Welche Geheim­nisse birgt die Krone auf der Press­burger St. Martins-Kathedrale?

Die Krone des Martinsdoms nach der Restaurierung im Jahr 2010 · Bildquelle: Sme

Der Blitz schlug mehr­mals in den Turm der Kathe­drale ein und die Krone hat mehrere Einschusslöcher

Die Legende besagt, dass die Krone auf der Spitze des Turms des St. Martins-Doms so groß ist, dass sogar ein Pferd mit einer Kutsche darauf laufen kann, oder dass eine Kante des Kissens, auf dem die Krone liegt, so lang ist wie ein Tisch, auf dem sich zwölf Männer hinlegen und ausstre­cken könnten. Keine dieser Legenden ist wahr. Trotzdem birgt die Krone noch einige Geheimnisse.

Acht­zehn Krönungen

Die Krone ist der Stephans­krone nach­emp­funden und ist das promi­nen­teste Symbol des Krönungs­tem­pels. Bratis­lava, damals Press­burg oder Pozsony, wurde zur Krönungs­stadt, nachdem die osma­ni­schen Truppen 1526 die unga­ri­sche Armee bei Mohács besiegten und tiefer in das Gebiet des unga­ri­schen König­reichs vordrangen, wo sie die ursprüng­liche Krönungs­stadt Székes­fehérvár (Stuhl­wei­ßen­burg) eroberten.

Der Martinsdom war von 1563 bis 1830 Schau­platz von insge­samt 18 Krönungen. 11 Monar­chen, darunter Maria Theresia im Jahre 1741, wurden dort gekrönt, zusammen mit sieben könig­li­chen Ehepartnern.

„Die Benen­nung der Krone nach dem heiligen Stephan ist etwas irre­füh­rend, denn es ist schon lange bekannt, dass der erste König von Ungarn, der heilige Stefan, mit Sicher­heit nicht mit dieser Krone gekrönt wurde“, sagte Patrik Baxa während eines Vortrags über die Krone vom Domturm. Baxa studiert an der Fakultät für Archi­tektur der Slowa­ki­schen Tech­ni­schen Univer­sität in Bratis­lava und ist sehr an der Geschichte des Krönungs­tem­pels inter­es­siert. „Die Krone, die wir heute unter diesem Namen kennen, wurde mehr als zwei­hun­dert Jahre später aus älteren Schmuck­stü­cken zusam­men­ge­setzt. Sie besteht aus zwei Teilen, dem unteren grie­chi­schen und dem oberen lateinischen.“

Kreuz oder Krone

Viele Menschen fragen sich, wie es möglich ist, dass die Spitze des Kirch­turms von einer Krone und nicht, wie sonst üblich, von einem Kreuz geziert wird. Baxa weist darauf hin, dass dies nichts Unge­wöhn­li­ches ist.

„Zur Zeit des König­reichs Ungarn war die Darstel­lung der Krone ein verbind­li­ches Symbol und wurde auf allen öffent­li­chen Gebäuden ange­bracht, die nach dem Willen des Königs gebaut wurden oder einem staat­li­chen Zweck dienten“, so Baxa. Auch auf anderen Sakral­bauten war die Krone zu finden.

Die erste Krone

Die aktu­elle Krone ist bereits die zweite, die die Spitze des Martins­doms ziert. Die erste wurde am 15. Oktober 1765 zu Ehren von Kaiserin Maria Theresia, die an diesem Tag ihren Namenstag feierte, feier­lich ange­bracht. Damals ersetzte die Krone das bis dahin typi­sche latei­ni­sche Kreuz.

Die Instal­la­tion der Krone war Teil des barock-klas­si­zis­ti­schen Umbaus des Domturms, nachdem im Mai 1760 ein Blitz in den ursprüng­li­chen kleinen reprä­sen­ta­tiven goti­schen Turm einge­schlagen war.

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