Ungarn: 100-jährige Bilanz der Linken

Bildquelle: Ungarnreal

Von István Zoltán
 
Was hat denn die unga­ri­sche Linke in den letzten hundert und ein paar zerquetschten Jahren in Ungarn dem Gemein­wohl Dien­li­ches zustande gebracht, auf das sie mit Recht stolz sein könnte, vor dem wir den Hut ziehen könnten? Die Frage ist auch deshalb schwierig, weil die Linke nicht geeint und in Raum und Zeit stark frag­men­tiert ist.

Nun, wir Ungarn wurden in 1919 und später nach 1945 mit dem schlimmst­mög­li­chen, bolsche­wis­tisch-kommu­nis­ti­schen Terror nach russi­schem Vorbild überzogen.

Was können wir also in die posi­tive Schale der wertenden Bilanz legen, wenn wir die inlän­di­sche Linke bewerten? Land­ver­tei­lung? Die barm­her­zige Vertei­lung von Land, das anderen gestohlen wurde, damit im nächsten Moment die Menschen, die zum Land kamen, in die sozia­lis­ti­schen Genos­sen­schaften gedrängt werden? Oder die Vertei­lung von Miet­woh­nungen nach Räumungen und entschä­di­gungs­losen Verstaatlichungen?

Und was können wir in die andere, nega­tive Schale der Waage legen?

Als erstes Mihály Káro­lyis Assis­tieren zur kommu­nis­ti­schen Macht­über­nahme in 1919den roten Terror des in gepan­zerten Zügen herum­fah­renden blut­rüns­tigen Tibor Szamuely mit seinen Gefährten, und die von ihnen einge­führte 133 Tage andau­ernde Proletar-(eher Terror-)diktatur.

Zwei­tens, den syste­ma­ti­schen Wahl­be­trug mit den berüch­tigten blauen Zetteln in 1947 und die skru­pel­lose Schre­ckens­herr­schaft des Salami-Takti­kers Rákosi. Und im Zusam­men­hang damit die erzwun­gene Flucht von Hundert­tau­senden Menschen aus Ungarn 1956. Den neuen, schweren Verlust an Menschen nach dem Krieg.

Drit­tens, die Einrich­tung der Staats­schutz­be­hörde (AVH- ung.Stasi), die Menschen folterte und sie zwang, Mein­eide zu leisten oder falsch auszu­sagen. Konzep­ti­ons­pro­zesse an den Gerichten, welche von der Partei­zen­trale aus gesteuert wurden. Die Blut­richter. Kistarcsa, Recsk und Hort­o­bágy, Lager für die entrech­teten Vertrie­benen. Wo viele ohne Urteil, unter unmensch­li­chen Bedin­gungen fest­ge­halten, bis aufs Blut gede­mü­tigt, zur Zwangs­ar­beit gezwungen und im besten Fall zu stummen Über­le­benden wurden.

Vier­tens, die grau­same Verfol­gung von Kirchen und Pries­tern, die Auflö­sung von Klös­tern und Nonnen­orden und damit die gezielte Zerstö­rung des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts.

Fünf­tens, die entschä­di­gungs­lose Verstaat­li­chung und Liqui­die­rung der dama­ligen Betriebe, die Verfol­gung der ausge­plün­derten Eigen­tümer. Und damit das Absterben des Unter­neh­mer­geistes der Begabten und Fleißigen.

Sechs­tens, die Verfäl­schung der unga­ri­schen Geschichte, das Verbot von lite­ra­ri­schen Werken und Thea­ter­stü­cken. Bücher wurden verboten,  Zeit­schrif­ten­re­dak­tionen, welche die Fakten beschrieben hatten, wurden geschlossen und Dichter und Schrift­steller auf Lebens­zeit zum Schweigen gebracht.

Sieb­tens, die Verhin­de­rung der akade­mi­schen Bildung junger Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft.

Und die Liste ist noch lange nicht zu Ende; die weiche Diktatur der Kádár-Ära zum Beispiel hat nur der begrenzten Kapa­zität wegen keinen Platz mehr auf der nega­tiven Seite der Skala gefunden.

Die aggres­sive linke Politik der Verspre­chungen und der Gewalt, die auf mensch­li­cher Gutgläu­big­keit oder auf Neid und Hass baut, hinter­ließ und hinter­lässt weiterhin kaum zu heilende Narben am Körper der Gesell­schaft. Und sie zerstört absicht­lich und skru­pellos den sozialen Zusammenhalt.

Das Geheimnis des zwei­fel­haften Erfolgs der Linke ist ihre Fähig­keit, gutgläu­bige und uner­fah­rene Menschen mit einfa­chen, scheinbar sympa­thi­schen Ideen zu verzau­bern und in die Irre zu führen. Indem sie uner­füll­bare Verspre­chungen macht, pflanzt sie unrea­lis­ti­sche Forde­rungen und falsche Anschul­di­gungen in die Köpfe. Sie ist auch deshalb erfolg­reich, weil sie keine mora­li­schen Skrupel hat und sich dadurch leicht an die jewei­lige Situa­tion anpasst. Wenn es sein muss, verkleidet sie sich als Mutant und ziert sich mit modi­scher grünen Schminke. Sie glaubt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Alle Mittel. In der Tat ist die jüngere Genera­tion für linkes, aber schäd­li­ches Gedan­kengut in attrak­tiver Verpa­ckung anfällig. Es ist kein Zufall, dass die routi­nierte Linke, die Uner­fah­ren­heit der Jugend ausnut­zend, sie als Ramm­bock benutzt, um die Macht zu erlangen und zu behalten. Die einzige Vertei­di­gung gegen die Meister des Kuhhan­dels ist die gründ­liche Kenntnis der Geschichte, sonst wird sich alles wieder­holen. Und auf die Täuschung folgt zwar Enttäu­schung, aber niemals die Reparation.

Die Linke unserer Zeit hat die Kultur der Verwei­ge­rung etabliert: keine Olym­piade, kein Grenz­schutz, keine Atom­energie, kein Stadt­wäld­chen-Projekt, keine neue Eisen­bahn­linie nach Belgrad, keine natio­nale Konsul­ta­tion, kein Impf­stoff vom Osten, keine Fudan-Univer­sität, keine auto­chthonen Ungarn jenseits der Grenze, nichts.

Sie waren sich unter­ein­ander nicht mal einig in der Unter­stüt­zung der fami­li­en­po­li­ti­schen Maßnahmen!

Es ist ein bezeich­nendes Zeugnis für die Linke, dass sie auch nach Jahr­zehnten der Macht­aus­übung als Einpar­tei­en­herr­schaft nicht in der Lage war, das Land demo­kra­tisch zu regieren. Denn bloße Macht reicht zum Regieren nicht aus. Regieren ist nicht die servile Ausfüh­rung von Befehlen fremder Mächte.

##Das Handeln aller linken Regie­rungen seit 1994 könnte ein Lehr­buch­bei­spiel für den totalen Bank­rott sein; einige haben es sogar selbst zuge­geben. Die linken Regie­rungen haben uner­mess­li­chen Schaden ange­richtet, zum Beispiel durch die Über­tra­gung stra­te­gi­scher Wirt­schafts­sek­toren in auslän­di­sche Hände, durch die Verun­treuung des natio­nalen Vermö­gens, durch die Zerstö­rung des inter­na­tio­nalen Anse­hens Ungarns.

Die imagi­näre Waage ist unwei­ger­lich auf den Kopf gefallen, denn die posi­tive Waage ist leer und die nega­tive mit unver­zeih­li­chen Sünden und irrepa­ra­blen Schäden über­füllt. Einge­ständnis und Entschul­di­gung sind natür­lich ausge­blieben. Darüber hinaus setzt sich der linke Amok­lauf heute in beschleu­nigtem Tempo fort, unter­stützt durch starken inter­na­tio­nalen Rücken­wind und wohl­ha­bende Spon­soren. Miss­ach­tung der Souve­rä­nität und natio­nalen Inter­essen unseres Landes einge­schlossen. Nur damit die Linken wieder einmal die Macht an sich reißen können und im Gegenzug zu gehor­samen, fern­ge­steu­erten Statt­hal­tern werden. Denn die Heimat steht bei ihnen nicht an erster Stelle.

Nach einer hundert­jäh­rigen Gnaden­frist gibt es und kann es keine Verge­bung für die began­genen Sünden und die schwer­wie­genden Versäum­nisse geben.

Was kann ich als ein Mann, der in die Rákosi-Ära hinein­ge­boren wurde, dem wohl­mei­nenden, aber unsi­cheren Wahl­volk, den Ungläu­bigen, den Unin­for­mierten, aber vor allem der Jugend noch sagen? Lesen Sie István Fekete’s Buch „Zsel­lérek“, das früher verboten war! Und das Buch „Gefäng­nis­welt in Ungarn“, geschrieben von István Fehérváry, über die Zeit zwischen 1945 und 1956. Wenn Sie die geis­tige Kraft dazu besitzen.

Sei es drum! Zum Schluss empfehle ich jedem, das Museum „Haus des Terrors“, das den Opfern der Dikta­turen des 20. Jahr­hun­derts gewidmet ist, in Buda­pest zu besu­chen. Wo sich die Dikta­toren unserer Zeit mit der realen, hier in Stein gefro­renen Diktatur, ihren Tätern und gegen­ständ­li­chen Beweisen ausein­an­der­setzen können. Und wenn all dies geschehen ist, bleibt nur noch die Frage:

Ist es wirk­lich das, was wir wollen? Schon wieder?

Der Autor Dr. István Zoltán ist Univer­si­täts­do­zent i.R

Dieser Beitrag von MAGYAR NEMZET erschien in deut­scher Sprache
(Über­set­zung von Dr. Andrea Martin) zuerst bei UNGARNREAL, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


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