Ungarn: posi­tive Aussichten für die wirt­schaft­liche Erholung

Bildquelle: Centro Machiavelli

Von Marcell Dengi

Das gerade abge­lau­fene Jahr hat, völlig von Covid geprägt, nicht nur eine gesund­heit­liche, sondern auch eine wirt­schaft­liche Krise verur­sacht. Auch das stetige Wachstum der unga­ri­schen Wirt­schaft – 4,3 % im Jahr 2017, 5,4 % im Jahr 2018, 4,6 % im Jahr 2019 – kam zum Still­stand, ebenso wie in vielen anderen EU-Staaten und darüber hinaus. Viele Analysten glauben, dass Trump die Wahl wegen der weit verbrei­teten Arbeits­lo­sig­keit, die durch die Pandemie verur­sacht wurde, verloren hat. In Europa wurde inzwi­schen der 750-Milli­arden-Fonds „New Genera­tion Fund“ aufge­legt, um die Wirt­schaft der Mitglieds­staaten zu sanieren.

Der April war der Monat der Finanz­ana­lyse, da eine Reihe von briti­schen Analy­se­un­ter­nehmen ihre jewei­ligen Berichte mit Vorher­sagen über die Zukunft veröf­fent­licht haben. Diese Analysen zeigen eine glän­zende Zukunft für Ungarn. Eine der führenden Londoner Firmen, Capital Econo­mics, behauptet, dass sich die unga­ri­sche Wirt­schaft in der Region am schnellsten erholen wird. Zwar war Ungarn im ersten Quartal finan­ziell eher schwach, aber immer noch weit vor dem mittel- und osteu­ro­päi­schen Kontext in der Impf­kam­pagne, weshalb seine wirt­schaft­liche Erho­lung früher als in anderen Ländern einsetzen wird. Der Rück­gang im ersten Quartal war auf die Indus­trie­pro­duk­tion und den Einzel­han­dels­konsum zurück­zu­führen, aber es wird mit einer Erho­lung im zweiten Quartal gerechnet, auch dank der staat­li­chen Unterstützung.

Zoltán Török, Analyst bei der Raiff­ei­sen­bank, erklärte im Inter­view mit „Pénzcentrum.hu“, dass Ungarn dank der Impf­kam­pagne im zweiten Quartal von einer vollen Wieder­eröff­nung profi­tieren wird. Im nächsten Jahr wird das Wirt­schafts­wachstum dank der Erho­lung des Tourismus und der euro­päi­schen Fonds inten­siver sein. Laut Török hat Buda­pest weder von den Rating-Agen­turen noch von der EU etwas zu befürchten, da es sich um eine „völlig akzep­table Wirt­schafts­po­litik“ handelt.

Die Infla­ti­ons­rate steigt, ist aber kein Grund zur Sorge, da sie in den kommenden Jahren durch eine wachs­tums­ori­en­tierte Geld­po­litik und eine defi­zi­täre Finanz­po­litik unter­stützt wird. Nach der Verlang­sa­mung im ersten Quartal erwarten die Analysten der Taka­rék­bank im zweiten Quartal einen deut­li­chen Anstieg im Indus­trie­seg­ment mit einem geschätzten Einfluss auf das BIP von 8–9%. Der Basis­ef­fekt wird laut Gergely Suppan dazu führen, dass die Indus­trie­pro­duk­tion um bis zu 60–70% steigt. Suppan glaubt, dass die Arbeits­lo­sen­quote, teil­weise saisonal bedingt, über 4,5 % bleiben wird, aber in der zweiten Jahres­hälfte ist es plau­sibel, dass sie sinken wird. Im Durch­schnitt des letzten Jahres lag die Arbeits­lo­sig­keit bei 4,1 % und soll bis 2021 auf 3,9 % sinken.

Capital Econo­mics versuchte sich auch an einer länger­fris­tigen Projek­tion und prognos­ti­zierte, dass die unga­ri­sche Wirt­schaft bis 2023 um 4,5 % wachsen könnte. Im vergan­genen Jahr lag die Defi­zit­quote bei 8,1 %, was ange­sichts der Pandemie nicht über­ra­schend ist. Die Prognose sieht einen Rück­gang auf 5,1 % in diesem Jahr und 4,1 % im Jahr 2022 vor, um dann im Jahr 2023 3,3 % zu errei­chen. Buda­pest hat eine hohe Schul­den­quote, die während der Pandemie auf 78% anstieg, aber auch hier ist die Prognose opti­mis­tisch: Redu­zie­rung auf 76,5% in diesem Jahr, 75,5% im nächsten Jahr und 74,3% im Jahr 2023. Aus diesen Prognosen und denen von Fitch Ratings können wir schließen, dass die Auswir­kungen des Next Genera­tion EU-Fonds ab 2022 spürbar sein werden. Deshalb dürfte das BIP in diesem Jahr moderat (3,2 %) und im nächsten Jahr deut­li­cher (5,6 %) wachsen.

Marcell Dengi
MCC Visi­ting Fellow am Centro Studi Machia­velli. Student der Inter­na­tio­nalen Wirt­schaft an der Buda­pester Univer­sität für Tech­no­logie und Wirt­schaft und der School of Econo­mics des Mathias Corvinus Collegiums.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei CENTRO MACHIAVELLI, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


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