Die Mär des struk­tu­rellen Rassismus‘ bei der Polizei

Sehen so Rassisten aus?

Poli­zei­be­amte, die exzes­sive Gewalt anwenden, müssen zur Rechen­schaft gezogen werden. Belege für gras­sie­rende, rassis­ti­sche Vorur­teile gibt es jedoch nicht.

The Wall Street Journal „The Myth of Systemic Police Racism“, von Heather Mac Donald (Über­set­zung und Hervor­he­bungen von Maria Schneider mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Manhattan Insti­tute, in dem Heather Mac Donald Mitglied ist)

George Floyds Tod in Minnea­polis hat das Narrativ aus der Obama-Ära wieder­be­lebt, dass Rassismus inte­graler Bestand­teil der Straf­ver­fol­gungs­be­hörden sei. Am Freitag twit­terte Barack Obama, dass es für Millionen schwarzer Ameri­kaner „tragisch, schmerz­haft, uner­träg­lich normal“ sei, von der Straf­justiz aufgrund der Rassen­zu­ge­hö­rig­keit unter­schied­lich behan­delt zu werden. Obama rief die Polizei und die Öffent­lich­keit dazu auf, eine „neue Norma­lität“ zu schaffen, in der Schein­hei­lig­keit nicht länger „unsere Insti­tu­tionen und unsere Herzen vergiftet“.

Joe Biden veröf­fent­lichte am selben Tag ein Video, in dem er unter­strich, dass alle Afro­ame­ri­kaner wegen der „schlimmen Polizei“ um ihre Sicher­heit fürch­teten und ihren Kinder das Erdulden von Poli­zei­ge­walt nahe­legten, damit sie es über­haupt „nach Hause schaffen“. Damit griff er Herrn Obamas Behaup­tung nach der heim­tü­cki­schen Ermor­dung von fünf Poli­zei­be­amten im Juli 2016 in Dallas auf. Während des Gedenk­got­tes­dienstes sagte der Präsi­dent, dass afro­ame­ri­ka­ni­sche Eltern zu Recht Angst davor hätten, dass ihre Kinder von Poli­zei­be­amten ermordet werden könnten, sobald sie das Haus verließen.

Der Gouver­neur von Minne­sota, Tim Walz, pran­gerte auf einer Frei­täg­li­chen Pres­se­kon­fe­renz den „Schand­fleck … des alles durch­drin­genden, insti­tu­tio­nellen Rassismus‘“ bei den Straf­ver­fol­gungs­be­hörden an. Er behaup­tete, Schwarze hätten Recht, wenn sie verspro­chene Poli­zei­re­formen als leeres Geschwätz abtäten.

Dieser Vorwurf der system­im­ma­nenten Vorur­teile der Polizei war schon während Obamas Präsi­dent­schaft falsch und ist es auch heute noch. So entsetz­lich das Video von Floyds Verhaf­tung auch sein mag, ist es dennoch nicht reprä­sen­tativ für die 375 Millionen jähr­li­chen Kontakte, die Poli­zei­be­amte mit der Zivil­be­völ­ke­rung haben. Eine solide Beweis­lage zeigt, dass sich die Straf­justiz bei Verhaf­tungen, Straf­ver­fol­gung oder Urteilen nicht von struk­turim­ma­nenten Vorur­teile leiten lässt. Statt dessen werden die meisten poli­zei­li­chen Maßnahmen wegen straf­barer Hand­lungen und verdäch­tigen Verhal­tens ergriffen – und nicht wegen der Rassen­zu­ge­hö­rig­keit.

Im Jahr 2019 erschossen Poli­zei­be­amte 1.004 Menschen, von denen die meisten bewaffnet oder ander­weitig gefähr­lich waren. Afro­ame­ri­kaner machten etwa ein Viertel der Personen aus, die letztes Jahr von der Polizei getötet wurden (235) – dieses Verhältnis ist seit 2015 stabil geblieben. Dieser Anteil schwarzer Opfer liegt unter dem, was man von der Krimi­na­li­täts­rate Schwarzer erwarten würde, da der Schuss­waf­fen­ge­brauch bei der Polizei davon abhängt, wie oft Beamte auf bewaff­nete und gewalt­tä­tige Verdäch­tige treffen.

Entspre­chende Daten dieser Art wurden das letzte Mal im Jahr 2018 veröf­fent­licht: Damals wurden 53% der bekannten Tötungs­de­likte und etwa 60% der Raub­über­fälle in den USA von Afro­ame­ri­ka­nern verübt, obwohl Afro­ame­ri­kaner 13% der Bevöl­ke­rung stellen.

Laut einer Daten­bank der Washington Post hat die Polizei im Jahr 2019 neun unbe­waff­nete Schwarze und 19 unbe­waff­nete Weiße erschossen. Dem gegen­über stehen jeweils 38 Schwarze und 32 Weiße im Jahr 2015. Die Post defi­niert „unbe­waffnet“ sehr weit, um Fälle wie einen Verdäch­tigen in Newark, New Jersey, mitein­zu­be­ziehen, der während einer Verfol­gungs­jagd mit der Polizei eine gela­dene Faust­feu­er­waffe in seinem Auto hatte. Im Jahr 2018 wurden 7.407 Schwarze Opfer eines Mordes. Geht man für das letzte Jahr von einer vergleich­baren Opfer­zahl aus, so stellen die genannten neun unbe­waff­neten, schwarzen Opfer, die von der Polizei erschossen wurden, 0.1% aller 2019 getö­teten Afro­ame­ri­kaner dar. Es ist daher 18,5 mal wahr­schein­li­cher, dass ein Poli­zei­be­amter von einem Schwarzen getötet wird, als dass ein unbe­waff­neter Schwarzer von einem Poli­zei­be­amten getötet wird.

Allein am Wochen­ende des Memo­rial Day2 wurden in Chicago 10 Afro­ame­ri­kaner bei soge­nannten „Drive-by-Shoo­tings“ durch Schüsse aus vorbei­fah­renden Fahr­zeugen getötet. Die Gewalt setzte sich nach altbe­kannter Manier fort:  Ein Schütze feuerte unge­fähr ein Dutzend Schüsse in ein Wohn­haus ab und traf dabei einen 72-jährigen Mann im Gesicht; ein paar Stunden davor wurden zwei 19-jährige Frauen auf der South Side in einem geparkten Auto erschossen; ein 16-jähriger Junge wurde am selben Tag mit seinem eigenen Messer ersto­chen. Letztes Wochen­ende feuerten Schützen in vorbei­fah­renden Fahr­zeugen auf 80 Chica­goer, 21 von ihnen starben, bei fast allen Opfern handelte es sich um Schwarze. Dass Schwarze achtmal so häufig wie Weiße und Hispa­nier zusam­men­ge­nommen ermordet werden, liegt nicht am Schuss­waf­fen­ge­brauch der Polizei, sondern an Straf­taten unter Gewalt­an­wen­dung.

Neueste Erkennt­nisse einer Studi­en­reihe, die im August 2019 in der wissen­schaft­li­chen Fach­zeit­schrift „Procee­dings of the National Academy of Sciences“ veröf­fent­licht wurden, wider­legen die Behaup­tung, dass Vorur­teile tief bei Poli­zei­be­hörden verwur­zelt seien. Die Wissen­schaftler stellten folgendes fest: Je häufiger Poli­zei­be­amte auf gewalt­be­reite Verdäch­tige einer bestimmten Ethnie treffen, desto wahr­schein­li­cher wird ein Mitglied dieser Ethnie von einem Poli­zei­be­amten erschossen. Es gibt „keinen signi­fi­kanten Hinweis darauf, dass bei Personen, die von Poli­zei­be­amten tödlich getroffen werden, Schwarze über­wiegen würden,“ schluss­fol­gerten sie.

Eine vom Justiz­mi­nis­te­rium 2015 bei der Poli­zei­be­hörde in Phil­adel­phia durch­ge­führte Unter­su­chung ergab, dass weiße Poli­zei­be­amte weniger dazu neigen auf unbe­waff­nete, schwarze Verdäch­tige zu schießen als ihre schwarzen oder hispa­ni­schen Kollegen. Auch der Harvard-Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lers Roland G. Fryer Jr. konnte in seiner Unter­su­chung keine Rassen­dis­kri­mi­nie­rung beim Schuß­waf­fen­ge­brauch durch Poli­zei­be­amte nach­weisen. Etwaige Gegen­be­weise berück­sich­tigen weder die Krimi­na­li­täts­raten noch das Verhalten von Zivi­listen vor und während der Inter­ak­tion mit der Polizei.

Das falsche Narrativ struk­tu­rell begrün­deter Vorur­teile bei der Polizei führte während Obamas Präsi­dent­schaft zu gezielten Ermor­dungen von Poli­zei­be­amten. Womög­lich wieder­holt sich nun dieses Muster. Poli­zei­be­amte werden bei dem Versuch, Verdäch­tige wegen uner­laubten Waffen­be­sitzes fest­zu­nehmen oder die wach­senden Unruhen einzu­dämmen, ange­griffen und beschossen. Poli­zei­re­viere und Gerichts­ge­bäude wurden zerstört, ohne dass irgend­je­mand dafür zur Rechen­schaft gezogen wurde, was die destruk­tive Gewalt in der Gesell­schaft noch weiter anheizen wird. Wenn der Ferguson-Effekt3, bei dem Poli­zei­be­amte in Stadt­teilen mit Minder­heiten auf das Durch­setzen von Recht und Ordnung verzichten, diesmal als Minnea­polis-Effekt wieder­auf­tritt, werden Tausende geset­zes­treuer Afro­ame­ri­kaner, die sich auf die Polizei als Schutz­macht verlassen, wieder einmal die Opfer sein.

Die Poli­zei­be­amten in Minnea­polis, die George Floyd verhaftet hatten, müssen für ihre exzes­sive Gewalt­an­wen­dung und herz­lose Gleich­gül­tig­keit, die sie ange­sichts seiner Notlage gezeigt haben, zur Rechen­schaft gezogen werden. Die Poli­zei­aus­bilder müssen ihre Bemü­hungen bei der Vermitt­lung von Dees­ka­la­ti­ons­tak­tiken verdop­peln. Dennoch sollte Floyds Tod nicht dazu führen, dass die Auto­rität der ameri­ka­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hörden unter­graben wird, da wir uns sonst unseren Weg ins Chaos fort­setzen werden.

Frau Mac Donald ist Fellow am Manhattan Insti­tute und Autorin von „The War on Cops“ (Krieg den Poli­zisten) (Encounter Books, 2016).

1 Anmer­kung der Über­set­zerin (AdÜ): Die fünf Poli­zisten wurden vom afro­ame­ri­ka­ni­schen Vete­ranen Micah Xavier Johnson in einen Hinter­halt gelockt und erschossen. Neun weitere Poli­zisten wurden verletzt. Als Motiv gab Johnson an, dass er „Weiße töten wolle“ weil es ihn rasend gemacht hätte, dass schwarze Männer durch die Polizei getötet worden seien.

2 AdÜ: Am letzten Maimontag wird jähr­lich der gefal­lenen Soldaten gedacht. Außerdem werden alle Unifor­mierten (Poli­zisten, Feuer­wehr­männer etc.) und ihre Fami­lien gewür­digt.

3 AdÜ: Ferguson-Effekt: Nachdem der 18-jährige Michael Brown 2014 von einem weißen Poli­zei­be­amten in Ferguson, Missouri, erschossen worden war, nahm das Miss­trauen gegen­über der Polizei zu. Dies soll zu einer erhöhten Krimi­na­li­täts­rate in US-ameri­ka­ni­schen Groß­städten geführt haben, weil die Polizei – laut einer Theorie – bei bestimmten Situa­tionen aus Angst vor nega­tiven Reak­tionen (Anzeigen, Klagen etc.) weniger konse­quent vorgeht, als sie es norma­ler­weise täte.

2 Kommentare

  1. Hm, ein schwarzer Krimi­neller ist demnach das Äqui­va­lent von acht weißen Krimi­nellen.
    Bei dem Zustrom von Schwarzen nach Europa, speziell nach Deutsch­land finde ich das außer­or­dent­lich „entzü­ckend“.

    Zum Glück haben wir sehr restrik­tive Waffen­ge­setze hier­zu­lande. Da darf kein Krimi­neller eine Waffe tragen. Gell?

    (Sarkasmus aus)

  2. @geneigte Leser

    Wer in seine Such­ma­schine die Wörter

    Fentanyl George Floyd

    eingibt, wird zur wahren Todes­ur­sache des Verbre­chers fündig.

    Salut!

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