Ukraine-Konflikt: Flücht­lings­strom erreicht Ungarn – Drama­ti­sche Situa­tion der unga­ri­schen Minder­heit UPDATE

Von unserem Ungarn-Korre­spon­denten  Elmar Forster

UPDATE 21h44 FAKE-NEWS: „Abspal­tung der Ukraino-Ungarn“

Russi­sche Medien verbreiten unter Beru­fung auf angeb­lich ukrai­ni­sche Quellen Fake­News: „Die in Trans­kar­pa­tien lebenden Natio­na­li­täten planen, ein Refe­rendum über fir Abspal­tung von der Ukraine“. Dies wies der unga­ri­sche Staats­se­kretär Zoltán Kovács iáuf face­bookn entschieden zurück. (Magyar nemzet)

Bis zu 600.000 Flücht­linge erwartet

Bereits am ersten Tag der russi­schen Inva­sion in die Ukraine hat ein erster Flücht­lings­strom in die Nach­bar­länder, u.a. auch nach Ungarn einge­setzt: An den unga­ri­schen Grenz­über­gängen bilden sich bereits stun­den­lange Staus. Unga­ri­sche Behörden rechnen mit bis zu 600.000 Flücht­lingen aus der Ukraine.

Der unga­ri­sche  Vertei­di­gungs­mi­nister Tibor Benkő erkärte sich am Mitt­woch zur Aufnahme Zehn­tau­sender von Flücht­lingen bereit … Ähnlich äußerten sich auch die Tsche­chi­sche Repu­blik, Polen und die Slowakei.

150.000 ethni­sche Ungarn in der Ukraine

Für Ungarn ist die derzei­tige Kriegs­si­tua­tion doppelt prekär: Leben doch seit dem Diktat-Frie­dens-Vertrag von Trianon (1920) 150.000 ethni­sche Ungarn in der West-Ukraine. Vor allem junge, wehr­fä­hige unga­ri­sche Männer verlassen jetzt flucht­artig das Land. Die unga­risch­spra­chige Zeitung „Kárpá­thír“ sprach von einer Panik: „Viele Menschen sind auf der Flucht, die Straßen über die Grenze sind voll, am Grenz­über­gang Csap-Záhony können die Menschen nicht mehr in die Züge einsteigen. Fami­lien mit kleinen Kindern warten darauf, durch­zu­kommen.“ (karpathir)  Läden, Banken und Tank­stellen seien bereits gestürmt worden, in denen sich die Menschen für die Flucht nach Ungarn mit dem Nötigsten eindeckten… – Außerdem sind die ukrai­ni­schen Mobil­funk­netze und Inter­net­ver­bin­dungen teils zusammen gebrochen.

Buda­pester Gast­vor­füh­rung des ukraino-unga­ri­schen Natio­nal­thea­ters von Beregs­zász (Bere­hovo) abgesagt

Die Gast­vor­stel­lung des unga­ri­schen Natio­nal­theater aus Beregs­zász  / Bere­hovo (Ukraine) „Die Familie Tóth“ (ein absurder Kriegs­roman von István Örkénys) wurde heute Abend im Natio­nal­theater in Buda­pest abge­sagt. Der Grund: Alle Männer der Thea­ter­gruppe haben ihren Einbe­ru­fungs­be­fehl für die ukrai­ni­sche Armee erhalten. – Wie der Direktor des Unga­ri­schen Natio­nal­thea­ters, Attila Vidnyánszy mitteilte. Er stamm selbst aus Beregs­zász, der Stadt, die als kultu­relles Zentrum der unga­ri­schen Minder­heit in der Ukraine gilt. „Was jetzt geschieht, ist eine Kata­strophe“, sagte der Theaterregisseur.

Unga­ri­sches Militär sichert die Grenzen

Vertei­di­gungs­mi­nister Benkő sagte am Dienstag: „Die unga­ri­schen Streit­kräfte haben zwei Aufgaben: Zum einen sollen sie huma­ni­täre Hilfe leisten und zum anderen die unga­ri­schen Grenzen schließen und sicher­stellen, dass keine bewaff­nete Gruppe nach Ungarn eindringen kann.“ (Ungarn­Heute)

Das Schweigen der EU zur Unter­drü­ckung der unga­ri­schen Minderheiten

In keinem anderen Trianon-Nach­fol­ge­staat wird die unga­ri­sche Minder­heit aber derart unter­drückt wie in der Ukraine. Seit 2017 dürfen natio­nale Minder­hei­ten­spra­chen nur noch in der Grund­schule unter­richtet werden. Die einzige Unter­richts- und Offi­zi­al­sprache (seit 2019) ist Ukrai­nisch. Bei Zuwi­der­hand­lung drohen Geld­strafen.

2018 bedrohte sogar eine „Todes­liste“ (der Natio­na­lis­ten­gruppe Mirot­vorec – „Frie­dens­ma­cher“) 300 unga­risch-ukrai­ni­sche Funk­tio­näre, weil sie angeb­lich im Besitze der unga­ri­schen Doppel-Staats­bür­ger­schaft waren. (DieWelt). Eine Internet-Peti­tion (des ukrai­ni­schen Parla­ments) rief zu deren Depor­ta­tion auf. Auch der staat­liche Aufkauf leer­ste­hender unga­ri­scher Wohnungen wurde disku­tiert: Um „dort ukrai­ni­sche Vertrie­bene aus dem russisch besetzten Osten des Landes anzu­sie­deln“ (Die Welt, ebda). Während der Krim-Krise wurden v.a. unga­risch-stäm­mige Soldaten an die Front versetzt.

Doch auch in der Slowakei ließ etwas die Regie­rung Mečiar (1993–98) zwei­spra­chig-unga­ri­sche Orts­ta­feln abschaffen, unga­ri­sche Vornamen wurden im Geburts­re­gister slowa­ki­siert. 1996 war Slowa­kisch selbst bei einem dienst­li­chen Gespräch zwischen zwei Ungarn Pflicht. – Als ich einmal in Bratis­lava mit einem Super­markt-Kassier Unga­risch sprach, wurden wir deswegen von Slowaken rassis­tisch beschumpfen. Der Kassier setzte dann das Gespräch nur mehr auf Slowa­kisch fort… (In Ungarn waren deut­sche- oder slowa­ki­sche Orts­ta­feln hingegen immer eine Selbstverständlichkeit.)

1996 sank durch ein neue Verwal­tungs­glie­de­rung (in Nord-Süd-Rich­tung) der Anteil der unga­ri­schen Minder­heit überall unter 30 %. 2009 wurde (unter dem sozia­lis­ti­schen Regie­rungs­chef Fico) der Gebrauch der unga­ri­schen Sprache in offi­zi­ellen Einrich­tungen außer­halb der „Ungarn-Gebiete“ (Mindest­an­teil 20%) unter Strafe gestellt (100 – 5000 Euro).

Schließ­lich wurde sogar dem dama­ligen unga­ri­schen Staats­prä­si­denten Sólyom die Einreise verwei­gert: Er wollte (am 21. August 2009, dem slowa­ki­schen Feiertag zur „Nieder­schla­gung des Prager Früh­lings“) als Privat­mann an der Einwei­hung einer Statue des unga­ri­schen Königs Stephan (in der – durch Trianon – geteilten Stadt Komarom / Komarno) teil­nehmen. – Der dama­lige EU-Parla­ments­prä­si­dent Buzek „wollte sich nicht in den Konflikt einmi­schen“ (Deut­sche Welle)

Schlimm ist die Situa­tion auch in Rumä­nien: In der geogra­fi­schen Mitte Rumä­niens leben 700.00 Ungarn-Szekler. Selbst Ceau­sescu konnte deren Frei­heits­willen nicht brechen… – 2013 wollte die rumä­ni­sche Regie­rung die histo­ri­schen Ungarn-Szekler-Bezirke auflösen. Aus Protest dagegen forderten 100.000 Szekler mit einer 53 Kilo­meter langen Menschen­kette terri­to­riale Autonomie.

1990 gab es (kurz nach der 89er-Wende) pogrom-artige Ausschrei­tungen in der Stadt Targu Mures / Maros­vá­sá­r­hely, „offenbar provo­ziert durch Stasi-Akteure.“ (Die Welt) Danach verließen 15.000 Ungarn die Region (ein Rück­gang von 10%) und wurden die verblie­benen zu einer Minder­heit (1992: 51,6 % — bis 2002: 49,0 %) – Trotz Verbes­se­rungen seither (unga­risch-spra­chige Bildungs­ein­rich­tungen) sind aber 90 % der Exeku­tiv­or­gane weiterhin mit Rumänen besetzt (bei mehr als 70 % unga­ri­scher Bevöl­ke­rung). (Die Welt – ebda)

Und trotzdem: Wer für diese Minder­hei­ten­rechte eintritt, wird als heil­loser Natio­na­list diskre­di­tiert: „Orbán spielt mit diesem histo­ri­schen Schlüs­sel­er­eignis. Auf seine Initia­tive hin erklärte das Parla­ment bereits 2010 den 4. Juni zum ’Tag des natio­nalen Zusam­men­halts.“ (Spiegel, ebda)

Unser Ungarn-Korre­spon­dent Elmar Forster, seit 1992 Auslands­ös­ter­rei­cher in Ungarn, hat ein Buch geschrieben, welches Ungarn gegen die west­liche Verleum­dungs­kamp­gane vertei­digt. Der amazon-Best­seller  ist für UM-Leser zum Preis von 17,80.- (inklu­sive Post­zu­stel­lung und persön­li­cher Widmung) beim Autor bestellbar unter <ungarn_​buch@​yahoo.​com>

 

 


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9 Kommentare

  1. Wenn man die Tatsa­chen weiß, daß ab der 4. Klasse dürfen die Magyaren in der Ukraine nicht unga­risch lernen, spre­chen, Dörfer­namen entfernt und sons­tige frei­heit­liche Bedürf­nisse der Minder­heiten werden ukrai­ni­siert, gilt auch für Rumänen und Russen, dann hat Putin recht.
    Wenn der Westen auf die nato­er­wei­te­rung nicht dort verzichtet, sind sie schuldig für jeden Toten, dafür müssen sie vor den Haag.

  2. Hat die Ukraine nicht mal voll­ständig zu ‚Russ­land‘, also dem Russi­schen Kaiser­reich und der Sowjet­union gehört? Putin hat jetzt einen großen Schritt gemacht, viel­leicht sollten sich alle euro­päi­schen Länder zusam­men­setzen und das Greuel der künst­li­chen Aufsplit­te­rung durch die Verträge nach dem 1. Welt­krieg (Versailles etc.) revi­dieren. Die Vorge­schichte zu den Verträgen beschreibt Benjamin Freedman: www.agmiw.org/wp-content/uploads/2015/06/Die_verbotene_Wahrheit_Band_I_FREEDMAN.pdf

  3. Ist Alles histo­ri­sche Realität. Wie auch die über Hunderte Jahre brüder­liche und aufs engste Verbun­den­heit in ALLEN BEREICHEN der Deutschen,bes.Preußen mit dem Russi­schen Reich. Nicht nur das russi­sche Dorf in Potsdam,Bernstein-Zimmer,Völkerschlacht bei Leipzig.…Wesentlich mehr.… !!! Heute zu 100 % aus der Geschichte Ausradiert.

  4. putin und orban sind eine seele…

    diese ukrain_garns werden im gegen­satz zu den klitschko ukrai­nern bald in ihre heimat zurück­kehren und mit dem silkroad projekt die schwarzen erden der ukraine zum blühen bringen.

    chinas…mit all den asean states, alle kasa­chi­schen staaten inkl. iran und mutter russ­land werden die gegend für alle inves­toren sehr reiz­voll machen.

    jetzt werden die amis noch ein paar jahre die eu vasallen ausbluten bis nichts mehr zu holen ist bevor sie sich samt den windors von unserem konti­nent verziehen.

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    • Ich sag’s ja: deren wahres Ziel ist „Doit­sch­land must perish“ und R.ssland am besten noch dazu, aber vor allem ist die Vernich­tung Doit­sche­lands das Ziel – m. E..

      Es ist in Wahr­heit alttes­ta­men­ta­ri­sche Rache – m. E..

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  5. Alle sollen sich in Berlin melden!
    Da gibt es einen großen Kanzler Bungalow und eine große Menge an Poli­ti­kern , die gerne Menschen aus fernen Ländern aufnehmen wollen!

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  6. Das wird für die Bunt­land­bot­schaften in den Nach­bar­län­dern ganz schön stressig.
    So viele Visume ausstellen.
    Selbst­ver­ständ­lich auch gerne bei „verlo­renen“ Ausweis.

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