Bundes­wehr hätte keine Chance gegen eine Armee, die so ausge­rüstet ist wie die aserbaidschanische

Bildquelle: Zone militaire

Von Laurent Lagneau
 

Für viele Beob­achter war der letzte Krieg in Berg-Kara­bach, in dem Aser­bai­dschan gegen Arme­nien kämpfte, ein Vorläufer der kommenden Kriege. Obwohl die arme­ni­schen Kräfte als effek­tiver als ihre Gegner einge­schätzt wurden, mussten sie sich geschlagen geben, was in der Folge zu poli­ti­schen Span­nungen in Eriwan führte.

Von den ersten Tagen des Konflikts an war die aser­bai­dscha­ni­sche Über­le­gen­heit offen­sicht­lich, vor allem dank des massiven Einsatzes von Kampf­drohnen [insbe­son­dere der türki­schen Bayraktar TB2], von aus der Türkei und Israel gelie­ferter Prowler-Muni­tion und von Mitteln der elek­tro­ni­schen Kriegs­füh­rung, die es in Kombi­na­tion mit Schlägen ermög­lichten, die arme­ni­sche Luft­ab­wehr zu neutra­li­sieren. Hinzu kommen die von den Spezi­al­kräften durch­ge­führten Aktionen sowie der Rück­griff auf Söldner [die von Ankara aus den Reihen der syri­schen Rebel­len­gruppen rekru­tiert wurden], die zwei­fels­ohne eine psycho­lo­gi­sche Wirkung auf die Bevöl­ke­rung von Berg-Kara­bach hatten.

Das Deut­sche Institut für Wehr­wis­sen­schaft und Stra­te­gi­sche Studien [GDIS], das, wie der Name nicht verrät, Teil der Bundes­wehr ist, fragte sich, ob die deut­sche Armee in der Lage gewesen wäre, es besser zu machen als ihr arme­ni­sches Pendant.

Und trotz des Unter­schieds in den Ressourcen und Fähig­keiten ist die Antwort von Oberst­leut­nant Michael Karl, einem ISWG-Experten, brutal.

„Um es ganz offen zu sagen: Wenn die Bundes­wehr in diesem konkreten Konflikt gegen Aser­bai­dschan hätte kämpfen müssen, hätte sie keine große Chance gehabt“, sagte der Offi­zier. „Mit den einge­setzten Waffen­sys­temen, wie Kampf­drohnen und Prowler-Muni­tion, hätten wir uns nicht ausrei­chend vertei­digen können. Allein das Fähig­keits­de­fizit in der Luft­ver­tei­di­gung hätte unseren Verlust verur­sacht“, führte er weiter aus.

Zumal Prowler-Muni­tion gewaltig sein kann, vor allem wenn sie schwärmen. „Im Gegen­satz zu einer Rakete, der die Koor­di­naten des Ziels mitge­teilt werden, verfolgen diese Arten von ‚Kamikaze‘-Drohnen ihr Ziel“ und ein „Schwarm solcher Drohnen kann so program­miert werden, dass er eine Forma­tion von Kampf­pan­zern angreift“, erin­nerte er.

Für Oberst­leut­nant Karl war es wichtig, die Komple­men­ta­rität zwischen Luft- und Boden­streit­kräften – insbe­son­dere im Bereich der Anti-Drohnen-Kriegs­füh­rung [ADW] – zu erhöhen und die Bundes­wehr mit modernster Tech­no­logie auszu­statten, um neuen Bedro­hungen zu begegnen. Darüber hinaus plädiert er auch für bewaff­nete Drohnen, die unter deut­schen Poli­ti­kern kontro­vers disku­tiert werden.

Es ist jedoch anzu­merken, dass die deut­schen Grünen, die bisher gegen die Bewaff­nung von Drohnen waren, sich in dieser Frage weiter­ent­wi­ckelt haben. Letz­tere haben sich nämlich in den Debatten um das Wahl­pro­gramm, das sie bei der Bundes­tags­wahl im kommenden September vertei­digen werden, mit knapper Mehr­heit für die Anschaf­fung bewaff­neter Drohnen für die Bundes­wehr ausgesprochen…

Tatsache ist, dass der jüngste Krieg in Berg-Kara­bach das Denken der west­li­chen Armeen im Bereich der Droh­nen­be­kämp­fung beschleu­nigt hat.
Dies ist zum Beispiel der Fall bei der US-Armee mit dem Mobile Force Protec­tion [MFP]-Programm, das unter der Leitung der DARPA [der Forschungs- und Entwick­lungs­agentur des Pentagon] ein X‑Band-Radar verwendet, um bedroh­liche Drohnen zu erkennen… und auto­ma­tisch Abfang­drohnen zu steuern.

Letzte Woche berich­tete die fran­zö­si­sche Armee über Expe­ri­mente ihrer tech­ni­schen Abtei­lung [STAT] mit dem ARLAD-System [Adap­t­ation réac­tive pour la lutte anti-drone]. Dieses System, das auf einem VAB [gepan­zertes Front­fahr­zeug] instal­liert ist, basiert auf einem Radar und einem Granat­werfer, der auf einem Dreh­turm montiert ist. Das Prinzip ist einfach: Sobald eine feind­liche Drohne entdeckt wird, wird sie mit „Aibust“-Munition beschossen, deren Knall­wir­kung ihr theo­re­tisch keine Chance lassen sollte.

Quelle: Zone mili­taire


2 Kommentare

  1. Mit einer abge­rüs­teten Bundes­wehr können wir auch unsere Frie­dens­po­litik besser erklären. Gegen Arme­nien müssen wir uns doch bestimmt nicht „vertei­digen“.

  2. Die Darstel­lung im Beitrag ist nicht richtig. – Die Erobe­rung großer Teile des arme­ni­schen Gebiets erfolgte haupt­säch­lich durch die türki­sche Armee. Die Türkei setzte dabei zwei volle Divi­sionen und zusätz­lich eine „Brigade“ isla­mi­scher Terro­risten aus dem Mitt­leren Osten ein (Syrien, Irak, Afgha­ni­stan, Kaukasus). – Erin­ne­rungen an das türki­sche Genozid an Arme­niern wurden wach, als viele tausende Arme­nier von der türki­schen Solda­teska abge­schlachtet wurden. – Wenn jetzt gemeint wird, die Bundes­wehr hätte gegen Aser­bai­dshan keine Chance, ist das lockerer Unsinn. Denn Deutsch­land hatte durch Milli­ar­den­zah­lungen und Waffen­lie­fe­rungen an Erdogan diesem mili­tä­ri­sche Erfolge erst ermöglicht.

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