Ge(nde)rmania

Bildquelle: Auswärtiges Amt

Von András Kelemen
 

Obwohl der fran­zö­si­sche Präsi­dent Macron sein Bestes gibt, um mit feinem Gespür die Rolle des euro­päi­schen Führers von Deutsch­lands Merkel zu über­nehmen, sehen wir, dass es seit Napo­leons Versuch eines Welt­reichs keine fran­zö­si­sche Chance mehr gibt. Auch dann nicht, wenn der Brexit die briti­sche Insel aus dem heimi­schen Spiel verdrängt hat.

Deutsch­land hatte das Messer in der Kehle der gewalt­samen Eini­gung Europas in zwei Welt­kriegen, aber weil es selbst seine sieg­rei­chen Feinde brauchte, hat es den klas­si­schen Clau­se­witz-Spruch, dass der Krieg die Fort­set­zung der Politik mit anderen Mitteln ist, in den Wind geschlagen – und ist durch den mili­tä­ri­schen Rückzug in den Schatten der Verei­nigten Staaten mit seiner wieder­ge­won­nenen Wirt­schafts­kraft zur Führungs­macht der Euro­päi­schen Union geworden.

Merkels poli­ti­sches Gewicht war also so groß, dass sie im Namen Europas handeln konnte.

Das war in der grie­chi­schen Finanz­krise der Fall, aber auch, als sie sich auf einen Deal mit Erdogan einließ, um die Migran­ten­krise zu redu­zieren (und die Euro­päi­sche Kommis­sion besten­falls die Bedin­gungen, die Merkel ihr aufer­legt hatte, nicht erfüllen konnte). Dieses germa­nisch domi­nierte West­eu­ropa mag es nicht, wenn seine Mitglieder unab­hängig sind, beson­ders wenn es sich um neuere Mitglieder handelt. Bundes­kanzler Kohl war den Ungarn noch dankbar, dass sie die deut­sche Einheit voran­trieben, doch dann wendete sich das Blatt.

Die deut­schen Leit­me­dien über­häufen uns mit Verleum­dungen. Sie mischen sich auch auf Themen ein, die wir zu Recht als unsere eigenen betrachten.

Wir sagen: Wenn Sie einen Kredit aufnehmen wollen, werden wir Sie nicht aufhalten. Wenn Sie trei­bende Massen aus dem Nahen Osten und Afrika aufnehmen wollen, ist das auch Ihre Sache (solange Sie uns da raus­lassen). Obwohl Sie mit dem tödli­chen Schatten der Covi­den­epi­demie auf büro­kra­ti­sche, unehr­liche und unver­ant­wort­liche Weise umge­gangen sind, um Impf­stoffe zusammen zu bestellen, haben wir für uns selbst schnell die Lücke gefüllt – und wir sind bereit, anderen mit unseren Über­schuss­vor­räten zu helfen. Und ja: Wir mischen uns nicht in Ihre Fami­li­en­po­litik ein, aber wir wollen unsere Kinder in unseren eigenen Fami­lien großziehen.

Sagen wir, aber vergeb­lich. Die “großen Jungs” wissen, dass nicht nur schlechte, sondern auch gute Beispiele anste­ckend sind.

Sie befürchten, dass die unga­ri­sche Praxis für die Mehr­heit der Euro­päer attraktiv werden könnte.

Nun, um das zu verhin­dern, müssen die Kräfte der Welt alles tun, um das “unga­ri­sche Ghetto” auszu­rotten. Natür­lich ist es auch klar, dass hinter der deut­schen Nach­frage andere Kräfte stehen. Es gibt das Gefühl eines histo­ri­schen Schnäpp­chens, das bis heute lebendig ist: Die Deut­schen haben zwar ihren eigenen mate­ri­ellen Wohl­stand geschaffen, aber sie haben die Idee einer Nation, ja ihre deut­sche Zukunft aufge­geben. (Auf biolo­gi­scher Ebene ist die schwin­dende Kinder­zahl ein Indiz dafür.) Dennoch sind sie zu fürchten: Wir haben gesehen, wie schon die Verei­ni­gung ihres Landes im Westen Abscheu hervor­ge­rufen hat. Deutsch­land kann stärker werden, aber es muss unter Kontrolle gehalten werden.

Es gibt also eine steu­ernde Kraft hinter und über den Mauern von Merkels Deutschland.

Anzei­chen dafür gab es gegen Ende des goldenen Zeit­al­ters, das mit Adenauer begann. Ich denke da zum Beispiel an das tödliche Attentat auf den Präsi­denten der Deut­schen Bank im Jahr 1989. Danach verviel­fachten sich diese Phäno­mene. Die riesigen Bußgelder, die die Wirt­schafts­kraft von BMW und Volks­wagen gelähmt haben, könnten eben­falls eine solche Warnung sein.

Die erstaun­liche Nach­richt, dass die USA zwischen 2002 und 2013 Merkels Telefon abge­hört haben, ist dem frommen Jour­na­listen bekannt geworden. Vor diesem Hinter­grund ist das Schwanken von Merkels Politik leicht zu verstehen: Erst erklärt die Kanz­lerin 2010, dass der Multi­kul­tu­ra­lismus geschei­tert ist, dann verkündet sie 2015 die unbe­grenzte Aufnahme und macht Selfies mit den einströ­menden Migranten, um dann in die Türkei zu eilen, um die Flut der Ankom­menden zu stoppen.

Merkel ist das Muster­bei­spiel eines Poli­ti­kers, der taktisch reagiert – und die Konse­quenzen igno­riert. (Ein gutes Beispiel ist der über­eilte Ausstieg aus der Atom­strom­erzeu­gung in Deutsch­land.) Deshalb schrieb Stefan Aust 2018 in der Welt,

Merkel sei “die Mutter aller Probleme”: mit ihrer Hand­lungs­un­fä­hig­keit sei verant­wort­lich für die deut­sche Politik.

Und die Dank­bar­keit gegen­über dem unga­ri­schen Volk kann man vergessen. Wir sehen das zum Beispiel an den Chaoten im Euro­päi­schen Parla­ment und an der Wendung von Manfred Weber, dem Vorsit­zenden der EVP, gegen uns. Eine wich­tige Rolle bei diesem Umschwung spielte natür­lich die Tatsache, dass, so wie Merkel die CDU auf die andere Seite wech­selte, so war es Webers Aufgabe, die Euro­päi­sche Volks­partei nach links zu verschieben.

Alles deutet darauf hin, dass der andere Deut­sche, der Nieder­länder Mark Rutte, unbe­holfen auf den Punkt gebracht hat:

Ungarn muss in die Knie gezwungen werden.

Das wich­tigste Werk­zeug dabei ist natür­lich Geld. Der deut­sche Außen­mi­nister Heiko Maas sagt, dass die Veto-Drohungen Ungarns und Polens die EU “in Geisel­haft” genommen haben und dass die vorge­schla­gene Antwort darin besteht, poli­ti­sche Bedin­gungen an die EU-Zahlungen zu knüpfen. Aber sie dachten auch, dass das Spek­takel der Orga­ni­sa­tion der Wahlen nächstes Jahres ein Scho­cker sein würde. Die poli­zei­li­chen Schi­kanen gegen unga­ri­sche Fans bei der Ankunft in der Münchner Allianz-Arena und die Unter­bre­chung des Singens der unga­ri­schen Hymne waren bereits eine Mani­fes­ta­tion der neuen Wunder­waffe, des Genderwahns.

Dann kam der 7. Juli, der Debat­tentag der EP-Sitzung, der sich an uns rich­tete. Die Arbeit der kommenden slowe­ni­schen Präsi­dent­schaft war bereits in Vorbe­rei­tung. Am Tag der Debatte selbst schloss sich schließ­lich auch die Präsi­dentin der EK, Ursula von der Leyen, den Angrei­fern an. Sie nannte das Kinder­schutz­ge­setz eine Schande und forderte eine Ände­rung dieser Maßnahme, die ausdrück­lich in die natio­nale Zustän­dig­keit fällt. Und wenn eine deut­sche Groß­mutter mit sieben Kindern Gender-Propa­ganda in Kinder­gärten und Schulen einführen will,

dann sehen wir hier wieder die für die deut­sche Geschichte so charak­te­ris­ti­sche Miss­ach­tung von Grenzen.

Aber dieser Anti-Unga­rismus ist auch Anti­ger­ma­nismus. Kürz­lich hörte ich die Nach­richt, dass ein germa­ni­scher Fern­seh­sender plant, eine “neutra­li­sierte Nach­rich­ten­sen­dung” zu produ­zieren! Um die Brüs­seler Poli­tico zu zitieren: “Nach­richten in Deutsch­land werden jetzt geschlechts­neu­traler sein, kündigten acht führende deut­sche, öster­rei­chi­sche und Schweizer Nach­rich­ten­agen­turen am Montag [21. Juni] an.” Das bedeutet auch, dass die deut­sche Gram­matik umge­schrieben wird und das Geschlecht entfernt wird. Genau wie in Amerika würden die Statu­en­stürmer die Geschichte umschreiben und den weißen Mann auslöschen.

Bislang haben wir gesehen, wie Deutsch­land blind­lings abdriftet. Und

wenn Deutsch­land verloren geht, könnte ganz Europa zusammenbrechen.

Deshalb war die unga­ri­sche Verant­wor­tung bei der deut­schen Wieder­ver­ei­ni­gung von großer Bedeu­tung. Und deshalb hat sich unser Minis­ter­prä­si­dent, die Schranken der verzer­renden Lügen und Nach­rich­ten­sperren durch­bre­chend, nun direkt an die deutsch­le­sende Öffent­lich­keit gewandt, indem er Ungarns Vorschläge für die Zukunft der Euro­päi­schen Union in Form einer bezahlten Anzeige in Bild veröffentlichte.

Der Autor, Dr. András Kelemen, ist Staats­se­kretär für Auswär­tige Ange­le­gen­heiten a.D. und Vize­prä­si­dent des Natio­nalen Forums

Dieser Beitrag erschien zuerst bei MAGYAR HÍRLAP, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


7 Kommentare

  1. Sie meinen es sicher gut aber Deutsch­land kann nicht „verloren gehen“. Deutsch­land gibt es nicht mehr seit 1945. Es gibt nur das System. Gewis­ser­massen scheint sich Ungarn wegen seine Kultur ausser­halb dieses Systems zu halten und das ist gut so. Es bleibt zu hoffen, dass es deut­sche Elemente gibt die sich daran erin­nern, dass eine deut­sche Kultur noch über­lebt, weil ohne die Kultur geht ein Volk völlig zugrunde.

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    • Ja, da gebe ich Ihnen recht. Es wird hier aber immer schwerer mit seinen Lands­leuten zu reden und auf die deut­sche Kultur hinzu­weisen. Mein Land ist das sowieso nicht.
      Schon wegen der Plan­demie muß man sich jedes Wort über­legen, was man sagen will. Das fängt ja teil­weise in der eigenen Familie an. Ich hoffe, daß sich Ungarn auch weiterhin außer­halb dieses Systems halten kann.

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  2. Bei dem Besuch in den USA bei Pamala Harris war selt­sames, kurz vor dem Auftreten von Harris, zu sehen. Für Sekunden hatte Frau Merkel ihr Lächeln nicht im Griff. Es waren verzerrte Gesichts­züge wie meiner Meinung nach im Fern­sehen, Tages­schau gestern Abend, zu sehen war.
    Wie es bei der Einnahme von Psycho­phar­maka oft vorkommt.

    • Ich habe Merkel kurz im Fern­sehen mit Biden zusammen gesehen. Sie sah für meine Begriffe als Reprä­sen­tant verwahr­lost aus, wie gerade aus dem Bett gekommen.

  3. Habe noch mal nach­ge­sehen, die kurze Sequenz ist nun Raus­ge­schnitten. Aber bei der Fron­tal­auf­nahme von dem Gesicht von Frau Merkel lässt sich an dem Gesichts­aus­druck doch Vermuten das da Psycho­phar­maka im Spiel sind. Kenne solche Leute die das Zeug nehmen und die glei­chen Neben­wir­kungen haben.

  4. Mörkel ist m. E. von Anfang an eine von den NWÖ-Glöb­a­listen gesteu­erte Mario­nette, die exakt das zu tun und zu sagen hat was ihr vorge­geben wird. – Vermut­lich war das bereits in der ehema­ligen DDöR so. Und vermut­lich ist das bei den meisten Pöli­ti­ke­rInnen der Fall. – Dass Mörkel offenbar derart fertig ist und vermut­lich Psychöp­hör­maka nimmt zeigt, dass sie irgendwo in ihrem Inneren viel­leicht doch Probleme damit hat. – Irgendwo las ich heute, dass sie wohl, sobald sie aus dem Amt ist, erstmal schlafen will – wenn ich richtig gelesen habe.

    Sollte sie wirk­lich von Psychöphar­maka abhängig sein, wird sie dann vermut­lich fast nur noch schlafen – wie das bei den meisten dieser davon Abhän­gigen der Fall ist – spätes­tens, wenn die Geschichte kippt und die Organe nach und nach schlapp machen – das Zeug schä­digt nämlich erheb­lich auf die Dauer die Nieren. Kommt ggfs. noch Alohol dazu, dann ist es eine Frage der Zeit ‑oft +/- 20 Jahre‑, dass es dann zu plötz­li­chem Organ­ver­sagen von Nieren und Leber kommt mit Tödesfolge. 

    Weiß‘ man nicht, ob es so bei ihr ist, aber falls es so sein sollte, kann man vermut­lich davon ausgehen, dass sie jetzt einfach fertig ist und ausge­tauscht wird. Wer weiß…

    Die über­zeugten Fana­ti­ke­rInnen laufen m. E. keine Gefahr, einer Sucht anheim zu fallen – die haben kein Gewissen, das ihnen das Seelen­leben schwer machen könnte – das sind eben dann die Schlimmsten – m. E..

    • „…die exakt das zu tun und zu sagen hat was ihr vorge­geben wird. – Vermut­lich war das bereits in der ehema­ligen DDöR so.“
      Meine Erfah­rungen war und ist die, das oft die in Politik tätigen, egal welcher Orga­ni­sa­tion auch immer, die Argu­mente der oberen Funk­tio­näre aufsaugen und noch mit stär­kerer Vehe­menz nach unten vertreten. Kommt auch bei gewis­sen­losen Männern vor. Also geht die größte Gefahr von Frauen aus weil jede Kritik an denen als frau­en­feind­lich gewertet wird beson­ders bei den Rot Grünen Blockparteien
      Wenn die dann eines Tages nicht mehr den Druck stand halten dann nicht weil sie Bedenken haben die Befehle die sie bekommen auszu­führen, sondern weil sie Ihren über­stei­gerten Willen nicht immer durch­drü­cken konnten. Das ist vermut­lich auch bei Frau Merkel so. Wenn man mal bei einer Groß­auf­nahme, wenn sie eine Rede hält, in ihre Augen schaut dann ist da nur eine Eises­kälte zu sehen, die einem förm­lich erstarren lässt, trotz ihrem aufge­setztem Grinsen.

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