Kroatische Staatschefin: Notstand wegen Auswanderung in Kroatien

„Jugendliche ver­lassen Kroatien in der Hoffnung auf ein besseres Leben”- sprach die kroat­is­che Staatschefin Klartext.

In Sibenik, in Mitteldalmatien sprach die Staatschefin davon, wohin ihr Amt für zwei Tage umzog. Seit ihrem Wahlsieg hat Kolinda Grabar-Kitarovic ihr Amt zum 15. Mal an eine Außendiensstelle ver­legt, jedes­mal resi­dierte sie in unter­schiedlichen Komitatssitzen, um sich über die Lage der Region und die Probleme der Einheimischen unmit­tel­bar vor Ort ein Bild machen zu kön­nen.

 „In der Hoffnung auf ein besseres Leben ver­lassen die Jugendliche Kroatien. Als ich vor Kurzem darüber gesprochen habe, dass wir konkrete demografis­che Maßnahmen brauchen, wurde behauptet, ich würde übe­treiben. Aus Kroatien wan­derten nur let­ztes Jahr 80.000 Menschen aus. Was ist das, wenn nicht ein Notstand, der außeror­dentliche Maßnahmen fordert?” – stellte die Staatschefin die Frage. Sie meinte, die primäre Aufgabe der Staatsleitung sei, die Bedingungen für ein würde­volles Leben zu schaf­fen. Für die Entwicklung der Bevölkerung brauche man statt der Ausarbeitung einer neuen Strategie einen konkreten Handlungsplan – sagte sie.

 „Ich bitte sowohl die Regierung als auch das Parlament, sich völ­lig dieser Frage zu wid­men!”

Der Konflikt zwis­chen den Mitgliedern der Regierung und dem Amt des Staatspräsidenten ist eigentlich nichts Neues, trotz der Situation, dass sowohl Staatschefin als auch die Mehrheit der Regierungsmitglieder der größeren rechten Regierungspartei, der HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) ange­hören. Kolinda Grabar-Kitarovic ver­suchte sich den mit­teleu­ropäis­chen Ländern zu näh­ern, genauer den Visegráder 4 (Ungarn, die Slowakei, Tschechien, und Polen), doch der Regierungschef Andrej Plenkovic, der in der kroat­is­chen Presse oft als „Tschinownik von Brüssel” genannt wird, streng eine Brüssel-fre­undliche Politik ver­folgt.

Kroatien hat mit schw­eren demografis­chen Problemen zu kämpfen. Laut den jüng­sten Zahlen des Statistikamtes star­ben let­ztes Jahr um 17,6 Tausend Menschen mehr von der ins­ge­samt 4 Millionen Menschen umfassenden Gesamtbevölkerungszahl, als die Höhe der Zahl der Geburtenrate erre­ichte. Das ist der höch­ste natür­liche Bevölkerungsrückgang seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wenn wir die Zahl der im Jahre 2017 Ausgewanderten dazurech­nen, so dürfte man über einen Verlust von 58.000 Menschen sprechen. Laut Pressenachrichten bere­itet die Regierung die Ausarbeitung der 5. demografis­chen Strategie seit 1996 vor, aber sogar die vorheri­gen Strategien wur­den auch nicht ver­wirk­licht. Bislang arbeit­ete fast jede Regierung einen neuen Erneuerungsplan für die Bevölkerung her­aus, jedoch set­zten sie keinen in der Praxis um.

Kroatien schloss sich 2013 der EU an, somit wurde der europäis­che Arbeitsmarkt für die Bevölkerung vor­erst zwar beschränkt, aber trotz­dem erre­ich­bar – sei­ther entschei­den sich immer mehr Jugendliche dafür ihr Heimatland zu ver­lassen, und in Westeuropa ihr Glück suchen, Zagreb kann die Auswanderung auch nicht stop­pen. Die neuesten Daten zeu­gen auch davon, dass nur in Deutschland und Österreich 450.000 kroat­is­che Staatsbürger arbeiten, also 10% der kroat­is­chen Gesamtbevölkerung. Wegen der Vernachlässigung der demografis­chen Probleme droht in Kroatien der Zerfall des Renten-, Arbeits- und Gesundheitssystem.

 Die Auswanderung bet­rifft ganz Osteuropa, haupt­säch­lich wan­dern Jugendliche in der Hoffnung eines besseren Lebens nach Westeuropa aus. Um dies zu ver­mei­den, bzw. einzudäm­men ini­ti­ierte die Partei Jobbik die Lohnunion im März 2017, welche als EU-Prinzip fes­tlegt, dass inner­halb der EU gle­iche Gehälter für die gle­iche Arbeit bes­timmt wer­den soll­ten. Um somit zu ver­hin­dern, dass die östliche Hälfte Europas in Folge der Lohnunterschiede entvölk­ert wür­den.

Quelle: alfahir.hu/2018/04/17/horvatorszag_kivandorlas_berunio_berek

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