Süd-Tiroler Freiheit verleiht Bürgermeister von Bozen „Goldenen Benito“ – der zerschlägt ihn

Foto: Screenshot, Süd-Tiroler Freiheit, Freies Bündnis für Tirol / YouTube

Renzo Caramaschi, ein Politiker der Partito Democratico (PD), ist Bürgermeister der (Süd-)Tiroler Stadt Bozen, der kür­zlich mit einem beson­deren Preis geehrt wurde. Er erhielt ob seiner zweifel­haften Verdienste „für seine Beihilfe zur Förderung einer pos­i­tiven faschis­tis­chen Erinnerungskultur in Südtirol und Italien“ den „Goldenen Benito“, der an Italiens faschis­tis­chen Diktator Benito Mussolini erin­nert.

Duce-Skulptur als Negativpreis

Als Vertreter der Bozener Ortsgruppe der Süd-Tiroler Freiheit über­re­ichten der ehe­ma­lige Bozner Vizebürgermeister Oswald Ellecosta sowie die ehe­ma­lige Landtagsabgeordnete Eva Klotz und Cristian Kollmann dem Bürgermeister Caramaschi die etwa 50 Zentimeter hohe, gold­far­bene Duce-Skulptur, auf deren Podest – in Anspielung auf die durch den Holocaust-Gedenktag ver­an­lasste Internetaktion „I remem­ber“ – ein Schildchen mit dem Satz „remem­ber all fas­cisms!“ aufgek­lebt war – auch die Neue Südtiroler Tageszeitung berichtete aus­führlich darüber.

Auch der Bozener Bürgermeister hatte sich an der Aktion des Holocaust-Gedenkens beteiligt, doch ger­ade in diesem Zusammenhang wirft die Süd-Tiroler Freiheit Caramaschi „Zweigleisigkeit und Unglaubwürdigkeit“ vor.

Bürgermeister miss­braucht Holocaust

Der Bozener Ortssprecher der Süd-Tiroler Freiheit, Cristian Kollmann äußerte sich fol­gen­der­maßen dazu:

Wenn Caramaschi auf der einen Seite des Holocausts gedenkt, doch auf der anderen Seite Denkmäler des Faschismus reak­tiviert, miss­braucht er den Holocaust, um sich hin­ter diesem zu ver­stecken und vom ital­ienis­chen Faschismus, der staat­stra­gend ist und in die Gegenwart here­in­strahlt, abzu­lenken! Es darf nicht der Eindruck entste­hen, dass der Nationalsozialismus nicht aufgear­beitet sei, und aber Italien und beson­ders Bozen in Sachen Faschismus mit sich im Reinen sei – ger­ade so, als ob der Faschismus endgültig der Vergangenheit ange­hören würde!

Förderung pos­i­tiver Kultur der Erinnerung an den Faschismus

Genau das Gegenteil ist der Fall: Indem Caramaschi Duplikate des Markuslöwen und der römis­chen Wölfin auf die Säulen gegenüber dem so genan­nten Siegesdenkmal zurück­hieven will, fördert er eine schein­bar pos­i­tive Kultur der Erinnerung an den Faschismus und will diesen als ‚Faschismus light‘, als ‚Pazifaschismus‘ rel­a­tivieren und zukun­ft­stauglich machen!

SVP-Politiker erhält „Kleinen Feigling“

Da der Vizebürgermeister der Stadt Bozen, Christoph Bauer (SVP), sich bei der Abstimmung über die Wiederanbringung der bei­den faschis­tis­chen Skulpturen der Stimme enthal­ten hatte, wurde er eben­falls mit einer Anerkennung bedacht. Ihm wurde der „Kleine Feigling“ über­re­icht.

Faschismus ist keine Kunst son­dern ein Verbrechen

Gegen diesen Beschluss des Bozener Stadtrates hatte Cristian Kollmann Einspruch erhoben, der allerd­ings vom Stadtrat mit der Begründung eines kun­sthis­torischen Stellenwertes der Skulpturen abgelehnt wor­den ist. Doch Kollmann hält dage­gen, dass Faschismus keine Kunst sei, „son­dern ein Verbrechen und eine Demütigung all jener, die nicht mit­laufen“.

Zusätzlich beauf­tragte Kollmann auch den Rechnungshof zu prüfen, ob die Kosten von 30.000 Euro für diese umstrit­tene Maßnahme vor dem Steuerzahler zu recht­fer­ti­gen sind. Eine Stellungnahme steht noch aus.

Insgesamt findet die Süd-Tiroler Freiheit den Umgang mit dem Faschismus in Bozen höchst besorgnis­er­re­gend. Denn „eine pos­i­tive faschis­tis­che Erinnerungskultur wie in Bozen wäre für Deutschland undenkbar“.

Duce zer­schmettert

Bürgermeister Caramaschi kon­nte der Preisverleihung wenig abgewin­nen und reagierte, wie es eines Bürgermeisters keineswegs würdig ist (siehe Video). In einem Zornanfall zer­schmetterte er den Duce.

Später spielte er noch belei­digte Leberwurst auf einer Pressekonferenz und riet den Preisverleihern der Süd-Tiroler Freiheit, dass sie sich schä­men soll­ten, weil sie eine Unanständigkeit insze­niert haben sollen. Er lasse sich, so meinte Caramaschi, keine Mussolini-Statue über­re­ichen, weil er ange­blich zeitlebens den Faschismus abgelehnt habe, was allerd­ings angesichts der Siegesdenkmal-Provokation nicht son­der­lich glaub­haft klingt.

Weiterlesen: www.unzensuriert.at/content/0023126-Sued-Tiroler-Freiheit-verleiht-Buergermeister-von-Bozen-Goldenen-Benito-der

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