Vorsit­zender des Ordo Iuris: Steht eine Ära neuer Märtyrer bevor?

Bildquelle: PCh24.pl

Von Jerzy Kwaśniewski
 

Drei Monate bis fünf Jahre Gefängnis – das ist das Strafmaß, das die deut­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hörden für Pater Professor Dariusz Oko und den 90-jährigen deut­schen Theo­lo­gie­pro­fessor Johannes Stöhr fordern, weil sie einen wissen­schaft­li­chen Artikel veröf­fent­licht haben, in dem das beun­ru­hi­gende und skan­da­löse Phänomen einer orga­ni­sierten krimi­nellen Gruppe inner­halb der Kirche beschrieben wird, die durch homo­se­xu­elle Prak­tiken und die gegen­sei­tige Unter­stüt­zung ihrer Mitglieder verbunden ist.

Der Text, der von einer ausführ­li­chen Biblio­gra­phie begleitet wird, ist die auf zuver­läs­sige Quellen gestützte Meinung des Autors zu einem wich­tigen Faktor in der wach­senden Krise der heutigen Kirche. Professor Dariusz Oko und der Chef­re­dak­teur der seit über fünfzig Jahren erschei­nenden Zeit­schrift „Theo­lo­gi­sches“, Professor Johannes Stöhr, haben sich entschlossen, mutig eine akade­mi­sche Diskus­sion über ein Thema anzu­stoßen, das auf dem scheinbar offenen deut­schen „synodalen Weg“ bisher vernach­läs­sigt wurde. Die ersten Absätze des ausführ­li­chen Arti­kels erin­nern an die in der Öffent­lich­keit wenig bekannten Worte von Papst Fran­ziskus, der 2018 in einem Inter­view ausdrück­lich sagte: „Ich hatte hier einen Bischof, der mir zu meinem Entsetzen erzählte, dass er an einem bestimmten Punkt fest­stellte, dass es in seiner Diözese – einer sehr großen Diözese – viele homo­se­xu­elle Priester gab.“

Die Autoren stellten diesen Worten das Bekenntnis von Kardinal Mara­diaga gegen­über, der auf die Frage: „Gibt es eine Schwu­len­ver­ei­ni­gung im Vatikan? – antwor­tete er mit Nachdruck:

- Nicht nur das, der Heilige Vater selbst hat gesagt, dass es eine solche Lobby in diesem Sinne gibt. Der Heilige Vater versucht langsam, diese Situa­tion zu bereinigen.

Schließ­lich deckt sich die Diagnose von Pater Professor Dariusz Oko in „Theo­lo­gi­sches“ auch in der sprach­li­chen Schärfe völlig mit den Worten von Bene­dikt XVI., der in einem 2019 veröf­fent­lichten Artikel „Die Kirche und der Skandal des sexu­ellen Miss­brauchs“ die Meinung teilte, dass sich nach dem Zweiten Vati­ka­ni­schen Konzil in verschie­denen Semi­naren homo­se­xu­elle Cliquen gebildet hätten, die mehr oder weniger offen agierten und das Klima in den Semi­naren erheb­lich veränderten.

Die deut­sche Rechtsstaatlichkeit

Schnell wurde klar, dass die Offen­heit und Tole­ranz des so genannten „deut­schen synodalen Weges“ ihre Grenzen hatte. Die Reak­tion auf den Text der Theo­logen war keine – in der akade­mi­schen Welt akzep­tierte – wissen­schaft­liche und von Fach­leuten geprüfte Polemik, nicht einmal eine jour­na­lis­ti­sche Kritik in der Presse. Der deut­sche Pfarrer Wolf­gang Rothe, der sich für Offen­heit, Tole­ranz und die Segnung gleich­ge­schlecht­li­cher Paare sowie die Förde­rung der poli­ti­schen LGBT-Bewe­gung einsetzt, forderte umge­hend ein Straf­ver­fahren gegen die Autoren. Wer es wagt, die Hand gegen die Tabus unserer Zeit zu erheben und Kritik an allem zu üben, was an das Phänomen homo­se­xu­eller Prak­tiken erin­nert, muss mit einer sofor­tigen straf­recht­li­chen Reak­tion des deut­schen Staates rechnen. Nur wenige Wochen später wurden die beiden Pries­ter­pro­fes­soren vom Kölner Straf­ge­richt zu Unter­las­sungs­strafen verurteilt.

Bezeich­nen­der­weise wurden die beiden Ange­klagten nur von Ordo Iuris unter­stützt, der ihnen Unter­stüt­zung durch kroa­ti­sche und bulga­ri­sche deut­sche Anwälte in Frank­furt verschaffte. Die wirk­liche akade­mi­sche Frei­heit, die Rede­frei­heit, die Frei­heit, die Wahr­heit zu sagen, und die Frei­heit, Prak­tiken zu kriti­sieren, die von der Kirche als Rache­schreie zum Himmel betrachtet werden, müssen in Deutsch­land von polni­schen Juristen des Ordo Iuris und Einwan­de­rern aus den Mittel­meer­län­dern vertei­digt werden. Dies sagt viel über den Zustand des deut­schen Rechts­staates aus, zu dem auch das Recht auf Vertei­di­gung in einem Verfahren gehört. Es sagt auch viel über die Bedeu­tung der Rolle der Polen und unserer Freunde aus den Mittel­meer­län­dern bei der Vertei­di­gung der Norma­lität im heutigen Europa aus.

Heute wissen wir noch nicht, wie das Straf­ver­fahren vor dem Kölner Gericht ausgehen wird und ob es notwendig sein wird, das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ruhe und anschlie­ßend den Euro­päi­schen Gerichtshof für Menschen­rechte in Straß­burg anzu­rufen. Wir werden alles daran setzen, dass dieser Präze­denz­fall zu einem Raum wird, in dem der tota­li­täre Charakter von Zensur­prak­tiken aufge­deckt und Gesetze, die Grund­frei­heiten abschaffen, laut­stark beklagt werden. Vor allem werden wir uns dagegen wehren, dass Christen wegen ihres Enga­ge­ments für die Wahr­heit, für Urteile, die sich direkt aus der mensch­li­chen Natur, der unver­än­der­li­chen Lehre der Kirche und den Worten der Heiligen Schrift ableiten, mit juris­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Zustim­mung ins Gefängnis geworfen werden.

Eine düstere Vorahnung

Der scho­ckie­rende Prozess gegen Theo­logen in Deutsch­land ist jedoch nur ein Vorge­schmack auf das, was die Euro­päi­sche Kommis­sion bereits für alle Nationen Europas ange­kün­digt hat. In den letzten Monaten wurden die Bera­tungen über eine Initia­tive abge­schlossen, die zu einer Zensur der Kritik an der Gender-Ideo­logie in der gesamten Euro­päi­schen Union führen könnte. Der Vorschlag der Kommis­sion sieht die Aufnahme dieses Konzepts in Artikel 83 des Vertrags über die Arbeits­weise der Euro­päi­schen Union vor, was zur Folge hätte, dass „Hass­reden“ in allen EU-Ländern als Straf­tat­be­stand aner­kannt werden müssten. Das Problem ist, dass er in keinem verbind­li­chen inter­na­tio­nalen Rechtsakt defi­niert ist. Vieles deutet darauf hin, dass der Begriff „Hass­rede“ daher die Bedeu­tung erhalten wird, die die deut­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hörden ihm im Fall von Pater Professor Dariusz Oko zu geben versuchen.

Test­ge­lände für die Zensur unter dem Vorwand der „Hass­rede“ sind seit Jahren YouTube und Face­book, deren „Gemein­schafts­stan­dards“ unter anderem Äuße­rungen als „Hass­rede“ behan­deln, die von einer Abwei­chung von der Norm oder einem Einge­ständnis von Into­le­ranz auf der Grund­lage geschützter Merk­male spre­chen, darunter unter anderem Homo­phobie, Isla­mo­phobie oder Inhalte, die Ableh­nung zum Ausdruck bringen, darunter unter anderem: „Ich erkenne nicht, ich mag nicht, es ist mir egal“. Die Euro­päi­sche Kommis­sion verweist auf das Ausmaß des Phäno­mens der „Hass­rede“ und bezieht sich dabei direkt auf die Daten von Face­book und die Zahl der Verstöße gegen die dortigen „Stan­dards“, was deut­lich macht, in welche Rich­tung die vorge­schla­gene Verord­nung gehen könnte.

Mit anderen Worten: Entgegen der frei­heit­li­chen Rechts­tra­di­tion vieler Länder soll eine ideo­lo­gi­sche Zensur über die Köpfe der Gesell­schaften verhängt werden, die die Möglich­keit der Kritik an den Projekten der Gender-Ideo­logen und den Forde­rungen der LGBT-Akti­visten einschränkt. Dies geschieht unter Andro­hung von Haft­strafen für wider­spens­tige Kritiker der neuen Ordnung. Die Lektüre der Anklage gegen die Profes­soren lässt keinen Zweifel daran, dass die Umer­zie­hungs­lager für die Unvor­sich­tigen vor allem mit Christen gefüllt sein werden.

Wir kämpfen unerschütterlich

Wir haben den Beamten der Euro­päi­schen Kommis­sion bereits eine umfas­sende Ordo Iuris-Posi­tion vorge­legt, in der wir auf Artikel 19 der Allge­meinen Erklä­rung der Menschen­rechte, Artikel 19 des Inter­na­tio­nalen Pakts über bürger­liche und poli­ti­sche Rechte und Artikel 11 der Charta der Grund­rechte verweisen und daran erin­nern, dass die Rede­frei­heit eines der grund­le­genden Frei­heits­rechte in allen inter­na­tio­nalen Menschen­rechts­in­stru­menten ist.

Ob die inter­na­tio­nalen Menschen­rechts­stan­dards jedoch die Kraft haben werden, die tota­li­tären Tendenzen der Euro­päi­schen Kommis­sion zu stoppen, wird allein von unserem Enga­ge­ment abhängen, von der Stärke der inter­na­tio­nalen Koali­tion, die Ordo Iuris seit Jahren für die Grund­rechte und ‑frei­heiten aufbaut, und schließ­lich von der Profes­sio­na­lität der Kader der uns nahe­ste­henden euro­päi­schen Nationen, zu deren Stär­kung wir das Colle­gium Inter­ma­rium gegründet haben. Die Zeit der Prüfung wird für uns alle kommen. Und es geht darum, die sich bereits abzeich­nende Verfol­gungs­welle gegen die Christen in Europa aufzuhalten.

Quelle: PCh24.pl


7 Kommentare

  1. Wacht endlich auf! Wir haben Still­stand der Rechts­pflege im Kontext mit Besatzungsrecht,
    habt den Mut den Mut euch eures Verstandes zu bedienen. Heraus aus Platons Höhle!

    KHK Baum­gart
    Naumburg/Saale

  2. Es gehört zwar nicht hierher, aber mir fehlt, so kurz vor der Bundes­tags­wahl, doch der eine oder andere Artikel zu dieser rich­tungs­wei­senden Wahl. Noch dazu wo die Staats­me­dien ihre Bericht­erstat­tung auf Casting­show oder Dschun­gel­camp Niveau ange­hoben (Hihi) haben!

  3. Der Beitrag liest sich wie die Historie einer lange vergan­genen Zeit. Keiner weiß so recht, um was es eigent­lich geht, aber man ist ange­fixt-empört von dieser Ungerechtigkeit. 

    „Drei Monate bis fünf Jahre Gefängnis – das ist das Strafmaß, das die deut­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hörden für Pater Professor Dariusz Oko und den 90-jährigen deut­schen Theo­lo­gie­pro­fessor Johannes Stöhr fordern“

    Nein. Das ist allen­falls ein Auszug aus dem StGB. Die Straf­ver­fol­gungs­be­hörden stellen substan­ti­ierte Anträge mit festen Strafmaß inner­halb des von der Gesetz­ge­bung fest­ge­legten Rahmens. Wenn ein Staats­an­walt einen solchen Antrag gestellt hat, kann man ja mal das Az. nennen, und die Klage­schrift veröf­fent­li­chen. Dann braucht man nicht mit-empört im Nebel zu stochern, sondern kann Fakten bewerten. Ich halte letz­teres für den besseren Weg.

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    • Ein paar Dislikes passen noch in den Beutel. Zu dem Reichs­bür­ger­ge­döns kann ich nur sagen: Es reicht nicht aus, Recht zu haben. Es muss auch jemand da sein, der einem zu diesem Recht verhilft. Sonst bleibt es immer Theorie und dient nur unserer Empö­rung => Zeitvergeudung.

      Konse­quenz: Anderen Weg suchen!

  4. Vergesst die Abge­ur­teilten in den Irren­häu­sern nicht! In Gefäng­nisse kommen nur dieje­nigen, die der Staat im Auftrag seiner Geheim­ge­sell­schaften an den Pranger stellen muß!

    Es geht nicht um Recht und Gerech­tig­keit! Rache, Umer­zie­hung und Einschüch­tern sowie gekaufte Geständ­nisse müssen die Gerichte in den EU-Protek­to­raten liefern! Denn: „The games must go on!“

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