In memo­riam Dr. phil. Chris­tian Lindtner 1949–2020

UNSER MITTELEUROPA erfüllt die trau­rige Pflicht, uns von einem großen Wissen­schafter und Mentor, unserem däni­schen Gast­autor Chris­tian Lindtner verab­schieden zu müssen:

Chris­tian Lindtner wurde in eine gute und klas­sisch ausge­bil­dete Familie hinein­ge­boren und hätte mit seinem einzig­ar­tigen Talent alles werden können. Sein Verstand stand jedoch für die klas­si­schen Studien, und er studierte zuerst für eine offi­zi­elle Prüfung in klas­si­scher Philo­logie, aber als er es zu einfach fand, studierte er weiter und warf sich über die klas­si­schen indi­schen Spra­chen Sans­krit und Pâli und das Studium der Indi­sche Reli­gionen, einschließ­lich Buddhismus. Dies war früher in den meisten Teilen Asiens weit verbreitet, und die in Indien verschwun­denen Schriften finden sich häufig in Über­set­zungen in anderen Ländern wie Tibet und China. Chris­tian Lindtner versorgte sich folg­lich mit den notwen­digen Sprach­kennt­nissen und machte sich dann auf die Suche nach Schriften für seine Disser­ta­tion in ganz Südostasien.

Seine akade­mi­sche Karriere führte ihn u.a. an der Univer­sity of Washington in Seattle und an die Univer­sität von Kopen­hagen. Die klas­si­schen Studien waren jedoch bereits zu dieser Zeit bedroht, und allmäh­lich verschwand die Indo­logie voll­ständig von der Univer­sität. Lindtner war auch kein beschei­dener Lakai für die herr­schenden Kräfte, und er kam schließ­lich mit Rektor Nathan klar – den er in Briefen konse­quent als Rektor Marxi­simus Satan bezeich­nete. Natür­lich musste es schlecht enden, aber Chris­tian Lindtner war finan­ziell nicht von einer Stelle an der Univer­sität abhängig. Als er eine Kündi­gungs­er­klä­rung erhielt, zog er sich zurück, um das zu sein, was auf Deutsch Privat­ge­lehrter heißt, und als solcher veröf­fent­lichte er eine unend­liche Anzahl von wissen­schaft­li­chen Arti­keln und Büchern, ebenso wie er an wissen­schaft­li­chen Konfe­renzen teil­nahm und als Dozent und Gast­lehrer in der ganzen zivi­li­sierten Welt fungierte. Er wird heute inter­na­tional als einer der bedeu­tendsten Experten im Buddhismus der Welt bezeichnet.

Chris­tian Lindtner war einer der kennt­nis­reichsten Reli­gi­ons­wis­sen­schaftler Däne­marks – aber in seiner Heimat war er einer der am wenigsten respek­tierten, da er weder mit Geld noch mit Virak gekauft werden konnte. Er ließ sich in seiner Arbeit uner­müd­lich von seiner stän­digen Suche nach der ulti­ma­tiven Wahr­heit leiten, egal wohin ihn diese Suche führen könnte. Wenn er eine These hatte, unter­suchte er sie und es stellte sich heraus, dass sie nicht dauer­haft war, er hielt sich nicht daran und verbrachte seine Zeit nicht damit, das zu vertei­digen, was nicht vertei­digt werden konnte.

Sein leider letztes großes Projekt wurde zu einer gründ­li­chen Unter­su­chung der Quellen des Chris­ten­tums. Als einer der wenigen in diesem Land beherrschte er nicht nur Latein und Grie­chisch bis zur Perfek­tion, sondern auch die Spra­chen Buddhismus, Sans­krit und Pali (neben Tibe­tisch und Chine­sisch). Vor diesem Hinter­grund konnte er offen­baren, dass die Evan­ge­lien des Neuen Testa­ments im Wesent­li­chen nur eine Kopie älterer indi­scher Schriften sind – bis ins kleinste sprach­liche Detail. Dies führte ihn auf einen Kolli­si­ons­kurs mit den Geist­li­chen des Landes und nicht zuletzt mit den Bischöfen. Er betrach­tete die Samt­bäuche der Kirche als eine Bande von halb­ge­bil­deten Räubern und verwöhnten Nassauern, die sich einfach an ihre fetten Pfründen klam­mern und sich weigern, jeden Sonntag zu unter­su­chen, wofür sie stehen und worüber sie predigen. Ein beson­deres Ziel seines Angriffs war die theo­lo­gi­sche Ausbil­dung, wo man einfach seine reich­li­chen Mittel genießt, anstatt Sans­krit zu lernen und die wahren Ursprünge des Chris­ten­tums zu erfor­schen. Ein Theo­loge sagte ihm während einer Konfe­renz: „Ich werde kein Sans­krit lernen“ und stampfte wie ein kleines Kind mit den Füßen. Die Haltung der Theo­logen lautete: „Das wollen wir nicht wissen!“ Chris­tian Lindt­ners Schluss­fol­ge­rung war, dass sowohl die däni­sche Natio­nal­kirche als auch die katho­li­sche Kirche heute in erster Linie lukra­tive Geschäfts­in­sze­nie­rungen sind – und zudem ein Deck­mantel für die kommu­nis­ti­sche Unterwanderung.

Chris­tian Lindt­ners letzte Veröf­fent­li­chung war sein Post­skriptum zu Geoff Roberts‘ kürz­lich veröf­fent­lichtem Buch Insight 2020, dass Jesus nie gelebt hat. Es hätte bei einem Treffen in Chris­ti­ans­borg am 8. November vorge­stellt werden sollen. Das Buch wird später hier im Blog besprochen.

Chris­tian Lindtner war auch ein guter natio­naler Däne, der sich für die Erhal­tung des Däne­marks einsetzte, in dem wir beide aufge­wachsen sind, sowie für die Kultur und die Menschen, die es geschaffen haben. Dies brachte ihn oft auf einen Kolli­si­ons­kurs mit der jüdi­schen Elite, aber Chris­tian Lindtner war weit davon entfernt, ein vulgärer Anti­semit zu sein. Als Wissen­schaftler beob­ach­tete er seine Umge­bung und zog seine objektiv begrün­deten Schlussfolgerungen.

Er konnte auf vielen Gebieten eine ironi­sche Distanz zu seiner Umge­bung herstellen. Aber als er sah, dass seine Grund­werte bedroht waren, warf er sich mit voller Kraft in den Kampf. Chris­tian Lindtner hat den däni­schen Lingu­isten Rasmus Rask sehr hoch geschätzt. Rask war Lindt­ners Vorgänger beim Studium der indi­schen Spra­chen, und Chris­tian machte Rasmus Rask’s Epitaph zum Motto seines eigenen Lebens: „Du schul­dest deinem Vater­land alles, was du errei­chen kannst!“

Vor allem aber war Chris­tian Lindtner ein edler, anstän­diger, edler und hoch­ge­bil­deter Mann, dem Betrug, Lüge, Betrug und Neid unend­lich weit entfernt lagen. Dies ist heute leider eine seltene Eigen­schaft. In meinem letzten E‑Mail-Austausch mit Chris­tian, in dem wir gerade über den Rat der akade­mi­schen Welt gespro­chen haben, schreibt er am 27. Oktober: „Ich werde bald ein Revo­lu­tionär sein!“. Ich antwor­tete ihm: „Aber wenn du ein Seil und einen Heudieb hast, lass uns anfangen … ich bin bei dir!“ Chris­tian antwor­tete: „Gut, deshalb müssen wir gut auf unsere Gesund­heit achten !! Es ist zu viel!“. Am nächsten Tag wurde er ins Rigs­hos­pi­talet einge­lie­fert und eine Woche später war er tot. Es ist unvorstellbar!

So ist plötz­lich ein unend­li­ches Wissens­re­ser­voir verloren gegangen – Wissen, das heute nur noch sehr wenige Menschen besitzen. Große Pläne sind geschei­tert. Wir, seine Freunde, spüren die Leere und das Fehlen der inspi­rie­renden und unter­halt­samen Diskus­sionen, in denen wir stun­den­lang die größten Themen dieser Welt erfor­schen und wenden und wenden konnten, so dass wir Zeit und Ort vergaßen und weder nass noch trocken wurden. Dafür hatten wir keine Zeit. Es gab wich­ti­gere Dinge auf dem Programm. Wir werden seine beißende Ironie und seinen stechenden Humor vermissen. Natür­lich gehen unsere Gedanken auch an seine Familie, deren Verluste noch größer sind. Unser letztes Treffen wurde aufge­zeichnet und ist auf Radio Lindtner zu hören .

Wir sind jetzt verpflichtet, mit den uns zur Verfü­gung stehenden beschei­denen Mitteln zu versu­chen, einige seiner Arbeiten fort­zu­setzen und einige seiner Visionen zu verwirklichen.

Ehre sei Chris­tian Lindtner!

Povl H. Riis-Knudsen

Quelle: danmarksfrihedsraad.com/2020/11/05/dr-phil-christian-lindtner-1949–2020/

2 Kommentare

  1. Ein großer Denker, ein begna­deter Über­setzer, ein guter Freund ist von uns gegangen.
    Wir wollen sein Gedächtnis in Ehren bewahren. RIP, Christian!

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