Heute ist der Gedenktag der Vertreibung der Ungarndeutschen

Ungarndeutsche warten auf die Deportation (Schrift an dem Wagon: Gott mit Dir, unsere Heimat!)

Das unga­ri­sche Parlament hat 2012 beschlos­sen, all­jähr­lich den 19 Januar als Nationalen Gedenktag für die Vertreibung der Ungarndeutschen zu bege­hen. Damals stimm­ten 333 Abgeordnete für die­sen Antrag, es gab keine Gegenstimmen. Am 19. Januar 1946 wur­den die ers­ten Ungarndeutschen aus Budaörs/​Wudersch depor­tiert, des­we­gen haben sie die­sen Tag aus­ge­wählt.

Die kurze Geschichte der Vertreibung

Noch vor dem Kriegsende wur­den zur Jahreswende 1944/​1945 etwa 65.000 arbeits­fä­hige Ungarndeutsche zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion depor­tiert. Nach unga­ri­schen Angaben fan­den dort etwa 16.000 von ihnen den Tod. Ebenfalls noch wäh­rend des Krieges ord­nete die unga­ri­sche Interimsregierung im Rahmen der Bodenreform die Enteignung des land­wirt­schaft­li­chen Besitzes, ein­schließ­lich der Wohngebäude und des Inventars der deutsch­stäm­mi­gen Bevölkerung an und for­derte von den Siegermächten deren Vertreibung aus dem Lande, was im Potsdamer Abkommen vom August 1945 auch geneh­migt wurde.

Die erste demo­kra­tisch gewählte unga­ri­sche Regierung bestimmte in einer Verordnung vom 22. Dezember 1945 unter dem Vorwand der Kollektivschuld die Vertreibung der Ungarndeutschen, die bei der Volkszählung von 1941 ent­we­der deutsch als Nationalität oder deutsch als Muttersprache ange­ge­ben hat­ten. Damit waren etwa 90 % der Ungarndeutschen von Heimatverlust bedroht.

Schon vor­her hatte man in eini­gen Dörfern auf dem Heideboden mit Vertreibungen begon­nen, um Platz für die zu erwar­ten­den unga­ri­schen Aussiedler aus der Slowakei zu machen. So hatte man am 27. August 1945 die deut­schen Bewohner aus Kaltenstein (Levél) in den Nachbarort Zanegg (Mosonszolnok) ver­bracht (Zanegger Getto).

Im Januar 1946 begann die staat­lich ver­ord­nete Vertreibung in die ame­ri­ka­nisch besetzte Zone Deutschlands (Nordwürttemberg, Nordbaden, Bayern und Hessen). Als ers­ter Ort war Wudersch (Budaörs) bei Budapest betrof­fen. Die US-Militärregierung ver­wei­gerte ab dem 1. Dezember 1946 die Übernahme wei­te­rer Transporte. In einem Bericht der Ministerpräsidenten der ame­ri­ka­ni­schen Besatzungszone von 1947 wird die Zahl der aus Ungarn auf­ge­nom­me­nen Deutschen auf 176.000 bezif­fert. Auf Ersuchen der unga­ri­schen Regierung an die UdSSR wurde die Übernahme von wei­te­ren 50.000 Ungarndeutschen in die sowje­ti­sche Besatzungszone Deutschlands geneh­migt und ab 1947 bis Sommer 1948 gin­gen die Transporte dort­hin. Insgesamt wur­den rund 49.300 Personen in die Sowjetische Besatzungszone, dar­un­ter 46.300 nach Sachsen, ver­trie­ben. Viele flüch­te­ten von hier in die Westzonen, eini­gen gelang es, in die Heimat zurück­zu­keh­ren.

Für die Heimkehrer aus der sowje­ti­schen Kriegsgefangenschaft dau­er­ten die Leiden wei­ter an. Sie wur­den 1950 zur Zwangsarbeit in Lager bei Tiszalök und Kaszincbarcika inter­niert. Mehr als tau­send Ungarndeutsche muß­ten in die­sen völ­lig von der Außenwelt abge­rie­gel­ten Schweigelagern ein Wasserkraftwerk an der Theiß und ein Chemiewerk errich­ten. Im August 1953 zeich­nete sich Hoffnung ab, nicht zuletzt durch die Bemühungen des Vorsitzenden der ungarn­deut­schen Landsmannschaft, Dr. Ludwig Leber und sein Telefonat mit dem unga­ri­schen Ministerpräsidenten Imre Nagy, der damals ver­si­cherte, sich um die Angelegenheit zu küm­mern. Trotzdem ant­wor­tete die Lagerleitung am 4. Oktober 1953 auf eine fried­li­che Kundgebung im Lager mit stren­gem Schießbefehl gegen die »Aufrührer«, wodurch fünf Gefangene zu Tode kamen und zahl­rei­che ver­letzt wur­den. Die »Anführer« wur­den zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Ab November 1953 kamen die ers­ten Gefangenen frei. Aber erst 1955 wur­den die letz­ten Gefangenen ent­las­sen und zu ihren Verwandten nach Deutschland über­führt. Viele tru­gen lebens­lange kör­per­li­che und geis­tige Schäden davon.

Für 1950 ergibt sich das fol­gende Bild: ins­ge­samt leb­ten 210.000 ungarn­deut­sche Vertriebene außer­halb ihrer Heimat, davon 175.000 in der Bundesrepublik Deutschland, 10.000 in der DDR, 20.000 in Österreich und 5.000 in über­see­ischen Ländern, haupt­säch­lich in den USA und in Kanada. Von den in Deutschland ansäs­si­gen Vertriebenen leb­ten etwa 150.000 Personen in Baden-Württemberg.

Quelle: ldu​-online​.de

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