Viktor Orbán bittet Papst Fran­ziskus, Ungarn nicht unter­gehen zu lassen

Bildquelle. BVoltaire

Papst Fran­ziskus traf Viktor Orbán, der ihn bat, „das christ­liche Ungarn nicht unter­gehen zu lassen“, auch wenn die beiden Männer vor allem in Fragen der Migra­ti­ons­po­litik durchaus nicht einer Meinung sind.

Von Lionel Baland

Der Papst besuchte Ungarn am Sonntag, den 12. September 2021, um eine Messe anläss­lich des 52. Inter­na­tio­nalen Eucha­ris­ti­schen Kongresses auf dem Helden­platz in Buda­pest zu feiern, auf dem Statuen der wich­tigsten histo­ri­schen Persön­lich­keiten des Landes stehen. Zuvor hatte er sich mit dem unga­ri­schen christ­de­mo­kra­ti­schen Minis­ter­prä­si­denten getroffen.

Der ideo­lo­gi­sche Schlag­ab­tausch fand vierzig Minuten lang hinter verschlos­senen Türen im Buda­pester Museum der Schönen Künste am Rande des Helden­platzes statt, in Anwe­sen­heit des unga­ri­schen Staats­prä­si­denten Janos Ader und zweier hoch­ran­giger Beamter der römi­schen Kurie.

Nach dem Treffen postete Viktor Orbán ein Foto des Tref­fens auf Face­book und erklärte, er habe den Papst gebeten, „das christ­liche Ungarn nicht unter­gehen zu lassen“.

Nach Ansicht von Medi­en­kom­men­ta­toren war das Treffen ein diplo­ma­ti­scher Affront gegen einen regulär gewählten Minis­ter­prä­si­denten, da der Papst ihm entgegen dem Rat der diplo­ma­ti­schen Dienste des Vati­kans den Status eines Staats­be­suchs verwei­gerte. Ein unga­ri­scher TV-Kommen­tator sagte sogar: „Er will Ungarn demütigen!“

Im offi­zi­ellen Kommu­niqué des Papstes werden die „heißen Eisen“ nicht erwähnt, sondern es heißt ledig­lich, dass die Gesprächs­partner unter anderem über den Schutz der Umwelt und der Familie gespro­chen haben.

Während der christ­liche Führer entspannt wirkte, war der unga­ri­sche Regie­rungs­chef weit weniger entspannt, da er ein großes Inter­esse daran hat, seine Wähler­schaft zu halten. Tatsäch­lich will die Oppo­si­tion bei den Wahlen 2022 als Einheit auftreten. Libe­rale, sozia­lis­ti­sche, umwelt­po­li­ti­sche und ehemals ultra­na­tio­na­lis­ti­sche poli­ti­sche Gruppen haben sich zusam­men­ge­schlossen, um zu versu­chen, die derzei­tige Regie­rung zu stürzen.

Sowohl Ungarn als auch Polen werden von Brüssel ange­griffen, das sie wegen ihrer Migra­ti­ons­po­litik und ihrer Haltung zu LGBTQIA+-Themen finan­ziell bestrafen will, während die EU versucht, mehr Kontrolle über die polni­sche Justiz und die magya­ri­sche Medi­en­land­schaft auszu­üben. Die unga­ri­sche Justiz­mi­nis­terin Judit Varga (Fidesz) erklärte kurz vor dem Papst­be­such, ihr Land werde alle recht­li­chen Mittel ausschöpfen, um im Streit mit der EU auf Seiten Polens zu intervenieren.

Viktor Orbán, der kurz vor dem Besuch von Fran­ziskus die serbi­sche patrio­ti­sche Minis­ter­prä­si­dentin Ana Brnabić (SNS) empfing, teilte der Öffent­lich­keit nach einer gemein­samen Sitzung der Regie­rungen beider Länder in Buda­pest mit, dass Ungarn und Serbien – ein Nicht-EU-Mitglied – die euro­päi­schen Grenzen gegen die Migra­tion vertei­digen werden, auch wenn keine Aner­ken­nung durch die EU zu erwarten ist.

Fran­ziskus flog am frühen Nach­mittag in die Slowakei, wo er drei Tage lang zu Besuch sein wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BOULEVARD VOLTAIRE, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


9 Kommentare

  1. Ich mag den Viktor, vor allem, weil schon sein Name Sieg verheisst, aber vor diesem südame­ri­ka­ni­schen Sozi­al­ar­beiter in der Möch­te­gern – One – Word – Bude den Bück­mann und Bitt­steller zu machen, finde ich abge­schmackt. Mag sein, dass viele länd­liche Ungarn noch nicht gepeilt haben, was da gespielt wurde und wird. Besser ohne den ganzen Klimbim die Luther­bibel lesen und sich von Gott was sagen lassen statt von diesen „Stell­ver­tre­tern, die sich, man glaubt es kaum, auch noch mit „Heiliger Vater“ titu­lieren lassen. Bei manchen Evan­ge­li­kalen brennt auch die Ober­lei­tung, wenn sie vom „lieben Bruder in Rom“ und Gerech­tig­keit (auf Erden, wohl­ge­merkt) und Ökologie usw. und – neues­tens auch noch „in gerechter Sprache“, weil Dr. Martinus Luther ja dermassen unge­recht war und der Gender­schleim nebst dem ulti­ma­tiven Glau­bens­be­kenntnis des „Wir haben so Vieles geschafft, wir schaffen das“ nun auch in die Ritzen der Theo­lo­gen­ge­hirne fließt …- gelun­gener Ökumene faseln. Der liebe Bruder (und seine etwas spezi­ellen Brüder welt­weit) verfolgt einen glas­klaren Plan, wie die Jiha­disten und China auch. Ein Poli­tiker muss das checken. Mit dem Evan­ge­lium von Jesus Christus, der einzigen Macht im Himmel und auf Erden, an die ein klug gewor­dener Menschen sich wenden sollte, und seinem Heils­plan für Dich , mich und alle an den Herrn glau­benden Ungarn, hat der Plan NULLKOMMANULL zu tun. Viktor, bitte lass es sein mit Merk­würden zu verhan­deln, mach den Nacken steif und komm zur Vernunft.

  2. In meinen Augen haben Sie etwas Wich­tiges über­sehen: Viktor Orban bittet den Papst nicht, Ungarn nicht unter­gehen zu lassen; sondern er bittet den Papst, „das christ­liche Ungarn nicht unter­gehen zu lassen“. Der Akzent liegt auf dem Wort christ­lich. Und da erweist sich Viktor Orban als ein Kenner der Deut­schen Bischöfe, die mit aller Macht (nicht alle!) ihren Synodalen Weg allge­mein kirch­lich durch­boxen wollen. Wer regel­mäßig das katho­li­sche Nach­rich­ten­portal kath.net besucht, weiß, was Orban meint.

  3. Jetzt bin ich aber entsetzt !! Orban bittet DEN Ungarn nicht unter­gehen zu lassen! ? Ausge­rechnet den POPE? Das kann ich nicht nach vollziehen !

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    • c/o Cara

      Deine Worte sind ein wahrer Abend­segen! Noch nie waren der Vatikan und die Intri­gen­insel eine Hilfe. Ganz im Gegen­teil: Wer sich mit ihnen einge­lassen, der war von Anfang an verlassen! Die letzten, die das erfuhren waren die Kosaken in Osttirol anno 1945. Tausende Frauen und Kinder ließen die Briten von den Rotar­misten dahinmetzeln

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