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„Wir werden schon in sehr kurzer Zeit eine wirkliche Katastrophe erleben“ sagt der serbische Präsident Aleksandar Vučić im Interview mit Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel. Das einstündige Gespräch drehte sich vor allem um eine Frage: Wird der Ukraine-Konflikt zum Dritten Weltkrieg? Und was passiert, wenn eine friedliche Lösung scheitern sollte?

Von JOHANN LEONHARD | Köppel stellt heikle Fragen inmitten eines geopolitischen Großkonflikts. Vučić denkt lange nach, bevor er spricht – unter westlichen Politikern eine Seltenheit. Was er zum Ukraine-Konflikt zu sagen hat, sorgte schon kurz nach der Veröffentlichung des Videos weltweit für Wirbel. Aleksandar Vučić:

“Wir könnten in eine Situation geraten, die schlimmer wird als der Zweite Weltkrieg”

Und weiter:

„Ich möchte gerne Frieden sehen, doch andere wollen einen Sieg für die eine oder die andere Seite.“

Jetzt, Mitte Juni 2024, sei aus Sicht des Staatsmannes eine besonders heikle Phase erreicht. “Ich glaube, dass wir uns den letzten Tagen annähern, in denen ein Überdenken und Umdenken in der Ukraine-Frage noch möglich ist“, sagt er, und ist sich sicher: „wir werden schon in sehr kurzer Zeit eine wirkliche Katastrophe erleben.“

Verbotener Frieden

Die Zuspitzung der Lage zeigt sich nicht nur durch die immer wieder vorgetragene Idee Macrons, endlich Bodentruppen gen Osten zu schicken, sondern auch in den waghalsigen Aussagen deutscher und amerikanischer Politiker. Die unterstellen Putin einen „Bluff“, wenn er Konsequenzen für Angriffe auf das russische Territorium verspricht. Ist also nicht mit Reaktionen Russlands auf eine solche Eskalation zu rechnen?

Vučić erklärt: „Wenn man darauf wettet, dass der andere blufft, bedeutet das, dass man selbst keine besseren Karten hat.” Die Aussage wirkt nur auf den ersten Blick kryptisch. Was er meint: Der Westen lehnt sich zu weit aus dem Fenster! Weil USA und NATO selbst an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gelangen und Russland sich nicht so leicht besiegen lässt, wie ursprünglich gedacht, geht man jetzt zum Wahnsinn über – und wiegt dabei die westlichen Bevölkerungen in trügerischer Sicherheit. “Ich glaube man unterschätzt Russland und Putin“, so Vučić.

Dass Vučić Frieden will, sich Verhandlungen wünscht, darüber lässt er keinen Zweifel. Doch es gibt Hindernisse: „Was die Sache weiter verkompliziert, ist die Tatsache, dass alle nur über Krieg reden. Niemand will Frieden machen. Niemand spricht über Frieden. Frieden ist fast ein verbotenes Wort”, beschreibt Vučić die düstere Realität in Westeuropa.

Europa am Abgrund

Dass eine Annäherung vor diesem Hintergrund nahezu unmöglich erscheinen, ist auch dem Präsidenten klar. Wieso ist die Situation so verfahren?

Alles steht auf dem Spiel, alles. Niemand kann es sich erlauben, zu verlieren.

Und genau deshalb beschleicht ihn ein so düsteres Gefühl:

“Warum spreche ich davon, dass wir uns dem Abgrund nähern? Analysieren Sie die Situation der Nato und der USA. Sie können es sich nicht leisten, einen Krieg in der Ukraine zu verlieren.“

Gleiches gelte für die Gegenseite: Falls Russland den Krieg verliert, “wird Russland nicht mehr so existieren, wie es heute besteht”. Und: “Auch Putin wird sein politisches Erbe verlieren”.

Was würde ein solcher Großkonflikt, ein völlig entfesselter Weltkrieg bedeuten? Vučić macht sich keine Illusionen:

Wer ist bereit, 1 Million, 2 Millionen, 5 Millionen, 10 Millionen oder 15 Millionen Menschen zu verlieren? Ich bin nicht bereit, einen einzigen Menschen zu verlieren, und wir werden uns daran nicht beteiligen. Aber das ist eine Frage für einige andere Leute.

Wird es ein Dritter Weltkrieg? fragt Köppel. Vučić stoppt ihn, will den Teufel nicht an die Wand malen, und doch:

“Ich kann nicht sagen, dass es ein Dritter Weltkrieg wird, aber wir sind sehr nah dran an einer großen Konfrontation, die in den nächsten 3 oder 4 Monaten eintreten wird. Und es besteht die Gefahr, dass es sogar schon früher geschieht.”

Hier der Link zum Video und hier daraus einige Zitate des serbischen Präsidenten:

“Wir könnten in eine Situation geraten, die schlimmer wird als der ZWeite Weltkrieg” (Zum Ukraine-Konflikt)

“Ich möchte gerne Frieden sehen, doch andere wollen einen Sieg für die eine oder die andere Seite.”

“Ich glaube, dass wir uns den letzten Tagen annähern, in denen ein Überdenken und Umdenken in der Ukraine-Frage noch möglich ist.”

“Ich bin mir sicher, dass wir in sehr kurzer Zeit eine wirkliche Katastrophe erleben werden.”

“Wenn man darauf wettet, dass der andere blufft, bedeutet das, dass man selbst keine besseren Karten hat.” (Auf die Frage, ob Putin blufft, wenn er sagt, dass Angriffe auf russisches Teroritorium Konsequenzen für den Westen haben würden – Der Westen geht davon aus, dass Putin “blufft”)

“Was haben Sie (die Westmächte) mit Serbien gemacht im Jahr 1999 und 2008? Darauf bekommt man keine Antworten.” (Auf die Frage, ob Putin als imperialer Diktator anzusehen sei, der weitere Gebiete überfallen will)

“Was die Sache weiter verkompliziert ist die Tatsache, dass alle nur über Krieg reden. Niemand will Frieden machen. Niemand spricht über Frieden. Frieden ist fast ein verbotenes Wort.”

“Ich glaube man unterschätzt Russland und Putin.”

“Im heutigen Europa benehmen sich alle wie große Helden, aber sie haben ihren Leuten nicht gesagt, dass sie einen sehr hohen Preis zahlen werden.”

“Warum spreche ich davon, dass wir uns dem Abgrund nähern? Analysieren Sie die Situation der Nato und der USA. Sie können es sich nicht leisten, einen Krieg in der Ukraine zu verlieren, was bedeutet, dass Russland nicht gewinnen kann, weil einerseits das politische Erbe der westlichen Anführer damit zerstört wäre und andererseits auch die geopolitische Situation des Westens damit ein für alle mal unterminiert würde. Drittens würde es die Büchse der Pandora öffnen und in der Zukunft noch mehr Aggressionen gegen den Westen herbeiführen.” (Min 18)

Falls Russland den Krieg verliert, “wird Russland nicht mehr so existieren, wie es heute besteht”. Und: “Auch Putin wird sein politisches Erbe verlieren”

“Alles steht auf dem Spiel, alles. Niemand kann es sich erlauben, zu verlieren.”

“Wer ist bereit, 1 Million, 2 Millionen, 5 Millionen, 10 Millionen oder 15 Millionen Menschen zu verlieren?”

“Ich bin nicht bereit, einen einzigen Menschen zu verlieren, und wir werden uns daran nicht beteiligen. Aber das ist eine Frage für einige andere Leute.”

Auf die Frage, ob der Ukraine-Krieg ein “unprovozierter Krieg” war:

Meine Frage ist, warum war der Westen nicht so streng, als der Krieg in Serbien geführt wurde?

Doppelte Standards? “Ja, kein Zweifel. Doppelstandards, Doppelzüngigkeit, Doppelmoral, Ablenkungsmanöver, was immer Sie wollen.”

“Ich fürchte, dass wir sehr sehr weit davon entfernt sind, irgendeine Einigung zu erzielen.”

Wie wahrscheinlich ist ein Dritter Weltkrieg?

“Ich kann nicht sagen, dass es ein Dritter Weltkrieg wird, aber wir sind sehr nah dran an einer großen Konfrontation, die in den nächsten 3 oder 4 Monaten eintreten wird. Und es besteht die Gefahr, dass es sogar schon früher geschieht.”

Die Position Serbiens in den Konflikt:

“WIr bewahren den Frieden, die Stabilität und die Ruhe in der Region und in unserem Land. Wir werden zumindest unser Bestes tun.”

Der Grund: Serbien war der große Verlieren bei einer Reihe von Konflikten im 20. Jahrhundert: “Serbien hat im Ersten Weltkrieg 28,9% seiner Bevölkerung verloren.”
Frankreich nur 10%

“Ich werde mein bestes tun, um das Land sicher und stabil zu halten.”

“Ich würde mir wünschen, dass beide Seiten an einen Tisch kommen.” (Zur Friedenskonferenz in der Schweiz, zu der man Russland nicht einlud)

Zum Chaos in den internationalen Beziehungen:

“Die Welt verändert sich und wir wollen es nicht anerkenne, es nicht zugeben. Und die Welt verändert sich sehr viel schneller als jemals zuvor.”

Zur Frage, ob China eine Bedrohung ist:
“Lassen Sie mich Ihnen sagen, lieber Freund, es gibt eine Menge Leute im Westen, die versuchen, so viele Gegner und Feinde zu produzieren, wie man sich das vorher niemals vorstellen konnte.”

“Wir sind gut mit den Chinesen befreundet und sehen keine Gefahr, die von ihnen ausgeht.”

“Meine Aufgabe ist es, mich um dieses Land und um unsere Bürger zu kümmern.”

Auf die Frage, ob auf der Welt ein Kampf zwischen Demokratie und Autokratie stattfindet:

“Wer definiert, was Demokratie ist?”

Vucic erinnert an die “dummen Geschichten über angeblichen Wahlbetrug in Serbien im Dezember”

“Jeder hat diese dummen Geschichten heute vergessen und niemand kommentiert sie noch weiter.” (Min 37)

Mit Blick auf den Kosovo:

“Sie (der Westen) haben uns 13,5 Prozent unseres Territoriums genommen. Sie würden nicht sagen, dass das illegal war, doch es war illegal.”

Wofür steht Serbien in der Welt?

“Wir sind ein unabhängiges Land, ein souveränes land, das für Frieden steht, für echte Werte, zu denen auch der Respekt für unterschiedliche Ansätze und Differenzen anderer Länder gehört. Und wir sind ein Land, das mit allen Menschen in der Welt zusammenarbeiten möchte.”

“Manchmal sind wir auch stur, um unsere Entscheidungsfreiheit zu bewahren.”

“WIr sind zu einem Motor für die gesamte Region geworden.”

“Die Serben sind ein stolzes und würdevolles Volk, aber jeder denkt von sich das gleiche.”

“Wir sind keine Marionetten von irgendjemandem und niemand kann uns vorschreiben, was wir in den einzelnen Fragen zu entscheiden haben.” (min 44)



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Von Redaktion

14 Gedanken zu „„Schlimmer als der Zweite Weltkrieg““
  1. “Wir werden schon in sehr kurzer Zeit eine wirkliche Katastrophe erleben” …
    Wollen die Serben schon wieder zündeln?

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  2. Schon wieder europ. Krieg, diesmal wegen schlappe 10-12 Billionen $ in der Ukraine, Goldgrube von Mineralien.
    Gesagt von l. Graham us. Rep. das sollte mal auch Peter Lüdin (oben) wissen.
    Und allein für die Zerstörung der Nordstream 2 zahlen 82 Mrd. Deutschen bis jetzt schon ca. 600 Mrd. €.
    Wir haben genug?

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  3. Mit einen Unterschied, daß Menschen dort nur bei Versorgung mitarbeiten, der Rest erledigen Drohnen und Waffen.
    Da das noch nicht richtig geht, wird noch paar Monaten das dauern.
    Europa brennt und wird mit Hilfe der anglo-Mißt nochmal vernichtet.
    Das normale Menschen nicht aufwachen können?.
    Sind wir so bescheuert?

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  4. Niemand will sich von Russland abwenden. Nur wenn Russland übergriffig wird, dann ist gegen zu halten. Wie in der Ukraine. Auch mit den meisten slawischen Staaten hat es sich Russland verdorben. Nur wenn Russland seine antiwestliche Haltung aufgibt, hat es eine Chance zur eigenen Entwicklung. Ohne Russland ist Europa ein amputiertes Gebilde. Die Führung im Kreml ist schon lange obsolet. Was die Staaten im Süden Russlands, vorallem im Kaukasus, machen werden, bleibt abzuwarten. Die Türkei jedenfalls wittert dort schon Morgenluft.

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  5. Und in den nachgelassenen Schriften des Generaloberst Ludwig Beck lesen wir:

    “Der politische Zweck des Krieges muss klarliegen und er muß auch den letzen Akt des Krieges, die Gewinnung des Friedens, in das Kalkül einbeziehen. Dieses endliche Ziel des ganzen kriegerischen Aktes ist das erste und wichtigste, wonach der Stratege fragen muß.”

    Quelle: Ludwig Beck, Studien, Stuttgart, 1955, S. 63 f.

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  6. Eines ist deutlich: Seit 1898 führen die USA Krieg gegen Europa, beginnend mit dem Krieg gegen Spanien 1898, der von der Hearst-Presse herbeigeschmiert wurde, gegen die anfängliche Zurückhaltung des republikanischen US-Präsidenten McKinley, der ermordet wurde. Seit 1917 führen die USA teils militärisch, teils finanzökonomisch und teils ideologisch ohne Unterlass Krieg gegen Mitteleuropa, Osteuropa und den Orient.

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  7. Putin hat vor kurzem ein relativ großzügiges Friedensangebpt gemacht. Hätte man es angenommen, wäre der Krieg schon zu Ende. Der Westen weigerte sich sogar in der Schweiz, es in Erwägung zu ziehen. Verrückt!
    Es ist wie vermutet: die satanistischen Hintergrundeliten wollen den Krieg. Die Entscheidung dafür muss bereits Ende 21 gefallen sein, denn ab Januar 22 ziehen die Ölscheichs massiv Geld ab aus us-Staatsanleihen. So was tut man nicht, wenn man nur einen begrenzten Krieg erwartet. Wenn man dem Geld folgt, liegt man zumeist richtig.
    Ernst Wolff hat recht: es ist ein Krieg gegen die Menschheit, der auf mehreren Ebenen stattfindet: in der Gesundheitspolitik (WHO), Politik (Krieg), Finanzwesen (Enteignungen, Zerstörung des Mittelstandes), Energiepolitik, Religion (Einheitsreligion), Schulwesen, Kultur (Genderschwachsinn), um nur die wichtigsten zu nennen.
    Hauptverbündeter Satans ist – wen wundert´s – der Staat mit seinen korrupten Politikern und zwar überall auf der Welt.
    Größte Hoffnung ist Frankreich. Wenn es dort drunter und drüber geht, könnten ein paar Generäle vorrübergehend die Macht übernehmen und die Notbremse ziehen. Eine kleine Hoffnung, gebe ich zu.

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    1. @ Der Logiker
      “Putin hat vor kurzem ein relativ großzügiges Friedensangebpt gemacht.”
      Richtig, Putin will nämlich überhaupt keinen Krieg.(Die NATO will ihn, wegen der Bodenschätze).

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    1. Ich würde eher sagen, dass ein Krieg wunderbar in ihre geisteskranke Entvölkerungsagenda passt, Stichwort Gemany must perish. Erst recht, wenns als Obulus noch ein paar Bodenschätze obendrauf gibt…Blackrock, Vanguard und die anderen, ruchlosen Gesellen haben dabei ihre Finger im Spiel.

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