Kultu­rell bedingte Sprach­bar­rieren und Tabus in der „Pandemie“

Screenshot: Video "Corona leichte Sprache"

Von von IRÉN RAB |Gemäß den zwischen November und Januar aufge­zeich­neten Daten von Thomas Voshaar, einem der besten Lungen­spe­zia­listen Deutsch­lands, verstehen 90 Prozent (!) der intu­bierten Pati­enten milde ausge­drückt über­haupt kein Deutsch.

Kultu­rell bedingte Sprach-Barrieren

Es gibt eine Kommu­ni­ka­ti­ons­bar­riere für die Aufklä­rung, sagt der Chef­arzt, sie bekommen die Nach­richten und die Moda­li­täten der anti-epide­mi­schen Maßnahmen nicht mit. Sie wissen nichts über die vorge­schrie­benen Verhal­tens- und Schutz­re­geln, ihre Kultur ist mit dem Distanz­halten nicht vertraut, ihre Frauen tragen nur die von ihrer Reli­gion vorge­schrie­benen Gesichts­masken auf der Straße. Sie lieben die Gemein­schaft, gehen in die Moschee, und leben zu Hause mit vielen Menschen unter einem Dach.

Dr. Voshaar ist Spezia­list an der Lungen­klinik Moers. Im Raum Essen-Duis­burg hat ein Drittel der Bevöl­ke­rung Migra­ti­ons­hin­ter­grund, aller­dings sind in dieser Statistik auch die Osteu­ro­päer einbe­zogen. Seien wir ehrlich, auch sie haben dort wenig oder keine Sprach­kennt­nisse. (Mein unga­ri­scher Freund aus Nürn­berg hat mir gesagt, dass es in der ersten Klasse seines Kindes insge­samt drei Deut­sche gibt, sein Kind zähle auch dazu, weil es die Sprache gut beherrsche.)

Mitte Februar nahm der Herr Ober­arzt an einer Online-Konfe­renz mit anderen betei­ligten Chef­ärzten und dem Direktor des Robert Koch Insti­tuts, Deutsch­lands Viro­loge Nummer eins, teil. Das erwähnte Sprach­pro­blem stand auch auf der Tages­ord­nung, und das Gremium beschloss, darüber den zustän­digen poli­ti­schen Entschei­dungs­trä­gern zu berichten. Dr. Voshaar wandte sich direkt an den Gesund­heits­mi­nister, welcher jedoch die Infor­ma­tionen nicht ans Kanz­leramt weitergab.

Sprach­pro­bleme und „Zucker­fest“ auf Coro­na­virus-Gipfel kein Problem

Daher stand auf dem Coro­na­virus-Gipfel am Mitt­woch, an dem alle Minis­ter­prä­si­denten und Kanz­lerin Merkel zentrale epide­mio­lo­gi­sche Maßnahmen zu beschließen pflegen, das Sprach­pro­blem der Pati­enten nicht auf der Tages­ord­nung. Beim Erlassen der Einschrän­kungen berück­sich­tigten sie auch das bevor­ste­hende Zucker­fest nicht, welches für Muslime etwa genau so wichtig ist, wie Weih­nachten für die Christen. Sie reisen kreuz und quer durchs ganze Land, um zusammen mit der Familie feiern zu können.

Der Chef­vi­ro­loge, Professor Wieler, sagt, dass das Problem zwar real sei, das Thema aller­dings immer noch als Tabu gelte. Zumin­dest erwar­tete die Politik, dass man das als Tabu behandle. Sie können auch keine Aufklä­rungs­ar­beit leisten, weil es keinen Zugang in diese Paral­lel­ge­sell­schaft gäbe. Die Welt der Moscheen sei geschlossen, und ein Ungläu­biger dürfe höchs­tens mit Erlaubnis des Imams hinein. Wieler formu­lierte vorsichtig, er will ja nicht, dass das Gesagte von der Presse aufge­griffen und als Tatsa­chen­be­haup­tung behan­delt wird, da es sich nur um ein einfa­ches Gespräch, um einen form­losen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch zwischen Fach­leuten handelte.

Tabu, weil „rassis­tisch moti­vierte Diskuss­sion“ befürchtet

Laut einer offi­zi­ellen Erklä­rung gibt es keinen Zusam­men­hang zwischen Infek­ti­ons­zahl und Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Das Thema wird deswegen als Tabu behan­delt, weil die Bundes­re­geierung das Aufkommen von rassis­tisch moti­vierten Dikus­sionen befürchtet.

Auf jeden Fall haben sich unsere Sprach­kennt­nisse um ein neues Wort erwei­tert: Kommu­ni­ka­ti­ons­bar­riere“. Ich hoffe, dass dieses in Deutsch­land zum Wort des Jahres 2021 gekürt wird, denn es beschreibt sehr genau das Phänomen, mit dem Deutsch­land zu kämpfen hat: Migra­tion, Inte­gra­tion, Epidemie, wirt­schaft­li­cher Abschwung. Es gibt eine Reihe von Problemen, die um Himmels willen nicht genannt werden dürfen, denn solange man nicht darüber spricht, gibt es sie auch nicht.

Wenn dieses Problem dann doch auftaucht, wird die Aufmerk­sam­keit sofort geschickt umge­lenkt, dafür gibt es den ewigen Sünden­bock Ungarn, und natür­lich die rechte Oppo­si­tion im Bundestag. Viktor Orbáns “umstrit­tene” Partei wurde gerade aus der EVP-Frak­tion hinaus­ge­drängt und man will sie auch aus der Euro­päi­schen Volks­partei ausschliessen, damit allen gezeigt werden kann, dass es dort keinen Platz für radi­kale rechte Ideen gibt. Innen­po­li­tisch wurde die mäch­tigste Oppo­si­ti­ons­partei des Bundes­tages, und nicht nur die Frak­tion, sondern die gesamte AfD, als verdächtig einge­stuft und unter Geheim­dienst­auf­sicht, pardon Verfas­sungschutz­auf­sicht, gestellt.

Ach so, es stehen bald Wahlen an, und auf diese Art und Weise wird eine Regie­rungs­partei in einem muster­gül­tigen Rechts­staat ihre poli­ti­schen Gegner los.

Anmer­kung.:
Der hier wieder­ge­ge­bene Beitrag erschien am 7. März 2021 auf dem Online-Portal der konser­va­tiven Tages­zei­tung Magyar Hírlap.
 Eine deut­sche Über­set­zung von Dr. Andrea Martin erschien zuerst bei UNGARN-REAL, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.

Zur Autorin: Irén Rab ist promo­vierte Kultur­his­to­ri­kerin und studierte unga­ri­sche Philo­logie, Biblio­the­k­wis­sen­schaft und Geschichte sowie Euro­pa­stu­dien an ungarischen
Univer­si­täten. 2003–2014 war sie als Dozentin für Hunga­ro­logie an der Univer­sität Göttingen tätig. Bis  2017 lebte sie in Deutsch­land. Seit ihrer Heim­kehr nach Buda­pest beschäf­tigt sie sich weiterhin mit wissen­schaft­li­chen Forschungen und publi­ziert in verschie­denen Zeitungen in Ungarn zum Themen­be­reich Gesell­schafts­po­litik. Sie postet auf ihrem Blog Ungarn-Real regel­mäßig Pro-Ungarn-Artikel aus dem konser­va­tiven Lager.


1 Kommentar

  1. Leidiges Thema „Migra­ti­ons­hin­ter­grund – gilt als Waffe für eine poli­tisch recht clever mani­pu­lierte Statistik. 

    Bei soge­nannten „bina­tio­nalen Ehen“ (früher „Misch­ehen“) mit einem zuge­wan­derten und einem deut­schwn Ehepartner zählen deren Abkömm­linge auto­ma­tisch als „Migra­ti­ons­hin­ter­grund“. Dass in diesen Fami­lien in der Regel relativ gute Lern- und Erzie­hungs­be­din­gungen herr­schen, gilt als wenig zwei­fel­haft, ja oft herrscht beson­derer Ehrgeiz. Meine asia­ti­sche Ehefrau war da in der Tat sehr achtsam… und der Erfolg gibt uns Recht: alle 3 sind bereits z.T. Hoch­schul­ab­sol­venten bzw. aktiv im Beruf. Diese tolle Inte­gra­tion hübscht somit die Statistik heftig auf. 

    Durch diese „recht klug gemeinte mani­pu­lierte Stra­tegie“ gelingt es somit, viele Kinder als KULTERELL INTEGRIERTE mit Abitur und Studium auszu­weisen. Wer kennt diesen Trick schon – außer, dass die eigenen Kinder plötz­lich dieses tolle Etikett zu ertragen haben, um den Poli­ti­kern so als nettes Alibi zu dienen. (Es muss ja nichts Nega­tives sein… Es gibt ja Rege­lungen, wo man „auf der Fahr­karte Migra­ti­ons­hin­ter­grund“ bei einer Bewer­bung zusätz­lich „punkten“ kann)

    Ohne diese „Aufhüb­schung der Statistik“ sähe es in der Tat noch wesent­lich trüber aus, was die Erfolge der soge­nannten „Bildungs-Inte­gra­tion“ anbe­trifft, zumal wenn das Eltern­haus oft aus archi­scher Kultur mit starker reli­öser Bindung entstammt.

    Das soll keine Wertung sein – es ist halt ein FAKTUM. Hoffen wir dennoch auf ein späteres gelingen… die polni­chen Berg­ar­beiter seiner­zeit sind letzt­lich alle „gut ange­kommen“… sogar ihr Namen haben viele etwas „sprach­lich germa­ni­siert“ – und was sich heute auch als keinerlei Stigma darstellt. Also brau­chen wir einen „langen Atem“.

Schreibe einen Kommentar zu Gerd Falke Antwort abbrechen

Please enter your comment!
Please enter your name here