Ungarn: Demü­ti­gende Nieder­lage für András Fekete-Győr und Péter Jakab bei Vorwahlen der Linken

Klára Dobrev auf dem Széll Kálmán-Platz in Budapest während der Vorwahlen · Bildquelle: Magyar Nemzet

Am Donners­tag­abend wurden die Ergeb­nisse der Vorwahlen der Linken bekannt gegeben. Demnach hat Klára Dobrev in der ersten Runde die meisten Stimmen erhalten, vor Gergely Karác­sony und Péter Márki-Zay. Bei der offi­zi­ellen Bekannt­gabe bezeich­nete Klára Dobrev die Vorwahlen als den Beginn eines Wandels – von Medi­a­works Hírcen­trum befragte Poli­to­logen betonten jedoch ganz andere Aspekte des Ergebnisses.

- Ange­sichts der Ergeb­nisse der Vorwahlen der Linken kann man sagen, dass das Casting tatsäch­lich den Inter­essen der Linken vor 2010 und Ferenc Gyurcsány diente“, so Erik Tóth, ein führender Analyst des unga­ri­schen Zentrums für Grundrechte.

Die Demo­kra­ti­sche Koali­tion (DK) und Ferenc Gyurcsány persön­lich gingen als klarer Sieger aus der ersten Runde hervor, die durch Hinter­zim­mer­ab­spra­chen entschieden wurde und sich auf ein enges Feld beschränkte. Der DK-Kandidat könnte in mehr als der Hälfte der einzelnen Bezirke, die bei früheren Wahlen zugunsten der Oppo­si­tion ausge­fallen waren, der Heraus­for­derer von Fidesz-KDNP sein. All dies bedeutet, dass in der nach den Wahlen von 2022 zu bildenden Natio­nal­ver­samm­lung die DK-Frak­tion die stärkste sein wird und die Gyurcsány-Leute das größte Druck­po­ten­zial haben werden.

Der führende Analyst meint, DK-Vorsit­zender Gyurcsány könne sich auch darüber freuen, dass entweder seine Frau Klára Dobrev oder Gergely Karác­sony, der früher als Berater für ihn tätig war, als Minis­ter­prä­si­den­ten­kan­didat der Sechs-Parteien-Links­ko­ali­tion antreten wird.

András Fekete-Győr (Momentum) und Péter Jakab (Jobbik) erlitten demü­ti­gende Nieder­lagen: Die beiden Partei­vor­sit­zenden wurden von einer erschre­ckend geringen Zahl von Wählern gewählt, und sie konnten nicht einmal ihre eigenen Anhänger davon über­zeugen, dass sie deren Vertrauen verdienen.

- Auch in der zweiten Runde könnte sich das gleiche Szenario abspielen: Péter Márki-Zay wird zugunsten von Karác­sony zurück­treten, der auch die Unter­stüt­zung der anderen Oppo­si­ti­ons­führer gegen Klára Dobrev hat.

- Im Verlauf der linken Vorwahlen wurde mehr­fach der Verdacht geäu­ßert, dass das Ergebnis in mehreren Fällen bereits im Voraus fest­stand, und in Analys­ten­kreisen herrscht die Meinung vor, dass die Mitglieder der links­li­be­ralen Regen­bo­gen­ko­ali­tion Gergely Karác­sony als gemein­samen Kandi­daten für das Amt des Minis­ter­prä­si­denten wollen und das ganze Verfahren nur eine Farce ist – so Dániel Deák, der führende Analyst des Insti­tuts des XXI. Jahrund­erts. Er fügte hinzu:

Dies wird durch die Anzei­chen von Miss­brauch und Betrug bestä­tigt. So wurden z. B. nach einem Unfall auf der Auto­bahn M3 Wahl­zettel gefunden, und in dem Auto, das in den Unfall verwi­ckelt war, wurden große Mengen an Bargeld gefunden. Doch mehreren Berichten zufolge waren die Wahl­urnen nicht versie­gelt und die geheimen Stimm­zettel in den Wahl­zelten über­haupt nicht gesichert.

Das Vertrauen in die Glaub­wür­dig­keit der Ergeb­nisse wird nach Ansicht des Experten auch durch den Zusam­men­bruch des IT-Systems der Oppo­si­tion und die Tatsache unter­graben, dass selbst links­li­be­rale Zeitungen ernst­hafte Probleme mit der Aufzeich­nung der Stim­men­aus­zäh­lung gemeldet haben. Erschwe­rend kam hinzu, dass am Donners­tag­nach­mittag einige oder alle Räum­lich­keiten in Újpest, in denen die Auszäh­lung der Stimmen in Buda­pest seit dem frühen Mitt­woch­morgen statt­fand, geräumt werden mussten. Der Sitz der MSZP in der Villányi út wurde als einer der neuen Stand­orte bestimmt.

Dániel Deák kam zur Schlussfolgerung:

Da die Trans­pa­renz in vielen Fällen nicht gewähr­leistet ist, ist es äußerst frag­lich, ob die Daten echt sind oder mani­pu­liert wurden.

Quelle: Magyar Nemzet


2 Kommentare

  1. Viel­leicht haben sich auch Fidesz-Anhänger betei­ligt und Dobrev gerade darum gewählt, weil sie sie für am wenigsten aussichts­reich zum Antreten gegen Orbán halten? Köpf­chen, Köpf­chen! Ich habe mich auch schon immer darüber gewun­dert, daß in manchen US-Staaten bei der Vorwahl die Anhänger des einen Lagers hinein­reden dürfen, wen das andere Lager ins Rennen schickt. Ob das schon oft so ausge­nutzt wurde? Wurden viel­leicht deswegen die meisten Präsi­denten wiedergewählt?

  2. Ich hoffe für alle Ungarn, aber auch für mich, dass Orban aus der nächsten Wahl wieder als Sieger hervor­geht. Mit einem Links­ruck in Ungarn wäre das Land dem Kommu­nismus weitaus näher als der Demo­kratie. Ohne Orban kann es nur noch schlechter werden. In meinem Bekann­ten­kreis verweise ich meine unga­ri­schen Freunde immer auf die Zustände in Öster­reich und Deutsch­land und mache darauf aufmerksam, dass sich diese Zustände auch in Ungarn breit machen werden.

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