Die Intellektuellen verlieren zunehmend das Vertrauen zu Orbán

Viktor Orbán im Kreis von Intellektuelen (Foto: alfahir.hu)

Die Unzufriedenheit der Gruppe regierungs­fre­undlicher Intellektueller gegenüber Orbán wächst und wächst. Der in der ersten Orbán-Regierungsperiode propagierte „Bürgerliche Wertemaßstab” ist mit­tler­weile nur mehr eine poli­tis­che Phrase ohne Inhalt.

Viele der nationalen Intellektuellen irren sich in Bezug auf das Schlagwort „Bürgerliches Ungarn“, denn es ist ein poli­tis­cher Begriff aber keine poli­tis­che Realität. Dieser Kreis ist auch heute noch der Ansicht, dass Ungarn zwis­chen 1998 und 2002 ein „Bürgerliches Ungarn“ war, dies ist aber ein riesiger Irrglaube, stellt Gábor G.Fodor von der Wochenzeitung „Magyar Narancs” im Februar 2015 klar. Gábor G.Fodor wurde 2015 als strate­gis­cher Direktor der Stiftung „Századvég” in Ungarn bekannt und ist heute Chefredakteur des Webportals „888.hu”, und hier zeigt sich der Stil und die Geisteshaltung, die frühere Äußerungen Fodors wohl bestäti­gen sollen. Vom Leitbild „Bürgerliches Ungarn“ blieb nur anmaßende Arroganz und Propaganda im Stil eines Politkommissares übrig.

Doch nun kri­tisiert der Kreis der regierungsna­hen Intellektuellen nicht nur die poli­tis­che Rhetorik, son­dern auch die Regierung selbst scharf. Der Batthyány-Kreis, 1995 von bürg­er­lich gesin­nten Universitätsprofessoren gegrün­det und bish­eriger Fidesz-Unterstützer, erörtert das Jahr 2016 in Ungarn in einem Bericht.

Der Professorenkreis übte Kritik an den führen­den Politikern, der steigen­den Anzahl an Posten in der Regierung, sowie am zunehmenden poli­tis­chen Einfluss einiger Großunternehmen. Die wach­sende Zahl an inten­siven Angriffen auf die Oppositionspresse kom­men­tierten sie wie folgt: „Ein Popularitätsverlust in der Mitte der Regierungsperiode ist wohl nichts Ungewöhnliches, erk­lärt aber nicht, die von rechter Seite spür­bare kri­tis­che Stimmung.“

Weiters kri­tisierten die Sprecher des ehe­ma­lig Orbán-fre­undlichen Intellektuellen-Kreises die Mangelhaftigkeit der Legislative und der Justiz, das Problem von „work­ing poor“ und der Emigration, die schwierige Lage im Gesundheitswesen, die Bildungsproblematik sowie die hohe Anzahl an Korruptionsfällen.

Das von den Professoren zusam­mengestellte Dokument bein­hal­tet gravierende Äußerungen: „Noch in der Zeit des Kommunismus wurde die Hälfte des Budgets für das Gesundheitswesen aufgewen­det, heute machen die Ausgaben nur noch ein Drittel davon aus.”

Bezüglich der Korruption ist fol­gen­des zu lesen:

„Die Machthaber und deren Verwandten und Günstlinge dürften keine Privilegien erhal­ten”, und weiter, „unter den Staatsbürgern sorgt der Zuwachs an Regierungspositionen für großen Unmut. Die starke Zunahme an Einfluss durch einige Großunternehmer zeigt die immer öfter auf­tauchende Arroganz der Macht. Die derzeit­i­gen Machtinhaber locken mit ihrer Politik nicht nur ihre Unterstützer und Vasallen, son­dern auch Glücksritter an und damit diskred­i­tieren sie sich selbst.

Nichts kann die Enttäuschung besser zeigen, als die Tatsache, dass sogar in christlich-patri­o­tis­chen Kreisen das Vertrauen den Machthabern gegenüber erschüt­tert ist.“

Die Mitarbeiter von Alfahir.hu haben ver­sucht von Mitgliedern des Batthyány-Kreises eine Stellungnahme zu erhal­ten, aber namentlich wollte sich nie­mand äußern. Ein Mitglied, das anonym bleiben wollte, sagte laut Alfahír aber Folgendes: „Die Orbán-Regierung ist heute sehr weit von den Werten, die sie damals zur Zeit des bürg­er­lichen Ungarns for­mulierten, ent­fernt. Macht und Geld ist ihnen wichtiger gewor­den, als diese guten alten Werte. Man muss dieser Regierung deut­lich sig­nal­isieren, dass sie sich auf dem falschen Weg befindet!“

Quelle: alfahir.hu/2017/01/19/professzorok_batthyany_kore_fidesz_kormany_orban_viktor

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