Was in der Schweiz und anderswo berichtet wurde 23.12.2021

Telldenkmal mit Bronzestatue von Richard Kissling und Hintergrundbild von Hans Sandreuter in Altdorf (Kanton Uri, Schweiz) · Foto: Хрюша / Wikimedia CC 3.0

Im Inter­net­radio mitge­hört und mitge­schrieben von Wilhelm Tell

Chile – Schick­sals­wahl in Südame­rika. Ein Graben gegen Migranten. Der Rechte José Antonio Kast fordert einen Grenz­graben von 800kmvgegen Migranten. In Nord­chile könnte ihm das Stimmen verschaffen. Bei der Wahl am 19.12. wird die Posi­tio­nie­rung der beiden Kandi­daten zum Thema Migra­tion mitentscheiden.
● Der linke Gabriel Boric wird mit 35 Jahren jüngster Präsi­dent Chiles. In der Stich­wahl setzte er sich deut­lich mit 56 % der Stimmen durch. Sein Kontra­hent, der ultra­rechte José Antonio Kast, erkannte seine Nieder­lage an. Die Wahl galt aufgrund der großen Unter­schiede zwischen beiden Kandi­daten als Weichen­stel­lung, vielen sogar als wich­tigste Wahl seit über 30 Jahren. Boric hat die Wahlen mit dem Verspre­chen tief­grei­fender struk­tu­reller Verän­de­rungen gewonnen. Das betonte er auch in seiner Siegesrede:

„Wir werden nicht länger zulassen, dass die Armen weiterhin den Preis für die Ungleich­heit in Chile zahlen.“

Chile hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Südame­rika, aber nicht alle können davon profi­tieren. Boric fordert eine stär­kere Präsenz des Staates in den Berei­chen Gesund­heit, Renten und Bildung. Damit will er endgültig mit dem Erbe der Pino­chet-Diktatur (1973–1990) brechen und seinem Wirt­schafts­mo­dell, welches viele für die große soziale Ungleich­heit in Chile verant­wort­lich machen. Seit dem Sommer schreibt ein Konvent eine neue Verfas­sung, die aktu­elle stammt noch aus der Pino­chet-Diktatur. Deren Abschaf­fung war eine der zentralen Forde­rungen der sozialen Proteste von 2019. Boric unter­stützt diesen Prozess. Die Stimm­be­tei­li­gung ist ein Grund für den Sieg von Gabriel Boric. Mit fast 56 % ist sie so hoch, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das hat vor allem dem 35-Jährigen geholfen, der in den letzten Wochen mehr Nicht­wähler anspre­chen konnte. Auch, weil der Jurist seine Posi­tionen mäßigte und auf die Mitte zuging. Er aner­kannte, dass Chile Probleme mit Krimi­na­lität habe und die von ihm ange­kün­digte Steu­er­erhö­hung soll nicht so hoch ausfallen. Die Hoff­nungen und Erwar­tungen an den neuen Präsi­denten sind groß. Einfach wird es nicht für seine Regie­rung. Zum einen schränkt eine Patt­si­tua­tion zwischen rechten und linken Parteien im Kongress die Gestal­tungs­macht der neuen Regie­rung erheb­lich ein. Das bedeutet, dass Boric die vielen gemä­ßigten Verspre­chen, die er im Wahl­kampf gemacht hat, nicht nur einhalten, sondern diese auch im Dialog mit dem Kongress anwenden muss. Viel wird davon abhängen, wie es ihm gelingen wird, Bünd­nisse zu schmieden. Gabriel Boric wird sich die Macht aber nicht nur mit dem Kongress teilen müssen, sondern auch mit den 155 Mitglie­dern des Konvents, welche bis nächsten Sommer die neue Verfas­sung für Chile schreiben. Gleich­ge­wicht zwischen Ordnung und Verän­de­rung. Dies schränkt den Präsi­denten ein. Denn der 35-Jährige wird nicht die Frei­heiten haben, die er gerne hätte. In Chile geht es in den nächsten Jahren vor allem um den Umfang der sozialen Reformen, die bei Protesten und durch die Pandemie gefor­dert wurden. Boric muss der Forde­rung nach Verän­de­rung, aber auch der Forde­rung nach Ordnung gerecht werden. SRF.ch

Däne­mark – fährt große Teile des öffent­li­chen Lebens wieder herunter: Theater, Kinos, Zoos, Vergnü­gungs­parks und Sport­stätten müssen wieder geschlossen bleiben. Restau­rants dürfen nur noch bis 23 Uhr öffnen. Im Land mit knapp sechs Millionen Einwoh­nern steigen die Corona-Zahlen seit einigen Wochen wieder stark an. Am 17.12. rund 12’000. Die stren­geren Regeln gelten zunächst bis Mitte Januar. SRF.ch

Deutsch­land – Fried­rich Merz, soll nach dem Willen der CDU-Mitglieder neuer Partei­vor­sit­zender werden. Merz habe bei der Mitglie­der­be­fra­gung mit 62.1 % die notwen­dige abso­lute Mehr­heit erhalten, teilte Gene­ral­se­kretär Paul Ziemiak in Berlin mit. Auf den Außen­po­li­tiker Norbert Röttgen entfielen demnach 25.8 % der Stimmen, auf den früheren Kanz­ler­amts­chef Helge Braun 12.1 %. Die Betei­li­gung an der ersten Mitglie­der­be­fra­gung in der Geschichte der CDU lag bei 66.02 %. Die knapp 400’000 Partei­mit­glieder konnten erst­mals in der Geschichte der CDU eine Vorent­schei­dung über den Vorsitz treffen. Offi­ziell muss der neue Partei­chef von den 1001 Dele­gierten bei einem digi­talen Parteitag am 21./22. Januar gewählt werden. Es gilt als sicher, dass sich die Dele­gierten an das Votum der Mitglieder halten. Anschlie­ßend muss dieses noch per Brief­wahl bestä­tigt werden.
● Die EZB (Euro­päi­schen Zentral­bank) wagt die schritt­weise Abkehr vom Krisen­modus und lässt ihr billio­nen­schweres Pandemic Emer­gency Purchase Programme (Pepp) auslaufen. Der EZB-Rat beschloss das Aus für die Anleihen-Zukäufe für Ende März 2022. Fällige Tilgungs­be­träge sollen jedoch noch bis mindes­tens Ende 2024 reinves­tiert werden. Im kommenden ersten Quartal werden die Zukäufe noch fort­ge­setzt – aller­dings in nied­ri­gerem Tempo als Ende 2021. Damit es nach dem Entzug der auf 1.85 Billionen Euro (rund 1.93 Billionen Schweizer Franken) ange­legten Krisen­hilfe im Früh­jahr nicht zu Markt­tur­bu­lenzen kommt, schafft die EZB über das neu justierte klei­nere Ankauf­pro­gramm namens APP einen Über­gang. Die Ankäufe im Volumen von zuletzt 20 Milli­arden Euro pro Monat werden im zweiten Quartal 2022 auf 40 Milli­arden Euro verdop­pelt, im dritten Quartal dann auf 30 Milli­arden Euro zurück­ge­fahren. Ab Oktober kommenden Jahres soll das Ankauf­tempo dann auf 20 Milli­arden Euro gesenkt und so lange beibe­halten werden, wie es zur Förde­rung der Konjunktur notwendig ist. Weiterhin Straf­zinsen für Banken. Dieses im EZB-Jargon als Asset Purchase Programme (APP) bekannte Instru­ment war bereits Mitte vorigen Jahr­zehnts als Konjunk­tur­stütze einge­führt worden. Die schritt­weise Abkehr vom Krisen­modus voll­zieht sich vor dem Hinter­grund rasant stei­gender Preise. Die Teue­rung erreichte im November in der Euro-Zone ein Rekord­ni­veau von 4.9 %. Den Leit­zins von 0.0 % beließ der EZB-Rat nun wie erwartet auf dem rekord­nied­rigen Niveau. Die briti­sche Noten­bank hat hingegen kurz vor dem EZB-Rats­be­schluss über­ra­schend die Zins­wende einge­leitet. Auch der Einla­ge­satz bleibt im Euro­raum bei minus 0.5 %. Die Banken müssen daher weiterhin Straf­zinsen berappen, wenn sie über­schüs­sige Gelder bei der EZB parken.
● Um die Ausbrei­tung von Omikron zu verlang­samen, hat man Groß­bri­tan­nien zum Virus­va­ri­an­ten­ge­biet erklärt. Dies bedeutet für Einrei­sende 14 Tage Quaran­täne – auch, wer geimpft ist oder eine Erkran­kung über­standen hat, ist davon betroffen. Diese Frist kann auch nicht durch einen Test verkürzt werden. Zudem dürfen nur noch deut­sche Staats­bürger und Menschen mit deut­schem Wohn­sitz aus Groß­bri­tan­nien ins Land. Bislang waren keine euro­päi­schen Länder Virus­va­ri­an­ten­ge­biete. Bundes­weit gilt 2G für Restau­rants, Läden und Veran­stal­tungen, zudem eine Masken­pflicht, wo Menschen auf engem Raum zusam­men­kommen. Am Arbeits­platz und im ÖV gilt 3G. Private Treffen mit Personen, die weder geimpft noch genesen sind, sind auf den eigenen Haus­halt sowie höchs­tens zwei weitere Personen eines weiteren Haus­halts zu beschränken. SRF.ch
Frank­reich – Die Regie­rung in Paris greift im Kampf gegen die fünfte Welle auf stren­gere Impf­re­geln zurück. Im Januar kann eine Auffri­schungs­imp­fung nach bereits 4 statt 5 Monaten erfolgen. Gesund­heits­mi­nister Olivier Véran kündigte an, dass eine dritte Injek­tion für Pfle­ge­kräfte und Feuer­wehr­leute Pflicht wird. Schutz­imp­fungen für Kinder zwischen 5 und 11. Das zu Silvester geplante Feuer­werk und Konzert auf den Champs-Élysées fällt aus. In nicht-essen­zi­ellen Geschäften, Museen, Restau­rants und Sport­hallen gilt 3G. Menschen über 65 Jahre brau­chen eine Boos­ter­imp­fung, damit ihr Impf­status gültig bleibt, sofern ihre Impfung sieben Monate zurück­liegt. Wer mit dem Bus oder Zug reist, muss genesen, geimpft oder getestet sein. Bei Ansamm­lungen draußen, etwa in der Warte­schlange oder Seil­bahn, gilt Masken­pflicht. SRF.ch

Gross­bri­tan­nien – Die Omikron-Mutante ist in England schon domi­nie­rend: Sie macht nun 60% aller Fälle aus. Allein am 18.12. waren 10’059 neue Omikron-Fälle gemeldet worden – dreimal so viele wie am Tag zuvor. Gleich­zeitig spitzt sich die Debatte um schär­fere Corona-Maßnahmen zu. London hat schon den Kata­stro­phen­fall ausge­rufen. Medi­en­be­richten zufolge laufen Diskus­sionen über eine Art Wellen­bre­cher-Lock­down nach den Weih­nachts­tagen. Wissen­schaft­liche Berater fordern eine möglichst schnelle Verschär­fung der Beschrän­kungen, um eine Über­las­tung des Gesund­heits­sys­tems zu verhin­dern. SRF.ch
Hong­kong – wählte am 19.12. sein Parla­ment. Vom demo­kra­ti­schen Lager sind nicht mehr viele Leute übrig. Es durften nur Kandi­die­rende antreten, die von der Regie­rung in Peking als patrio­tisch einge­stuft worden sind. Oppo­si­tio­nelle waren an den Wahlen nicht zuge­lassen. Die Wahl­be­tei­li­gung war mit 30.2 % histo­risch tief. Gewonnen haben die Kandi­daten der Pro-Peking-Parteien. Das ist wenig überraschend.
Italien – In Restau­rants, Disko­theken, Stadien 2G, im ÖV und Gondel­bahnen 3G. Bei Weih­nachts- und Neujahrs­fei­er­lich­keiten Einschrän­kungen. Bis Silvester gilt Test­pflicht auch für geimpfte Einrei­sende. SRF.ch

Nieder­lande – Wenige Tage vor Weih­nachten neuer strenger Lock­down. Seit 19.12. müssen fast alle Geschäfte, Gast­stätten, Kultur- und Sport­ein­rich­tungen, Schulen und Friseure schließen. Ausge­nommen sind nur Super­märkte und Apotheken. Jeder Haus­halt darf zwei Gäste empfangen. Nur über Weih­nachten und zum Jahres­wechsel vier. Der Lock­down soll zunächst bis zum 14.1.gelten. Eine Ausgangs­sperre soll es vorerst nicht geben. Die Omikron-Vari­ante breitet sich nach Angaben von Experten viel schneller aus als erwartet. In Amsterdam verdop­pelt sich die Zahl der Infek­tionen alle zwei bis drei Tage. Zurzeit sinkt die Zahl der Neuin­fek­tionen zwar. Doch die Spitäler stehen unter hohem Druck, sodass sie nach Befürch­tung der Experten einen weiteren Zustrom von Pati­enten nicht auffangen könnten. SRF.ch

Nord­korea – Zehn Jahre Kim Jong-un. «Nord­korea ist moderner, isolierter, tota­li­tärer, gefähr­li­cher» Am 17.12.2011 ist Nord­ko­reas Diktator Kim Jong-il gestorben, seither führt sein Sohn Kim Jong-un (김정은*8.1.1982) das Regi­ment; es ist eine Fami­li­en­dik­tatur in dritter Genera­tion. Der freie Jour­na­list Martin Fritz, der die Situa­tion in Nord­korea von Japan aus verfolgt, erklärt, was sich im Land in den letzten Jahren verän­dert hat – und was nicht. Tota­li­tärer, weil er seine Macht durch Verhaf­tungen und Hinrich­tungen absi­chert. Gefähr­li­cher, weil er bei der Atom- und Rake­ten­rüs­tung große Fort­schritte gemacht hat. Aber auch isolierter denn je. Denn die USA und die UNO haben vor fünf Jahren scharfe Wirt­schafts­sank­tionen verhängt, zugleich aber auch moderner, weil Kim Jong-un der Elite von Partei und Militär auch etwas bieten muss. Das sind seine Unter­stützer. Er hat ihnen Smart­phones, Wohnungen, Frei­zeit­an­lagen und Restau­rants gegeben. 2012, zwei Jahre nach dem Macht­wechsel, hatte Kim Jong-un der Bevöl­ke­rung verspro­chen, dass sie ihren Gürtel nie wieder enger schnallen muss. Dafür wollte er die Atom- und Rake­ten­rüs­tung und die wirt­schaft­liche Entwick­lung parallel voran­treiben. Aber die Wirt­schaft stagniert seit den Sank­tionen. Zudem gab es einige Natur­ka­ta­stro­phen, also musste Kim letztes Jahr zurück­ru­dern. Er hat die Nord­ko­reaner zu einem «anstren­genden Marsch» aufge­rufen. Das ist ein Begriff, den sein Vater bereits während der Hunger­ka­ta­strophe der 1990er-Jahre benutzt hatte. Die Schlie­ßung der Grenzen zur Abwehr des Coro­na­virus hat die Wirt­schafts­krise noch weiter verschärft. Derzeit gibt es Berichte über stei­gende Preise, leere Regale und auch Knapp­heit bei Medi­ka­menten. Kim hat die Macht früher und schneller als sein Vater über­nommen. Daher gab es anfangs viel Skepsis. Aber sein Vater hat ganz gegen die Regeln des Konfu­zia­nismus den jüngsten seiner drei Söhne als Nach­folger ausge­wählt, weil er als einziger die benö­tigte Härte für einen Diktator mitbringen würde, womit er richtig lag. Mit seiner Schwester an der Seite fühlt er sich heute vermut­lich sicherer denn je. Sie orga­ni­siert den Perso­nen­kult um ihn. Kim Jong-il (김정일)wurde am 16.2.1941 als Juri Irse­nowitsch Kim, (Юрий Ирсенович Ким) in Vjats­koje (Вятское) bei Chaba­rovsk in der Sowjet­union geboren. SRF.ch

Norwegen – Doppelt geimpft und infi­ziert. Details über Omikron-Ausbruch in Osloer Restau­rant bekannt. Alles begann mit einer Betriebs­feier am 26.11.in Oslo. Auf Einla­dung des Solar­ener­gie­her­stel­lers Scatec trafen sich 117 Personen im Restau­rant Louise, um vorzeitig Weih­nachten zu feiern. Alle waren 2x geimpft worden. Keiner von ihnen zeigte Symptome und alle hatten vor dem Essen einen Selbst­test durch­ge­führt, sagte Tine Ravlo, Leiterin der städ­ti­schen Gesund­heits­be­hörde, gegen­über AFP. Sie betonte:
„Alles wurde ordnungs­gemäß durch­ge­führt und es wurde gegen keine der Regeln verstoßen.“ SRF.ch

In Öster­reich – können schwer kranke Menschen vom neuen Jahr an Zugang zu tödli­chen Medi­ka­menten erhalten. Öster­reich erlaubt ab dem neuen Jahr die Beihilfe zum Suizid. Das Parla­ment in Wien beschloss am 16.12. mit großer Mehr­heit entspre­chende gesetz­liche Regeln. Die Möglich­keit einer Ster­be­ver­fü­gung – ähnlich einer Pati­en­ten­ver­fü­gung – steht aller­dings nur Menschen offen, die dauer­haft schwer krank sind sowie unheilbar Kranken. Aktive Ster­be­hilfe bleibt verboten. „Ein Dritter darf ein tödli­ches Medi­ka­ment besorgen, er darf es aber nicht verab­rei­chen“, berichtet SRF-Korre­spon­dent Peter Balzli aus Wien.

● Nach Ende des 4. Lock­downs sind Restau­rants und Geschäfte wieder offen. Aller­dings gilt in ganz Öster­reich 2G: Für Unge­impfte gelten strenge Ausgangs­be­schrän­kungen, über Weih­nachten und Silvester dürfen aber auch sie ihr Zuhause zum Besuch von Fami­li­en­feiern mit höchs­tens zehn Personen verlassen. Für Feste mit mehr als zehn Teil­neh­mern gilt 2G. Zudem muss in geschlos­senen öffent­li­chen Räumen eine FFP2-Fein­staub­maske getragen werden. Après-Ski-Lokale und Bars bleiben zu, am Arbeits­platz gilt 3G. Bundes­länder mit hoher Inzi­denz können schär­fere Maßnahmen ergreifen. Ab Januar 5.Lockdown? SRF.ch

Schweiz – Neue Corona-Maßnahmen. Der Bund beschließt 2G, um eine Eska­la­tion in den Spitä­lern zu verhin­dern. Es braucht 3. Impfung nach 4 Monaten. Kantone erwarten den großen Booster-Ansturm. SRF.ch

Somalia – Jedes 8. Kind stirbt vor seinem 5. Geburtstag, kaum sonst wo ist die Mütter­sterb­lich­keit derart hoch. Was es bedeutet unter solchen Umständen zu arbeiten, zeigt die Gynä­ko­login Deqo Mohamed. Sie arbeitet in einem Gesund­heits­wesen, das diesen Namen gar nicht verdient. Die soma­li­sche Regie­rung gibt 1.3 % des mick­rigen Staats­bud­gets aus für Gesund­heit. Schwer­kranke könne man in Somalia nicht behandeln:
„Wer immer das Geld hat, verlässt das Land sofort, wenn er ernst­haft krank ist.“
In Somalia gibt es viel zu wenig gut ausge­bil­detes Gesund­heits­per­sonal, aber auch die Infra­struktur fehlt: Kliniken, Medi­ka­mente. Das führe dazu, dass Soma­lier bei tradi­tio­nellen Heilern Hilfe suchen: «Rund ein Viertel der Pati­en­tinnen hat Verbren­nungen. Sie gehen mit Entzün­dungen im Intim­be­reich aufs Land und lassen sich dort behan­deln. Plas­ti­sche Chir­urgie ist ein großer Teil von Deqos Arbeit. Und das alles, weil irgend­eine verrückte Groß­mutter meine, die Pati­entin mit einem heißen Eisen zu behan­deln. Fast alle Frauen in Somalia sind beschnitten. Das habe eben­falls einen Einfluss auf die derart hohe Mütter­sterb­lich­keit, erklärt Deqo. Manchmal kämen Frauen wegen starker Schmerzen zu ihr, nachdem sie zehn Kinder auf die Welt gebracht haben. «Es ist klar, dass du Schmerzen hast, dein Körper ist verstüm­melt. Das ist das einzige, was ich diesen Frauen sagen kann». Wegen der Art und Weise wie die Frauen beschnitten und wieder zusam­men­ge­näht wurden, könne sie kaum etwas für die Pati­en­tinnen tun. Gar keine Gesund­heits­ver­sor­gung auf dem Land. Deqo Mohamed arbeitet einen Tag in der Woche in der Klinik ihrer Schwester in der Haupt­stadt. Mit diesen Einnahmen finan­ziert sie ihre Arbeit auf dem Land. Denn auch wenn die Gesund­heits­ver­sor­gung in Moga­di­schu schlecht sei, auf dem Land sei gar nichts vorhanden. Denn in Somalia gibt es in weiten Teilen des Landes keinen Staat und somit keine Dienst­leis­tungen. Seit dem Ausbruch des Bürger­kriegs vor 30 Jahren hatte das Land nie mehr eine funk­tio­nie­rende Regie­rung. Weite Teile des Staats­ge­biets sind unter der Kontrolle der dschi­ha­dis­ti­schen Ash-Shabaab-Miliz und somit unzu­gäng­lich für die Regie­rung. Weil die Regie­rung keinen Zugang hat zu weiten Teilen des Landes, gibt es nicht einmal statis­ti­sche Daten. Etwa zum Ausmaß und den Gründen der hohen Kinder- und Muttersterblichkeit.

Ich habe Frauen getroffen, die noch nie beim Arzt gewesen sind. Sie sagen mir: ich habe 20 Kinder geboren, zehn sind gestorben.“

Darum glaubt die Ärztin, dass die Kinder­sterb­lich­keit wohl noch höher ist als bisher ange­nommen. Um endlich Gesund­heits­daten aus Somalia zu haben, hat die ener­gi­sche Gynä­ko­login dieses Jahr nun ein Forschungs­in­stitut aufge­baut. Auch nach so vielen Jahren im Dienste der Gesund­heit unter schwie­rigen Bedin­gungen – Deqo Mohamed gibt nicht auf.
● Wir besu­chen Menschen, die Somalia zusammen zuhalten versu­chen, wie Abdi­nasir Ali Mohamed. Er hat trotz Terror­ge­fahr in Moga­di­schu eine der besten Schulen des Landes aufge­baut. Ein ehema­liger Gefolgs­mann von Ash-Shabaab erzählt, was ihn bewog, sich der Dschi­ha­dis­ten­miliz anzu­schließen und wie er im Auftrag von Ash-Shabaab Steuern eintrieb. Und wir gehen auf Patrouille mit der größten Frie­dens­mis­sion der Welt, der AMISOM im Podcast “Inter­na­tional“ SRF.ch

Südafrika – Trotz stei­gender Fall­zahlen, sorgt Omikron für weniger Spital­auf­ent­halte. Laut Michelle Groome vom Natio­nalen Institut für über­trag­bare Krank­heiten (NICD) in Südafrika domi­niert die Omikron-Vari­ante nun am Kap das Infek­ti­ons­ge­schehen. Bei der Zahl der Neuin­fek­tionen habe die von Omikron getrie­bene vierte Infek­ti­ons­welle landes­weit die Höchst­werte der voran­ge­gan­genen Wellen deut­lich über­schritten, so Gesund­heits­mi­nister Joe Phaahla. Aller­dings liege die Zahl der Spital­ein­wei­sungen deut­lich unter denen voran­ge­gan­gener Infek­ti­ons­wellen, wie Phaahla an einer Pres­se­kon­fe­renz erklärte. SRF.ch
Türkei. In Istanbul treffen sich ab17.12. die hoch­ran­gigsten Poli­tiker Afrikas mit dem türki­schen Präsi­denten Recep Tayyip Erdogan zu einem mehr­tä­gigen Gipfel. Laut Thomas Seibert, freier Jour­na­list in Istanbul, sind die afri­ka­ni­schen Länder deshalb so inter­es­sant für Erdogan, weil sie ein wich­tiger Absatz­markt sind. «Bisher expor­tierte die Türkei vor allem Haus­halts­ge­räte. Heute wird zuneh­mend der Waffen­ex­port zu einem Renner. Beson­ders Kriegs­drohnen sind Export­schlager geworden.» Solche habe die Türkei unter anderem schon an Tune­sien und an Marokko verkauft. Aber auch Angola und Äthio­pien hätten Inter­esse gezeigt. Erdogan pflegt enge Bezie­hungen zu Afrika. Seit seinem Macht­an­tritt hat er schon 30 Länder auf dem Konti­nent besucht. Das jähr­liche Handels­vo­lumen der Türkei mit Afrika liegt bei etwa 25 Milli­arden Euro. Die Türkei handelt zwar immer noch sehr viel mehr mit der EU als mit Afrika. Doch es gehe um die Perspek­tive, so Seibert. «Was den Waffen­markt angeht, sieht die Türkei große Möglich­keiten auf dem afri­ka­ni­schen Konti­nent.» Bisher werde der dortige Rüstungs­markt von Russ­land domi­niert. «Aber die Türkei holt auf.» Dass sie relativ billig und wirkungs­voll seien, mache die Drohnen für Afrika so inter­es­sant. Und: «Die türki­schen Drohnen haben sich aus mili­tä­ri­scher Sicht bewährt, in Konflikten in Libyen und letztes Jahr in Berg-Kara­bach.» Die Türkei sei damit aufge­stiegen in den Kreis der Länder, die beson­ders attrak­tive und gute Kampf­drohnen herstellen, wie etwa die USA, Israel und China. «Die Türken sind sehr erpicht darauf, diese Drohnen zu expor­tieren», so Seibert.

„Deswegen entwi­ckelt sich da ein reger Kreis­lauf zwischen Angebot und Nach­frage mit Afrika.“

Afrika allein werde der Türkei zwar nicht aus der Wirt­schafts­krise helfen.

„Aber immerhin könnte dieser Gipfel ein Grund dafür sein, dass Erdogan die Wirt­schaft im Land wieder ein biss­chen flott kriegt. Er ist also einen Beitrag zu seinen Bemü­hungen, die Krise zu über­winden.“  SRF.ch

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