Nicolas Bay: „Die Patrioten müssen sich für unsere Zivi­li­sa­tion und die Frei­heit der Völker gegen die Globa­listen verbünden“

Nicolas Bay · Bildquelle: El Correo de España

Inter­view mit dem fran­zö­si­schen Euro­pa­ab­ge­ord­neten Nicolas Bay, Mitglied des Exeku­tiv­ko­mi­tees der Natio­nalen Samm­lungs­be­we­gung (RN) von Marine Le Pen und stell­ver­tre­tender Vorsit­zender der Frak­tion „Iden­tität und Demo­kratie“ im Euro­päi­schen Parlament.

Von Álvaro Peñas

Sie haben einmal gesagt, Macron sei eine Illu­sion. Glauben Sie ange­sichts der anhal­tenden Proteste in Frank­reich, dass sich der Traum für viele Fran­zosen in einen Albtraum verwan­delt hat?

Der Kandidat Macron war eine von den Main­stream-Medien geschaf­fene Illu­sion. Doch diese Illu­sion beruhte auf etwas Reellem: Macron verkör­perte die poli­ti­sche Wieder­ver­ei­ni­gung des Libe­ra­lismus, der bis dahin in Frank­reich gespalten war. Es gab den Links­li­be­ra­lismus mit sozialen Moden und Einwan­de­rung und den Rechts­li­be­ra­lismus mit einem von der Real­wirt­schaft abge­kop­pelten Finanz­wesen und unein­ge­schränktem Freihandel.

Macrons einheit­li­cher Libe­ra­lismus ist die Abschaf­fung aller Grenzen, aller Beschrän­kungen, auch der biolo­gi­schen. Es ist die liquide, multi­kul­tu­relle, indi­vi­dua­lis­ti­sche, post­na­tio­nale Gesell­schaft. Deshalb haben die Main­stream-Medien ihn unter­stützt: Er war ihr Kandidat, der Kandidat der liberal-progres­siven Ideo­logie, die die falsche west­liche Elite durchdringt.

Die Illu­sion, dass Macron die Politik revo­lu­tio­nieren würde, hat sich schnell zerschlagen. Diese Präsi­dent­schaft war eine Reihe von Enttäu­schungen, Demü­ti­gungen – vor allem auf der inter­na­tio­nalen Bühne – und zeigt nun einen beun­ru­hi­genden Auto­ri­ta­rismus, der eine völlige Unfä­hig­keit zur Anti­zi­pa­tion nur schlecht kaschiert. Emile de Girardin sagte: „Regieren heißt vorher­sehen“; Macron regiert nicht, er verwaltet nur kurz­fristig, und er wird immer schlechter darin. Die Fran­zosen, die darunter leiden, können das nicht länger ertragen.

Polizei, Mili­tärs und Intel­lek­tu­elle haben vor den Ereig­nissen in Frank­reich gewarnt, manche spre­chen sogar von einem Bürger­krieg. Ist die Lage wirk­lich so ernst? Hat Macrons berühmter Krieg gegen den „poli­ti­schen Islam“ irgend­etwas an dieser Situa­tion geändert?

Die ersten, die von einem mögli­chen Bürger­krieg spra­chen, waren unsere eigenen Poli­tiker, darunter der ehema­lige Präsi­dent Fran­çois Hollande und der ehema­lige Innen­mi­nister Gérard Collomb. Jeder weiß, was in unseren isla­mi­sierten Vorstädten passiert, jeder kennt das Problem der Masseneinwanderung.

Macrons Tiraden gegen den poli­ti­schen Isla­mismus sind völlig wirkungslos geblieben: Die Regie­rung holt sogar weiterhin Dschi­ha­disten aus Syrien zurück oder lässt Isla­misten aus dem Gefängnis frei! Die Situa­tion ist gefähr­li­cher denn je.

Ein weiteres besorg­nis­er­re­gendes Phänomen ist die Chris­ten­feind­lich­keit, die sich in immer mehr Angriffen auf Kirchen, Priester und Kirchen­bränden äußert. Woher kommt dieser Hass? Hat die Regie­rung etwas zur Bekämp­fung dieser Gewalt getan?

In Frank­reich gibt es viel mehr anti­christ­liche Hand­lungen als gegen jede andere Reli­gion, und das schon seit mehreren Jahren. Auch der Anti­se­mi­tismus ist auf dem Vormarsch. Nicht zu vergessen die zahl­rei­chen Schän­dungen von Fried­höfen, die Teil derselben Dynamik sind. Diese Chris­ten­feind­lich­keit ist vor allem Ausdruck eines Hasses auf Frank­reich, seine Geschichte und seine Symbole, der von einigen Jugend­li­chen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund immer häufiger zum Ausdruck gebracht wird.

Wir haben nicht gesehen, dass die Regie­rung etwas dagegen unter­nommen hat. Der Innen­mi­nister Gérald Darmanin beschränkt sich auf eine „scharfe Verur­tei­lung“ auf Twitter, ohne etwas zu unter­nehmen. Kürz­lich hatten wir ein eher symbo­li­sches Beispiel: den ruan­di­schen Einwan­derer, der sich in einer ille­galen Situa­tion befand, dessen Asyl­an­trag abge­lehnt wurde und der gezwungen war, das fran­zö­si­sche Staats­ge­biet zu verlassen, der im Juli 2020 die Kathe­drale von Nantes in Brand setzte und im August 2021 einen Priester tötete? Es ist absolut skan­dalös und uner­träg­lich, dass er nicht ausge­wiesen wurde. Wie können wir die Achtung unseres reli­giösen Erbes gewähr­leisten und Schaden verhin­dern, wenn solch schwer­wie­gende Fälle mit solcher Nach­läs­sig­keit behan­delt werden?

Umfragen zeigen, dass die Mehr­heit der Fran­zosen ein Refe­rendum über die Einwan­de­rung wünscht, eines der Wahl­ver­spre­chen von Marine Le Pen, und dass die Migra­ti­ons­po­litik ein weiteres Versagen des derzei­tigen Präsi­denten ist. Sind Sie opti­mis­tisch für die Präsi­dent­schafts­wahlen 2022? Ist es Zeit für das Rassem­ble­ment National?

Seit Jahr­zehnten spre­chen sich 70 % der Fran­zosen für eine Redu­zie­rung der Einwan­de­rung aus. Diese Frage und ganz allge­mein die Frage nach dem Schutz unserer Iden­tität ist seit langem von zentraler Bedeu­tung und kann von nun an nicht mehr umgangen werden. Die Kontrolle über unsere Migra­ti­ons­po­litik und damit verbunden viele andere Themen – Sicher­heit, öffent­liche Finanzen, Gesund­heit… – wird das Haupt­thema dieser Wahlen sein.

Seit Macrons Amts­an­tritt sind durch­schnitt­lich 400.000 Einwan­derer pro Jahr nach Frank­reich gekommen, wenn man Arbeiter, Studenten, Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung und Asyl­be­werber hinzu­rechnet. Das sind zwei Millionen in dem gesamten Fünf­jah­res­zeit­raum. Dies entspricht der Stadt Paris, ohne die Vororte mitzuzählen.

Dieser Wahn­sinn muss aufhören, und die Fran­zosen sind sich dessen bewusst: Es geht um die Zukunft unseres Landes. Diese Gefahr, gepaart mit Macrons mehr­fa­chem Schei­tern, bedeutet, dass die Patrioten noch nie in einer so güns­tigen Situa­tion waren. Wir können nicht nur gewinnen, wir müssen gewinnen.

Neben der Einwan­de­rung leidet Frank­reich, wie das übrige Europa, unter einem ernsten demo­gra­fi­schen Problem. Was schlägt das Rassem­ble­ment National vor, um diesen Gebur­ten­mangel zu beheben? Hält es ein Modell wie das unga­ri­sche für machbar?

Büro­kraten glauben, dass alles quan­ti­fi­zierbar ist und dass mehr unbe­dingt besser bedeutet. Aus diesem Grund wird eine nied­rige Demo­grafie immer als Kata­strophe ange­sehen und die Massen­ein­wan­de­rung als Lösung dargestellt.

Es stimmt jedoch, dass es demo­gra­fi­sche Heraus­for­de­rungen gibt, die ange­gangen werden müssen, nicht zuletzt die der Alters­renten. Ja, wir können die Gebur­ten­rate mit proak­tiven Maßnahmen, wie sie in Ungarn durch­ge­führt wurden, erhöhen. Unser tech­ni­scher Erfin­dungs­reichtum kann es auch ermög­li­chen, einen rela­tiven Bevöl­ke­rungs­rück­gang zu begleiten.

Außerdem glaube ich, dass es die Gebur­ten­rate ankur­beln wird, wenn wir den Fran­zosen ihr Vertrauen in die Zukunft zurück­geben, wenn wir ein span­nendes natio­nales Projekt verwirk­li­chen, anstatt unser Land zu verkaufen, wenn wir ihnen ihren Stolz zurück­geben und wenn wir aufhören, uns ständig an die Brust zu schlagen. Unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und zu zeigen, dass die post­na­tio­nale Perspek­tive einer globa­li­sierten Welt mit austausch­baren Indi­vi­duen keine unaus­weich­liche Notwen­dig­keit ist, wird den Fran­zosen wieder Lust auf ihre Exis­tenz machen.

Vor zwei Wochen haben Sie mit promi­nenten Mitglie­dern patrio­ti­scher Parteien wie Jorge Buxadé (VOX) und George Simion (AUR) am Wirt­schafts­forum in Karpacz (Polen) teil­ge­nommen. Wie wichtig ist die Zusam­men­ar­beit zwischen den verschie­denen patrio­ti­schen Parteien?

Die Zusam­men­ar­beit ist von grund­le­gender Bedeu­tung. Sie ermög­licht es uns, einander besser zu verstehen, um bei den Themen, die uns alle betreffen, gemeinsam voran­zu­kommen. Unsere verschie­denen Parteien und Frak­tionen arbeiten bereits regel­mäßig im Euro­päi­schen Parla­ment zusammen, darunter auch Jorge Buxadé, den ich gut kenne und schätze.

Unsere Gegner spre­chen oft von Themen, die uns unwie­der­bring­lich spalten würden. Der Euro­pa­ab­ge­ord­nete Zdzisław Krasno­dębski, der den Runden Tisch, an dem ich in Karpacz teil­nahm, mode­rierte, war sich unserer Diffe­renzen sehr bewusst. Es gibt sie, niemand bestreitet das. Aber wir alle wissen, dass sie im Vergleich zu dem, was wir gemeinsam haben, zweit­rangig sind: die euro­päi­sche Zivi­li­sa­tion und das Erbe der christ­li­chen Werte, der Wunsch, unsere Iden­tität ange­sichts der Massen­ein­wan­de­rung zu schützen, das Miss­trauen gegen­über dem Brüs­seler Föde­ra­lismus und seiner libe­ralen Ideo­logie.… Unsere Annä­he­rung ist daher ganz natür­lich und zielt darauf ab, unsere jewei­ligen Inter­essen sowie unsere gemein­samen Inter­essen besser zu verteidigen.

Sie sind der stell­ver­tre­tende Vorsit­zende der Frak­tion Iden­tität und Demo­kratie. Das Rassem­ble­ment National und andere Parteien der Frak­tion betei­ligen sich an dem neuen Bündnis unter der Schirm­herr­schaft von Viktor Orbán zusammen mit den konser­va­tiven und refor­mis­ti­schen Parteien (ECR). Glauben Sie, dass dieses Bündnis die konser­va­ti­veren EVP-Parteien anziehen und das Kräf­te­ver­hältnis zwischen Patrioten und Globa­listen im Euro­päi­schen Parla­ment deut­lich verän­dern kann?

Die EVP befindet sich in einer besorg­nis­er­re­genden libe­ralen Tendenz. Ich erkenne das an ihrem Abstim­mungs­ver­halten im Euro­päi­schen Parla­ment: Die EVP-Mitglieder orien­tieren sich im Allge­meinen an den Posi­tionen des linken Blocks, von den Grünen bis zu Renew (Libe­rale) und oft bis ganz nach links. Es mag einige Unter­schiede geben, aber die meiste Zeit verhält sich die EVP wie ein Rück­halt der Linken, mit einigen wenigen Parteien, die noch zur Unab­hän­gig­keit fähig sind.

Diese neue patrio­ti­sche Allianz, die bald zu einer gemein­samen Frak­tion werden könnte, nährt eine Dynamik, die zur notwen­digen Neude­fi­ni­tion der poli­ti­schen Gräben beiträgt. Die Patrioten müssen sich gegen die Globa­listen zusam­men­schließen, um sowohl unsere gemein­same Zivi­li­sa­tion als auch die Frei­heit jeder unserer Nationen zu vertei­digen. Wir wenden uns an die EVP-Mitglieder, die mehr daran inter­es­siert sind, ihre Bürger zu schützen, als sich auf ein föde­rales Europa zuzu­be­wegen, dessen einziges Ziel es ist, ein riesiger Super­markt ohne Grenzen und Iden­tität zu sein.

Álvaro Peñas
Als leiden­schaft­li­cher Geschichts­in­ter­es­sierter und uner­müd­li­cher Reisender kennt er die Länder des Ostens, die er häufig bereist, und deren poli­ti­sche Situa­tion er dank seiner Freund­schaften mit Jour­na­listen und Poli­ti­kern der patrio­ti­schen Parteien in vielen dieser Länder sehr gut kennt.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei EL CORREO DE ESPAÑA, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION


4 Kommentare

  1. Grüne Libe­rale Ideo­logie war vor dreizig Jahren noch Kommu­nisten. Es ist ein Kommu­nis­ti­sche über­nahme Europa’s. De Einwan­de­rung ist nur teil der zerstö­rung von Christ­liche werten vorbe­rei­tung zum neue Europei­sche Sovjet Union. Auch Helmut Schmidt hatt dafür gewarnt.

  2. Das müssen sie und die Börge­rInnen ihrer Länder müssen sie wöhlen, damit sie auch an die Rögie­rung kommen und das Verbünden auch zum Ziel führen kann – m. E..

  3. Der Globa­lismus, das ist natur­wis­sen­schaft­li­cher Oberunsinn!

    Es gibt keine Welt­formel, auch wenn die auser­wählten Jungs davon träumen. Selbst deren Wunsch­idee von einer einzigen physi­ka­li­schen Wech­sel­wir­kung bleibt ein Traum! Die Quadratur des Kreises hinsicht­lich einer Unipo­laren Welt: Eine Formel, eine Wech­sel­wir­kung, ein Gott, ist schon lange zu einem sünd­haft teuren Krieg inner­halb der Wissen­schaft ausge­artet. Moose und Flechten werden auch diese verirrten Menschen überdauern.

    • Einstein hat bis zu seinem letzten Atemzug nach der Welt­formel gesucht – vergeblich.

      Das ganze ALL ist ein einziges leben­diges Wesen und alles ist Teil davon – doch das lässt sich m. E. niemals in eine Formel packen – das hat vermut­lich inzwi­schen wohl auch Einstein erkannt – wo auch immer er jetzt weilen mag – viel­leicht wieder re-inkar­niert, uner­kannt, nicht berühmt.

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