Luigi Mattiolo, Draghis neuer diplo­ma­ti­scher Berater

Palazzo Chigi · Foto: Centro Machiavelli

Von Ambassador *

Wer die poli­ti­schen Nach­richten verfolgt, den kann der von Draghi gewollte Wechsel an der Spitze des Amtes des diplo­ma­ti­schen Bera­ters im Palazzo Chigi nicht über­ra­schen, wo Botschafter Piero Benassi durch Luigi Mattiolo ersetzt wurde. Nachdem er den Schutz von Conte verloren hatte, war die Posi­tion von Benassi – expo­niert durch seine Ernen­nung zum Unter­staats­se­kretär der Rats­prä­si­dent­schaft mit Verant­wor­tung für die Dienste – schwer zu vertei­digen. Und genau das wurde der Dele­ga­tion zum Verhängnis. Inzwi­schen galt Benassi als zu eng mit dem schei­denden Regie­rungs­chef verbunden, um seinem Schicksal nicht zu folgen.

Er wurde durch Mattiolo ersetzt, der den Posten des Botschaf­ters in Deutsch­land verließ, den er – ironi­scher­weise – von Benassi über­nommen hatte. Im Auswär­tigen Amt galt Mattiolo als Mann des Appa­rats. Weniger der Politik verpflichtet als sein Vorgänger, hat Mattiolo ein erst­klas­siges Curri­culum. Wich­tige Posten bei der UN, der EU und der NATO. Als ehema­liger Botschafter in Israel und der Türkei verfügt er über gute Verbin­dungen zur jüdi­schen Gemeinde. Der neue Mann neben Draghi ist kein Unbe­kannter, denn Mattiolo war bereits in den 1990er Jahren im Palazzo Chigi tätig, wenn auch in einer eher unter­ge­ord­neten Funk­tion. Weniger mondän als Benassi, gilt Mattiolo in der Umge­bung als herz­li­cher und eleganter Mensch.

Die Aufgabe, die auf Mattiolo wartet, wird nicht einfach sein. Es geht nicht darum, die italie­ni­sche Außen­po­litik zu revo­lu­tio­nieren, das ist nicht der Plan von Draghi. Aller­dings müssen einige Richt­li­nien von Contes Diplo­matie korri­giert werden.

Das Verhältnis zur EU und zu den euro­päi­schen Part­nern wird weniger zurück­hal­tend sein müssen: nicht nur auf insti­tu­tio­neller Ebene, sondern auch auf indus­tri­eller Ebene, ein Bereich, in dem Italien in letzter Zeit mehrere Rück­schritte erlebt hat. Um die Glaub­wür­dig­keit wieder­zu­er­langen – eine Voraus­set­zung für die Kurs­kor­rektur in Europa – muss Italien sicher­lich eine gründ­liche Revi­sion des Natio­nalen Konjunktur- und Resi­li­enz­plans (PNRR) vornehmen, deren desas­tröses Manage­ment mit dem Sturz von Conte innig­lich verbunden ist, der aufgrund der Inkon­se­quenz seines Plans zum Konjunk­tur­pro­gramm jene Ufer am Quirinal und jenseits der Alpen verloren hat, die ihm im Sommer 2019 im Palazzo Chigi Halt gegeben hatten.

Der Atlan­ti­zismus wird dann neu belebt werden müssen, und in diesem Kontext wird das Verhältnis zu China revi­diert werden müssen, das in Form und Inhalt zurück­ste­cken muss.

Ein weiteres kriti­sches Dossier, das Mattiolo auf seinem Schreib­tisch vorfinden wird, ist das von Libyen, wo die italie­ni­schen Inter­essen immer mehr ins Hinter­treffen geraten: Das liegt nicht nur an der Durch­set­zungs­fä­hig­keit unserer Konkur­renten, sondern auch daran, dass Italien seit mindes­tens zehn Jahren unter einer Abfolge schwa­cher Regie­rungen leidet, die der Außen­po­litik keine Prio­rität einge­räumt haben. Im Libyen-Spiel wird Mattiolo eine sehr aktive Diplo­matie entwi­ckeln und mit Scharf­sinn die Seite Washing­tons suchen müssen, um zu vermeiden, dass die italie­ni­schen Posi­tionen endgültig kompro­mit­tiert werden.

Und das ist nur eine Aufzäh­lung einiger der wich­tigsten Themen, die auf dem Tisch liegen. Kurzum, Mattiolo wird eine äußerst komplexe Situa­tion im Palazzo Chigi erben.


*) Ambassador (anonym) ist ein Profi auf dem Gebiet der Diplomatie.


1 Kommentar

  1. Ich weiß von diesem Mann nicht – aber vom Drachen ist umso mehr bekannt und nach wie vor wurde mit ihm meines Erach­tens der Bock zum Gärtner gemacht.

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