Ukraine provo­ziert Ungarn: „Traum von Trans­kar­pa­tien“ – Selen­skyj gibt Minder­heiten-Sprach-Diskri­mi­nie­rung zu

Von unserem Osteu­ropa-Korre­spon­denten Elmar Forster
 

Die stell­ver­tre­tende ukrai­ni­sche Minis­ter­prä­si­dentin Irina Vereschuk griff in einem face­book-Eintrag die unga­ri­sche Regie­rung unver­hält­nis­mäßig an: Sie warf Ungarn vor, keine Waffen an die Ukraine zu liefern und auch keinen Waffen­trans­port über unga­ri­sches Terri­to­rium zu erlauben. Eben­falls unter­stellte sie der unga­ri­schen Regie­rung offen pro-russi­sche Rhetorik.

„Die Art und Weise, wie die unga­ri­sche Führung die Ukraine in letzter Zeit behan­delt hat, ist noch schlimmer als die einiger russi­scher Satel­li­ten­staaten der ehema­ligen Sowjet­union. Ungarn unter­stützt keine Sank­tionen. Sie schi­cken keine Waffen. Sie erlauben keinen Transit von Waffen­lie­fe­rungen aus anderen Ländern. Sie sagen zu prak­tisch allem nein.“

Dabei unter­stellte sie Ungarn als Beweg­gründe, dass „sie russi­scher Gas mit Rabatt bekommen wollen“. Der nächste Zusatz von Vereschuk ist aber einer­seits eine gefähr­liche außen­po­li­ti­sche Provo­ka­tion und gleich­zeitig eine unter­schwel­lige Hetze gegen die unga­ri­sche Minder­heit: „Oder liegt es daran, dass sie still von unserem Trans­kar­pa­tien träumen ?“ (karpathir) Unter­stellt doch Vereschuk  damit, dass Ungarn sich das Gebiet der unga­ri­schen Minder­heit wieder einver­leiben möchte, also ein Form der Anne­xion. Und setzt damit wieder eine neue Note für Minder­hei­ten­hass durch natio­na­lis­ti­sche-faschis­ti­sche ukrai­ni­sche Radi­kale. (UM berich­tete)

Geschichts­klit­te­rung: „Unser Trans­kar­pa­tien“ – 1956er-Revo­lu­tion durch ukrai­ni­sches Militär niedergeschlagen

Vereschuks´ Äuße­rungen zeugen frei­lich nicht gerade von fundierter histo­ri­scher Analy­se­fä­hig­keit: Vergisst sie doch, dass die unga­ri­sche Revo­lu­tion 1956 von der Sowjet­union nieder­ge­schlagen worden war, zu der damals auch die Ukraine gehörte, welche die Satel­li­ten­staaten unter­drückt hatte.

Weiters schneidet Vereschuk ein altes mittel­eu­ro­päi­sches Trauma an: Dass große Teile der jetzigen Ukraine im Diktat-Frieden von Versailles (1920) der öster­rei­chisch-unga­ri­schen Monar­chie entrissen und der Ukraine einge­glie­dert worden waren. Erst auf diese Weise entstand so also inner­halb der jetzigen Ukraine die unga­ri­sche Minder­heit der Transkarpato-Ungarn.

Außerdem schützt die unga­ri­sche Regie­rung durch ihre Weige­rung des Waffen­trans­ports nicht nur die unga­ri­sche Minder­heit in Trans­kar­pa­tien, sondern schafft so auch einen letzten sicheren Rück­zugs­raum für Flücht­linge inner­halb der Ukraine.

Ukraine unter­drückt die unga­ri­sche Minderheit

In der Ukrai­ne­dürfen seit 2017 natio­nale Minder­hei­ten­spra­chen nur noch in der Grund­schule unter­richtet werden. Die einzige Unter­richts- und Offi­zi­al­sprache (seit 2019) ist Ukrai­nisch. Bei Zuwi­der­hand­lung drohen Geld­strafen.

2018 bedrohte sogar eine „Todes­liste“ (der Natio­na­lis­ten­gruppe Mirot­vorec – „Frie­dens­ma­cher“) 300 unga­risch-ukrai­ni­sche Funk­tio­näre, weil sie angeb­lich im Besitze der unga­ri­schen Doppel-Staats­bür­ger­schaft waren. (DieWelt). Eine Internet-peti­tion (des ukrai­ni­schen Parla­ments) rief zu deren Depor­ta­tion auf. Auch der staat­liche Aufkauf leer­ste­hender unga­ri­scher Wohnungen wurde disku­tiert: Um „dort ukrai­ni­sche Vertrie­bene aus dem russisch besetzten Osten des Landes anzu­sie­deln“ (Die Welt, ebda). Während der Krim-Krise wurden v.a. unga­risch-stäm­mige Soldaten an die ostukrai­ni­sche Front versetzt.

Präsi­dent Selen­skyi erkennt plötz­lich Minder­heiten-Diskri­mi­nie­rung an

In Verhand­lungen mit der russi­schen Seite verwies er darauf, dass diese Fragen auch von unga­ri­scher Seite aufge­worfen worden sind: „Man darf nicht sagen: ‚Wir haben solche Minder­heiten.´ Wir dürfen sie nicht Minder­heiten nennen, sondern Gemein­schaften. Und dass sie jetzt sagen: ‚Wir hatten (!) Schulen, in denen  sie Unga­risch und Russisch spra­chen.´  Es ist alles eine Frage des Respekts.“ (Selin­skyi)

Am 21.3.2022 wurde bekannt, dass die Ukraine der ´Euro­päi­schen Verei­ni­gung der natio­nalen Sprach­in­sti­tu­tionen´ beigetreten ist, die offi­ziell Mehr­spra­chig­keit und Respekt für Minder­hei­ten­spra­chen unter­stützt. Dies gab der Spra­chen­be­auf­tragte Tarasz Kreminy bekannt. Auffal­lend aber auch hier, dass es ihm vor allem um das Ukrai­ni­sche ging: „Heute ist die Front des Kampfes um die Ukraine auch die Front der Einbür­ge­rung der ukrai­ni­schen Sprache… Die ENFIL-Mitglied­schaft wird es der Ukraine ermög­li­chen, eine Stra­tegie für den recht­li­chen Schutz der ukrai­ni­schen Sprache als künf­tige Sprache der EU zu entwi­ckeln.“ (karpathir)

 





8 Kommentare

  1. Der Aufsatz enthält einen SCHWEREN Fehler!
    Das Gebiet der heutigen Karpaten-Ukraine kam nach dem 1. WK nicht an die Ukraine, sondern durch das Diktat von Trianon vom Kgr. Ungarn an den neuge­schaf­fenen Viel­völ­ker­staat Tschechoslowakei!
    Im Ersten Schieds­spruch von Wien vom 2. 11. 1938 mußte die inzwi­schen selb­stän­dige Slowakei ihre südli­chen Gebiete mit mehr­heit­lich unga­ri­scher Bevöl­ke­rung an das Kgr. Ungarn abtreten, dabei auch einen kleinen Teil der heutigen Karpaten-Ukraine!
    Aller­dings besetzte das Kgr. Ungarn bereits 3/1939 die gesamte Karpaten-Ukraine und glie­derte sie wieder in sein Staats­ge­biet ein!
    Mit dem Vordringen der Roten Armee im 2. WK wurde das Gebiet wieder an die inzwi­schen sowje­tisch besetzte Slowakei ange­glie­dert und kam nach der Kapi­tu­la­tion der Deut­schen Wehr­macht, die das Protek­torat Böhmen und Mähren bis zum letzten Tage gehalten hatte, wieder an die wieder­erstan­dene Tschechoslowakei!
    Erst 1946 mußte die nunmeh­rige Tsch­eSSR das gesamte Gebiet der Karpaten-Ukraine an die SU abtreten, die es ihrem ukrai­ni­schen Teil­staate zuschlug, bei dem sie bis heute verblieben ist!

  2. ARD berichtet, dass die EU gegen angeb­liche FAKE NEWS von Russ­land vorgehen will, wie die Behaup­tung in der Ukraine gäbe es viele NAZIS, usw.
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    Das heißt im Klar­text, dass die Mehr­zahl der Menschen lieber Putin glaubt als den bereits jahre­lang bekannten CORONALÜGNERN, die die QUERDENKER als NAZIS dief­fa­miert haben !!
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    Sie wollen nicht hören, dass 1991 Russ­land die Nicht­aus­deh­nung der NATO verspro­chen wurde.
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    Sie wollen auch nicht hören, dass die USA 2014 auf dem MAIDAN durch gekaufte UKRA-NAZIS die Ukraine in die Revolte stürzten !!
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    Mann erin­nere sich an Nuhlands FUCK THE EU und an den Hände­druck Stein­meiers für die sieg­rei­chen NAZIS !!
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    HEUTE warnte der NOTO Gene­al­se­kretär Russ­land in der Ukraine BIO- oder CHEMIEWAFFEN einzu­setzen, sont näme der Krieg dort andere Dimen­sionen ein !!
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    Das erin­nert mich an den SYRIENKRIEG der USA, bei dem die USA den IS beauf­tragte mit GIFTGAS die Bevöl­ke­rung zu töten um dies dann ASSAD in die Schuhe zu schieben !!
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    Fake News gegen Assad: Mit Giftgas-Lügen zum Weltkrieg?
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    www.compact-online.de/fake-news-gegen-assad-mit-giftgas-luegen-zum-weltkrieg/#comment-261476
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    ES KÖNNTE ALSO GUT SEIN, DASS DIE USA DIE UKRAINE ANSTIFTEN SELBST GIFTGAS EINZUSETZEN UM DIES DEN RUSSEN IN DIE SCHUHE ZU SCHIEBEN !!

  3. Der Vertrag von Trianon sollte als, von Anfang an ungültig erklärt werden. Ungarn sollte
    die Gebiete mit unga­ri­scher Besie­de­lung gem. dem Schieds­spruch zurück erhalten und weiter sollte Sieben­bürgen entweder selbst­ständig oder ein Kondo­mi­nium von Öster­reich und Ungarn werden.
    Die Einwohner von Gali­zien und Lodo­me­rien sollten in freier Wahl entscheiden, ob sie diesem Kondo­mi­nium beitreten oder selbst­ständig werden wollen.
    Die Ostukraine und Neuruss­land sollten zu Russ­land kommen.

  4. Ungarn sind nicht die einzigste unter­drückte Minder­heit, durch die Russen erfährt man auch, daß es ein Grieche gibt, die man bisher immer nicht erwähnte. Bis zu dem Zeit­punkt als Russ­land dies erwähnte. Mir wäre es nur Recht sollte die geklauten Gebiete wieder an die ursprüng­li­chen ange­glie­dert werden. Gerade den Ungarn wurde in Europa viel Leid angetan.

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  5. Ultima ratio für geschei­terte euro­päi­sche Politiker:

    Wenn sonst nichts mehr geht – Hass auf die Ungarn schüren geht immer. Sind zwar histo­risch eines der fried­lichsten Völker des Konti­nents, aber „dieses Fremde, was sich da
    meldet“ (frei nach Sieg­fried Lenz, „Deutsch­stunde“) reicht zur Beschwö­rung der Solidarität.

    Siehe Bren­tano 1955 zur 1000-Jahr-Feier des als „Schlacht auf dem Lech­feld“ bekannten Über­falls deutshcer Halunken auf unga­ri­sche Handels­ka­ra­wanen: Der Kampf gegen die Orkhorden aus den Steppen des Ostens als konsti­tu­tives Element der deut­schen Geschichte.

    Macht’s gut, liebe Deut­sche. Wir haben euren A… schon mehr als einmal gerettet, zum letzten Mal 1989. Jetzt über­lassen wir euch euren neuen Freunden aus den Staublän­dern, ihr wollt es so.

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    • Die meisten deut­schen wissen es nicht anders. Nachdem ich vor ein paar Jahren Deutsch­land verlassen habe um in Ungarn zu leben, kam immer wieder von Bekannten die Bemer­kung, “ aber das ist doch keine Demo­kratie dort“ . Hier habe ich zum ersten mal eine Demo­kratie kennen­ge­lernt und ein Volk das nicht zutiefst gespalten ist und über Meinungs­ver­schie­den­heiten ganz gelassen disku­tieren kann.

  6. Keine Sorge, Viktor steht für Ungarn. Für die Sicher­heit und Wohl­stand der unga­ri­schen Bürger ohne Krieg und Abzocke west­li­cher Spekulanten.
    Laß die Kreigs­hetzer und Hass­tröten nur ihr Gift versprühen. Nato, EU, WEF oder ukrai­ni­sche Funk­tio­näre des Nazi­re­gimes: es gilt, was mein Opa immer sagte:
    „Aus einem kranken Arsch kommt niemals ein gesunder Furz!“

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