„Wir haben es verfickt!“ – 15 Jahre Lügen­rede des unga­ri­schen sozia­lis­ti­schen Ex-Minis­ter­prä­si­denten Gyurcsány

Der ehemalige sozialistische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány · Foto: MTI / László Beliczay

Von Elmar Forster

Pünkt­lich zum 15. Jahrestag der berüch­tigten Gyurcsány-Lügen­rede, am 26.5.2021, erschien ein Film­trailer, der einen der größten poli­ti­schen Skan­dale Ungarns seit 1956 in Erin­ne­rung ruft. (face­book, face­book)

Wir haben morgens, abends und nachts gelogen.“ (Gyurcsány, nol)

Die eigent­lich streng geheime „Lügen­rede“ hielt Ferenc Gyurcsány auf einem internen Parteitag der unga­ri­schen Sozia­listen (MSZP) im unga­ri­schen Bala­tonőszed, am 26.5.2006. Trotzdem wurde sie vier Monate später, am 17.9.2006, in unga­ri­schen Medien ausge­strahlt. Die Rede löste sofort – auch wegen äußerst vulgärer und sexis­ti­scher Formu­lie­rungen – größte Empö­rung im unga­ri­schen Volk aus:

„Wir haben es verfickt. Nicht ein wenig, sondern viel. Es gibt in Europa kein einziges Land, welches das, was wir getan haben, gemacht hat… Dass man in diesem Huren-Land Ungarn nicht den Kopf hinhalten muss.“ (Gyurcsány)

Die folgenden Massen­pro­teste wurden schließ­lich mit brutaler Poli­zei­ge­walt nieder­ge­schlagen. Teil­weise wurde mit Gummi­ge­schossen gezielt auf Gesichts­höhe in die Menschen­menge gefeuert, wobei einem der Demons­tranten das Auge ausge­schossen wurde.

Schon in der Lügen­rede brachte Gyurcsány seine Menschen- und Demo­kra­tie­ver­ach­tung zum Ausdruck: „Es wird Proteste und Demons­tra­tionen geben, sogar vor dem Parla­ment. Aber früher oder später werden sie es leid sein und wieder nach Hause zu gehen.“ (ebd.)

Diesen blind­wü­tigen Hass versteckt die Linke aber nun schon mehr als 170 Jahre (seit Marxens „Kommu­nis­ti­schem Mani­fest“, 1848) erfolg­reich hinter der Gutmen­schen-Maske eines linken Über­men­schen­tums. Dabei war deren größte Lüge…: Dass dieses für Gerech­tig­keit, Soli­da­rität, Gleich­heit, Demo­kratie zu kämpfen vorschob – in Wirk­lich­keit aber wollte es einen obskuren, bolsche­wis­ti­schen Neuen Menschen aus der Retorte eines links-sozia­lis­ti­schen Tota­li­ta­rismus an die Macht putschen. („Linker Hass aus 172 sozia­lis­ti­schen Jahren“)


Linke Pres­se­zensur und Schweigen der EU-Eliten 
zu einem Krypto-Polizeiregime

Die Ereig­nisse (im Westen als faschis­ti­scher Putsch­ver­such darge­stellt) wurden damals nur durch den unga­ri­schen Sender „HirTV“ ausge­strahlt. Die dama­lige EU-Elite nahm sogar 2006 an der 50-Jahr-Gedenk­feier zur Ungarn­re­vo­lu­tion von 1956 teil – völlig abge­schirmt von den Protesten, und ohne ein Ster­bens­wört­chen der Kritik am dama­ligen sozia­lis­tisch-libe­ralen Krypto-Regime: Nämlich, dass sich die unga­ri­schen Sozia­listen ihre Wieder­wahl durch Betrug und Fälschung von Wirt­schafts­sta­tis­tiken erschli­chen und durch brutale Poli­zei­staats­me­thoden gesi­chert hatten (erst vier Jahre später errang Orbán die demo­kra­ti­sche Macht zurück).

www.facebook.com/ELKxRTUK/photos/pb.110599127880387.-2207520000../115413787398921/

Der Film­titel trägt ein geflü­geltes Wort aus Gyurcsánys Lügen­rede: „ELKXRTUK“ – „Ver-fickt“. Die beiden unga­ri­schen Produ­zenten sind Dorottya Helmeczy und Gábor Kélo­mista (Mega­film); der Regis­seur, Keith English, stammt aus England. (index.hu)

„Vermit­teln, was wir durch­ge­macht haben“

Sofort nach Veröf­fent­li­chung des Film-Teasers rief der Polit­thriller großes Inter­esse – vor allem unter Jugend­li­chen – hervor: „Denn ein 30-Jähriger hat heute keine Ahnung mehr von den Ereig­nissen damals.“ (Gábor Kélo­mista – index.hu). Denn trotzdem ist heute der dama­lige Lügen-Premier immer noch poli­tisch tätig als Partei­führer der linken „Demo­kra­ti­schen Koali­tion“: Indem er sich als lustiger Gitar­rist insze­niert und manchmal in der Disco auftaucht.  Obwohl er doch „die größten poli­ti­schen Verbre­chen der Zeit nach dem kommu­nis­ti­schen Regime begangen hat.“ (ebd.) Dabei geht es um eine mora­li­sche Frage: „Was hat dieser Mann immer noch im unga­ri­schen öffent­li­chen Leben zu suchen? Ein Ex-Minis­ter­prä­si­dent, der auf seine eigenen Bürger schießen, Passanten mit Knüppel nieder­schlagen ließ…“ (ebd.) Und der jetzt frech „verspricht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ (ebd.)

Im Film deckt ein ehrgei­ziger Umfra­ge­ex­perte auf, dass sein Vorge­setzter in das Durch­si­ckern der Audio­auf­nahme verwi­ckelt ist. Schließ­lich geraten er und eine befreun­dete Jour­na­listin ins Faden­kreuz eines Polit-Macht­zir­kels. (Hunga­ry­Today)

Linkes Komplott gegen die jetzige Orbán-Regierung ?

Indem der Film also ein Thema abar­beitet, welches „früher tabu war“ (Gabor Kélo­mista– index.hu), wühlt er somit aber in einer ewig blutenden Wunde der unga­ri­schen und euro­päi­schen Linken: Haben sich doch der dama­lige Lügen­pre­mier und Olig­arch Gyurcsány sowie dessen Ehefrau Klára Dobrev daran gemacht, mittels einer poli­tisch perversen links- und rechts(radikalen) Block­op­po­si­tion (inklu­sive der rechts­ra­di­kalen und anti­se­mi­ti­schen Jobbik-Partei) eine vierte Amts­pe­riode von Viktor Orbán (zur Wahl 2021) zu verhin­dern. Nach­trag: Klára Dobrev ist seit 2019 EU-Parla­men­ta­rierin der DK und EU-Parla­ments-Vize­prä­si­dentin. Ihre Groß­el­tern waren tief im stali­nis­ti­schen System veran­kert und mitver­ant­wort­lich für die Hinrich­tung des unga­ri­schen Minis­ter­prä­si­denten Imre Nagy, der die unga­ri­sche 56er-Revo­li­tion anführte. (Wiki­pedia)

Gibt es also eine linke EU-Verschwö­rung und Desin­for­ma­tions- und Verleum­dungs-Kampane gegen die jetzige Orban-Regie­rung ? (Philo­so­phia­Pe­rennisUAndreas Unter­berger)

Dem Film gingen lange Recher­chen voran: U.a. äußerten sich auch ehema­lige linke Partei­mit­glieder, die die dama­lige Lügen­po­litik verab­scheuten und verurteil(t)en… Dass der Film in eine „schmerz­hafte, nicht verheilte histo­ri­schen Wunde“ greift, zeigt sich daran: Die betei­ligten Schau­spieler waren und sind Anfein­dungen und Bedro­hungen aus der linken Kultur- und Polit­szene ausge­setzt. Damit aber kommt ans Licht, dass jene in Wirk­lich­keit ihre eigene unde­mo­kra­ti­sche Gesin­nung auf andere poli­ti­sche Kräfte proji­ziert: Eben „ein erschre­ckender Abdruck davon, was im heutigen unga­ri­schen Kultur­leben vor sich geht.“ (Gábor Kélo­mista – index.hu)

Die offi­zi­elle Reak­tion von Orbans Pres­se­spre­cher: Gyurc­sany , „der vor 15 Jahren gestanden hat, das unga­ri­sche Volk zu belügen … führt immer noch Ungarns linken Flügel. Es gibt keinen anderen Gyurc­sany. Die unga­ri­sche Linke von heute ist die gleiche wie die alte. Es hat sich nichts geän­dert.“ (Hunga­ry­Today)

Was aber noch viel schlimmer ist: Nur durch Unter­stüt­zung der dama­ligen EU-Eliten ist das Gyurc­sany-Krypto-Polizei-Regime noch weitere vier Jahre an der Macht verblieben und hat Ungarn an den Rande des wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Bank­rotts gebracht. Erst die Fidesz-Regie­rung hat Ungarn dann seit 2010 wieder erneuert. Und seit damals (u.a. weil Ungarn den Inter­na­tio­nalen Währungs­fonds ‑IWF – vor die Tür gesetzt hatte) läuft eine hass­erfüllte Lügen­pro­pa­ganda gegen das Land…

Warum wohl nur? – lautet eine naive Frage…

Quelle: Fisch+Fleisch


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