Tomislav Sunić: Kroa­tien und Osteu­ropa sind heute „euro­päi­scher“ als Westeuropa

Dr. Tomislav Sunić · Foto: Facebook

Anläss­lich der Veröf­fent­li­chung der kroa­ti­schen Ausgabe des Buches Post­mortem Report: Cultural Exami­na­tions from Post­mo­der­nity sprach Tomislav Sunić mit Vokativ.hr über Multi­kul­tu­ra­lismus, ameri­ka­ni­sche Politik, poli­ti­sche Korrekt­heit und was das alles für Kroaten bedeutet. 

Tomislav Sunić ist ein kroa­ti­scher Schrift­steller, Poli­tik­wis­sen­schaftler, Über­setzer und ehema­liger Diplomat. Er hat einen Abschluss in fran­zö­si­scher und engli­scher Sprache und Lite­ratur der Philo­so­phi­schen Fakultät in Zagreb, einen Master-Abschluss der Cali­fornia State Univer­sity in Sacra­mento und einen Doktor­titel in Poli­tik­wis­sen­schaft der Univer­sity of Cali­fornia, Santa Barbara. Er lehrte an der Cali­fornia State Univer­sity, der Univer­sity of Cali­fornia, dem Juniata College in Penn­syl­vania, dem Anglo-American College in Prag und an der kroa­ti­schen Akademie in Zagreb. Er war Diplomat in Brüssel, Kopen­hagen, London und Alge­rien und arbei­tete als Berater des Außen­mi­nis­te­riums. Als promi­nenter rechter Intel­lek­tu­eller hat er an mehreren hundert Vorträgen und Konfe­renzen teil­ge­nommen und für einfluss­reiche Zeitungen wie Le Monde, die New York Times usw. geschrieben. Seine Bücher und Essays wurden in Englisch, Fran­zö­sisch, Spanisch, Deutsch und Englisch veröf­fent­licht. Zu seinen wich­tigsten Werken gehören : Against Demo­cracy and Equa­lity: The Euro­pean New Right (1990), Frag­ments of Meta­po­li­tics (1997), Homo Ameri­canus: The Child of the Post­mo­dern Age (2018), La Croatie: un pays par défaut? (2010). Seine Essays sind unter www.tomsunic.com verfügbar.

MARKO RAIČ: Ihr Buch mit ausge­wählten Essays mit dem Titel „Posmrtni izvještaj“ (Post­mortem Report) ist kürz­lich in kroa­ti­scher Sprache erschienen. Können Sie unseren Lesern ein paar Worte zu diesem Buch sagen?

TOMISLAV SUNIĆ: Das Buch bezieht sich nicht nur auf ein Thema, sondern glie­dert sich in vier Unter­themen. Der erste Teil befasst sich mit Reli­gionen mit einem verglei­chenden Ansatz. Im Mittel­punkt der Analyse stehen vor allem Mono­the­ismus und Poly­the­ismus. Ich muss anmerken, dass alle Essays vor 20–30 Jahren zuerst in Fach­zeit­schriften in den Verei­nigten Staaten auf Englisch veröf­fent­licht wurden. Im zweiten Teil des Buches geht es um Kultur­pes­si­mismus. Hier greife ich Autoren wie Oswald Spengler, Emil Cioran, Ernst Jünger, Arthur Scho­pen­hauer und andere Autoren heraus, die sich mit Kultur­pes­si­mismus beschäf­tigt haben, also Autoren, die nicht geneigt waren, von einer schönen und schönen Zukunft zu spre­chen, sei es nun eine kommu­nis­ti­sche oder eine libe­rale Zukunft . Es gibt auch ein umfang­rei­ches Lite­ra­tur­ver­zeichnis; wenn sich die Leser also nicht für meine Prosa inter­es­sieren, dann lesen Sie zumin­dest einen Teil des Lite­ra­tur­ver­zeich­nisses. Im dritten Teil des Buches beschäf­tige ich mich mit dem Begriff der Rasse, seiner Etymo­logie und dem Thema Rassismus. Ich bespreche einige Autoren, die sich mit diesen Themen beschäf­tigt haben, vor allem deut­sche Autoren, die während der Weimarer Repu­blik geschrieben haben. Der vierte Teil des Buches beschäf­tigt sich mit dem Thema Osteu­ropa mit einem Schwer­punkt auf dem ehema­ligen Jugo­sla­wien. Hier analy­siere ich den Begriff Natio­na­lismus versus Inter­na­tio­na­lismus, das heißt, was wir heute von Souve­rä­nität versus Globa­lismus nennen würden. Meiner Meinung nach ist das Buch sehr dyna­misch und behan­delt Themen, die auch heute noch aktuell sind.

Ein beson­derer Abschnitt in meinem Buch behan­delt die Auflö­sung Jugo­sla­wiens, ein Essay, das vor etwa dreißig Jahren am Vorabend der Auflö­sung Jugo­sla­wiens veröf­fent­licht wurde. Es wurde im Journal of Liber­ta­rian Studies, einer renom­mierten akade­mi­schen Zeit­schrift in USA, mit dem bezeich­nenden Titel: „Woodrow Wilson’s Defeat in Yugo­s­lavia“ veröf­fent­licht. Im Wesent­li­chen spiele ich auf Wilsons roman­ti­sche Ideen über die Selbst­be­stim­mung der Menschen an und wie sie geschei­tert sind, zumal diese Ideen nach dem Ersten Welt­krieg nicht nach Plan verliefen. Ich analy­siere auch die Verfol­gung und Liqui­die­rung der Volks­deut­schen in Slawo­nien, Srijem, Baranja und Bačka, wobei ich viel von Vladimir Geiger und anderen deut­schen Autoren zitiere. Ich denke, diese Geschichte ist ziem­lich gut doku­men­tiert, denn ich habe viele deut­sche Quellen verwendet. Das letzte Thema schließ­lich ist eine verglei­chende Analyse von Ideo­lo­gien. Beson­deres Augen­merk lege ich auf den Kommu­nismus und seinem Zusam­men­bruch sowie der aktu­ellen Dynamik des Libe­ra­lismus. Mit dem ethni­schen Wandel in Europa kommt auch der poli­ti­sche Wandel.

Damit der Staat funk­tio­niert, braucht es einen gesell­schaft­li­chen Mindest­kon­sens über die wich­tigsten Dinge, die alle seine Bewohner betreffen. Glauben Sie, dass der gesell­schaft­liche Konsens in West­eu­ropa durch den demo­gra­fi­schen Wandel bedroht ist? Wenn wir das Wachstum der musli­mi­schen Bevöl­ke­rung berück­sich­tigen, wie machbar ist ein Szenario wie das in Houel­le­becqs „Unter­wer­fung“?

Damit eine Gesell­schaft funk­tio­nieren kann, braucht es natür­lich einen gesell­schaft­li­chen Konsens, der wiederum durch Terror und Repres­sion erreicht werden kann. Staaten können sehr lange auf der Land­karte exis­tieren, wenn die herr­schende Elite Gewalt gegen ihre Unter­tanen anwendet. Ich stehe dem Wort „Konsens“ skep­tisch gegen­über, weil es ein anma­ßendes Etikett aller libe­ralen Staaten ist („Konsens­de­mo­kratie“). Aber er muss auf jeden Fall exis­tieren, sonst würde die Gesell­schaft zusam­men­bre­chen und zerfallen. Was Frank­reich selbst betrifft, das das offen­sicht­lichste Beispiel für diese Pola­ri­sie­rung und den fehlenden Konsens oder den sich abschwä­chenden Konsens ist, müssen wir den Libe­ra­lismus an die erste Stelle setzen, d. h. die wirt­schaft­liche Dynamik, die den Anfor­de­rungen und dem Appetit der Bürger nicht entsprach. 

Wir müssen einen Faktor erwähnen, der in unserem Land nicht genug thema­ti­siert wird, und das ist die ethni­sche Verdrän­gung der Bevöl­ke­rung, die in West­eu­ropa statt­findet. Wir müssen sicher­lich fest­stellen, dass unsere Theo­re­tiker, seien es Poli­tik­wis­sen­schaftler, Sozio­logen oder Philo­so­phen, vergessen, dass heute die gesamte EU – Kroa­tien, Ungarn, Polen und andere mittel­eu­ro­päi­sche Länder, die in Bezug auf die Bevöl­ke­rungs­struktur ein Sonder­fall sind, nicht mitge­rechnet – ein Problem mit vielen „Zuwan­de­rern“ aus außer­eu­ro­päi­schen Ländern hat. Ohne Zweifel, ob es uns gefällt oder nicht, mit ethni­schen Verän­de­rungen und mit der Ankunft einer nicht indi­genen Bevöl­ke­rung gibt es Verän­de­rungen im poli­ti­schen Bereich. Dies ist der Kern des heutigen Problems in Frank­reich, Schweden, Deutschland…

Die Zahlen vari­ieren. Frank­reich, das etwa 70 Millionen Einwohner hat, hat 10–15% nicht­eu­ro­päi­sche Bevöl­ke­rung. Sie stammen nicht nur nicht aus einer nicht­eu­ro­päi­schen Kultur­kreis, sondern gehören auch einer anderen Reli­gion an. Es sind über­wie­gend Muslime aus Teilen Afrikas, die einst Kolo­nien der Dritten Fran­zö­si­schen Repu­blik waren. Dieser Wandel spie­gelt sich in allen Lebens­formen wider. Sei es eine Frage der Sprache, der Haupt­kultur… Wie soll heute ein Fran­zö­sisch­pro­fessor an einem Gymna­sium oder College die Geschichte Afrikas, Alge­riens, Marokkos oder Tune­siens zu einem Zeit­punkt lehren, wo Frank­reich die Führung über­nahm? Es ist sicher­lich sehr schwer für ihn, denn in seiner Klasse oder seinem Seminar sitzen 20–30% einge­bür­gerter Fran­zosen, die nicht fran­zö­si­scher Abstam­mung sind, also keine auto­chthonen Fran­zosen sind. Ich erin­nere mich, dass ich ähnliche Probleme in Methodik und Heran­ge­hens­weise hatte, als ich in den 1980er Jahren in Kali­for­nien unter­rich­tete, wo zu dieser Zeit bereits etwa 50% der Ameri­kaner nicht­eu­ro­päi­scher Abstam­mung waren.

Ich muss auch das Paradox hervor­heben, dass Osteu­ropa euro­päi­scher blieb als West­eu­ropa selbst, weil es während des Kalten Krieges keinen Zustrom von Einwan­de­rern wie im reichen Westen gab. Osteu­ropa hinkte sehr, sehr stark hinterher. Es hinkt immer noch hinterher, auch Kroa­tien. Wir können dies aber auch unter­strei­chen: Wenn wir das ethni­sche Profil betrachten, ist es euro­päi­scher, weil es seine Homo­ge­nität und letzt­lich einen ethni­schen Konsens bewahrt hat, der in den Ländern West­eu­ropas nachlässt.

„Wir müssen den Islam als Reli­gion von isla­mis­ti­scher Politik unterscheiden“

Frank­reich hat kürz­lich Geset­zes­än­de­rungen einge­leitet, die versu­chen, radi­kalen Isla­mismus, Poly­gamie, Zwangs­hei­raten usw. zu unter­drü­cken. Die musli­mi­sche Gemein­schaft ist besorgt, weil sie glaubt, dass jeder Muslim mit der Zeit verdächtig sein wird, während die Linke behauptet, dass dies die Reli­gi­ons­frei­heit verletzen und die Isla­mo­phobie verstärken wird. Wie nach­haltig ist dieser Kampf des tradi­tio­nell säku­laren Frank­reichs gegen den radi­kalen Islamismus? 

Frank­reich ist ein äußerst säku­lares Land. Es war der Staat, der als erster Gesetze erließ, um die Reli­gion voll­ständig vom öffent­li­chen Leben zu trennen. Es ist eine Praxis, die sich später auf alle west­li­chen Länder ausbrei­tete. Zwei Dinge muss ich auf jeden Fall unter­strei­chen. Erstens müssen wir im Hinblick auf das Anwachsen des Isla­mismus, der eine etwas abwer­tende Bedeu­tung hat, den Islam als Reli­gion von der isla­mis­ti­schen Politik unter­scheiden. Was wir jetzt in Frank­reich, Europa und den USA im Kontext dieser terro­ris­ti­schen Auftritte bestimmter Gruppen sehen, ist nicht als reli­giöses, sondern als poli­ti­sches Phänomen zu sehen. Ich möchte mich nicht als großer Befür­worter oder Vertei­diger des Islam erweisen, aber hier muss ich mich in gewisser Weise von meinen fran­zö­si­schen, deut­schen und vor allem ameri­ka­ni­schen Kollegen distan­zieren, die von Isla­mo­phobie, prak­tisch einer Art Panik gegen Muslime, erfüllt sind.

Vergessen wir nicht, wenn wir den Islam kriti­sieren, dass in Südost­eu­ropa, auf dem Balkan, zig Millionen indi­gene Muslime leben. Ein Bosniake, ein Muslim aus Bihac oder Travnik, hat mit einem Muslim aus Bangla­desch sehr wenig, fast nichts gemeinsam. Schließ­lich ist auch die Türkei, die ein musli­mi­sches Land ist und in der der isla­mi­sche Klerus eine wich­tige Rolle in der Regie­rung spielt, aus meiner Sicht ein sehr säku­larer, in manchen Fällen viel­leicht zu säku­larer Staat.

Wenn wir den Islam kriti­sieren, dürfen wir nicht vergessen, dass im jugo­sla­wi­schen Europa, auf dem Balkan, zig Millionen Muslime als auto­chthone Bevöl­ke­rung leben. Ein Bosniake, ein Muslim aus Bihać oder Travnik, hat mit einem Muslim aus Bangla­desch sehr wenig, so gut wie nichts, gemeinsam. Schließ­lich ist auch die Türkei, die ein musli­mi­sches Land ist und in der die isla­mi­sche Heilig­keit eine wich­tige Rolle in der Regie­rung spielt, ein sehr säku­lares, viel­leicht in einigen Fällen meiner Meinung nach zu säku­lares Land.

Wie ich eingangs sagte, müssen wir den Unter­schied zwischen dem poli­ti­schen Islam, seinen Bestre­bungen und den Bestre­bungen dieser Terror­gruppen einer­seits und dem Islam als Reli­gion ande­rer­seits hervor­heben. Auch wenn wir tiefer in das Thema Terro­rismus einsteigen, müssen wir immer auf die Ursa­chen eingehen.

Ich möchte darauf nicht näher eingehen, aber wir müssen den Kontext der Akti­vi­täten extre­mis­ti­scher Gruppen berück­sich­tigen, die in Europa großen Schaden ange­richtet haben. Wir müssen uns die Rolle Frank­reichs und Amerikas in den letzten ca. zwanzig Jahren ansehen. Eine rheto­ri­sche Frage: Wer war daran inter­es­siert, den gesamten Nahen Osten zu verän­dern? Wir müssen die Rolle Amerikas kritisch betrachten, wie die Inva­sion des Irak und den Sturz von Saddam Hussein unter dem Vorwand, nach Massen­ver­nich­tungs­waffen zu suchen, die nie gefunden wurden.

Damit es keine Miss­ver­ständ­nisse gibt: Meine Vorfahren haben unter dem Kreuz gegen die Türken gekämpft, unsere Vorfahren so wie Ihre. Sicher­lich kamen die Türken im 17. Jahr­hun­dert nicht zu den Kroaten, um das Wort Gottes oder die Menschen­rechte zu fördern, sondern folgten reiner Macht­po­litik. Wir müssen jedoch auch sagen, dass eine große Anzahl von Muslimen zu Kroa­tien neigte. Noch im 20. Jahr­hun­dert hatte Ante Pavelić Minister in seiner Regie­rung, die isla­mi­schen Glau­bens waren.

Was den Islam als gewalt­tä­tige Reli­gion angeht, lehne ich ihn ab, oder lehne ihn in dem Maße ab, wie man es vom Judentum sagen kann, wenn man liest, was Jahwe Mose geboten hat, wie sie nach Kanaan kommen und die einhei­mi­sche Bevöl­ke­rung ausrotten müssen. Dieselbe Kritik können wir auf den gesamten Mono­the­ismus, auf das Judentum und auf das Chris­tentum ausdehnen, das auch nicht allen in guter Erin­ne­rung geblieben ist. Erwähnen wir nur den Drei­ßig­jäh­rigen Krieg, der unter Christen geführt wurde und Europa buch­stäb­lich zerstörte. Wir müssen bei der Bewer­tung solcher Dinge immer äußerst vorsichtig sein.

Mono­the­is­ti­scher Glaube an sich impli­ziert eine Welt und eine Wahrheit.Ohne Cicero, Seneca und andere heid­ni­sche Denker loben zu wollen, aber die alten Grie­chen und Römer haben sich blutige Schlachten gelie­fert, aber sie haben nie den Glauben und die Reli­gionen anderer Menschen verän­dert. Die römi­sche Unter­drü­ckung gegen Juden und Christen war poli­ti­scher, nicht reli­giöser Natur.

Obamas dritte Amtszeit

Donald Trump hat mit seiner Präsi­dent­schaft tiefe Spuren in der US-Politik hinter­lassen, die ameri­ka­ni­sche Gesell­schaft in ihren Grund­festen erschüt­tert und für große Pola­ri­sie­rung gesorgt. Wie würden Sie seine Amts­zeit und die von ihm initi­ierten Trends bewerten? Wird sein poli­ti­sches Erbe und sein Charisma in den USA noch ein Problem für die Demo­kraten und den soge­nannten Deep State, oder ist diese Geschichte abgeschlossen?

Bei jeder Analyse müssen wir den Unter­schied zwischen Ursache und Wirkung kennen. Die Ursa­chen des „Trumpismus“ sind enorme demo­gra­fi­sche und ethni­sche Verän­de­rungen in Amerika. Laut Statis­tiken der US-Regie­rung hatten die USA in den 1980er Jahren eine Bevöl­ke­rung von etwa 250 Millionen, von denen 85 % euro­päi­scher Abstam­mung waren. Was auch immer sie waren, sie hatten eine gemein­same Wurzel, wir können sagen euro­päi­sche und christ­liche Wurzeln. Das ist heute nicht der Fall. Schaut man sich heute die Statis­tiken an, sind nur 62 % der Ameri­kaner euro­päi­scher Abstam­mung. Wie immer – und es ist nicht so, als ob ich Amerika neu entde­cken möchte – kommt es bei jedem ethni­schen Wandel unwei­ger­lich zu einem poli­ti­schen Wandel. Es ist kein Zufall, dass schon vor Trump der Begriff „Balka­ni­sie­rung Amerikas“ verwendet wurde. Basie­rend auf den ethni­schen, reli­giösen und kultu­rellen Verän­de­rungen, die in den letzten 30 Jahren statt­ge­funden haben, können wir ergründen und verstehen, warum Donald Trump dieses Mandat erhalten hat. Die meisten Unter­stützer hat Trump im „deep white America“, den zentral­ame­ri­ka­ni­schen Staaten, anders als an der Ost- und West­küste und dem urbanen Amerika, wo das Profil der Menschen völlig anders ist und die für Biden, also gegen Trump, gestimmt haben.

Inwie­weit diese Wahl gefälscht sein mag, kann ich nicht behaupten, da ich keine Daten habe. Von dem Moment an, als Trump an die Macht kam, wurde jedoch ein aggres­siver Prozess seines Sturzes einge­leitet, der während seiner gesamten Amts­zeit andau­erte. Gleich­zeitig hat Trump die Löhne und die Lebens­qua­lität einer großen Zahl von Afro­ame­ri­ka­nern und Hispa­nics erhöht, auf deren Stimmen die Demo­kraten norma­ler­weise zählen. Letzt­end­lich hatten wir zum ersten Mal seit 50 Jahren einen ameri­ka­ni­schen Präsi­denten, der keinen einzigen Krieg außer­halb Amerikas begann, obwohl er unter enormem Druck aus bestimmten Kreisen stand. 

Was denken Sie also, was wir in Bidens Amts­zeit erwarten können? Was sind Ihre Prognosen?

Was wir jetzt mit Herrn Biden haben, ist nicht neu. Dies ist im Wesent­li­chen die dritte Amts­zeit von Barack Obama, weil buch­stäb­lich die glei­chen Leute, die in der Obama-Regie­rung waren, jetzt bei Biden arbeiten. Ob es die neue Norma­lität oder die alte Norma­lität ist, weiß ich nicht.

Ich bin mit Joe Biden nicht zufrieden. Lassen wir nun die Politik beiseite, betrachten wir die Sache rein vom physio­lo­gi­schen Stand­punkt aus: Der Mann hat sicher­lich einige eigene Quali­täten, aber er verhält sich etwas senil und zusam­men­hangslos. Ich fürchte, er wird etwas Dummes tun und unter den Einfluss vieler Berater geraten, da er, wie wir sagen würden, „späte Beru­fung“ ist. Ange­sichts dessen, was wir in seinen Auftritten während des Wahl­kampfs gesehen haben, verwech­selt er manchmal Worte usw., wenn er schlecht reagiert. Letzt­end­lich machen sich die Jahre bemerkbar. Ich bin ein Skep­tiker, und mache mir große Sorgen um sein Mandat, weil ich denke, dass er dem Druck verschie­dener Kreise ausge­setzt sein wird, die sich in erster Linie um ihre eigenen Inter­essen und nicht um die Inter­essen und das Wohl Amerikas kümmern werden .

Die Medien erzwingen natio­nalen Masochismus

Kürz­lich wurde im kroa­ti­schen öffent­li­chen Raum der Ausdruck „weißer hete­ro­se­xu­eller Mann in Macht­po­si­tion“ verwendet. Können Sie uns erklären, was das für eine Meta­sprache ist, was dieser Satz eigent­lich bedeutet?

Ja, wir spre­chen über die lexi­ka­li­schen und recht­li­chen Konse­quenzen von Poli­tical Correct­ness. Wir müssen unseren Medien und Wissen­schaft­lern kritisch gegen­über­stehen, die diese Ameri­ka­nismen zu oft verwenden und sie dann ins Kroa­ti­sche über­setzen. Der Begriff ist ziem­lich abwer­tend und wird in der ameri­ka­ni­schen Sprache oft verwendet, als ob ein Mann nicht hete­ro­se­xuell und weiß sein dürfte. Es ist eine Art natio­naler Maso­chismus, der heute durch die Medien aufge­zwungen wird. Es gibt eine beson­dere Liebe zu Afro­ame­ri­ka­nern, wobei die Weißen dazu gebracht werden sollen, ihre Schuld am Kolo­nia­lismus, an der Usta­scha, am Faschismus usw. zu bereuen. Ich sehe das oft in unseren Medien, viel­leicht häufiger in der Phrase „Hass­rede“, die wiederum ein Ameri­ka­nismus (hate speach) ist, der in die Rechts­do­ku­mente gelangt ist. Wir Kroaten waren schon immer schlechte Nach­ahmer des Westens und seiner Trends. Starčević bemerkte diese Mimikry gut bei Kroaten, die Ungarn oder Öster­rei­cher schlecht nachahmten.

Ich muss die Kritik jetzt etwas erwei­tern. Wir haben unsere natio­nale Iden­tität auf der Grund­lage einer serbi­schen oder einer anderen Aggres­sion aufge­baut, also hat das serbi­sche Regime, wenn Sie wollen, einen Aufstand geschaffen. Milošević und seine Memo­ran­disten haben dieses „Bewusst­sein“ auch in unserem Land geschaffen, was mich sehr beun­ru­higt. Dies ist nicht unsere wahre Iden­tität, weil wir in Bezug auf die Iden­tität nicht von anderen abhängig sein dürfen. Wir müssen uns unserer Iden­tität bewusst sein, unserer Baška-Tafel, Prinz Branimir, König Tomislav, Glagolit, unsere alte Lite­ratur, Judith, Marulić usw. Darin liegt unsere Iden­tität, nicht in schlechter Nach­ah­mung, in irgend­einem Balkan-Englisch oder wenn wir versu­chen, päpst­li­cher zu sein als der Papst. Dann lachen uns Fremde aus. Ich würde auch den Fußball erwähnen, denn wenn unser Kroa­tien auf der Fußball­re­li­gion basiert, dann haben wir es nicht verdient, Kroaten genannt zu werden. Wir haben eine sehr hohe natio­nale Kultur, auf die wir uns verlassen können. Wir brau­chen eine proak­tive, keine reak­tive Identität.

„Bosnien und Herze­go­wina ist eine klei­nere Kopie des ehema­ligen Jugoslawiens“

Bosnien und Herze­go­wina ist ein Beispiel für einen tief gespal­tenen Staat, in dem es keinen Mindest­kon­sens für sein Über­leben gibt und der nur von der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft zusam­men­ge­halten wird. Drei verschie­dene Völker, die verschie­denen reli­giösen und kultu­rellen Kreisen ange­hören, landeten nach dem blutigen Krieg in demselben staat­li­chen Rahmen, der keinem von ihnen passt. Was ist Ihrer Meinung nach die Zukunft von Bosnien und Herze­go­wina, dh der Zukunft der dort lebenden Kroaten?

Über den „Bosni­schen Topf“ könnte man stun­den­lang reden. Zual­ler­erst begrüße ich die Schritte von Herrn Janez Janša und dem „Non-Paper“, das wir kürz­lich sehen konnten, denn wenn er wirk­lich aus der slowe­ni­schen Diplo­matie stammt, drückt es eine reale Situa­tion aus. Das eine ist der Wunsch der Theo­re­tiker an der poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen Fakultät, wie Bosnien und Herze­go­wina aussehen sollte: ganz­heit­lich, multi­kul­tu­rell usw. Aber die Realität sieht so aus: Bosnien und Herze­go­wina ist eine klei­nere Kopie des ehema­ligen Jugo­sla­wiens. Ein Befür­worter des Zerfalls Jugo­sla­wiens und ein Verfechter eines unab­hän­gigen Kroa­tiens zu sein, und gleich­zeitig ein Verfechter des Über­le­bens eines multi­kul­tu­rellen Bosnien und Herze­go­wina zu sein, ist eine Form der Selbst­täu­schung, d.h ein Wider­spruch in sich. Dies kann kein ernst­hafter Ansatz sein. 

Bosnien und Herze­go­wina kann nur so lange auf der Land­karte über­leben, wie auslän­di­sche Faktoren, oder nennen wir sie beim rich­tigen Namen, nur solange die Prokon­suln der Euro­päi­schen Union und der Verei­nigten Staaten dort das Sagen haben. Sobald sie morgen oder über­morgen sich zurück­ziehen, wird Bosnien und Herze­go­wina zu einem neuen Konflikt­herd in Europa und auf dem Balkan. Serben in Bosnien und Herze­go­wina haben eine bessere Posi­tion, denn selbst im Ausnah­me­zu­stand, z.B. bei verschärften Span­nungen zwischen den USA und Russ­land können sich bosni­sche Serben mit ihrem recht­mä­ßigen und legalen Mutter­land im benach­barten Serbien verbinden und auf mögliche russi­sche Hilfe zählen. In diesem Fall werden Bosniaken ange­sichts ihrer schwa­chen bosnia­ki­schen Iden­tität die neo-osma­ni­schen Begehr­lich­keiten der Türkei wecken, also einem Land und einer Regio­nal­macht, die sich ihrer jahr­hun­der­te­alten Rolle auf dem Balkan bewusst ist und heute eine sehr wich­tige mili­tä­ri­sche Rolle im östli­chen Mittel­meer­raum spielt 

Was die Kroaten in Bosnien und Herze­go­wina angeht, sagen uns ihre nied­rige Gebur­ten­rate und ihre stän­dige Auswan­de­rung alles. Kroaten in Bosnien und Herze­go­wina können so viel über ihre histo­ri­schen Rechte oder ihre Kultur spre­chen, wie sie wollen, aber ange­sichts des Rück­gangs der kroa­ti­schen Bevöl­ke­rung in Bosnien und Herze­go­wina ist es unwahr­schein­lich, dass diese roman­ti­schen Geschichten in naher Zukunft eine Rolle zugunsten der Kroaten spielen werden. Letzt­lich entscheidet die Gebur­ten­rate eines jeden Landes über seine inter­na­tio­nale Posi­tion – und sein lang­fris­tiges Überleben.

Quelle: Vokativ.hr


3 Kommentare

  1. Der Osten ist euro­päi­scher als der Westen.
    Das stimmt, unser Geld fließt zumeist in den Osten.
    Also alles wie immer.

  2. „Kroa­tien und Osteu­ropa sind heute „euro­päi­scher“ als West­eu­ropa.“ So ist es. Danke!

    Wenn der „Obummer“ wieder „gewählt“ wird, kommt in England viel­leicht auch wieder der Kriegs­ver­bre­cher Blair an die Macht. Aber inzwi­schen sind wir alle sowieso durch Impfungen erledigt.

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