ranen selbst altern und sich mit den Reali­täten der Gegen­wart ausein­an­der­setzen, müssen die Enkel­kinder über eine Nation nach­denken, deren Iden­tität sehr wohl von den Heraus­for­de­rungen der Zukunft domi­niert werden könnte.

Indem Russ­land den 22. Juni zu einem Feiertag des Geden­kens und der Trauer gemacht hat, an dem keine über­flüs­sige Spaß­kultur im Rund­funk geduldet wird, damit die Erin­ne­rungen an das, was passiert ist, nicht irgendwie beschmutzt werden, schreibt Russ­land Geschichte.

Diese Wieder­her­stel­lung des Geden­kens erfolgte nicht durch Fälschung oder Verzer­rung, sondern indem man einfach die Bausteine der Geschichte nahm, die durch die Vernach­läs­si­gung der Vergan­gen­heit in sich zusam­men­ge­bro­chen waren, und sie zu etwas Neuem geformt hat, mit dem sich die heutige Gene­ra­tion iden­ti­fi­zieren und absor­bieren kann und sie damit real und gegen­wärtig zu einem Teil der Iden­tität als Bürger Russ­lands macht.

In den Verei­nigten Staaten haben wir zuge­lassen, dass die Erin­ne­rung an das, was passiert ist, aus unserer kollek­tiven Geschichte gelöscht und auf die unzäh­ligen Fälle von Über­lie­fe­rungen inner­halb der Familie beschränkt wurde, bis sie irgend­wann so weit geschwunden ist, dass sie für die Nation als Ganzes bedeu­tungslos wird.

Nicht so in Russ­land. Die Russen been­deten das „Flüs­ter­spiel“ und stellten statt­dessen sicher, dass allen gleich­zeitig dasselbe über ein schreck­li­ches Ereignis in ihrer kollek­tiven Vergan­gen­heit erzählt wird, das niemals vergessen werden sollte, damit sich solche Ereig­nisse nicht wieder­holen. Das ist auch der Grund, weshalb der Begriff „Entna­zi­fi­zie­rung der Ukraine“ bei den Russen mehr Anklang findet als irgendwo sonst auf der Welt.

Russ­land hat durch sein Handeln dafür gesorgt, dass der 22. Juni nicht den Weg des 7. Dezember geht und ich denke, meine Groß­mutter hätte dem zugestimmt.



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5 Kommentare

  1. Die USA blockierten das karge und lebens­mit­tel­arme Japan, um es auszu­hun­gern und wirt­schaft­lich zu vernichten, die Japaner handelten also in reiner Notwehr, als sie die Seeblo­ckade zerschlugen und genau dieser (von den USA gewollte) Vertei­di­gungs­schlag Japans wurde dann als Angriffs­krieg „gefeiert“, um das kriegs­ab­leh­nende (!) nord­ame­ri­ka­ni­sche Volk zigtau­send­fach im Krieg menschenzuvernichten.

    Zur bis heute vorherr­schenden russi­schen Geschichts­er­zäh­lung: Spätes­tens seit den 1980er Jahren ist es in der seriösen Geschichts­for­schung mehr­heit­lich Allge­mein­wissen, daß (Bolschewismus)Rußland seit sehr vielen Jahren einen Angriffs­krieg gegen das Deut­sche Reich vorbe­rei­tete, daß die Vobe­rei­tungen abge­schlossen waren und daß dieser Angriffs­krieg im letzten Moment vom Reich abge­wehrt werden konnte; die russi­sche Gene­ral­mo­bil­ma­chung wurde aufmerksam vom Reich beob­achtet und doku­men­tiert, man kann nicht inner­halb kurzer Zeit von Angriffs­for­ma­tion auf Defen­siv­for­ma­tion wech­seln, das war einer der entschei­denden Punkte, weshalb die russi­schen Armeen zurück­ge­drängt werden konnten, „Suworrow“ erläu­tert dies detailliert.

    Der bolsche­wis­ti­sche Angriffs­krieg war auch zu 100% im Sinne des Panswla­wismus, der bereits im 19. Jahr­hun­dert die Vertrei­bung aller Ostdeut­schen vorsah und bekann­ter­maßen als Roth­schild­scher Keil („Anglo­ame­ri­ka­ni­sche Clique“) gedacht war, damit Russen und Deut­sche sich nicht näher­kommen, wie auch heute (2022) wieder erneut.

    All das war bereits dem Reich bekannt und eigent­lich bedarf es keiner auslän­di­scher Forscher. Jedoch: Echte Histo­riker pflegen keine Grup­pen­be­find­lich­keiten, sie inter­es­sieren sich ausschließ­lich für die Wahr­heit. Der sein Volk liebende Russe Russe Wladimir Bogd­ano­witsch Resun (russ. Владимир Богданович Резун), alias „Viktor Suworow“, hat Bücher, Videos und Vorträge verfaßt, eine seiner kompak­testen und bril­lan­testen doku­men­tiert in weniger als eine Stunde, wer wen angreifen wollte:

    „Who Started World War II? by Viktor Suvorov“, Vortrag an der United States Naval Academy, Eurasia Forum, 07. Oktober 2009 (49 Minuten):
    www.youtube.com/watch?v=wYSy80WlmWY

    Das Video zum Buch, alle 18 Teile auf Veoh, hier Teil 01:
    „Der letzte Mythos – 01v18 Verraeter“,
    www.veoh.com/videos/v14845903f9fkwktT

  2. Gedenkt ruhig des Krieges, den Eure Völker gemeinsam für die Gelde­lite geführt haben und Eure Vorfahren gefallen sind. In diesem Punkt sind sich die uSA und die UdSSR sehr ähnlich.
    Geheim ist in beiden Ländern ein wich­tiges poli­ti­sches Wort.

  3. Der Verzicht auf eine Feier zu Pearl Harbour macht vermut­lich deut­lich, daß die US-Oberen zwar wissen, was sich am 7. Dezember dort abge­spielt hat, sie wissen aber auch, daß F.D. Roose­velt schon Monate vorher vom japa­ni­schen Angriff gewußt hat.

    „Geheim­hal­tung wurde ein Sprich­wort der Roose­velt Regie­rung. Von den Plänen für eine Attacke auf Pearl Harbor durch eine Task Force der Japa­ni­schen Marine wussten Präsi­dent Roose­velt, Stimson und Knox bereits Monate vor dem tatsäch­li­chen Angriff, aber sie behielten dieses dunkle Geheimnis, von dem die ameri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung nichts wusste, für sich. Der Dezember 1941 war ein Glücks­fall für Roose­velt, der verzwei­felt versucht hatte, die U.S.A. auf der Seite Englands in einen Krieg mit Europa zu bringen. Nach dem japa­ni­schen Angriff auf Pearl Harbor wurde die ameri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung durch Propa­ganda und regel­rechte Lügen davon über­zeugt, daß Deutsch­land der Aggressor sei, entschlossen dazu, in ihr Heimat­land einzu­mar­schieren; daß der Angriff auf Pearl Harbor von Japan, seinem Verbün­deten, ausge­führt war, und dies nur der Vorbote weiterer geplanter Angriffe auf souve­ränes U.S. Gebiet sei.“ (Quelle: Layton, Konter­ad­miral a. D. Edwin T.: And I was there – Pearl Harbor and Midway. Brea­king the secrets; William Morrow Quill, New York, 1985)

    Mister Ritter sollte dies eben­falls wissen. Immerhin war er Offi­zier im Geheim­dienst der US-Marine, einem Dienst von umspan­nender Größe, gegen den das CIA ein verlo­renes Häuf­lein ist.

  4. Scott Ritter ist nicht zu trauen, er ist us-ameri­ka­ni­scher Mili­tär­be­rater. Er hat über Jahr­zehnte die Nato-Angriffs­kriege beju­belt und rela­ti­viert. Das alleine sagt alles aus, was man über dieses Unwesen wissen muss!

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