Dr. Martin Vinc­entz (AfD): Das Total­ver­sagen der Regie­rungen in der Corona-Krise

Dr. Martin Vincentz

Tran­skript des ersten Teils der Rede, erstellt von UNSER MITTELEUROPA:
 

Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Wissen­schaft, wie es heute oft heißt, gibt es schlicht nicht. Wenn jemand einen Satz beginnt mit dem Anfang „Die Wissen­schaft ist sich einig, dass…“, ist eigent­lich immer Vorsicht geboten. Wissen­schaft ist immer ein Viel­klang unter­schied­li­cher Stimmen. Zu einem Thema konkur­rieren unter­schied­liche Studien, bis sich in der Fach­welt dann eine Meinung als die wahr­schein­lichste heraus­kris­tal­li­siert hat. Bis zum Beweis des Gegen­teils muss die beste Beschrei­bung eines Ist-Zustandes herhalten, um darauf dann weitere Fragen aufzu­bauen und zu klären. Es lohnt sich aber in jedem Fall, immer die gegen­läu­figen Daten anzu­schauen, anstatt sich viel­leicht darüber zu streiten, wie es leider in dieser Zeit des Drucks auch in der Wissen­schaft und dann auch noch über Twitter oftmals passiert ist. Besser ist, man schaut sich die Daten­sätze der Gegen­seite an. Wahr­schein­lich ist aus beiden Teams meis­tens kein sonder­lich dummer dabei. In der Medizin hat sich seit langer Zeit die soge­nannte EBM, also evidenz­ba­sierte Medizin durch­ge­setzt. Ein System, das sich im Prinzip direkt an das alte hippo­kra­ti­sche Prinzip Primum non nocere anlehnt, „zuerst nicht schaden“. Neue wissen­schaft­liche Erkennt­nisse müssen hingegen bereits in ihrer Etablie­rung immer sorg­fältig auf ihren poten­zi­ellen Schaden abge­wogen, Studien auf ihre Ethik abge­klopft werden. Insbe­son­dere in Europa hat sich das soge­nannte Vorsor­ge­prinzip durch­ge­setzt. Eine Rechts­schule, die Unter­nehmen wie Staaten dazu bewegen soll, beson­ders genau hinzu­sehen, bevor sie eine Methode oder ein Medi­ka­ment auf dem Markt etablieren. Soll heißen: Die Wissen­schaft in einer Funk­tion als mora­li­scher Impe­rativ in der Politik ist selten zu gebrau­chen, wohl aber als Impuls­geber für daraus ableit­bares poli­ti­sches Handeln. Wer meint aber, Wissen­schaft über Twitter zu betreiben, ist oft wahr­schein­lich kein guter Wissenschaftler.

So oder so, es lohnt sich immer, beide Seiten anzu­sehen, wenn es nur zwei gibt. Zur Not auch drei oder vier oder fünf. Und ordent­lich abzu­wägen. Wie sieht es aber in der Realität aus? „Modi-Sars“ haben die Wissen­schaftler des Robert Koch-Insti­tuts (RKI) den Erreger genannt, der in ihrem Szenario von 2013 dras­ti­sche Auswir­kungen hat: 7,5 Millionen Tote, ein völlig über­for­dertes Gesund­heits­system, heftige wirt­schaft­liche Schäden, eine tiefe Verun­si­che­rung der Bevöl­ke­rung, poli­ti­sche und gesell­schaft­liche Verwer­fungen. Das Erschre­ckende an diesem Szenario ist, obwohl es ja nun wirk­lich deut­lich über­trieben ist, denn der Erreger, der dort ange­spro­chen ist, ist ein deut­lich schlim­merer. So sind die Mecha­nismen, die darin beschrieben werden, durchaus auf die Realität über­tragbar. Im Szenario sind Ärzte, Wirt­schaft, Gesell­schaft und Politik in ihren Möglich­keiten der Gegen­wehr genauso beschränkt wie in der Realität. Im Szenario fliegen zwei Infi­zierte nach Deutsch­land. Einer besucht eine Messe in einer nord­deut­schen Groß­stadt, die andere Person nimmt nach einem Auslands­se­mester ihr Studium in Süddeutsch­land wieder auf. Diese beiden Index-Pati­enten verbreiten zusammen mit einigen anderen Einrei­senden durch ihre umfang­rei­chen Sozi­al­kon­takte das Virus. Wir erin­nern uns, das ist sehr nah an der Realität. So nehmen Infek­tionen mit stetig stei­gender Geschwin­dig­keit zu. Die Wissen­schaftler gehen von drei Erkran­kungs­wellen über den gesamten Pande­mie­ver­lauf aus, vergleichbar der Spani­schen Grippe. Da Viren auch mutieren können, besteht immer das Risiko, dass sich bereits gesunde Menschen nach einiger Zeit erneut anste­cken können. Deutsch­land sollte in der Realität am Ende, in der tatsäch­li­chen Pandemie, die uns heim­ge­sucht hat, besser wegkommen.

Einzig da der Erreger harm­loser war als ange­nommen, trotz dieses Szena­rios, steht die Politik dem Verlauf hilflos gegen­über. Das Papier wurde über­sehen und hat in keinem Fall dazu geführt, die damals bereits offen­ge­legten Schwach­stellen anzu­gehen. Aber kommen wir viel­leicht zurück zu dem tatsäch­li­chen Ausbruch des Gesche­hens 2020.

Februar 2020: Dr. Fossa, Chef­arzt am Jugend­zen­trum Moers, warnt, das öffent­liche Gesund­heits­wesen sei in keiner Weise auf die Pandemie vorbe­reitet. Land und Bund behaupten weiter das Gegen­teil. Kurze Zeit später muss das öffent­liche Leben herun­ter­ge­fahren werden, aus Angst einer Über­las­tung des Gesundheitssystems.

14. März: Der Fach­arzt für Mikro­bio­logie und Lehr­be­auf­tragter für Viro­logie an der Univer­sität Frank­furt, Dr. Störmer, sagt im ZDF: „In Deutsch­land haben wir jetzt so viele Fälle, dass es zu diesem jetzigen Zeit­punkt nicht mehr sinn­voll ist, die Grenzen zu schließen, weil vermut­lich schon zu viele Infi­zierte die Grenze über­schritten haben.“ Tage später führt Deutsch­land Grenz­kon­trollen zu den Nach­bar­staaten ein. Die AfD rückt von dieser Forde­rung schon lange ab, nachdem Rufe und nach Kontrollen im Januar, die aus unserer Bundes­tags­frak­tion kamen, alle­samt abge­lehnt wurden. Und es ist leider etwas, was wir jetzt allzu oft sehen. Das wurde auch häufiger beschrieben als Logik­bruch in unserer Politik. Nein, wir haben genau das umge­setzt, was die Wissen­schaft an der Stelle gesagt hat. Zu diesem Zeit­punkt war es zu spät, um noch Grenz­kon­trollen einzu­führen. Sie hätten weder entweder schnell und hart reagieren müssen oder aber diese Maßnahmen waren völlig sinnlos. Sie können das viel­leicht herleiten aus dem klas­si­schen 90er Jahre Horror­film: Wenn der Killer erst einmal zur Tür rein ist, dann lohnt es nicht, an die Tür abzu­schließen. Dann ist es zu spät. Ähnli­ches ist bei der Delta-Vari­ante. Sie ist doch längst hier. Macht große Teile der Infek­tionen aus. Jetzt noch gewisse Gebiete als Risi­ko­ge­biete zu dekla­rieren, ist eher wenig sinnvoll.

19. März: Die Ergeb­nisse der fran­zö­si­schen Studie „SARS-CoV‑2: fear versus data“ führen zu dem Schluss, dass das Virus in seiner Gefähr­lich­keit für den Menschen nicht so hoch ist, wie zu diesem Zeit­punkt medial verbreitet wird. Die Studie und viele weitere Aussagen weiterer medi­zi­ni­scher Auto­ri­täten haben keinen wirk­li­chen Einfluss an die Antwort auf die ange­wor­fene Panikmaschinerie.

Eben­falls im März: eine italie­ni­sche Studie über 2000 regis­trierte Covis-19-Todes­opfer stellt fest, dass nur drei Personen, also 0,8 Prozent, keine Vorer­kran­kungen hatten. Das Durch­schnitts­alter der Toten liegt bei 79,5 Jahren. Hieraus leiten wir als AfD die Forde­rungen ab, die geringen Ressourcen des Gesund­heits­we­sens vor allem auf die älteren und Risi­ko­pa­ti­enten zu konzen­trieren. Unsere Reden gehen aber genauso unter wie die italie­ni­sche Studie.

3. April: Der Statis­tiker Bosbach kriti­siert, der Maßstab der Regie­rung, ab wann eine Abschwä­chung der Maßnahmen geboten ist, basiert auf einer Schein­zahl von Infi­zierten, die aber nichts mit der Realität gemeint hat. Die Inzi­denz ist bis heute immer noch das Maß aller Dinge. Wir haben das hier mehr­fach kriti­siert, wird von ihnen aber nicht wahrgenommen.

7. April: Die Deut­sche Gesell­schaft für Patho­logie fordert, Corona-Verstor­bene sollten obdu­ziert werden. Wir bringen den Antrag ins Parla­ment ein, wird abgelehnt.

9. April: Die Landes­re­gie­rung nimmt erste Ergeb­nisse der Heins­berg-Studie entgegen. Demnach sind bereits 15 Prozent der Teil­nehmer infi­ziert oder infi­ziert gewesen. Unter ihnen betrage die Ster­be­rate 0,3 7 Prozent, fünfmal nied­riger als von der Johns Hopkins Univer­sität damals berechnet. Wir bean­tragen im Folgenden, die Studie auszu­weiten, um über mehr und mehr über Über­tra­gungs­wege zu erfahren. Der Antrag wird natür­lich abgelehnt.

11. April: Der Exper­tenrat Corona stellt sein erstes Papier vor „Weg in eine verant­wor­tungs­volle Norma­lität“. Darin heißt es: Jede Entschei­dung hat Folgen. Und zu jeder Entschei­dung gibt es immer auch Alter­na­tiven. Mit dem Blick auf neue Erkennt­nisse über das Virus sollten wir jetzt beginnen, die Maßnahmen diffe­ren­ziert und flexi­bler zu steuern und die verschie­den­ar­tigen nega­tiven Auswir­kungen so gering wie möglich zu halten. Der Rat fordert: Auf Bundes- und auf Landes­ebene sollten jeweils Task Forces gegründet werden, die alle rele­vanten Infor­ma­tionen unter Berück­sich­ti­gung medi­zi­ni­scher, gesell­schaft­li­cher und wirt­schaft­li­cher Risiken sammeln und auswerten, um dann geeig­nete geeig­nete Maßnahmen empfehlen zu können. Vor Schäden des Lock­down ökono­mi­scher, sozialer und gesund­heit­li­cher Natur wird explizit gewarnt. Man müsse drin­gend unser Wissen über das Virus und die Covid-19 Erkran­kungen vergrö­ßern. Die Autoren merken zudem an: Eine starke Auswei­tung der Tests führt zwangs­läufig zu mehr gemel­deten Fällen. Dieser Effekt muss von medi­zi­ni­schen Experten bei der Analyse der Situa­tion Entwick­lung berück­sich­tigt und einge­ordnet werden. Jetzt können Sie an der Stelle nochmal beur­teilen, ob das tatsäch­lich statt­ge­funden hat.

17. April: Professor Dr. Stefan Homburg, Direktor des Insti­tuts für Öffent­liche Finanzen der Leipzig Univer­sität in Hannover, stellt mit Verweis auf das Epide­mio­lo­gi­sche Bulletin 1720/20 das RKI fest, dass der Lock­down vom 23. März völlig unnötig war. Was haben wir gemacht? Wir sind dann erst in einem der größeren Lock­down gestartet.

Die Zeit läuft gerade ab. Ich bin gerade erst im April und das war nur eine Auswahl der Fehler, die gemacht wurden, bzw. der Chancen, die man verpasst hat.

Quelle: YouTube


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