Trumps Team und das europäische Anti-Trump-Team

Dr. Andreas Unterberger

Von Andreas Unterberger *)

Hass bleibt Hass, selbst wenn er noch so selb­stzer­störerisch ist. Das zeigt die Art der Berichterstattung vieler Medien über Donald Trump auch nach seiner Wahl. Und das zeigt ins­beson­dere der Vergleich zwis­chen den Berichten über Trump und jenen über ein Treffen von sechs seiner Opponenten (oder Partner?) in Europa.

Schon wenige Tage nach der Wahl waren die Berichte der medi­alen Hasskompanie von dem Tenor geprägt: Da sieht man es, er bringt nicht ein­mal eine Regierungs- und Führungsmannschaft zusam­men. Niemand will mit diesem Typ als Präsident zusam­me­nar­beiten. Chaos pur.

In Wahrheit hat es eher einen Andrang der Interessenten für Schlüsselfunktionen beziehungsweise der von diversen Seiten gekomme­nen Empfehlungen gegeben. Und es spricht eher für Trump, dass er sich nicht unter Druck set­zen hat lassen, son­dern einein­halb Wochen lang aus­ge­sucht hat. Dass er in dieser Zeit wahrschein­lich – hof­fentlich – mit den diversen Kandidaten auch über inhaltliche Eckpunkte gesprochen hat. Und dass ihm bewusst sein dürfte, dass er und sein Team wahrschein­lich nie so viel umset­zen wer­den kön­nen wie in den allerersten Monaten nach der Wahl, wo auch der Kongress – abge­se­hen von Filibuster-Blockaden der Demokraten – noch rel­a­tiv gefügig sein wird. Was ja auch bei Parteifreunden in Amerika keineswegs dauer­haft garantiert ist.

Die Aufregung mancher Medien über Trumps erste einein­halb Wochen erin­nert mich daran, wie mir vor etlichen Jahren ein öster­re­ichis­cher Wirtschaftsmann über den Anruf seines Parteiobmanns um neun Uhr mor­gen berichtet hat: „Was hast du um zwölf vor?“ – „Warum?“ – „Die neue Regierung wird angelobt und wir brauchen noch einen Staatssekretär.“

In Österreich scheint es bei wichti­gen poli­tis­chen Besetzungen nicht nur in diesem Fall keine Spur jenes Qualitätsanspruchs zu geben, den nor­maler­weise ein Eigentümer oder Aufsichtsrat selbst bei Bestellung eines bloßen GmbH-Geschäftsführers demon­stri­ert. Der Boom an Headhunter-Firmen zeigt, dass in der Wirtschaft selbst für Positionen in der zweiten und drit­ten Reihe ein wochen­langer pro­fes­sioneller Such- und Bewertungsprozess in Gang gesetzt wird. Die Unternehmen wis­sen, dass die Bestellung von Schlüsselfunktionen über­haupt die wichtig­sten Entscheidungen eines Unternehmers sind.

In Amerika kommt man diesem pro­fes­sionellen Vorbild jeden­falls viel näher als in Österreich: Jetzt liegt in Amerika eine Reihe von Namen vor, die offen­sichtlich fix als Schlüsselspieler in einer Trump-Regierung sind. Und umge­hend folgt wie das Amen im Gebet die Reaktion vieler Medien: Jedem der Neuen wird sofort eine pejo­ra­tive Beschreibung ange­hängt, wie „erzkon­ser­v­a­tiv“, „recht­skon­ser­v­a­tiv“, „Anhänger der Tea Party“, „Hardliner“, „unser­iös“, „umstrit­ten“ oder gar „recht­sex­trem“.

Gewiss: Ich bin kein Insider der amerikanis­chen Szene und habe etliche der neuen Namen noch nie gehört (so wie bei allen Vorgänger-Regierungen). Aber eines ist mir klar: Die sofor­tige Beschimpfung der neuen Mannschaft durch Mainstream-Medien spricht eher gegen diese Medien als gegen die Neuen. Sie wird eher das Vertrauen in die Medien noch weiter reduzieren als das in Trump.

[…]

Die kri­tis­che Darstellung aller Trump-Aspekte macht den Verzicht der Medien auf kri­tis­che Distanz zum gle­ichzeit­i­gen Treffen von sechs anderen Staats- und Regierungschefs in Berlin umso auf­fäl­liger. Dieses Treffen wirkte wie eine Selbsthilfe-Gruppe ein­stiger Trump-Kritiker, die jetzt nicht mehr wis­sen, wie sie sich weiter ver­hal­ten sollen. Die aber den­noch ver­suchen, Trump Wegweisungen zu geben. Dabei ist das eigentlich ein Lemurentreffen beängsti­gen­der Art gewe­sen.

Denn teilgenom­men haben:

  • Barack Obama, der zwar keineswegs der Versager war, als den ihn die Trump-Propaganda lange hingestellt hat, der aber heute jeden­falls irrel­e­vant gewor­den ist, weil er in weni­gen Wochen abtritt (und der wohl nur noch teuer bezahlte Vorträge hal­ten wird);
  • Angela Merkel, die ihre Partei in den steil­sten Absturz der gesamten CDU-Geschichte geführt hat;
  • Francois Hollande, der unpop­ulärste Präsident der franzö­sis­chen Geschichte, der nur geringe Chancen hat, von der eige­nen Partei über­haupt als Kandidat wieder­aufgestellt zu wer­den;
  • Mariano Rajoy, der ohne Parlamentsmehrheit nur deshalb weiter regieren darf, weil die meis­ten spanis­chen Parteien neuer­liche Wahlen fürchten;
  • Theresa May, die noch immer keine Rezept hat, wie sie ihr Großbritannien nach dem Brexit-Votum zwis­chen Europa, Amerika und einer alt­neuen „Splendid iso­la­tion“ platzieren soll (sie ist aber wenig­stens die einzige, die so klug war, Trump nicht öffentlich zu attack­ieren); und
  • Matteo Renzi, der in zwei Wochen vor einer krachen­den Niederlage bei einem Referendum ste­hen dürfte, die zumin­d­est nach seinen eige­nen Ankündigungen seinen eige­nen Rücktritt zur Folge haben müsste.

Bei diesem Treffen haben offen­sichtlich die Lahmen ver­sucht, die Blinden zu stützen, die ihnen den Weg weisen sollen. Eine demon­stra­tive Zusammenkunft eines solchen Möchtegern-Anti-Trump-Bündnisses kann im Grund nur Amüsement aus­lösen, obwohl seine Qualität und Vorgeschichte eigentlich für jeden Europäer trau­rig sein sollte. Denn die Devise „Geschieht meinem Vater schon recht, wenn ich mir die Finger erfriere; warum kauft er mir keine Handschuhe!“ ist keine sehr schlaue.

Aber jeden­falls würde es Medien, die wieder ern­ster genom­men wer­den wollen, gut anste­hen, diese Ansammlung von Leichtgewichten zumin­d­est mit dem gle­ichen Ausmaß an Kritik zu beleuchten, wie sie kübel­weise und ständig dem ganzen Trump-Team zuteil wird.

Weiterlesen: www.andreas-unterberger.at/2016/11/trumps-team-und-das-europische-anti-trump-team/

*) Dr. Andreas Unterberger ist Publizist und Politikwissenschafter. Er war Chefredakteur der „Presse“ und der „Wiener Zeitung“ und ist heute als freier Publizist und Kolumnist tätig. Autor von Österreichs meist­ge­le­senem Internet-Blog „Andreas Unterbergers nicht ganz unpoli­tis­ches Tagebuch” (www.andreas-unterberger.at) sowie Vorstandsmitglied des Hayek Instituts und des Clubs unab­hängiger Liberaler.
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