Salvini + Berlus­coni? Das Szenario einer „Lega Italia“ zeichnet sich ab

Salvini & Berlusconi · Bildquelle: Centro Machiavelli

Von Alberto Basile

In den letzten Tagen mehren sich die Gerüchte über einen Zusam­men­schluss zwischen der Lega Salvini und der Forza Italia. Zunächst würde es sich um die Bildung einzelner Frak­tionen im Parla­ment handeln, aber die Möglich­keit der Grün­dung einer echten Partei, der „Lega Italia“, mit Salvini als Sekretär und Berlus­coni als Präsi­dent, zeichnet sich am Hori­zont ab. Bis vor wenigen Wochen mochte es noch wie poli­ti­sche Phan­tasie erscheinen, aber das Projekt einer „Lega Italia“ wurde kürz­lich in einem Dossier der „Nazione Futura“ disku­tiert und ist heute eines der Haupt­themen in allen natio­nalen Zeitungen.

Die Idee der einzelnen Frak­tionen wurde zunächst von Matteo Salvini lanciert; das Projekt scheint in Gior­gettis Händen zu sein und Berlus­coni scheint gewillt, den Vorschlag zu akzep­tieren, obwohl es in der Forza Italia keinen Mangel an gegen­tei­ligen Stimmen gibt. Salvini könnte sich so auf elegante Weise von Giorgia Meloni distan­zieren, ihm stünden die Türen der Euro­päi­schen Volks­partei weit offen und er würde sich als Führer der rechten Mitte etablieren. Berlus­coni käme aus der Sack­gasse der Forza Italia heraus, die von allen Seiten Stücke und Stimmen verliert, und könnte Salvini als Mitgift einen Wahl­kon­sens in Südita­lien bringen, um den die Lega kämpft. Natür­lich gibt es Fall­stricke, wie die PdL-Affäre (Il Popolo della Libertà) zeigt, aber ich glaube, dass sich diese Heraus­for­de­rung, wenn sie schritt­weise, intel­li­gent und realis­tisch gehand­habt wird, als sehr inter­es­sant erweisen könnte. Forza Italia und die Lega von heute haben viel mehr mitein­ander zu tun als Fini und Berlus­coni zur Zeit des PdL.

Persön­lich würde ich diese Entwick­lung des poli­ti­schen Rahmens der rechten Mitte begrüßen. Auf diese Weise würde eine große und moderne konser­va­tive Partei entstehen, von der libe­ralen Rechten, patrio­tisch, aber nicht natio­na­lis­tisch, Förderer eines „starken, aber nicht geschäf­tigen“ Staates, euro­pä­isch, aber nicht dogma­tisch pro-euro­pä­isch. Es könnte auch klei­nere Akro­nyme enthalten, wie die neue Partei von Toti und Brug­naro oder die Forma­tion von Maurizio Lupi. Die „Lega Italia“ hätte sicher­lich plurale Seelen und Strö­mungen in sich, und wenn sie es versteht, die Dialektik zu managen, würde sie der rechten Mitte und dem ganzen Land nützen.

Inter­es­sant fand ich in diesem Zusam­men­hang die Über­le­gungen von Ales­sandro Campi in „Il Giornale“ und Giovanni Toti in „Repub­blica“. Ersterer hofft auf eine „konser­va­tive Massen­partei, etwas, das es in Italien noch nie gegeben hat und das in unserer poli­ti­schen Land­schaft störend sein würde. Sie sollte die Partei der Tradi­tion, der sozialen Markt­wirt­schaft, der reli­giösen Werte, der Gewiss­heiten und der sozialen Stabi­lität sein. Eine Kraft, die das unter­ge­tauchte Recht reprä­sen­tiert, von dem Longa­nesi sprach“. Giovanni Toti seiner­seits ist vorsich­tiger, aber er ist bereit, „einen Raum zu unter­stützen, in dem alle Kulturen der rechten Mitte unab­hängig von den Zahlen eine poli­ti­sche Heimat haben“, also „eine große konser­va­tive Partei, in der verschie­dene Seelen vereint werden können“.

Ich stimme mit beiden Analysen überein. Italien hat endlich eine große Mitte-Rechts-Kraft wie die spani­sche PP oder die briti­schen Konser­va­tiven verdient. Ich weiß, es hat in unserer Geschichte keine Vorbilder, aber es gibt Zeiten, in denen man die Karten auf dem Tisch komplett neu mischen kann. Natür­lich ist mein Wunsch nur ein Wunsch, der noch lange nicht in Erfül­lung geht, aber wir beginnen Wege zu sehen, die zum Ziel führen.

Natür­lich hängt, wie bei jedem komplexen Projekt, alles davon ab, wer und wie dieser Entwurf reali­siert werden soll. Können wir von einer neuen Genera­tion von 20- bis 30-Jährigen träumen, die in der neuen poli­ti­schen Einheit geboren und poli­tisch aufge­wachsen sind und dazu bestimmt sind, die herr­schende Klasse von morgen zu reprä­sen­tieren und als Boll­werk gegen poli­ti­sche Korrekt­heit und linke Ideo­logie zu agieren?

Alberto Basile
Geboren 1988, Doktor in Fremd­spra­chen (Katho­li­sche Univer­sität Mailand). Mehr­spra­chig, aber immer tief mit seinem Land verbunden, sieht er sich selbst als konser­va­tiven und realis­ti­schen Libe­ralen. Er arbeitet im kauf­män­ni­schen Bereich für eine italie­ni­sche Luxusmarke.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei CENTRO MACHIAVELLI, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


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