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1. Juli 2024: Generalleutnant André Bodemann befragt von Tamara Bilic von ntv | Quelle: Screenshot ntv

André Bodemann, Befehlshaber des territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, gab sich im Interview gegenüber ntv ausgesprochen redselig. Er verantwortete die Erstellung des sogenannten “Operationsplanes Deutschland” – ein Papier von rund 1.000 Seiten zum neuen Ostfeldzug.

Mit Blaulichtorganisationen in der Etappe und aktiven Teilen
der Bundeswehr auf dem Weg zur “Ostflanke”: Kann das klappen?

Im “Operationsplan Deutschland” geht es um den Kampf gegen Russland und Deutschland wäre wieder einmal von Anfang an voll mit dabei.

Die Ampelregierung der Bundesrepublik hat nur eines vergessen: Den “Vertrag über die abschliessende Regelung in Bezug auf Deutschland” – besser bekannt als “Zwei-plus-Vier-Vertrag”. Denn, dort ist im Artikel 2 vertraglich festgehalten:

ARTIKEL 2

Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigen ihre Erklärungen, dass von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird. Nach der Verfassung des vereinten Deutschlands sind Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, verfassungswidrig und strafbar. Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik erklären, dass das vereinte Deutschland keine seiner Waffen jemals einsetzen wird, es sei denn in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und der Charta der Vereinten Nationen.

Inzwischen findet sich Deutschland entgegen der UN-Charta in Kriegshandlungen gegen Russland, verwickelt. André Bodemann gibt dies im Interview gegenüber ntv offen zu: Deutschland wäre nur “formaljuristisch” nicht im Krieg, doch “schon lange nicht mehr im Frieden”, wie der Generalleutnant unverblümt eingesteht.

Die Eingeständnisse von Bodemann im Interview – auch mit Konsequenzen für weite Bevölkerungsteile bzw. zivile Organisationen der BRD – haben grosse Tragweite: Es wird nicht mehr möglich sein, einmal mehr zu sagen, man hätte von nichts gewusst.

Ganz im Gegenteil: Bodemann als Militär(!) moniert “Desinformationen und Fake News… insbesondere in Social Media”, doch scheint vergessen zu haben, was dazu im Grundgesetz steht, nämlich:

Zum Grundgesetz (GG) der Bundesrepublik Deutschland:

GG – Art. 5 (1) gewährleistet mit der Meinungs-, Informations-, Presse-, Rundfunk- und Filmfreiheit insgesamt fünf Grundrechte:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Unser-Mitteleuropa hat wegen der Brisanz von Bodemanns Aussagen das Transkript des Interviews erstellt, um es seinen Lesern nachstehend zur Kenntnis zu bringen:

Das Interview: Der geheime “Operationsplan Deutschland betrifft uns alle”
und tritt “ab 2025 in Kraft”

Tamara Bilic von ntv stellt brisante Fragen | Quelle: Screenshot ntv

ntv: Generalleutnant Bodemann. Sie haben den Auftrag bekommen, einen “Operationsplan Deutschland” aufzustellen. Was genau ist das? Was verbirgt sich dahinter?

Bodemann: Guten Tag, Frau Bilic. Ich freue mich, dass ich bei Ihnen sein darf. Der “Operationsplan Deutschland” ist ein sehr konkretes Papier. Im Gegensatz zur “Rahmenrichtlinie Gesamtverteidigung”, die sehr wichtig, aber auf der konzeptionellen Ebene ist, sagt der Operationsplan schon sehr deutlich, was zu tun ist, wer das tun soll und wie man es tut, wenn es erforderlich ist, und zwar aus Ableitung der aktuellen sicherheitspolitischen Lage. Was muss in Deutschland getan werden, um Deutschland zu schützen? In Frieden, Krise und Krieg?

ntv: Wen betrifft das genau? Können Sie da mal ein konkretes Beispiel nennen? Also wen betrifft dieser “Operationsplan Deutschland”?

Bodemann: Er betrifft uns alle. Der “Operationsplan Deutschland”, die Verteidigung Deutschlands ist eine Aufgabe, die übergreifend ist – gesamtstaatlich wie gesamtgesellschaftlich. Also in einem ganz konkreten Beispiel: Truppen der Amerikaner landen in Vlissingen in den Niederlanden; marschieren durch die Niederlande auf verschiedenen Wegen über die Bahn, über Straße, über Autobahnen oder Luftverladung, über Flugplätze. Und dann müssen sie auch durch Deutschland und sie müssen versorgt werden. Jeder von uns macht auf der Autobahn eine Rast. Das machen eben auch die amerikanischen Konvois in diesem Fall. Wir nennen das “Konvoi Support Center”. Und dort, während der Rast, werden sie versorgt mit Betriebsstoff, mit Verpflegung, mit Frischwasser und vielleicht auch mit der Notwendigkeit zur sanitätsdienstlichen Betreuung.

ntv: Aber sie werden nicht versorgt von der Bundeswehr, sondern vom Zivilschutz, wenn ich das richtig verstanden habe. Also es geht gar nicht um Soldaten, sondern es geht um alle möglichen Personen?

Ist Bodemann im Kriegsrausch klar, was er von sich gibt? | Quelle: Screenshot ntv

Bodemann: Genau. Also das wäre natürlich sehr schön, wenn ich genügend Soldaten […] und Soldaten hätte, die genau diese Tätigkeiten ausführen würden zur Unterstützung unserer alliierten Partner in Deutschland.

Aber ich gehe davon aus, dass die wesentlichen Teile der Bundeswehr, der aktiven Teile der Bundeswehr sich dann entweder schon an der NATO Ostflanke befindet oder auf dem Weg dorthin ist.

Und das bedeutet, wir arbeiten mit dem Prinzip der maximalen zivilen Leistungserbringung. Wir bleiben wieder bei dem Beispiel des amerikanischen Konvois: Dieser wird dann eben nicht versorgt durch einen Betriebsstoff-LKW der Bundeswehr, sondern durch einen betriebsstoff-LKW eines namhaften Betriebsstoff-Unternehmens in Deutschland. Die Sanitätsversorgung würde nicht durch die Bundeswehr Sanitäter erfolgen, sondern durch Malteser, Johanniter, durch das Deutsche Rote Kreuz. Und die Verpflegung kommt nicht von der Truppenküche der Bundeswehr, sondern durch einen zivilen Caterer. Um hier ein paar Beispiele zu nennen.

ntv: Also Ihre Aufgabe bei der Aufstellung dieses “Operationsplanes Deutschland” war eigentlich, mit all diesen Akteuren zu sprechen und das jetzt in einem Plan zu vereinen.

Bodemann: Ja, wir haben insgesamt jetzt eine erste Iteration [Ansatz, um ein Vorhaben zu verbessern] dieses Plans fertiggestellt und haben sie vor Ostern dem Generalinspekteur zur Billigung vorgelegt, der ihn auch gebilligt hat. Und der Plan tritt jetzt auch zum 1. Januar 25 in Kraft. Und dort haben wir mit 150 Menschen innerhalb der Bundeswehr, aber auch außerhalb der Bundeswehr, mit allen Ressorts, mit allen Ländern – die Länder spielen eine wesentliche Rolle, aber auch zum Teil mit den Blaulichtorganisationen und auch der Wirtschaft gesprochen.

Wir haben in diesem Jahr 100 Tage in geheimen Räumen verbracht, wo wir diesen Plan entwickelt haben: Und rausgekommen ist ein Paket von etwa 1000 Seiten.

Das zeigt doch schon die Komplexität dieses Themas, wo wir in einem ersten Entwurf niedergeschrieben haben, wie das funktionieren soll.

ntv: Der Plan ist ja eigentlich geheim. Aber dürfen Sie von diesen 1000 Seiten schon irgendetwas verraten?

Bodemann: Vom Grundsatz her ist der Plan geheim. Wenn wir über konkrete Zahlenangaben sprechen, über konkrete Orte sprechen, über das, was wir wie tun, dann ist das alles geheim. Aber im Grundsatz geht es eben darum, die sogenannte Drehscheibe Deutschland zu bedienen.

Also die Scheibe Deutschland als den zentralen Punkt, wo die alliierten Kräfte durchmarschieren müssen.

Wir müssen nicht nur, aber die alliierten Kräfte im sogenannten “Host Nation Support” unterstützen mit dem gerade beschriebenen Frischwasser, Betriebsstoff und Versorgung, sondern es geht auch um den Schutz von kritischen und verteidigungswichtigen Infrastrukturen.

ntv: Also ein tausendseitiger Plan, der den Zivilschutz beinhaltet. Wofür brauchen wir den eigentlich? Wir befinden uns ja nicht im Krieg.

Bodemann: Wir befinden uns nicht im Krieg, formaljuristisch nicht als Deutschland. Das ist auch gut so, aber wir befinden uns nach meiner Auffassung schon lange nicht mehr im Frieden, weil wir täglich angegriffen werden.

Wir befinden uns in einer Phase dazwischen. Nennen wir sie Grauzone, hybride Phase.

Wie auch immer, gerade Hybrid passt ganz gut, weil wir insbesondere bedroht werden. Momentan schon durch hybride Angriffe. Ich nenne da immer vier verschiedene Dinge, die da passieren in Deutschland, und zwar jetzt schon:

  • Das eine ist natürlich Desinformation und Fake News, was wir tagtäglich sehen, insbesondere natürlich in Social Media.
  • Das zweite sind Cyberangriffe – Cyberangriffe auf die Bundesregierung, auf große Unternehmen, Energieunternehmen. Und bei beidem ist es sehr schwierig zu artikulieren, wer greift uns da eigentlich an? Aber die Angriffe sind da und die Effekte sind da. Und der Plan kümmert sich vor allen Dingen um die Effekte. Also wie wollen wir diesen Effekten begegnen? Weil am Ende ist es egal, ob uns ein Staat wie Russland oder China angreift, eine Terrororganisation oder organisierte Kriminalität. Wir haben diese Bedrohungen und gegen die müssen wir uns schützen.

Hinzu kommen noch zwei weitere:

Das ist Ausspähung und Spionage – auch das erleben wir leider täglich, insbesondere über den Ausbildungsorten der ukrainischen Soldaten und Soldaten haben wir Drohnen-Sichtungen in den vergangenen Jahren erlebt, die sehr exponentiell angestiegen sind, um herauszufinden, an was bilden wir aus und wie bilden wir aus?

Und man versucht auch Handydaten abzugreifen, um tatsächlich in der Ukraine zu sehen, wenn man in Deutschland dieses Handy anhatte bei der Ausbildung der Panzerhaubitze 2000 und man das gleiche Handy in der Ukraine wiedersieht, dann wird diese dieses Waffensystem dort im Einsatz sein und man kann das bekämpfen.

Und man sieht es auch an anderer Stelle: Zum Beispiel in der Ostsee, wo sich ein russisches Spionageschiff bewegt, was eigentlich nur zehn Tage für eine Passage benötigen würde, aber tatsächlich über 300 Tage in der Ostsee ist. Und wenn man das mal darüberlegt, wo sich das Schiff aufgehalten hat, auch länger aufgehalten hat, dann sind es genau die kritischen Infrastrukturen in der See: Pipelines, Rohre, Leitungen etc. Und das spricht dafür.

Und der vierte Bereich ist eben Sabotage. Nicht täglich, aber wir haben Sabotage in Deutschland. Denken Sie an Nord Stream II, Denken Sie an die Bohrungen in den Pipelines der LNG Terminals. Denken Sie an die Bahnstrecken, die teilweise angegriffen worden sind. Was nicht immer natürlich ein Gewaltakt ist, sondern auch mal der Diebstahl von Eisen oder Stahl oder was auch immer, aber zum Teil auch eben mit klaren Richtungen, dass es eine Bedrohung ist, die von anderer Seite kommt und Sprengstofffunde entlang NATO Pipeline oder US-Liegenschaften.

Wo man sich doch die Frage stellt wer ist das, der dort das da vergraben hat?

ntv: Wenn Sie das jetzt so alles aufzählen, wundert es einen fast, dass wir so einen Operationsplan Deutschland bislang noch nicht gehabt haben. Oder gibt es einen Plan aus der Vergangenheit, den man jetzt vielleicht nicht mehr nutzen kann? Oder wie ist das?

Bodemann: Zum einen haben wir geglaubt – über 25 Jahre lang, dass Deutschland umgeben ist von Freunden, dass Krieg in Europa illusorisch ist, nie wieder stattfindet. Und das haben wir ja gemerkt, spätestens seit dem 24. Februar 2022, dass dem nicht so ist. Das ist das eine.

Also der Krieg ist zurückgekommen und wir brauchen einen Plan. Und jetzt hätten wir gerne natürlich den Plan der 70er und 80er Jahre aus dem Ost-West-Konflikt wieder hervorgeholt, den es zum Teil auch noch gibt. Aber die Lage hat sich völlig verändert:

Deutschland war seinerzeit Frontstaat. Das sind wir heute glücklicherweise nicht mehr, sondern eben ein Staat, in dem viele Marschbewegungen alliierter Kräfte stattfinden.

Es gibt die Cyberbedrohung, die hybriden Bedrohungen. Es gibt Digitalisierung, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, die deutlich machen: So ein alter Plan kann nicht eins zu eins wieder übersetzt werden. Wir gucken schon in die Vergangenheit. Das eine oder andere können wir auch aus diesen alten Plänen herausziehen. Aber es ist doch eine völlig andere Lage.

ntv: Generalleutnant Bodemann, wie sehen Sie denn momentan die Bedrohungslage, die von Russland ausgeht? Wie bewerten Sie das?

Bodemann: Es gibt sehr deutliche Bedrohungen Russlands auf verschiedenen Ebenen über Desinformationen, Fake News, Cyberangriffe, die man doch relativ eindeutig aus diesen Richtungen deuten kann. Wir haben russische Konsulat-Fahrzeuge, die sich an oder auf Truppenübungsplätzen bewegen. Also es gibt [sie] dort – wir sind dort im Sichtfeld.

Und Russland konstituiert seine Streitkräfte. Wir rechnen etwa damit, dass in fünf bis acht Jahren Russland seine Streitkräfte so wiederhergestellt hat während des Krieges in der Ukraine, dass sie durchaus in der Lage sind, auch mit klassischen militärischen Mitteln das NATO Bündnisgebiet anzugreifen. Und Russland hat viel in der Vergangenheit – Putin hat viel in der Vergangenheit angesprochen, was er tatsächlich dann auch umgesetzt hat. Und immerhin, er hat gesagt, dass er das alte Gebiet der Sowjetunion wiederherstellen möchte und dazu zählen eben auch die baltischen Staaten.

ntv: Also gehen Sie von einer konkreten Bedrohungslage in ein paar Jahren aus. Das halten Sie für ein realistisches Szenario?

Bodemann: Die Bedrohungslage sehen wir jetzt schon. Durchaus wäre Russland jetzt schon in der Lage, das eine oder andere zu tun. Insbesondere ist Russland im Bereich der hybriden Bedrohung sehr stark unterwegs. Mit klassischen militärischen Mitteln sehe ich die Bedrohung in einigen Jahren sehr wohl konkret auf uns zukommen.

ntv: Sie bauen ja jetzt die zivile Unterstützung aus. Wie wichtig ist die? Und vielleicht dazu auch noch die Frage: Schafft die Bundeswehr das nicht alleine?

Bodemann: Leider schaffen wir das nicht alleine und Gesamtverteidigung baut sich eben auf aus zwei Bereichen: Das eine ist der militärische Beitrag. Wie versuchen wir diesen Staat zu schützen? Die Bürgerinnen und Bürger, Freiheit und Demokratie, die territoriale Unversehrtheit unseres Staatsgebietes. Auf der anderen Seite gibt es eben den Zivilschutz. Dort ist eine ganze Menge auch zu tun im Bereich, wie schütze ich die Bevölkerung, wie bereite ich die Bevölkerung vor auf eine Bedrohung? Wie schützt sie sich selbst? Beispielsweise, dass man sich auch einen kleinen Vorrat zulegt, dass man auch mal mehrere Stunden ohne Strom auskommen kann? Was wir vor ein paar Jahren noch belächelt haben, ist heute leider Realität geworden, dass wir uns auf solche Szenarien vorbereiten müssen. Und die zivile Seite muss uns also unterstützen. So wie wir bei Artikel 35 im Rahmen der [Rechts- und] Amts- und Katastrophenhilfe, bei Waldbränden bei Hochwasser der zivilen Seite geholfen haben, müssen wir unterstützt werden durch die zivile Seite im Falle einer militärischen Bedrohung Deutschlands.

ntv: Wie ist denn da so die Bereitschaft? Sie haben das jetzt ja im Rahmen dieses “Operationsplanes Deutschlands” einmal abgeklopft. Wie ist denn die Bereitschaft von der zivilen Seite, die Bundeswehr auch zu unterstützen?

Bodemann: Also die Bereitschaft ist sehr, sehr groß. Das war sehr bemerkenswert.

Ich hätte am Anfang gar nicht damit gerechnet, dass wir so viel Zuspruch bekommen haben. Die Blaulichtorganisationen, also das Technische Hilfswerk Rote Kreuz, Malteser, Johanniter und viele, viele andere kommen auf uns zu und sagen: “Was ist unser Beitrag, was können wir tun?” Und das sind nicht nur diese, das sind auch Sparkassenverbände, Raiffeisenverbände.

Es sind alle Bundesämter, wie zum Beispiel das Bundesamt für Mobilität und Logistik, die auf uns zukommen. Wir gehen auf die zu und schauen, welchen Beitrag diese einzelnen Bereiche leisten können. Das ist sehr, sehr positiv.

ntv: Wie stehen Sie denn zu dem Thema Wehrdienst beispielsweise? Boris Pistorius hat ja ein neues freiwilliges Wehrdienstmodell vorgeschlagen. Was sagen Sie dazu? Würde das helfen? Würde das reichen oder wie stehen Sie dazu?

Bodemann: Das Modell, was unser Minister vorangestellt hat, soll ja nicht die Differenz zwischen 180.000 und Zielgröße 203.000 Soldaten[…] und Soldaten erfüllen, sondern es soll vor allen Dingen eine aufwuchsfähige, durchhaltefähige Armee erzeugen. Und dafür brauchen wir Reservistinnen und Reservisten. Insofern ist es gut, dass wir jetzt einen Ansatz haben, wo wir Menschen gewinnen, die sich vielleicht vorher noch nicht mit dem Militärdienst, mit der Bundeswehr auseinandergesetzt haben.

Und ich glaube, ich bin selbst ein gutes Beispiel dafür. Ich bin als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr gekommen und wenn ich nicht hätte als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eintreten müssen, dann wäre ich vielleicht heute nicht hier. Ich habe erlebt, wie der Dienst ist. Ich habe tolle Vorgesetzte gehabt. Ich habe festgestellt, es ist ein sehr sinnstiftender – eine sehr sinnstiftende Aufgabe. Und ich glaube, über diesen Weg, den wir jetzt beschreiten, haben wir die Möglichkeit, Leute anzusprechen, die vorher sich darüber keine Gedanken gemacht haben. Und die können wir gewinnen.

Und damit haben wir eine Chance, tatsächlich genau diese Aufwuchsfähigkeit durch mehr Reservisten und Reservisten und Heimatschutz zu erzeugen.

ntv: Aber Zivilschutz und Heimatschutz braucht es trotzdem.

Bodemann: Das braucht es trotzdem. Und es ist ja gut, dass sich in Deutschland auch viele Menschen engagieren auf die unterschiedlichste Art und Weise. Und viele nur engagieren sich in mehreren Bereichen. Das ist genau die Herausforderung, dass viele Reservistinnen und Reservisten auch zeitgleich bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, beim Technischen Hilfswerk oder bei anderen Hilfsorganisationen und wir aber alle auf diesen gleichen Pool der Menschen zurückgreifen.

Und insofern muss man sich ehrlich fragen, wie viel freiwillige Feuerwehr ist denn noch da, wenn die Reservistinnen und Reservisten eingezogen werden?

Deswegen bedarf es auch an dieser Stelle einer Stärkung. Im Übrigen auch finanzielle Stärkung, dass auch der Zivilschutz gefördert wird und weiter ausgebaut wird, weil wir können das nur gemeinsam tun, gesamtstaatlich und gesamtgesellschaftlich.

ntv: Wie ist das eigentlich, wenn man jetzt wirklich schweres Geschütz in Richtung Ostflanke bringen müsste? Also würde das überhaupt funktionieren, wenn das nur die Bundeswehr alleine macht? Oder braucht es wirklich diese zivile Unterstützung?

Bodemann: Wir brauchen zivile Unterstützung. Das ist insbesondere die Deutsche Bahn. Da sind wir in sehr, sehr engem Austausch mit DB Cargo als auch mit DB Sicherheit, weil am Ende wir als Militär natürlich auch priorisieren müssen: Welcher Transport muss in welchem Fall als erster irgendwohin? Das kann nicht die Bahn selber machen, sondern wir müssen die Vorgaben dazu geben. Und deswegen ist die Deutsche Bahn beispielsweise ein sehr, sehr wichtiger Partner.

Es sind aber auch Transportunternehmen, zivile Transportunternehmen, weil es nicht genügend militärische Transportmittel gibt, um diese Masse an Soldaten und Soldaten und insbesondere schwerem Gerät durch Deutschland an die NATO Ostflanke zu verbringen.

Gleichsam arbeiten wir mit Roll-on Roll-off Schiffen, wo halt nicht alles durch Deutschland über Bahnstrecken, über Autobahnen transportiert wird, sondern von einem Hafen in Deutschland, dann eben an einen Hafen nach Litauen, wie wir es an einer Übung ja auch beispielsweise praktiziert haben.

ntv: Wir sprechen ja viel über NATO, über das NATO Bündnis. Jetzt sehen wir aber auch Tendenzen mit Trump, der vielleicht wieder Präsident wird in den USA. Wir sehen Le Pen in Frankreich.

Muss man sich vielleicht so ein bisschen frei machen von diesem Bündnis-Gedanken und wieder mehr auf die eigene Sicherheit in Deutschland schauen?

Bodemann: Also Verteidigung geht nur bündnisgemeinsam. Keine Nation außerhalb der USA ist in der Lage, das sicherzustellen. Hier müssen wir alle zusammenrücken und zusammenwirken und am Ende, egal welche Strömungen, was sagen: Auf Deutschland innerhalb Europas als eine starke Nation kommt es an, nicht nur aufgrund der geostrategischen Lage an, sondern weil wir auch einen entsprechenden Stellenwert in Europa haben. Und alle schauen auf uns. Und die Amerikaner schauen natürlich auch jenseits Europas auf den indisch pazifischen Raum, auf China. Und insofern muss Deutschland aus meiner Sicht für Deutschland selbst als auch für Europa mehr tun. Und da sind wir gerade dabei und dazu trägt auch dieser “Operationsplan Deutschland” bei.

ntv: Es geht also nur zusammen, sagt Generalleutnant Bodemann vom Territorialen Führungskommando der Bundeswehr. Vielen herzlichen Dank für Ihr Kommen!

Bodemann: Danke, Frau Bilic. Vielen Dank!

***

Das Interview als Video erschien auf ntv: Hier



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Von Redaktion

12 Gedanken zu „«Operationsplan Deutschland»: Nach 100 geheimen Tagen mit 1000 Seiten zum Endsieg?“
  1. Warum will Deutschland Krieg? 1. Deutschland ist 1 US-Bundesstaat. 2. Weltkriege zweimal verloren. 3. Deutschland hat nie einen Friedensvertrag unterzeichnet, daher ist es immer noch ein besetztes Land und die USA nutzen dies aus. 4. Deutschland hat weder eine Armee noch militärische Ausrüstung und muss daher tanzen, während Amerika pfeif

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  2. Tatsächlich denkt der nicht an RUS, wenn er über die Gefahr durch Putin/RUS spricht.
    Tatsächlich denkt er an die Nazis aus der UKR oder an die Gefahr durch den Islam und dabei zuvorderst an Baba Erdogan H.
    Dafür müssen wir unsere BW verstärken.

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  3. Die Spinner können planen was sie wollen, solange sie die Mentalität der BRD-Zombies nicht ändern, haben sie keine brauchbaren Soldaten und solange sie keine Rüstungsindustrie und das nötige Geld (Schulden) haben, haben sie kein Spielzeug. Das sind Endsiegplanungen wie jene aus dem Führerbunker, während draußen die sowjetischen Granaten einschlagen.

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  4. Deutschland bereitet sich nicht auf einem Angriffskrieg vor, sondern denkt darüber nach,
    wie man sich in einem Ernstfall bestmöglich verteidigen kann.

    Als im Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, dauerte es gut 2 Monate,
    bis im belarussischen TV im Hintergrund Karten erkennbar waren, die mögliche neue russische Grenzen
    darstellten.
    U.a. wären auch Teile von Polen betroffen.
    Wenn wir Pech haben rutschen wir so oder so in einen neuen Weltkrieg hinein.
    Es spricht leider nichts dagegen, wenn Deutschland anfängt sich auch auf so ein Szenario vorzubereiten.

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  5. Zu vielen seiner Worte könnte ich ellenlange für ihn negative Kommentare schreiben, was ich aber hier aus Platzmangel unterlasse.
    Insgesamt fallen mir spontan drei Worte ein.
    Verlogene hetzerische R- — – !

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  6. …so und jetzt ins WC und richtig und befreit durchdrücken… (diese personivizierte Kriegsmaschine sollte man entfernen wie einen Tumor)

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  7. Ein FEINGEMACHTER steht Rede und Antwort über total irrige SANDKASTENSPIELE der ohnehin herunter gewirtschafteten Bundeswehr und dazu völlig historisch unbeleckter
    Offiziere als Warmduscher der NATO.
    Als einer des Jahrgangs 1931 erschrecke ich über so viel Fahrlässigkeit einer kriegsuntauglichen BRD-Armee.

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    1. Immerhin ist er römisch-katholisch, also wieder einer im Dienste des “ANTI-Christ” mit den roten Schuhen, was auch sonst ? Die meisten Politschranzen weisen diese Zugehörigkeit aus. Bisschen erhöht wird man zum Jesuit, also die, die gegen Luther´s Thesen der freien Zugehörigkeit (ohne wöchentlichen Ablass) zum Schöpfer den Krieg bliesen. https://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Bodemann

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  8. Sie wollen mit aller Gewölt den 3. WeKa provozieren. Wieder wird von ihnen ein illusionäres Faindbild erstellt – in diesem Fall Ru, während sie, die Natöd und die Mächte und Kräfte hinter der Natöd, die wahren Fainde der Menschheit sind, die den Planeten für sich alleine haben wollen – menschenleer versteht sich.
    Denkt an die Worte des serbischen Präsidenten:
    https://www.youtube.com/watch?v=VXA_xxKaQDw
    Meiner Ansicht nach.

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