Die stille Zensur des tech­no­glo­balen Zeitalters

Bildquelle: El Correo de España

Von José Papparelli
 

In Artikel 11 der Charta der Grund­rechte der Euro­päi­schen Union mit dem Titel „Meinungs- und Infor­ma­ti­ons­frei­heit“ können wir Folgendes lesen:

  1. Jeder hat das Recht auf freie Meinungs­äu­ße­rung. Dieses Recht schließt die Frei­heit ein, Meinungen zu vertreten und Infor­ma­tionen und Ideen ohne Eingriffe der öffent­li­chen Gewalt und ohne Rück­sicht auf Grenzen zu empfangen und weiterzugeben.
  2. Die Frei­heit der Medien und ihr Plura­lismus werden respektiert.

Diese Rechte werden heute nicht erfüllt, weil in den sozialen Netz­werken, im Radio, Fern­sehen, in den Print- und digi­talen Medien, in der Wissen­schaft, im Bildungs­wesen, in der Unter­hal­tungs­in­dus­trie und sogar in einigen gesell­schafts­po­li­ti­schen Foren dieje­nigen, die nicht mit dem Einheits­dis­kurs der poli­ti­schen Korrekt­heit über­ein­stimmen, dämo­ni­siert, zum Schweigen gebracht und dann aus ihrem gesell­schaft­li­chen Einfluss­be­reich vertrieben werden. Es gibt keine Meinungs­frei­heit und keinen Respekt vor Plura­lismus mehr, in diesem Fall ausgeübt nicht von Seiten der öffent­li­chen Hand, sondern – vorerst – von Seiten privater Unternehmen.

Heute sind es die sozialen Netz­werke und ihr tech­no­lo­gi­scher Rahmen, die darüber entscheiden, wer das Recht hat, Frei­heit auszu­üben und wer nicht. Face­book, Twitter, Insta­gram, YouTube und andere Platt­formen stehen über der noch bestehenden Gesetz­ge­bung der Natio­nal­staaten und setzen die Grenzen der Meinungs­frei­heit nach ihren eigenen Krite­rien. Die sozialen Netz­werke entscheiden, welche Inhalte veröf­fent­licht werden können und welche nicht, welche Nutzer ihre Profile haben dürfen und welche nicht, und das alles mit dem Argu­ment, sie vor allem vor „Hass­reden oder ‑verhalten“ zu bewahren.

Aber wer, wie und nach welchen Krite­rien wird bestimmt, was ein Hass­ver­bre­chen oder ein schi­ka­nöser Inhalt ist? Die Antwort ist einfach: Die heutige Zensur wird von mäch­tigen inter­na­tio­nalen Techno-Finanz­kon­glo­me­raten ausgeübt, die mit der progres­siven Ideo­logie der globa­lis­ti­schen Linken verbunden sind. Der einheit­liche Diskurs hat ein ersti­ckendes Klima des ideo­lo­gi­schen Fana­tismus aufer­legt, in dem die poli­ti­sche Korrekt­heit zu His Master’s Voice des Estab­lish­ments geworden ist. Nichts entgeht dieser beklem­menden Atmo­sphäre, die sich über alles legt und unseren Alltag umgibt, auch wenn wir sie nicht immer mit völliger Klar­heit wahr­nehmen. Es genügt, auf das stän­dige Bombar­de­ment von Botschaften zu achten, die immer in die gleiche Rich­tung gehen und die ein unter­wür­figes, unkri­ti­sches, schwa­ches und selbst­ge­fäl­liges Subjekt formen. Sie versu­chen, einen reinen Konsu­menten zu produ­zieren, nicht mehr von Waren, sondern von Inhalten, die die primärsten Sinne wie Genuss, Komfort und die absur­desten, egois­tischsten, hedo­nis­tischsten und sogar unna­tür­lichsten Launen befriedigen.

Das Aufkommen des rein rela­ti­vis­ti­schen tech­no­glo­balen Zeit­al­ters leugnet die Realität, die Natur und sogar die Wahr­heit, und in dem Politik in Biopo­litik umge­wan­delt wird. Der Turbo­glo­ba­lismus erzwingt ein algo­rith­mi­sches Regime der Kontrolle und Unter­drü­ckung, in dem die Virtua­lität der Netz­werke zuneh­mend das alltäg­liche und reale Leben der Menschen beein­flusst, auch wenn es nicht so scheint, als ob sie neue „dati­fi­zierte“ Subjekte wären, funk­tional für die Dystopie, die von denen erträumt wird, die damit spielen, wie Götter zu sein.

Heute kann alles sein, alles hat seinen Platz, alles ist möglich, was immer der Einzelne wünscht, wie er es wünscht und wann er es wünscht. Das einzige, was nicht erlaubt ist, ist Dissens. Der Anders­den­kende wird buch­stäb­lich aus dieser einen falschen Realität getilgt. Wer es wagt, zu wider­spre­chen oder einfach zu sagen, dass „der König nackt ist“, wird zum „Volks­feind“, zum verding­lichten Untertan, zum Instru­ment des „absolut Bösen“, gebrand­markt mit einer Unzahl disqua­li­fi­zie­render Adjek­tive, die je nach Bequem­lich­keit ange­wandt werden. Daraus ergeben sich neue und schwer­wie­gende Verbre­chen wie „Homo­trans­phobie“ und sogar theo­lo­gi­sche Sünden wie die, sich nicht um den Planeten zu kümmern, der unter dem von der UNO ausge­ru­fenen Klima­not­stand leidet.

Der Vorwurf, ein Rassist oder Sexist zu sein, führt zum Ziviltod oder gar zu einer Frei­heits­strafe, wenn die Unschuld nicht bewiesen werden kann. Die Umkehr der Beweis­last setzt der Gleich­heit vor dem Gesetz und der Gerech­tig­keit, wie sie gedacht war, ein Ende. Und das alles im Rahmen der perma­nenten Pandemie, die zur Konstruk­tion des globalen Über­wa­chungs­re­gimes geführt hat. Der neue Dissi­dent hat keinen Platz in der offenen, inklu­siven, resi­li­enten, nach­hal­tigen, digi­talen, femi­nis­ti­schen und ökolo­gi­schen Gesell­schaft. Aufgrund der Verding­li­chung erzeugt die Elimi­nie­rung des Ketzers der neuen Ersatz­re­li­gion aus der Gesell­schaft keine Gewis­sens­bisse bei denen, die ihn meta­pho­risch hinrichten. Mora­li­sche Über­le­gen­heit befür­wortet sie und die Diskre­tion des Gesetzes schützt sie.

Zensur, aufer­legt durch poli­ti­sche Korrekt­heit und Zwang zur freien Meinungs­äu­ße­rung führen direkt zur erzwun­genen Unifor­mität der Gesell­schaft. Für die neuen progres­siven Inqui­si­toren hat die Ausübung des Rechts auf freie Meinungs­äu­ße­rung eine unüber­wind­bare rote Linie, nicht progressiv zu sein. Noch nie gab es eine so grau­same Tyrannei wie die gegen­wär­tige: die stille globale tech­no­lo­gi­sche Diktatur. Die neue Ordnung verbietet die Äuße­rung von Ideen, die nicht dem Diktat der nach­hal­tigen Entwick­lungs­ziele entspre­chen, in einer Welt, in der die Reichen Welt­raum­tou­rismus betreiben und der Rest Würmer und Kunst­fleisch isst.

Wir haben kürz­lich erlebt, wie Donald Trump buch­stäb­lich aus den sozialen Medien verbannt und von den Medien zum Schweigen gebracht wurde. Twitter hat ihn wegen „Unter­gra­bung der bürger­li­chen Inte­grität und Verherr­li­chung von Hass“ dauer­haft zum Schweigen gebracht. Der Präsi­dent der Verei­nigten Staaten selbst, gwählt mit einer Wahl­be­tei­li­gung von mehr als 70 Millionen Stimmen, ist in dieser Schlacht schließ­lich gefallen. Wenn Big Tech so weit gekommen ist, ist die Gefahr für den Rest von uns Sterb­li­chen konkret und real.

Twitter sperrt perma­nent Benutzer, deren Meinung als falsch erachtet wird. Face­book macht das Gleiche, und die Argu­mente dafür sind ähnlich: Hass­reden, Rassismus, Homo­phobie oder das Infra­ge­stellen der Gewiss­heiten der WHO über Pande­mien oder Impfungen. Und sie tun es zu unserem eigenen Wohl, damit wir nicht unter den Folgen von Fake News leiden müssen. Dazu nutzen sie künst­liche Intel­li­genz und Algo­rithmen, die nach den Krite­rien des Unter­neh­mens unan­ge­mes­sene Inhalte erkennen und Benut­zer­konten sperren oder sogar schließen. El Correo de España und Radio Ya beispiels­weise haben gelitten und leiden noch immer unter den Folgen. Aber wir sind noch da.

Das Gefühl, das wir, die wir in beiden Medien mitar­beiten, haben, ist eine Mischung aus Wut und Ohnmacht, aber auchein Gefühl neuer Kraft. Es ist wahr und offen­sicht­lich, dass die globa­li­täre Macht in einem beschleu­nigten Tempo voran­schreitet, aber sie hinter­lässt auch gewisse Lücken und Risse, die sich öffnen und uns erlauben, Wider­stand zu leisten und uns im Kampf für die wahre Frei­heit zu stärken, die Frei­heit der Menschen, die wissen, wer sie wirk­lich sind und was sie für ihre Kinder wollen.

Wir können es nicht akzep­tieren, gede­mü­tigt und der gleich­för­migen Ordnung unter­worfen zu werden, die die Mäch­tigen dem Sklaven anbieten. Sie wollen nicht nur unsere Frei­heiten abschaffen, sondern auch unseren Geist, und das können wir nicht zulassen. Das Bedürfnis zu rebel­lieren entsteht, weil es eine natür­liche und mensch­liche Reak­tion auf Unter­drü­ckung und Tota­li­ta­rismus ist.

Aber das ist nicht genug, wir müssen auch die Würde des Stolzes wieder­erlangen, die Kinder unserer Eltern und die Eltern unserer Kinder zu sein, wie es von Genera­tion zu Genera­tion bis heute der Fall war. Es wird keine leichte Aufgabe sein, aber das Wich­tigste ist, dass Sie damit beginnen. Und wird sind noch da, wie gestern, wie heute und wie immer.

José Pappa­relli
Italie­nisch-argen­ti­ni­scher Jour­na­list und Lieb­haber der euro­päi­schen Iden­tität, Spaniens und der Hispa­nidad. Ausge­bildet in Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaften und Kultur­ma­nage­ment, ist er ein Analy­tiker des poli­ti­schen, sozialen und kultu­rellen Lebens.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei EL CORREO DE ESPAÑA, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


1 Kommentar

  1. 33.Grad-Freimaurer-Chef Giuliano di Bernardo will per ‚Great Reset‘ zur Welt-Diktatur :

    www.wochenblick.at/bedrohlich-freimaurer-chef-will-per-great-reset-zur-welt-diktatur/

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