Ungarn: Skandal um Englisch-Kennt­nisse des Buda­pester Bürger­meis­ters und falschen Doktortitel

Die Gegenspieler: Viktor Orbán und Gergely Karácsony · Foto: Remix News

Hat der oppo­si­tio­nelle Kandidat für das Amt des Minis­ter­prä­si­denten 2022, Gergely Karác­sony, gelogen, als er behaup­tete, er habe einen Doktortitel?

Der Skandal um die Englisch­kennt­nisse des libe­ralen Buda­pester Bürger­meis­ters und Kandi­daten für das Amt des Minis­ter­prä­si­denten 2022, Gergely Karác­sony, brach mit der Veröf­fent­li­chung einer Fern­seh­auf­zeich­nung aus dem Jahr 2020 aus, auf dem der Bürger­meister während einer Gedenk­ver­an­stal­tung jede Konver­sa­tion auf Englisch mit einem auslän­di­schen Diplo­maten zu vermeiden scheint. Während des Tref­fens mit dem korea­ni­schen Botschafter im letzten Jahr war der unga­ri­sche Außen­mi­nister Péter Szij­jártó gezwungen, für den Bürger­meister zu über­setzen, um weitere Pein­lich­keiten zu vermeiden. Das Film­ma­te­rial zeigt, wie Karác­sony die Veran­stal­tung verlässt, ohne den korea­ni­schen Diplo­maten über­haupt anzusprechen.

Das Video hatte in den Medien eine Unter­su­chung darüber ausge­löst, wie der libe­rale Bürger­meister, der Viktor Orbáns Haupt­kon­kur­rent bei den Parla­ments­wahlen 2022 ist, seinen Doktor­titel ohne die entspre­chenden Sprach­kennt­nisse erlangen konnte, die in der unga­ri­schen Post­gra­du­ier­ten­aus­bil­dung gesetz­lich vorge­schrieben sind. Die Unter­su­chung hat ergeben, dass der Bürger­meister nicht nur keine gültigen Sprach­prü­fungen hat, sondern dass auch seine früheren Behaup­tungen, einen Doktor­titel zu besitzen, irre­füh­rend waren.

Wie sich heraus­stellte, hatte der Bürger­meister sein Promo­ti­ons­stu­dium im Jahr 2007 ohne Fremd­spra­chen­zer­ti­fikat begonnen, was damals noch möglich war. Dennoch schei­terte er an seinen Sprach­kennt­nissen, aber auch an seinen mangelnden akade­mi­schen Fort­schritten während des Studiums. Er konnte seine Forschungs­ar­beit nicht beenden und hat während des Studiums keine Artikel veröffentlicht.

Das hinderte Karác­sony nicht daran, bei den Wahlen 2018 zu behaupten, er habe einen Doktor­titel. Auf der Website seiner Partei behaup­tete er, dass er 2007 einen Abschluss in Poli­tik­wis­sen­schaften erhalten habe. Dies hat sich inzwi­schen als Fälschung heraus­ge­stellt, da er erst 2007 mit dem Promo­ti­ons­stu­dium begonnen hat. Außerdem hätte er für die Erlan­gung eines Doktor­di­ploms gleich zwei Fremd­spra­chen­zer­ti­fi­kate benö­tigt, von denen er keines besitzt. Tatsäch­lich hat er in dieser Zeit für eine Umfra­ge­agentur gear­beitet, die von der dama­ligen sozia­lis­ti­schen Regie­rung von Ferenc Gyurcsány zig Millionen unga­ri­sche Forint an Provi­sionen erhalten hat.

Jüngsten Umfragen zufolge erwarten 83 Prozent der Ungarn, dass der Premier­mi­nister des Landes Englisch spricht, und nur 13 Prozent würden Karác­sony gerne an der Spitze des Landes sehen. Als ob die pein­li­chen Umfragen, zu denen der Skandal um die Sprach­kennt­nisse zwei­fels­ohne beigetragen hat, nicht schon genug wären, veran­lasste eine beiläu­fige Bemer­kung des Bürger­meis­ters, in der er seinen ehema­ligen akade­mi­schen Vorge­setzten anpö­belte, den besagten Professor dazu, sich mit weiteren pein­li­chen Enthül­lungen in die Debatte einzuschalten.

Laut Prof. András Lánczi hatte Karác­sony während seiner Dokto­ran­den­zeit die volle Unter­stüt­zung des akade­mi­schen Perso­nals erhalten und sogar eine außer­or­dent­liche Frist­ver­län­ge­rung zum Abschluss seines Studiums bekommen. Trotz aller Hilfe hatte der Professor keine andere Wahl, als Karác­sony von der Univer­sität zu entlassen, da er keine Fort­schritte zeigte und die gefor­derten Fristen nicht einhielt. Eher groß­mütig sieht der Professor die mangelnden Sprach­kennt­nisse seines ehema­ligen Schütz­lings als Erbe des früheren kommu­nis­ti­schen Regimes, in dem nur wenige Auser­wählte in der Lage waren, Englisch­kennt­nisse auf hohem Niveau zu erwerben.

Obwohl Karác­sonys Absicht, bei den Wahlen 2022 als Minis­ter­prä­si­dent zu kandi­dieren, erst vor wenigen Tagen bekannt gegeben wurde, bezeichnen einige Analysten dies als den schlech­testen Start in einen Wahl­kampf seit dem Fall des kommu­nis­ti­schen Regimes. Zu seiner eigenen Vertei­di­gung behaup­tete Karác­sony, er verfüge über, wie er es nannte, „hyper-passive“ Englisch­kennt­nisse. Um sich vor weiterer Kritik zu schützen, hat er auch versucht, eine Opfer­gruppen-Iden­tität anzu­nehmen, als er behaup­tete, dass seine Probleme mit der engli­schen Sprache von einer Legasthenie in der Kind­heit herrühren, die er aber nach eigener Einschät­zung im Erwach­se­nen­alter über­winden konnte.

Obwohl der Bürger­meister keine Beweise dafür vorlegte, dass bei ihm jemals Legasthenie diagnos­ti­ziert wurde, und es auch keine medi­zi­ni­schen Beweise dafür gibt, dass Legasthenie in der Kind­heit im Erwach­se­nen­alter verschwinden kann, hatte Karác­sony behauptet, dass er jetzt in der Lage ist, Dutzende von Seiten auf einmal mit einer Geschwin­dig­keit durch­zu­lesen, zu der nur wenige andere fähig sind.

Der libe­rale Bürger­meister, der sich oft als Vertei­diger der Pres­se­frei­heit gegen die angeb­lich auto­ri­täre Regie­rung von Viktor Orbán posi­tio­niert, reagierte auf die Frage eines Jour­na­listen nach seinem Doktor­di­plom verär­gert mit den Worten: „Schämen Sie sich“. Auslän­di­schen Jour­na­listen gegen­über war er jedoch entge­gen­kom­mender, als er in einem Inter­view mit dem ameri­ka­ni­schen Magazin The Econo­mist unter dem Titel „Der Mann, der Orbán stürzen könnte“ den amtie­renden Minis­ter­prä­si­denten wegen seines Gewichts und seiner Körper­größe beschimpfte. Der amtie­rende Minis­ter­prä­si­dent Viktor Orbán, Karác­sonys Haupt­kon­kur­rent bei den Wahlen 2022, ist für seine guten Englisch­kennt­nisse bekannt.

Orbán hat eine Reihe von Pres­se­kon­fe­renzen auf Englisch gehalten und scheint die Sprache als diplo­ma­ti­sches und kommu­ni­ka­tives Mittel zu nutzen, um unga­ri­sche Inter­essen auf inter­na­tio­naler Ebene zu fördern. Ange­sichts des rela­tiven Mangels an Unga­risch­spre­chern welt­weit könnte dies ein Faktor sein, warum die Ungarn einen Premier­mi­nister, der die Sprache sicher beherrscht, stark unterstützen.

Quelle: Remix News


1 Kommentar

  1. Na, Párbeszéd sind doch auch „Schein­grüne“, da sollte doch so ein Umstand nicht wundern!

    Was die „Dr. Titel“ bei den linken Spacken – gene­rell – angeht, also auch die Titel von „Promo­vierten“ aus der „Tradi­ti­ons­ver­rä­ter­partei SPD, stehen wir wohl noch am Anfang der Aufde­ckung der – gewohnten – Lügen aus diesem Dunstkreis?! 

    Es muss auch gar nicht mehr so ein Titel sein, inzwi­schen „bescheidet“ man sich wohl bei den Lügen, um sich der Gefahr einer Nach­prü­fung zu entziehen. „Anal­lena Baer­blöd“ hat ja inzwi­schen „bewiesen“, dass schon ein „Master“ ausreicht. „Du Schweine und Kühe, ich Völker­recht“, ist ja inzwi­schen ein gera­dezu legen­därer Ausspruch der künf­tigen Kanzlerette! 

    Warum sollte es also bei den „Grünen“ in Ungarn anders sein! Für diese Ideo­logie gehören Lügen und Betrug zum Credo! Ach ja, schlechte – möglichst sehr schlechte – Bildung und krimi­nelle Energie, sind natür­lich auch noch wichtig!

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