Öster­reich und der Geist von 1683: Europa braucht einen “ideellen Kahlen­berg”

Grafik: Wiener Akademikerbund

Von Chris­tian Zeitz *

Die aktu­elle Corona-Politik hat viel­fach den Blick auf das seit längerer Zeit im Gang befind­liche Groß­pro­jekt der Besei­ti­gung der Christ­li­chen Kultur­fun­da­mente Europas verstellt. Dabei hängen die drama­ti­schen Umwäl­zungen, die sich im Gefolge der inter­na­tional akkor­dierten Corona-Zwangs­maß­nahmen-Politik abzeichnen, mit dem Wunsch nach einer globalen Neuord­nung der Welt gemäß „multi­kul­tu­reller“ und „multi­re­li­giöser“ Vorstel­lungen eng zusammen.

Für die Erhal­tung dessen, was Europa stark, erfolg­reich und human gemacht hat, lieferte Öster­reich mehr­mals substan­ti­elle Beiträge. Die wich­tigsten der dies­be­züg­li­chen histo­ri­schen Ereig­nisse sind wohl bekannt: die Zurück­schla­gung der Türken 1529 vor Wien und damit die mehr­jäh­rige mili­tä­ri­sche Desta­bi­li­sie­rung der Armee des wohl mäch­tigsten Sultans aller Zeiten, Suleyman des Präch­tigen; die Zerstö­rung der türki­schen Flotte in der größten Seeschlacht aller Zeiten, Lepanto 1571 – immerhin unter dem Ober­be­fehl des öster­rei­chisch-stäm­migen Don Juan de Austria; die helden­hafte Nieder­rin­gung der mate­riell weit über­le­genen Armee des Cara Mustafa Pascha mit Hilfe der Entsatz­heere befreun­deter Nationen 1683; die groß­flä­chige terri­to­rial Zurück­schla­gung der Osmanen durch Prinz Eugen, u.a. in den Schlachten von Zenta (1697) und Belgrad (1717) mit der Folge der Besei­ti­gung des Isla­mi­sie­rungs­pro­zesses in Ungarn und (zeit­weilig) am Balkan.

Die heraus­ra­genden mili­tä­ri­schen Leis­tungen groß­ar­tiger öster­rei­chi­scher Feld­herrn verstellen oft den Blick für die wesent­liche Ressource, auf der wirk­same Vertei­di­gungs­fä­hig­keit stets ruht: der unbe­dingte Wille, die eigene, als über­legen erkannte Ordnung zu erhalten und ihre geis­tigen und spiri­tu­ellen Funda­mente zu pflegen und auszu­bauen. Für Kaiser Leopold I, Ernst Rüdiger von Starhemberg, Karl von Loth­ringen, Prinz Eugen und anderen waren die Bedeu­tung eines christ­lich begrün­deten Selbst­be­wußt­seins und die kompro­miß­lose Zurück­wei­sung des Zivi­li­sa­ti­ons­re­gresses, wie er stets im Gefolge der Isla­mi­sie­rung in Gestalt einer scha­ria­ti­schen Rechts­ord­nung, der Verskla­vung der Gegner, eines Apart­heit­re­gimes und eines wirt­schaftl­chen Nieder­ganges droht, eine abso­lute Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Genau diese geis­tigen und geist­li­chen Grund­lagen eines kultu­rellen und natio­nalen Selbst­er­halts fehlen in unseren Tagen. Sie sind der Besei­ti­gung der Kräfte des Selbst­er­halts durch patho­lo­gi­sche Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setze, Aushöh­lung der Meinungs­frei­heit und damit der geis­tigen Selbst­ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit sowie der Dege­ne­ra­tion durch Multi­kul­tu­ra­lismus und Rela­ti­vismus und beson­ders durch progre­diente Ent-Christ­li­chung zum Opfer gefallen. Die Besat­zungs­macht der Euro­päi­schen Union, die bereits seit langem zu einem abge­ho­benen Elten­pro­jekt geworden ist, hat ein Übriges dazu getan.

Nachdem Geschichts­lo­sig­keit zum allge­gen­wär­tigen Phänomen geworden ist, darf es nicht verwun­dern, dass die Verbin­dungen zu den kultur­bil­denden und iden­ti­täts­stif­tenden Ereig­nissen der eigenen Vergan­gen­heit verloren gegangen sind. Das wirkt sich umso fataler aus, als die gegen­wär­tige türki­sche Staats­füh­rung ganz und gar nicht demselben Fehler verfallen ist wie die Länder Europas. Ganz im Gegen­teil: Der türki­sche Präsi­dent Recep Erdogan stellt gezielt regel­mäßig histo­ri­sche Bezüge zu seiner eigenen Groß­macht­po­litik her und legi­ti­miert dies mit dem Auftrag zur Isla­mi­sie­rung nicht-türki­scher Gebiete und dem Mythos des Groß­reichs der Osmanen. Nachdem er derzeit offenbar keinen west­li­chen Macht­träger gibt, der ihm dabei resolut entge­gen­tritt, fühlt sich Erdogan ermu­tigt, in seiner Stra­tegie immer dreister zu werden und die Schlag­zahl seiner ideo­lo­gi­schen ebenso wie der real­po­li­ti­schen Angriffe zu erhöhen.

Isla­mi­sche Symbo­lakte und mili­tä­ri­sche bzw. poli­ti­sche Kraft­akte wech­seln einander in dieser Stra­tegie syste­ma­tisch ab. Die Liste derar­tiger Akte ist gerade in aller­letzter Zeit deut­lich gewachsen. Dem Gewaltakt der Umwand­lung der Hagia Sophia in eine Moschee im vergan­genen Juli – sie war zum Zeit­punkt ihrer Erbauung die größte Kirche der Chris­ten­heit und seit 1935 ein Museum – folgte die Verschär­fung der mili­tä­ri­schen Inter­ven­tion in Libyen auf der Seite des IS-Verbün­deten und derzei­tigen Macht­ha­bers Fayiz as-Sarr­adsch zum Zweck der Ausdeh­nung des neo-osma­ni­schen Einflusses in Afrika. Der nächste Akt war wieder ein Bestand­teil der Symbol­po­litik: Die groß­an­ge­legte Feier in Ostana­to­lien, mit der Erdogan am 26. August den Jahrestag der Okku­pa­tion Klein­asiens in der Schlacht von Manz­i­kert 1071 durch den Seldschu­ken­führer Alp Arslan als beispiel­ge­bend für die heutige Politik der Türkei pries. Und unmit­telbar darauf die Verschär­fung der Einlei­tung von Maßnahmen zur Erschlie­ßung von Erdöl­fel­dern im Mittel­meer.

“Wir müssen überall sein, wo unsere Ahnen waren”, prokla­miert Erdogan unver­hohlen, Und er legi­ti­miert seinen Anspruch mit der Verpflich­tung zur Ausdeh­nung und Univer­sa­li­sie­rung des isla­mi­schen Herr­schafts­ge­bietes. Erdogan lästert regel­mäßig über die Folgen des Vertrages von Lausanne 1923, der die Grenzen des ehema­ligen Osma­ni­schen Reiches, aufbauend auf dem Vertrag von Sevres, deut­lich beschnitt. Allen ernstes will er mit diesem weiteren, scheinbar “nur” symbo­li­schen, Bezug eine Verschie­bung der syrisch-türki­schen Grenze betreiben, mit der ganz Nord-Syrien, mindes­tens ein Drittel des derzei­tigen Syriens, der Türkei zuge­schlagen werden soll.

Die west­liche Welt tritt diesem Treiben nicht entgegen, weil sie nicht bereit ist, den Kampf zunächst auf der (vermeint­lich “nur” symbo­li­schen) ideo­lo­gisch-reli­giösen Ebene zu führen. Damit ist aber der Wunsch Erdo­gans, sein Reich wieder bis an die Grenzen Wiens auszu­dehen und die Schmach von 1683 zu tilgen, weit mehr als nur eine Phan­tasie-Vision. Erdo­gans Einfluß auf die vom türki­schen Reli­gi­ons­mi­nis­te­rium gesteu­erte öster­rei­chi­sche Moscheen-Gesell­schaft ATIB (mit über 60 Stand­orten) ist hier nur als erster Schritt gedacht. Mangels eines adäquaten Islam-Gesetzs und einer konse­quenten De-Isla­mi­sie­rungs­po­litik ist der Auswei­tung des türki­schen Einflusses auf die zahl­rei­chen isla­mi­schen Subkul­turen in Öster­reich keine Grenze gesetzt. Dies gilt ebenso für zahl­reiche andere Länder Europas.

Was in Europa fehlt, ist der Geist von 1683 und das Bewußt­sein, dass Zivi­li­sa­ti­ons­früchte der letzten Jahr­hun­derte ohne das christ­liche Funda­ment des Konti­nents unmög­lich gewesen wären. Recon­quista tut Not. Und sie kann funk­tio­nieren. Gegen die Illu­sion “multi­kul­tu­reller Viel­falt” und spiri­tu­eller Belie­big­keit. Europa braucht ein geis­tiges Entsatz­heer am ideellen Kahlen­berg des 21. Jahr­hun­derts.


*) Mag. Chris­tian Zeitz ist wissen­schaft­li­cher Direktor des Insti­tuts für Ange­wandte Poli­ti­sche Ökonomie. Als Islam­spre­cher des Wiener Akade­mi­ker­bundes ist er einer der Orga­ni­sa­toren der Kund­ge­bung zum Gedenken an die sieg­reiche „Schlacht am Kahlen­berg“, die heuer am 12. September 2020 am Ort des Gesche­hens statt­findet.

 


 

Zur Veran­stal­tung (bitte Inline-Bild ankli­cken):

1683 Schlacht am Kahlen­berg: Fackelzug zum Gedenken an die Vertei­di­gung Wiens

Kahlen­berg-Allianz 1683

12. September 2020
Kahlen­berg
fackelzug1683
Für ein freies und starkes christ­li­ches Europa

Feier der erfolg­rei­chen Abwehr der isla­mi­schen Osmanen in der Schlacht am Kahlen­berg

Kund­ge­bung – Fackelzug – Gemein­schafts­er­lebnis

Reden promi­nenter patrio­ti­scher Euro­päer aus befreun­deten Ländern
Termin: Samstag, 12. September 2020, 17.30 Uhr
Ort: Kahlen­berg, Platz vor der Kirche

Anmel­dung erbeten (Name, Email-Adresse, Tel.-Nummer, Whats App,
Viber) an verein@​provita.​at

Wer auch die Anfahrt entspannt genießen will, ist einge­laden,
den gemein­samen Bustransfer zu nutzen (Kosten­bei­trag 10 Euro).
Anmel­dung (wie oben) erfor­der­lich

Unsere Frei­heit ist nicht nur durch die Gefahr der schlei­chenden Isla­mi­sie­rung bedroht. Kultur­so­zia­lismus, die Diktate der Globa­li­sie­rung und des selbst­herr­li­chen Multi­la­te­ra­lismus und jetzt die Knecht­schaft des Corona-Regimes bedrohen die Funda­mente einer Gesell­schaft freier Menschen.

Es ist daher von großer Bedeu­tung, sich der Unver­zicht­bar­keit der christ­li­chen Kultur­sub­stanz nicht nur bewusst zu sein, sondern diese auch aktiv zu vertei­digen bzw. zu erneuern und auszu­bauen. Dazu soll die Kund­ge­bung am Samstag, dem 12. September, einen sicht­baren Beitrag leisten.

Impressum: Platt­form 1683, 1080 Wien, Schlös­sel­gasse 11: Verein „PRO VITA – Bewe­gung für Menschen­recht auf Leben“ (verein@​provita.​at), Verein „Wiener Akade­mi­ker­bund“ (office@​wienerakademikerbund.​org), Verein Okzi­dent, Gedenken 1683

 

 

1 Kommentar

  1. Vom Geist von 1683 ist in den meisten mittel­eu­ro­päi­schen Staaten nichts zu spüren. In Oester­reich, vor allem aber in Ungarn und den Balkan­län­dern sieht das etwas anders aus, da diese viele Jahr­zehnte unter der Knute der Osmanen zu leiden hatten. Sollte der türki­sche Despot es wagen, einen christ­li­chen ortho­doxen Staat wie Grie­chen­land, Bulga­rien, Rumä­nien oder Serbien anzu­greifen, erhoffe ich mir inten­si­veren Wider­stand als es in verkom­menen Ländern wie Deutsch­land oder Frank­reich zu erwarten ist, wo in wider­lich-spei­chel­le­ckender Weise Appease­ment gegen­über dem Feind Islam geübt wird, selbst von den „christ­li­chen“ Kirchen. Gott sei Dank ticken da wenigs­tens die Katho­liken in Kroa­tien, Slowe­nien und Ungarn etwas anders.

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