Ungarn: Bewe­gung im Vorfeld der Parla­ments­wahl im Früh­jahr 2022

Klára Dobrev · Foto: Europäuisches Parlament / Wikinedia CC BY 2.0

Etwas mehr als ein Jahr vor der landes­weiten Neuwahl des Parla­ments zerbricht sich die unga­ri­sche Links­op­po­si­tion („Soros-Block“) den Kopf über einen gemein­samen Spit­zen­kan­di­daten. Zu diesem Zweck beauf­tragte die Száz­advég-Stif­tung ein Meinungs­for­schungs­in­stitut mit einer Umfrage. Nun liegt das Ergebnis vor. Danach wollen 23 % der Wähler, die für das in Aussicht genom­mene oppo­si­tio­nelle Bündnis (Post­kom­mu­nisten, Gruppe um den vorma­ligen Premier Ferenc Gyurcsány, Jobbik, Momentum-Bewe­gung, Links­grüne und dem Politzwerg namens „Dialog“) stimmen wollen, am liebsten die EU-Abge­ord­nete der DK, Klára Dobrev, die Ehefrau von Ex-Premier Gyurcsány, als Spit­zen­kan­di­datin sehen.

Der Buda­pester Ober­bür­ger­meister Gergely Karác­sony, Vorsit­zender von „Dialog“, bringt es ledig­lich auf 14 % und landet hinter dem partei­losen Ex-Minis­ter­prä­si­denten Gordon Bajnai (20 %) und Péter Márki-Zay mit 17 % auf dem medail­len­losen vierten Platz. Márki-Zay ist Bürger­meister von Hódme­ző­vá­sá­r­hely. Der Name der Stadt ist vielen Menschen im deut­schen Sprach­raum geläufig, spielt doch der Film „Ich denke oft an Piroska“ in jener Gegend, nämlich in Hódmezővásárhelykutasipuszta.

Das Ergebnis der Umfrage bedeutet für den Buda­pester Stadt­chef Gergely Karác­sony eine herbe Schlappe, sah er sich doch nach seinem knappen Sieg bei den Gemein­de­rats­wahlen schon als präsum­tiver Nach­folger von Viktor Orbán. Die gesun­kene Popu­la­rität von Karác­sony sei, so Beob­achter, auf uner­füllte Wahl­ver­spre­chen, die Verzö­ge­rung wich­tiger Buda­pester Entwick­lungs­pro­jekte und das schwache Manage­ment in der Corona-Krise zurück­zu­führen. Bekannt­lich entfällt ein gewich­tiger Teil der Corona-Toten auf Pati­enten in den haupt­städ­ti­schen Rentner- und Pflegeheimen.

Die eher farb­lose 49-jährige Klára Dobrev ist eine von zwei Dutzend Vize­prä­si­denten des EU-Parla­ments, ist frei­lich in Straß­burg nicht weiter positiv aufge­fallen. Dies­be­züg­lich erin­nert sie ein wenig an Ulrike Lunacek. Ihren slawi­schen Fami­li­en­namen hat sie von ihrem bulga­ri­schen Vater. Es ist in Buda­pest ein offenes Geheimnis, wonach Ferenc Gyurcsány seine Gemahlin mit allen Mitteln fördert, damit sie das Oppo­si­ti­ons­bündnis anführt. Gyurcsány selbst ist soweit Realist, um eine eigene Spit­zen­kan­di­datur auszu­schließen. Gilt er doch als der am meisten von der Bevöl­ke­rung abge­lehnte Poli­tiker des Landes.

Natür­lich über­zu­ckert Gyurcsánys Rivale András Fekete-Györ das höchst durch­schau­bare Manöver, hier eine Art weib­li­chen „Stroh­mann“ aufzu­bauen, der das tut, was Gyurcsány will. Der Momentum-Chef Fekete-Györ (32) ist um eine Genera­tion jünger als Dobrev und strebt das Amt des Regie­rungs­chefs an. In der oben erwähnten Meinungs­um­frage scheint er wahr­schein­lich nur unter „ferner liefen“ auf. Was ihn vermut­lich noch mehr ansta­cheln wird, Dobrev zu verhin­dern. Ein gemein­sames Antreten der Oppo­si­tion im Früh­jahr 2022 ist daher wenig wahrscheinlich.

Neben dem Regie­rungs­bündnis Fidesz-KDNP und dem linken Soros-Block geht auf der rechten Seite des poli­ti­schen Spek­trums die Unsere-Heimat-Bewe­gung („Mi hazánk“) bei der nächsten Wahl ins Rennen; sie ist die patrio­ti­sche Abspal­tung der Jobbik. Laut deren Vize-Vorsit­zender Dóra Dúró wird die Bewe­gung in allen 106 Wahl­kreisen Einzel­kan­di­daten sowie einen eigenen Spit­zen­kan­di­daten und eine Landes­liste aufstellen. Mit dem Zusam­men­schluss zu einem Soros-affinen Block wollten, so „Mi hazánk“, die linken Parteien erneut Ferenc Gyurcsány an die Macht bringen, eine Person, die sie früher als „Lügen­pre­mier“ am heftigsten kritisierten.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Zur Zeit [Autor: E.K.-L.]

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