Katar nimmt afgha­ni­sche Flücht­linge auf, aber nur im Transit

Bildquelle: FDS

Von den 60.000 Afghanen, die seit dem 15. August durch das Hoheits­ge­biet von Katar gereist sind, hat nur eine sehr geringe Zahl das Aufent­halts­recht erhalten.

Katar, eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP der Welt, kommu­ni­ziert ausgiebig über seine Arbeit zugunsten afgha­ni­scher Flücht­linge. Es wird jedoch vergessen zu erwähnen, dass der für sie reser­vierte VIP-Empfang nur von kurzer Dauer ist, bevor sie in andere Länder weiter­ge­schickt werden.

Lorbeeren ohne lang­fris­tiges Enga­ge­ment. Katar, ein Meister der Kommu­ni­ka­tion, wenn es darum geht, über sich selbst zu spre­chen, hat ein Aufnah­me­zen­trum für afgha­ni­sche Flücht­linge geschaffen.

Bild­quelle: FDS

„In Katar sollten die Park View Villas, eine neu errich­tete Wohn­an­lage am Stadt­rand von Doha, während der Fußball­welt­meis­ter­schaft 2022 eröffnet werden. Doch der Einmarsch der Taliban in Kabul Mitte August beschleu­nigte die Inbe­trieb­nahme. Anstatt von Fußball­fans oder FIFA-Mitar­bei­tern eröffnet zu werden, wenn im November nächsten Jahres die Welt­meis­ter­schaft beginnt, wurde der Platz Ende August von afgha­ni­schen Flücht­lingen einge­weiht. Die Resi­denz ist einer von mehreren Orten im Emirat, die beschlag­nahmt wurden, um Menschen unter­zu­bringen, die mit Flug­zeugen von Qatar Airways, der einzigen Flug­ge­sell­schaft, die Afgha­ni­stan anfliegt, aus Kabul und seinen neuen isla­mis­ti­schen Herr­schern geflohen sind. Tausende von Evaku­ierten wurden in den letzten Wochen dort durch­ge­schleust, und fast 400 Menschen leben jetzt dort, während sie auf ein Visum warten, das ihnen die Umsied­lung in ein Dritt­land, in die Verei­nigten Staaten, nach Deutsch­land oder anderswo ermög­licht“, berichtet Le Monde enthusiastisch.

Ein luxu­riöses Empfangs­zen­trum ist daher ein Geschenk des Himmels, um das Land bekannt zu machen. Ein Ansatz, der die fran­zö­si­sche Tages­zei­tung hingegen nicht täuscht: „Es ist eine gute huma­ni­täre Tat des Emirats. Katar spielt wie üblich die Rolle des wohl­tä­tigen Vermitt­lers und sorgt dafür, dass seine Gäste nicht im Land Fuß fassen. Von den 60.000 Afghanen, die seit dem 15. August das Land durch­quert haben, wurde nur einer sehr geringen  Zahl das Aufent­halts­recht gewährt.“

Seit Beginn der Krise hat das kleine Emirat die Rolle des Vermitt­lers gegen­über den Taliban über­nommen. Sowohl gegen­über den west­li­chen Mächten als auch gegen­über den inter­na­tio­nalen Medien, die alle Berichte über die neuen Macht­haber des Landes veröf­fent­licht haben. Ein Jahr vor der Fußball­welt­meis­ter­schaft und zu einer Zeit, in der die Gefahr besteht, dass das Land und seine Behand­lung von Wander­ar­beit­neh­mern stark kriti­siert werden, ist dies ein will­kom­mener PR-Faktor.

Quelle: www.rse-magazine.com


3 Kommentare

  1. Wen wundert es ?
    Die reichsten Golf­staaten haben die wenigsten Flücht­linge aufgenommen.
    DIe reichsten arabi­schen Golf­staaten (Katar, VAE, Kuwait,Saudi Arabien, Bahrain) wollen keine Flücht­linge . Statt dessen zeigen die mit dem Finger auf die Euro­päer und verlangen von denen, dass sie die Flücht­linge aufnehmen sollen!
    Saudi Arabien nimmt auch seit Jahr­zehnten keine Flücht­linge aus Irak oder Syrien auf, obwohl diese Länder dort fast schon Nach­barn von Saudi Arabien sind. Irak grenzt unmit­telbar an Saudi Arabien. Und Jemen wird von Saudi Arabien bombar­diert. Die US Ameri­ka­ni­schen Söldner helfen dabei den Saudi Arabi­schen Wahhabi-Gottes­krie­gern um die Ungläu­bigen in Jemen zu vernichten!
    Die Kriegs­flücht­linge von Jemen müssen dann wieder andere Länder übernehmen..

  2. Nachdem 60.000 Afgha­ni­sche Flücht­linge die Park View Villas „einge­weiht“ haben werden die Kicker dort im nächsten Jahr wohl nur noch versi­ffte Ruinen vorfinden.

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