Zweimal Gold am Olymp der Politik: Putin und Xi Jinping beim „Biathlon“

Xi Jinping wird Vladimir Putin zur Winterolympiade empfangen

Das Treffen der beiden Staats­ober­häupter verspricht viel Gutes für die Welt

 

Von JURY TAVROVSKY | Am 4. Februar werden in der chine­si­schen Haupt­stadt schluss­end­lich die Olym­pi­schen Winter­spiele eröffnet. Sie werden mit hoher Wahr­schein­lich­keit eine neue Phase der russisch-chine­si­schen Bezie­hungen einleiten. Vladimir Putin und Xi Jinping werden sich zum ersten Mal seit zwei Jahren am Rande des wich­tigsten Sport­er­eig­nisses der Welt wieder persön­lich treffen. Russ­land und China werden nicht gegen­ein­ander konkur­rieren, aber auch nicht in einem einzigen Team auftreten. Von allen olym­pi­schen Sport­arten ist Biathlon am besten geeignet, die Bedeu­tung dieses Tref­fens zu unter­strei­chen. Beide Poli­tiker haben seit ihren letzten Treffen in Moskau und St. Peters­burg im schnellen Tempo riesige Distanzen über Berg und Tal zurück­ge­legt, ihre Ziele genau getroffen und ihren Teams Bonus­punkte beschert. Doch nun sind die Regeln außer Kraft gesetzt und Rivalen versu­chen die starken  Konkur­renten aus der Bahn zu drängen und haben die Gewehre auf sie gerichtet.

Wie wird das Treffen zwischen der Führung Russ­lands und China verlaufen? Die offi­zi­ellen Gespräche werden aus zwei Teilen bestehen. Eine Liste der wich­tigsten Themen zur Behand­lung bila­te­raler Probleme wird für die beiden Staats­chefs erstellt. Es gibt sehr viel zu bespre­chen, selbst vor dem Hinter­grund beein­dru­ckender bishe­riger Erfolge. Der im Februar auslau­fende russisch-chine­si­sche Vertrag über gute Nach­bar­schaft, Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit, wurde bereits um fünf weitere Jahre verlän­gert. Der bila­te­rale Handel zwischen Russ­land und China hat die Rekord­marke von 150 Milli­arden Dollar über­sprungen. Erst­mals haben die Vertei­di­gungs­mi­nister für die mili­tä­ri­sche Zusam­men­ar­beit einen Fahr­plan von 2021 bis 2025 verab­schiedet. Stra­te­gi­sche Bomber Russ­lands und Chinas kontrol­lieren weiterhin in bewährter Forma­tion den Luft­raum nahe den US-Basen in Japan und Südkorea. Zum ersten Mal patrouil­lieren gemeinsam Schiffe bestückt mit Raketen neuester Tech­no­logie entlang der Ostküste der japa­ni­schen Inseln in der Nähe der US-Stütz­punkte Yoko­suka und Yokota Air Base bei Tokio. Erst­mals kamen Wissen­schaftler überein, gemeinsam die Inter­na­tio­nale Mond­sta­tion zu errichten. Kurzum, die „stra­te­gi­sche Part­ner­schaft der neuen Ära“, auf die sich Putin und Xi Jinping vor zwei Jahren geei­nigt hatten, konnte mit sehr konkreten Inhalten erfüllt werden.

Dennoch warten noch große Probleme auf eine Lösung. Bishe­rige Engpässe im Finanz­be­reich konnten bisher nicht besei­tigt werden. Chine­si­sche Banken zögern mit russi­schen Banken zusam­men­zu­ar­beiten aus Angst vor ameri­ka­ni­schen Sank­tionen. Elemen­tare Geld­trans­fers zur Bezah­lung von Waren und Dienst­leis­tungen sowie zwischen Bürgern bleiben ein Ärgernis. Die gegen­sei­tige Aner­ken­nung von CoV-Impf­stoffen steht auch aus, was zu einem quasi Verbot der Kommu­ni­ka­tion zwischen Russen und Chinesen geführt und den Flug- und Stra­ßen­ver­kehr auf ein Minimum redu­ziert hat. Ganze Waren­gruppen, wie z. B. gefro­rener Fisch, werden von chine­si­schen Epide­mio­logie-Behörden verboten, was russi­sche Fischer vor große Probleme stellt. Die Lösung dieser und anderer Probleme, die sich natur­gemäß aus den Bezie­hungen beider Nach­bar­länder ergeben, liegt jetzt in den Händen der beiden Staatsspitzen.

Zusätz­lich zu den Themen, welche die diplo­ma­ti­schen Dienste beider Seiten vorbe­reiten, werden Vladimir Putin und Xi Jinping noch komple­xere Themen zusätz­lich erör­tern. Auge in Auge werde sie über den „Kalten Krieg“ spre­chen, den Amerika und seine Verbün­deten gegen Russ­land und China anzet­teln. An beiden Fronten, der west­li­chen und der östli­chen, wurden die roten Linien bereits erreicht. Es ist durchaus möglich, dass sie verse­hent­lich oder absicht­lich noch über­schritten werden. Die beiden Regime in Kiev und Taipeh werden in immer schnel­lerem Takt mit Waffen über­häuft und über immer eindring­li­chere Reso­lu­tionen und Unter­stüt­zungs­ver­spre­chen zu selbst­mör­de­ri­schen Hand­lungen „für den Ernst­fall“ ange­sta­chelt. Was wollten Russ­land und China „in welchem Fall“  tun und auf welche Formen der diplo­ma­ti­schen, infor­ma­tio­nellen, wirt­schaft­li­chen oder sogar mili­tä­ri­schen Unter­stüt­zung könnten sie zählen? Das könnte zum Haupt­thema der Verhand­lungen werden.

Aus Furcht vor dem bereits erreichten hohen Niveau der russisch-chine­si­schen stra­te­gi­schen Part­ner­schaft bzw. der fort­ge­setzten Vertie­fung jener Bezie­hungen, versucht Washington, Miss­trauen zwischen den beiden Ländern zu säen. Dies könnte eine Erklä­rung für die verstärkten diplo­ma­ti­schen Bemü­hungen Washing­tons in Rich­tung Russ­land sein. Ganz sicher wird Vladimir Putin Xi Jinping frei­mütig über den Inhalt seiner jüngsten Kontakte infor­mieren und zugleich jeden Gedanken auf ein etwaiges „Doppel­spiel“ rigoros zerstreuen: Zwanzig Jahre Erfah­rung im Umgang mit US-Führungen haben den Kreml­chef von der völligen Unglaub­wür­dig­keit Washing­tons in Bezug auf Verspre­chen restlos über­zeugen können. Zwanzig Jahre Erfah­rung im Umgang mit chine­si­schen Staats­ober­häup­tern, davon nahezu ein Jahr­zehnt mit Xi Jinping, haben das Verhand­lungs­ge­schick Chinas unter Beweis gestellt, wie schon russi­sche Mili­tärs zu scherzen pflegen: „Man kann gegen­über Chinesen nach­rich­ten­dienst­liche Arbeit leisten, doch Spio­na­ge­ab­wehr ebenso.“

Die beispiel­lose Feind­se­lig­keit Amerikas nach 40 Jahren vermeint­li­cher fried­li­cher Koexis­tenz oder viel­mehr eines „Neben­ein­an­ders“, hat mitt­ler­weile auch die Chinesen ihrer letzten Illu­sionen beraubt. Verstärkt kommen sie zur Über­zeu­gung, dass die irra­tio­nale Abnei­gung gegen alles Chine­si­sche in den USA sich zu einer starken Strö­mung von Sino­phobie gesellt, die im kollek­tiven Unbe­wussten der Bevöl­ke­rung veran­kert zu sein scheint. Darauf beruht die Anti-China-Politik des Weißen Hauses und der beiden großen Parteien, die sich über eine Menge streiten außer über ihren Hass auf das Reich der Mitte. Die Sino­phobie erklärt sich ähnlich der Russo­phobie aus dem Wunsch der USA, alle Rivalen der „leuch­tenden Stadt auf dem Hügel“, die das ameri­ka­ni­sche „gott­ge­ge­bene Natur­recht auf Herr­schaft“ in Frage stellen, zu vernichten. Die chine­si­sche Antwort besteht darin, mit solchen Part­nern zwar Handel zu treiben, aber keine nach­hal­tigen Bezie­hungen zu pflegen.

Vor dem Hinter­grund der inten­siven diplo­ma­ti­schen „Spiele“ zwischen Moskau und Washington wird die Stär­kung des Vertrauens das wich­tigste Ergebnis des „olym­pi­schen“ Tref­fens zwischen Vladimir Putin und Xi Jinping sein. Natür­lich wird Peking nicht den Beitritt zur OVKS (Orga­ni­sa­tion des Vertrages über kollek­tive Sicher­heit; inter­na­tio­nales Mili­tär­bündnis Russ­lands) bean­tragen, wie einige über­op­ti­mis­ti­sche Experten und Jour­na­listen schon speku­liert hatten. Ebenso ist es unwahr­schein­lich, dass Moskau und Peking ein Abkommen zur gemein­samen Präven­tion eines Über­ra­schungs­an­griffs abschließen könnten, wie ein Moskauer Think Tank jüngst kolportierte.

Aber das wich­tige Doku­ment nach Ende der Gespräche, wird aller Wahr­schein­lich­keit nach neue Formu­lie­rungen und Nuancen enthalten, die Poli­tik­wis­sen­schaftler aus aller Welt sehr aufmerksam analy­sieren werden. Wir können jedoch das wich­tigste Ergebnis der bevor­ste­henden Zusam­men­kunft schon heute vorher­sagen: Russ­land und China werden noch nicht als einzige „Biathlon-Mann­schaft“ auftreten, doch sich Rücken an Rücken gegen­über ihren Gegnern stellen.


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2 Kommentare

  1. Jeweils eine einzelne Person für solch große Reiche – das ist ein völlig falscher Weg – was die Demo­kratie betrifft. – Aber es fällt weder den Massen in China noch im russi­schen Reich ein, daß sie aufbe­gehren und ein Kolle­gium fordern.

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  2. die anglozionisten…oder besser_gesagt unser kaputt­ka­pi­ta­lis­ti­sches sytem bieten im gegenüber
    den dementen joe und diese von der lügen auf… 

    dagegen war ja der ehema­lige us clown trumpel ein wahrer licht­blick und gar ein ehrenmann…

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